Ich wiederhol mich ja immer wieder gerne - Karl May ist das eine, die Festspiele sind das andere. Beides zusammen geht nur wenn mehr Bezug auf Karl May genommen wird (was ja in Rathen allen Anschein nach geschieht).
Sicherlich gibt es den Ur-May auf keiner Bühne zu sehen (selbst Rathen muss in seiner Interpretation des "Schatz im Silbersee" Zugeständnisse an die beschränkten Möglichkeiten der Spielstätte machen). Aber die Werte von Treue, Freundschaft und Ehrlichkeit bekommt auch eine Bühne wie Segeberg oder Elspe vermittelt.
Mag sein daß es in Segeberg vielen gefallen hat, der Zuschauerrekord lügt ja nicht (wobei Quantität für mich noch lange nicht Qualität ist). Jedoch unterstelle ich jetzt einfach mal daß viele der Zuschauer nicht in erster Linie wegen Karl May dort waren, sondern wegen dem Spektakel an sich. Ich glaube auch daß die wenigsten von denen jemals ein Karl-May-Buch in den Händen hatte, geschweigedenn gelesen
Ich möchte es so sagen: die Qualität war ausreichend genug, ein Rekordergebnis zu erzählen - also war sie immerhin hoch genug, um eine historisch einmalige Zahl von Besuchern nach Bad Segeberg zu locken.
Tatsächlich würde es sich bestimmt lohnen, einmal die Motive für den Besuch einer Karl May Bühne zu ermitteln - das wäre doch mal ein lohnenswertes Projekt für die KM Magazin Redaktion - und damit wohl auch der einzige Weg, Behauptungen und Theorien durch entsprechende Fakten zu ersetzen.
Nun, zumindest meine Kinder fühlten sich erst nach dem Besuch einer Karl May Bühen motiviert, auch mal ein Buch des Maysters zu lesen. Für den Rest der Welt kann ich nicht sprechen.
Aber darum gehts ja nicht. Es geht lediglich darum daß Karl May und sein Werk und die (vor allem die bekannten) Festspiele zwei verschiedene Paar Schuhe sind.
Ach und eh ichs vergesse: Daß Karl May kein Jugendschriftsteller war dürfte mittlerweile jedem klar sein, auch kein Onkel für die Familienunterhaltung, das war er auch alles, aber nicht nur. Aber in erster Linie, da schrieb er nur...für sich!!! Wer das nicht begreifft...
Und Kolportageromane für Kinder...??? Glaub jetzt sträuben sich wieder meine Nackenhaare daß es nur so knistert;-)).
Stimmt, das Werk Mays ist zu vielschichtig, seine Motive zu wechselhaft und auch seine Zielsetzung zu variierend - trotzdem finde ich, dass sich Teile seines Schaffens und seiner Botschaften unverändert deutlich auf den Bühnen wiederfinden.
Wieso ist May kein Jugendschriftsteller? Hat er für sich in Anspruch genommen, nur für eine bestimmte Altersklasse zu schreiben?.. Ach moment, da hast Du ja schon selbst relativert.
Wieso sollte überraschend sein, dass der Autor primär für sich selbst und den eigenen Geldbeutel gearbeitet hat... das dürfte wohl bei der Mehrheit aller Autoren zu allen Zeiten gegolten haben.
Was die Kolportageromane angeht: es dürfte doch wohl illusorisch sein zu glauben, dass Kinder und Jugendliche, wenn sie merken, dass ihre Eltern von einem Schriftstück gefesselt sind, nicht eigene Neugier entwickeln... vor 100 Jahren genauso wie heute. Kinder und Jugendliche mögen nicht die ersten Adressaten oder Käufer gewesen sein. Aber die spannenden Inhalte haben sie genauso wahrgenommen wie ihre älteren Geschwister oder Eltern. Auch wenn hier 100 Jahre und mehr vergangen sind - Kinder sind und waren neugierig!