Achtung, wer die Aufführung noch sehen möchte, sollte jetzt besser nicht weiterlesen.
Am vergangenem Wochenende war die Prämiere von "Unter Geiern" in Winzendorf. Gespielt wird dort frei nach Karl May. Bereits letztes Jahr war ich von dem neuen Ensemble in Winzendorf sehr angetan, doch heuer wurde das ganze noch mal getoppt. Zur Geschichte:
In einigen Gebieten Nordamerikas herrscht gegen Ende des 19. Jahrhunderts weder Recht noch Ordnung. Siedler drängen nach dem Westen, Banditen treiben ihr Unwesen, es gibt Indianeraufstände wegen der Landvertreibungen und auch der Ku-Klux-Klan reitet mordend durch den Süden der Vereinigten Staaten. Diesen Umstand machen sich ein skrupelloser Bandit namens Tobias Preisegott Burton und seine Geliebte Annie zu Nutze, um sowohl die Indianer aus ihren Dörfern als auch die Bewohner der kleinen Stadt San Jose zu vertreiben. Deren Absicht ist es nämlich, von der Regierung Geld für nicht besiedeltes Land zu bekommen. Winnetou, Old Shatterhand und Sam Hawkens haben alle Hände voll zu tun, um den Banditen das Handwerk zu legen und um den Anführer des Ku-Klux-Klan zu entlarven. Sie haben einen unbekannten Verbündeten, den Geist des Llano Estacado, der die Banditen ebenfalls verfolgt, und dessen Gesicht stets mit einer indianischen Geistermaske verdeckt ist.
In Winzendorf wird heuer ganz großes Freilichttheater geboten. Die Story ist gut durchdacht und geht mit dem tollen Soundtrack richtig unter die Haut. Die Rollen sind allesamt gut besetzt. Gleich zu Beginn gibt es eine Überraschung: Regine Rieger, die man letztes Jahr als gutmütige Rosita sehen konnte, schlüpft diesmal in die Rolle des weiblichen Bösewichts und tötet wehrlose Indianer. Doch im Laufe des Stückes wird ihr klar, dass es falsch ist, was sie tut (den Grund für diese Sinnesänderung verrate ich nicht), und so stellt sie sich im Showdown dann gegen Burton.
Georg Blume, der den Burton verkörpert, kann in diesem Stück sein ganzes schauspielerisches Talent unter Beweis stellen. Die wohl größte Überraschung dürfte aber der 11-jährige Lukas Millauer sein, der für sein junges Alter so manchen Erwachsenen an die Wand spielt. Kompliment !!! Er verkörpert einen Waisenjungen, dessen Eltern von Burton ermordet wurden. Bloody Fox fand ihn erschöpft im Llano Estacado, und seither lebt der Junge bei ihm.
Sam Hawkens – erneut dargestellt von Rainer Vogel - reitet an der Seite Old Shatterhands und ist diesmal im Vergleich zum letzten Jahr mehr am direkten Geschehen beteiligt. Seine humorvollen Äußerungen halten sich in Grenzen. Die Abteilung Humor und Komik wird von den Detektiven Hoffmann & Hoffmann übernommen, die das Geheimnis um den Geist des Llano Estacado lüften wollen. Als Führer heuern sie einen versoffenen Sheriff an, der von Ingolf Wiesner gespielt wird. Im Vergleich zu letztem Jahr wurde heuer mit der Komik nicht ganz so dick aufgetragen.
Schallenberg und Urban glänzen als Blutsbrüderpaar. In einer Szene rettet Old Shatterhand Winnetou das Leben, als dieser des Mordes an dem Häuptling der Komantschen beschuldigt wird. In einer anderen Szene kommt Winnetou genau im richtigen Moment, als man Old Shatterhand und Sam Hawkens am Galgen aufhängen will. Das sind Momente, die mir als eingefleischten Karl-May-Fan das Herz höher schlagen lassen.
Übrigens hat Schallenberg eine neue Perücke mit längerem Haar bekommen, so dass er heuer auch um einiges besser aussieht.
Es müssen aber auch noch die düsteren Szenen erwähnt werden, wo das Stück richtig unheimlich wirkt. Da wird z.B. eine Indianerin vom Ku-Klux-Klan an einem brennendem Kreuz verbrannt. Überhaupt wirkt es sehr furchteinflößend, wenn die maskierten Gangster über die Bühne reiten. In der zweiten Hälfte kommt es dann zu einem Überfall auf die Stadt: im Hintergrund sieht man die Naturfelsen, auf dem plötzlich überall maskierte Ku-Klux-Klan Männer auftauchen und die Stadt unter Beschuss nehmen – das wirkt geradezu gespenstisch.
Kompliment zu dieser gelungenen Aufführung. Winzendorf ist heuer absolut sehenswert und muss sich keineswegs hinter den großen deutschen Bühnen verstecken. Hut ab!
Winzendorf 2009 - Unter Geiern
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Licata
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Re: Winzendorf 2009 - Unter Geiern
Licata hat geschrieben:
Kompliment zu dieser gelungenen Aufführung. Winzendorf ist heuer absolut sehenswert und muss sich keineswegs hinter den großen deutschen Bühnen verstecken. Hut ab!
Warum soll sich irgendeine Bühne verstecken?
Es gibt dazu nicht den geringsten Grund.
Einige Bühnen haben nur den Vorteil da sie schon länger existieren bekannter sind.
Das ist dann auch schon alles.
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Licata
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Re: Winzendorf 2009 - Unter Geiern
Stimmt, da hast Du natürlich recht. So war es auch nicht gemeint. Nur leider ist es ja oft so, dass die österreichischen Bühnen in Deutschland allgemein kaum wahrgenommen werden (mal abgesehen von den Nutzern dieses Forums). Und Winzendorf und Weitensfeld liegt für so manchen deutschen Karl-May-Fan ja nicht gerade um die Ecke.Norbert.S hat geschrieben: Warum soll sich irgendeine Bühne verstecken?
Es gibt dazu nicht den geringsten Grund.