Sollte Sandhofer das „Was willst Du?“ so gemeint haben dass es müßig ist, auf alles, was so gesagt und geschrieben wird, einzugehen, ist ihm m.E. vorbehaltlos zuzustimmen. Ich arbeite auch daran, vielleicht lerne ich es noch. Wenn man auf alles, was [auch] über Karl May so zu lesen ist (diese Publikationen …) reagieren würde, wäre man wirklich überbeschäftigt. Da sorgt man besser für sich selbst und kommt ein bisserl zur Ruhe.
Auch Reich-Ranicki hat Recht mit seiner „etwas zweideutigen Äußerung“, aber vielleicht ein wenig anders, als er es gemeint hat … (auch unter literarischen Akademikern gibt es ja Leute die z.B. Hemingway für eine Art höheren (oder auch nicht) Raufbold halten und nicht realisieren dass das ein sehr sensibler & sensitiver Mann war der, vielleicht aus einem gewissen Selbstschutz heraus, sich manchmal offenbar so eine Art scheinbare Hauruck-Attitüde verordnet hat. Genauso erkennt nicht jeder, dass es auch bei May halt nicht auf Stil (den hat er halt schon mal vernachlässigt, weil er a bisserl gschlampert und in der Hinsicht nicht allzu ehrgeizig war), sondern auf Inhalt ankommt. Bzw. das, was hinter dem Inhalt ist).
Bloch hat wunderschöne Dinge über Karl May geschrieben, die von tiefem Verständnis zeugen. Hinsichtlich des Spätwerks hat er es sich ein bisschen zu einfach gemacht (von wegen „verloren“), mir gefallen Bände wie „Durch die Wüste“ und „Von Bagdad nach Stambul“ zwar auch deutlich besser als „Ardistan und Dschinnistan“, bei dessen letzter Lektüre der Lustgewinn sich eher in Grenzen hielt, aber es einfach in Bausch und Bogen so abtun, ist für einen Bloch etwas erstaunlich. Aber dass Bloch insgesamt das feinere Verständnis gehabt haben dürfte als Reich-Ranicki, setze ich mal voraus.
Mit seinem Spruch von den besten Erzählern und dem verwirrten Proleten hat es Bloch übrigens meiner bescheidenen Meinung nach auf den Punkt getroffen. Auch der Spruch wird gemeinhin vermutlich missverstanden, weil die Leute zu sehr in ihren Mustern denken und „arm“, „verwirrt“ und „Prolet“ gleich negativ besetzen, so hat Bloch es aber nicht gemeint, sondern einfach genau hingeguckt und erkannt und gut formuliert, was Sache ist. Sozusagen.
Storm, warum nicht. Dessen Immensee (Immens, ee ?), zeitlos (die Elisabethen, faden Ehemänner und Wasserlilien (da gerät einer ganz schön ins Schwimmen; der Literaturkalauer zum Donnerstag) haben sich im Wesentlichen im Laufe der Zeit nicht allzu sehr verändert) wie alle wesentlichen Werke, ist eines dieser Werke (ganz schlecht, 2 x Werke hintereinander. Aber was soll ich sonst schreiben. Nein, „Texte“ auch nicht, es könnte ja auch ein Musikstück oder ein Bild sein), die mir seit einigen Jahrzehnten recht präsent im Kopf sind, obwohl die Lektüre wirklich Jahrzehnte her ist.
Literatur ist halt oft Geschmackssache (ich bin jetzt nicht bei den sogenannten objektiven Kriterien, bei Stilrichtungen, Epochen oder sonstigen Schubladen, die haben mich noch nie interessiert), den einen ERREICHT ein Text (darauf kommt es an), den anderen nicht. Ist ja in Ordnung. Das soll nun auch nicht heißen dass der den ein Text erreicht klüger ist als der den er nicht erreicht, den erreicht dann halt wieder ein anderer der den anderen nicht erreicht (alles klar ?), da haben wir wieder diesen Flickenteppich (dieser wunderbare Vergleich wird mich lebenslänglich nicht mehr loslassen), es gibt eben nicht nur gut oder nur böse oder nur schwarz oder nur weiß oder nur unklug oder nur klug usw. usf., sondern es mischt sich immer. Alles. Genauso wie ich Reich-Ranicki einerseits in Sachen Storm Recht gebe, ihn auch durchaus für einen klugen und belesenen Mann halte und ihm andererseits die Befähigung, Karl May wirklich beurteilen zu können, schlichtweg abspreche, oder ernstgemeinte Äußerungen eines anderen gelegentlich für an der Grenze zum groben Unfug angesiedelt und dann wieder (andere, vom selben) für großartig halte (mal so mal so halt). Oder denken wir an Schachmeister Labourdonnais, der Satz fällt mir auch gelegentlich immer wieder ein („War doch dieser Mann, so ungebührlich er sich auch benahm, der einzige, gegen den zu spielen sich lohnte“ …)
;-)
Warum haben die sogenannten professionellen Leser nur immer ein Problem mit guter Unterhaltungsliteratur?
Immer dann, wenn sie sie nicht wirklich verstehen. Oder zu sehr dem „Lagerdenken“ verhaftet sind (Mir san mir). Da lob ich mir den Bloch. – Obwohl, der verstand bzw. mochte ihn ja … Mangelnde Objektivität wird das Problem sein. Ich z.B. kann zwar mit Hermann Hesse allerhand anfangen, aber nicht mit Jean Paul. Ich würde aber nie so weit gehen zu sagen Jean Paul ist Käse. Nein, ich sage nur, er liegt mir persönlich nicht. Was nichts heißen will.