Die Sprengmeister vom Kalkberg
Verfasst: 11. Aug 2006, 19:12
Die Sprengmeister vom Kalkberg
Steffen Kühn und Uwe Preuss sorgen mit Feuer und Explosionen für Spannung. Seit sechs Jahren sind die beiden Berliner bei den Karl-May-Spielen Bad Segeberg für die Pyrotechnik zuständig.
Fackeln beleuchten die Szene effektvoll. Winnetou liegt am Boden, seine Sinne schwinden. Tot. Die Fackeln der Indianer um ihn herum gehen wie auf ein geheimes Kommando hin aus. Stille. Die Zuschauer halten den Atem an, nicht wenige greifen zum Taschentuch, um sich die Tränen wegzuwischen. Das Ende von "Winnetou III" ist ergreifend, das langsame Verglühen der Fackeln unterstützt die getragene Stimmung. Steffen Kühn und Uwe Preuß haben sich diesen Trick ausgedacht: Für die beiden Pyrotechniker ist genau dieser Moment der Höhepunkt der aktuellen Karl-May-Inszenierung. An keinem Trick haben sie länger herumprobiert, obwohl es während der Aufführung praktisch in jeder Minute irgendwo knallt, brennt oder explodiert.
Ihr Geld verdienen Steffen Kühn (40) und Uwe Preuß (46) sonst mit der Ausstattung von TV-Shows: Ein kleines Feuerwerk dort, eine Explosion hier - unzählige Sendungen leben von den Einfällen der beiden pfiffigen Berliner. Aber das ist lachhaft gegen die Explosionen in Bad Segeberg. Hier geht es richtig zur Sache. Seit sechs Jahren sind die beiden Berliner bei den Karl-May-Spielen für die Pyrotechnik zuständig. Uwe Preuß, Inhaber der Firma Preuß-Effekte in Berlin, hatte sich damals um diesen Job beworben. Inzwischen weiß die Geschäftsleitung, was sie an diesen beiden Technikern hat.
Alles klappt wie am Schnürchen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Mehrere hundert Meter Leitungen verlaufen, für die Zuschauer unsichtbar, durch den Wilden Westen am Kalkberg. Diese Leitungen liegen fest und bleiben während der ganzen Spielzeit unverändert. Mittels Steckverbindungen werden die jeweiligen Effekte vor den Vorstellungen angebracht.
Schwarzpulver oder Blitzlichtpulver verwenden Preuß und Kühn. Vieles können sie vorgefertigt kaufen. Manchmal sind es auch Zutaten, die ein Laie bei derartigen Aktionen nie vermuten würde: Die große Explosion in Eisenbahnstation auf der rechten Bühnenseite zum Beispiel wird erst durch Blütenstaub so richtig schön. Hier herrschen sekundenlang Temperaturen von mehreren 100 Grad. Das kann gefährlich werden, aber die beiden Pyrotechniker haben alles im Griff: Sie stehen hinter den Kulissen und lösen die Explosionen per Funk aus. Dabei achten sie ganz genau darauf, dass kein Schauspieler mehr in der Nähe ist. "Wir verzichten lieber auf eine Explosion, ehe wir Menschen gefährden", stellt Uwe Preuß mit Entschiedenheit fest.
Ein tolles Kunststück ist den beiden Pyrotechnikern auf der gegenüberliegenden Bühnenseite gelungen. Dort schlägt ein Blitz ein, der sich wie eine Kugel bis zur Telegrafenstation fortpflanzt und eine Explosion verursacht. Regelmäßig belohnt das Publikum diesen Effekt mit Beifall. Preuß freut sich, aber winkt ab: "Es gibt schwierigere Sachen." Natürlich "rollt" der Feuerball über eine Leitung ins Tal.
Viel, viel schwieriger war die Sache mit der verlöschenden Fackeln beim Ableben Winnetous. Wochenlang mussten die beiden hin und her überlegen, wie das funktionieren könnte. Die Lösung war fast banal: Die brennenden Fackeln rutschen, ausgelöst von den Trägern, in eine Hülse. Aus und dunkel.
