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Verfasst: 26. Apr 2007, 11:38
von JennyFlorstedt
Ich hab auch den Faden verloren.
Mir ging es um das "rühmen".
"Mathematische Vollidioten" gibt es sicherlich (ich zähl mich da auch freiwillig dazu); aber sich dessen "rühmen" würden sie sich sicherlich nicht. Ich tu es jedenfalls nicht.
Die, die heutzutage stolz darauf sind, etwas NICHT zu können, können meistens andere Sachen auch nicht - zum Beispiel Bücher über kluge andere Menschen schreiben.
Ich unterschreib gern jede Unterteilung in Naturwissenschaftler und Schöngeister - aber so stolz auf eine Fähigkeit zu sein, dass man sich rühmt, eine andere nicht zu beherrschen, dass traue ich keinem der von Dir genannten Menschen zu.
ta
Verfasst: 26. Apr 2007, 12:00
von Hermesmeier
sandhofer hat geschrieben:Gegen wen oder was?

Gegen die These, das Geistes- und Naturwissenschaftlicher jeweils unter sich bleiben.
@Jenny:
Leider ist es so, dass gewisse 'Geistesgrößen' sich durchaus rühmen etwas nicht zu können, vorzugsweise in der Öffentlichkeit. Es gehört doch zum guten Ton in Talkshows damit zu kokettieren, dass man in Mathematik eine Niete war. Man versichert es sich geradezu gegenseitig als vertrauensbildende Maßnahme.
Da fragt man sich doch ratlos, welche Geisteshaltung dazu führt, auf diesen an sich beklagenswerten Umstand auch noch stolz zu sein. Umgekehrt habe ich noch nie jemanden mit Stolz verkünden hören, er habe Goethes "Faust" noch nie gelesen.
Verfasst: 26. Apr 2007, 12:13
von JennyFlorstedt
Ha! Doch, kommt zunehmend vor.
Widerlich.
Und ich mag weder die einen noch die anderen. :-]
Mit "beklagenswerter Geisteshaltung" hast Du es auf den Punkt gebracht.
Es ist übrigens erstaunlich, wieviele Naturwissenschaftlicher sich in der May-Szene tummeln. Kennt jemand die Quote bei den Goethe-Gesellschaften?
ta
Verfasst: 26. Apr 2007, 12:33
von sandhofer
Rüdiger hat geschrieben:so ein dummer Witz
Na, da sind sich die Herrschaften Bildungsbürger und Süffisanzkomiker untereinander ja wieder prima einig. Da will ich mal nicht weiter stören.
Jetzt is' er beleidigt - und ich weiss wieder mal nicht warum ... Die Frauen und den Rüdiger - ich werd' sie, glaube ich, nie verstehen ... ;o)
Verfasst: 26. Apr 2007, 12:35
von JennyFlorstedt
Ich krieg die Kurve:
Karl May hat ja am Ende der Orientreise in Venedigt Richard Wagners Sterbezimmer besucht => "Tiefbewegt. Künstlerwallen".
:)
ta
Verfasst: 26. Apr 2007, 13:22
von Rüdiger
@Faust u.a.
GELESEN haben den „Faust“ (u.v.a.) freilich viele, viele …
VERSTANDEN vielleicht eine Handvoll …
Sonst würden die vielen vielen anderen, darunter jede Menge Halb- und Voll-Akademiker (herrlich bezeichnendes erbärmliches Wort) nicht immer so tumben und geistige Übelkeit verursachenden Unfug daherfaseln und ihre geistige Schwerstbehindertheit nicht so hemmungs- und ahnungslos zur Schau stellen, tagaus, tagein …
Merke: um in dieser Gesellschaft als Literat qualifiziert zu sein muß der kleine & große Bildungsbürger in Sachen Faust: Goethes Lebensdaten wissen, wo er geboren wurde, gelebt hat und gestorben ist, die Titel seiner Werke, die Einordnung in die jeweilige kulturelle und literarische Epoche, Stilrichtung usw., also alles was jeder lernen bzw. eintrichtern kann, das ist schon mindestens die halbe Miete. Und 1 x gelesen haben (am besten in der Schule: „Was will uns der Dichter damit sagen ?“, unter Hilfestellung von Königs Erläuterungen). Verstehen braucht er nichts.