Überall hinter der Bühne sind Feuerlöscher verteilt und Wasserschläuche ausgerollt. Für den Fall des Falles. Aber die Pyrotechniker haben alles gut präpariert: Holz ist, wo möglich, mit Blech ausgeschlagen oder zumindest präpariert, damit Funken keinen Schaden anrichten könnten. Uwe Preuß und Steffen Kühn haben alles im Griff. Und einen Spickzettel benötigen sie auch nicht mehr: Sie wissen spätestens seit der Premiere ganz genau, wann sie wo welche Explosionen auslösen müssen. Teils arbeiten sie auf Sicht, manchmal bekommen sie das Kommando per Funk vom Regieturm hinter den Zuschauerrängen. "Es läuft alles wie am Schnürchen", sagt Steffen Kühn. "Wir müssen gelegentlich aufpassen, dass wir uns hinter der Bühne nicht verquatschen." Bisher lief alles glatt.
Das pyrotechnische Material lagert in einem Blechhäuschen hinter den Kulissen. Aber Uwe Preuß ist vorsichtig: Wenn er am Mittwoch aus Berlin zurückkommt, hat er immer nur das Material dabei, das für die sieben Vorstellungen bis Sonntag benötigt wird. Eine kleine Reserve inbegriffen. Er ist über die TV-Requisite zur Pyrotechnik gekommen, hat zahlreiche Lehrgänge absolviert und sich schließlich 1993 selbstständig gemacht. "Die Konkurrenz ist inzwischen groß", sagt er. "Viele bieten sich zu Dumpingpreisen an." Sein Plus ist aber die Erfahrung aus vielen Sendungen und Aufführungen. Während der Karl-May-Spiele zum Beispiel absolvierte er einen Auftrag auf Mallorca: Die Aufzeichnung der "Ballermann-Hits" für RTL wird durch seine Effekte erst richtig schön. Das ist es, was Steffen Kühn an seinem Beruf so liebt: "Es wird nie langweilig. Und wir kommen mit vielen interessanten Menschen zusammen."
(Quelle: http://www.abendblatt.de)
09.08.06 / Autor: Frank Knittermeier
Steffen Kühn und Uwe Preuss sorgen mit Feuer und Explosionen für Spannung. Seit sechs Jahren sind die beiden Berliner bei den Karl-May-Spielen Bad Segeberg für die Pyrotechnik zuständig.
Fackeln beleuchten die Szene effektvoll. Winnetou liegt am Boden, seine Sinne schwinden. Tot. Die Fackeln der Indianer um ihn herum gehen wie auf ein geheimes Kommando hin aus. Stille. Die Zuschauer halten den Atem an, nicht wenige greifen zum Taschentuch, um sich die Tränen wegzuwischen. Das Ende von "Winnetou III" ist ergreifend, das langsame Verglühen der Fackeln unterstützt die getragene Stimmung. Steffen Kühn und Uwe Preuß haben sich diesen Trick ausgedacht: Für die beiden Pyrotechniker ist genau dieser Moment der Höhepunkt der aktuellen Karl-May-Inszenierung. An keinem Trick haben sie länger herumprobiert, obwohl es während der Aufführung praktisch in jeder Minute irgendwo knallt, brennt oder explodiert.
Ihr Geld verdienen Steffen Kühn (40) und Uwe Preuß (46) sonst mit der Ausstattung von TV-Shows: Ein kleines Feuerwerk dort, eine Explosion hier - unzählige Sendungen leben von den Einfällen der beiden pfiffigen Berliner. Aber das ist lachhaft gegen die Explosionen in Bad Segeberg. Hier geht es richtig zur Sache. Seit sechs Jahren sind die beiden Berliner bei den Karl-May-Spielen für die Pyrotechnik zuständig. Uwe Preuß, Inhaber der Firma Preuß-Effekte in Berlin, hatte sich damals um diesen Job beworben. Inzwischen weiß die Geschäftsleitung, was sie an diesen beiden Technikern hat.
Alles klappt wie am Schnürchen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Mehrere hundert Meter Leitungen verlaufen, für die Zuschauer unsichtbar, durch den Wilden Westen am Kalkberg. Diese Leitungen liegen fest und bleiben während der ganzen Spielzeit unverändert. Mittels Steckverbindungen werden die jeweiligen Effekte vor den Vorstellungen angebracht.
Schwarzpulver oder Blitzlichtpulver verwenden Preuß und Kühn. Vieles können sie vorgefertigt kaufen. Manchmal sind es auch Zutaten, die ein Laie bei derartigen Aktionen nie vermuten würde: Die große Explosion in Eisenbahnstation auf der rechten Bühnenseite zum Beispiel wird erst durch Blütenstaub so richtig schön. Hier herrschen sekundenlang Temperaturen von mehreren 100 Grad. Das kann gefährlich werden, aber die beiden Pyrotechniker haben alles im Griff: Sie stehen hinter den Kulissen und lösen die Explosionen per Funk aus. Dabei achten sie ganz genau darauf, dass kein Schauspieler mehr in der Nähe ist. "Wir verzichten lieber auf eine Explosion, ehe wir Menschen gefährden", stellt Uwe Preuß mit Entschiedenheit fest.
Ein tolles Kunststück ist den beiden Pyrotechnikern auf der gegenüberliegenden Bühnenseite gelungen. Dort schlägt ein Blitz ein, der sich wie eine Kugel bis zur Telegrafenstation fortpflanzt und eine Explosion verursacht. Regelmäßig belohnt das Publikum diesen Effekt mit Beifall. Preuß freut sich, aber winkt ab: "Es gibt schwierigere Sachen." Natürlich "rollt" der Feuerball über eine Leitung ins Tal.
Viel, viel schwieriger war die Sache mit der verlöschenden Fackeln beim Ableben Winnetous. Wochenlang mussten die beiden hin und her überlegen, wie das funktionieren könnte. Die Lösung war fast banal: Die brennenden Fackeln rutschen, ausgelöst von den Trägern, in eine Hülse. Aus und dunkel.
Überall hinter der Bühne sind Feuerlöscher verteilt und Wasserschläuche ausgerollt. Für den Fall des Falles. Aber die Pyrotechniker haben alles gut präpariert: Holz ist, wo möglich, mit Blech ausgeschlagen oder zumindest präpariert, damit Funken keinen Schaden anrichten könnten. Uwe Preuß und Steffen Kühn haben alles im Griff. Und einen Spickzettel benötigen sie auch nicht mehr: Sie wissen spätestens seit der Premiere ganz genau, wann sie wo welche Explosionen auslösen müssen. Teils arbeiten sie auf Sicht, manchmal bekommen sie das Kommando per Funk vom Regieturm hinter den Zuschauerrängen. "Es läuft alles wie am Schnürchen", sagt Steffen Kühn. "Wir müssen gelegentlich aufpassen, dass wir uns hinter der Bühne nicht verquatschen." Bisher lief alles glatt.
Das pyrotechnische Material lagert in einem Blechhäuschen hinter den Kulissen. Aber Uwe Preuß ist vorsichtig: Wenn er am Mittwoch aus Berlin zurückkommt, hat er immer nur das Material dabei, das für die sieben Vorstellungen bis Sonntag benötigt wird. Eine kleine Reserve inbegriffen. Er ist über die TV-Requisite zur Pyrotechnik gekommen, hat zahlreiche Lehrgänge absolviert und sich schließlich 1993 selbstständig gemacht. "Die Konkurrenz ist inzwischen groß", sagt er. "Viele bieten sich zu Dumpingpreisen an." Sein Plus ist aber die Erfahrung aus vielen Sendungen und Aufführungen. Während der Karl-May-Spiele zum Beispiel absolvierte er einen Auftrag auf Mallorca: Die Aufzeichnung der "Ballermann-Hits" für RTL wird durch seine Effekte erst richtig schön. Das ist es, was Steffen Kühn an seinem Beruf so liebt: "Es wird nie langweilig. Und wir kommen mit vielen interessanten Menschen zusammen."
(Quelle: http://www.abendblatt.de)
09.08.06 / Autor: Frank Knittermeier