Karl May dürfte von Kunst und Künstlern mehr verstanden haben („Man sieht nur mit dem Herzen gut“) als mancher akademische Faselhans oder Schwatzbaron.
Kulturpessimismus angesagt heute: auch „erwachsene Menschen“ zeigen sich immer mal wieder in ihrer alten Gestalt, z.B. als niveaulose dumme Gören, die man vorm geistigen Auge regelrecht in billigster Häme grinsen und mit dem Füßchen stampfen sieht. Wie die kleinen Monster früher in der Grundschule.
*
Nein! Ich ärgere mich nicht,
ärgern ist ungesund, ist unwissenschaftlich!
Ich bin ganz ruhig, mein Puls
hat seine gewöhnlichen Sechzig, behüt,
wer wird sich über einen Menschen ärgern!
Wenn es noch ein Molch wäre,
der einem unpässlich wird.
Alban Berg, Wozzeck
*
In gelöster Entspanntheit freundlich mit dem virtuellen Taschentuche winkend
Hans im Glück
Verfasst: 26. Apr 2007, 17:16
von IDDOC
Also ich fand Sandhofer's Antwort ausgesprochen schlagfertig.
Ich wollte nie behaupten,dass man Geisteswissenschaften abschaffen sollte.Ich sehe das wie Sport,macht Spass und unterhaelt, aber man kaemme im Zweifelsfall auch ohne aus.
Man stelle sich vor morgen wuerden alle mathematischen Fakultaeten geschlossen,dann gaebe es wohl bald nichts mehr zu exportieren,schliesse man aber im Gegenzug alle literaturwissenschaftlichen und philosophischen Fakultaeten wuerden wohl nur die Berufsschoengeister klagen aber ansonsten haette es keine signifikanten Auswirkungen.
Ich frage mich ab ein Ingenieur in China,der gerade versucht eine deutsche Maschine nachzubauen,Goethe's Faust gelesen hat.
Ihr Deutschen seid schon ein Volk voller Widersprueche,da habt ihr noch die besten Ingenieure der Welt und dann beamtet ihr eure Lehrer.
Da ich nie aufhoere ,deutsch zu lernen muss ich mich bei Ruediger und Jenny bedanken fuer "Schoengeister","Faselhans und Schwatzbaron".
Toll
Verfasst: 27. Apr 2007, 18:57
von Rolf Dernen
IDDOC hat geschrieben:ich wundere mich doch sehr wie produktiv der KMV ist,jahrelang nichts Neues und jetzt ein Buch nach dem anderen.
Eine Neuauflage von Klussmeier's Buch wuerde ich gerne kaufen auch Mays Briefwechsel mit Fehsenfeld ist sicher interessant.
Trotzdem kaufen wuerde ich mir die Baende kaum.
Verdient der KMV den tatsaechlich Geld mit der Herausgabe solcher Buecher ?
Hallo!
Durch die Diskussion, ob der wahre Intellektuelle der ist, der den "Faust" nicht nur zitieren sondern auch auf Anhieb interpretieren, oder doch eher jener, der die nichteuklidische Geometrie erklären kann (Arno Schmidt konnte beides, und der war Autodidakt), sind obige Fragen untergegangen.
Aber erstmal: "Jahrelang nichts Neues" vom KMV? Was ist mit "Durch Himmel und Hölle (2003), Orientreisebuch ( 2004), "Traumwelten I" (2004), "Lukullistan" (2005), um nur einige zu nennen. "Ardistan & Dschinnistan" in der ambitionierten Ausgabe nach dem Manuskript wäre auch noch zu erwähnen. Ganz abgesehen von den Bänden der Reihe der gesammelten Werke Nr. 84 bis 87.
Ob der KMV damit Geld verdient? Da muß ich mal wieder sagen: für mich persönlich ist das uninteressant. ich freue mich über die gut gemachte Bücher (und zucke die Schulter über die überflüssigen, wie etwa "An der Quelle des Löwen"). Allerdings möchte ich annehmen, daß man sich in Bamberg nicht nur aus reiner Liebe zu den Karl-May-Feunden anstrengt, interessante Bücher zu machen.
Grüße
Rolf Dernen
Verfasst: 27. Apr 2007, 20:09
von StefanS
Ich denke schon, dass der KMV mit diesen Büchern noch gutes Geld verdient. "Der Bowie-Pater" ist im letzten Jahr in zweiter Auflage (15. T) erschienen und Band 85-87 haben ja auch immerhin eine Startauflage von 10.000 Stück. Bücher wie "An der Quelle des Löwen" und "Durchs wilde Lukullistan" sind meiner Meinung nach tatsächlich überflüssig, laut KMV erscheinen die ja auch nur in 3000 Exemplaren (ob diese aber innerhalb von 3 oder 4 Jahren alle verkauft werden können, ist wieder eine andere Frage).
Ich jedenfalls begrüße die geplanten Neuveröffentlichungen sehr, besonders "Deadly Dust (88)" und "Traumwelten III", wobei ersteres sich sogar recht gut verkaufen könnte (Anglizismen stehen nowadays total im Trend und Geschichten mit Winnetou "gingen" schon immer etwas besser als andere).
Das Buch von Klußmeier gehört sicherlich auch zu den "Highlights" des KMVs, als Schüler ohne festes Einkommen stellt sich mir nur immer die Frage, ob mein schmales Budget für so etwas ausreicht.
Verfasst: 28. Apr 2007, 05:56
von IDDOC
Ich erinnere mich noch an die Zeit wo es nach dem 73.Band der ges.Werke jahrzehntelang nichts mehr gab.
Ich nehme an seit KM nicht mehr so gut verkauft wird,wird jetzt alles verwertet.
Geld muss dabei noch zu verdienen sein,obwohl eine Auflage von 10.000 bringt ja nicht mehr das grosse Geld.
Vielleicht mag der neue Besitzer(Schmid in 3.Generation) seinen Autor auch einfach und ist deshalb nicht nur an der bottom line interessiert.
Aporopos "Deadly Dust".Ich habe meine Soehne und Tochter mal Winnetou I lesen lassen,in englischer Uebersetzung.
Das Interesse war gleich null,liegt daran,dass Amerikaner von der Geschichte des Westens und den Indianern ein voellig andere Vorstellung haben und KM Vision der edlen roten Rasse seiner bluehenden Fantasie entspringt.
Fuer meine Kinder sind die Apachen versoffene Sozialhilfeempfaenger,die sie mit eigenen Augen in Arizona gesehen haben.Wenn schon ins Englische uebersetzen dann doch lieber die Orientromane.
Was die anglicisms angeht,Fremdworte gibt's doch schon seit Jahrhunderten,statt arabisch,franzoesisch oder lateinisch sind es jetzt eben englische,das us-englische benutzt im uebrigen eine ganze Reihe deutscher Lehnwoerter.
Verfasst: 10. Mai 2007, 18:43
von StefanS
Der KMV hat nun auf seiner Homepage alle Neuerscheinungen des laufenden Jahres bekannt gegeben.
Neben der gigantischen Bildbiografie von Gerhard Klußmeier (Din- A4-Format, 592 Seiten, 98€) und dem "Briefwechsel mit Friedrich Ernst Fehsenfeld" (GW Bd.91, ca. 560 Seiten, 15,90€), sollen die GW Bde. 1-3, 7, 14, 24, 35, 36, 64 nun auch als Hörbuch für Mp3-Player erscheinen, und zwar als ungekürzte Fassung(!).
Verfasst: 10. Mai 2007, 19:02
von Rüdiger
Auf die Briefbände bin ich regelrecht heiß, um es noch einigermaßen seriös auszudrücken, und finde es wirklich großartig, dass sie jetzt veröffentlicht werden. - Es wird, nach Coué und Horvath, immer besser …
Und der Bildband … Bei dem Film-Bildband seinerzeit für zweihundert Märker habe ich ja noch Glück gehabt, dass das nicht mein Interessensgebiet war, aber diesmal bin ich fällig …
;-)