Fehsenfeld-Anekdote
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Rüdiger
Fehsenfeld-Anekdote
(für Friedrich Ernst Fehsenfeld)
May, so träumte mir, schrieb in einem seiner Texte zweimal das Wort „Wanderlied“. Einmal mit, einmal ohne Bindestrich („Wander-Lied“, „Wanderlied“). Von Fehsenfeld gebeten, das auf zweimal „Wanderlied“ ändern zu lassen, schrieb er, Nein, er wolle an der einen Stelle bewusst „Wander-Lied“ haben, da es einen direkten Bezug zum anderweits im Text anklingenden Wandern habe und er auf diese Weise dezent darauf aufmerksam machen wolle, auch wenn ihm bewusst sei, dass das kaum jemand bemerken werde. Fehsenfeld änderte daraufhin achselzuckend beide Fälle in „Wander-Lied“.
Als May nun bemerkte, dass nicht nur an der ersten Stelle in seinem Text, sondern auch an der zweiten, „Wander-Lied“ stand, bat er Fehsenfeld, das an der zweiten Stelle wieder zu ändern, weil es dort den Satzfluß rhythmisch störe, an der anderen Stelle aber so stehen zu lassen. Wir wissen nicht ob Fehsenfeld daraufhin ärztlicher Betreuung bedurfte. Wir wissen nur, May hatte Recht. Denn, so May weiter: Und wenn von hundert Lesern siebzig es gar nicht bemerken dass da einmal „Wander-Lied“ und einmal „Wanderlied“ steht und neunundzwanzig von den anderen dreißig das für eine Schluderei halten mögen, einer merkt’s, das mit der kleinen Feinheit. Vielleicht. Und für den schreibe er. Letzten Endes nicht einmal für den. Sondern für sich. Oder für die Sache (L’art pour L’art könne man das nennen.). Und ein Wanderlied sei halt einmal ein Wander-Lied und einmal einfach ein Wanderlied. Je nach Sinn und Zusammenhang.
Es sei übrigens, um das Maß voll zu machen, noch ein wenig komplizierter. Daß er das Wort einmal mit und einmal ohne Bindestrich geschrieben habe, beabsichtige eigentlich gar keine Wirkung. Nicht einmal bei dem einen. Nur, wenn er es anders schriebe, sei es halt nicht richtig, bzw., nicht das, was er schreiben wolle. Auch ohne dahinterstehende direkte Absicht. Einmal meine er halt „Wander-Lied“, das andere Mal „Wanderlied“, auch ohne Sinn und Zweck, er für sich wisse schon was er meine, und daher wolle er das so schreiben. Das sei alles eigentlich ganz einfach, und dass andere das in der Tat anders sähen, sei sozusagen deren Problem.
Und es sei sogar noch komplizierter. Gelegentlich schludere er, May, tatsächlich herum, und keineswegs sei immer alles Absicht. Aber da, wo es eben Absicht sei, da solle es eben auch so sein. – Hier merkte May, dass ihm niemand mehr zuhörte. Aber das störte ihn nicht weiter.
;-)
May, so träumte mir, schrieb in einem seiner Texte zweimal das Wort „Wanderlied“. Einmal mit, einmal ohne Bindestrich („Wander-Lied“, „Wanderlied“). Von Fehsenfeld gebeten, das auf zweimal „Wanderlied“ ändern zu lassen, schrieb er, Nein, er wolle an der einen Stelle bewusst „Wander-Lied“ haben, da es einen direkten Bezug zum anderweits im Text anklingenden Wandern habe und er auf diese Weise dezent darauf aufmerksam machen wolle, auch wenn ihm bewusst sei, dass das kaum jemand bemerken werde. Fehsenfeld änderte daraufhin achselzuckend beide Fälle in „Wander-Lied“.
Als May nun bemerkte, dass nicht nur an der ersten Stelle in seinem Text, sondern auch an der zweiten, „Wander-Lied“ stand, bat er Fehsenfeld, das an der zweiten Stelle wieder zu ändern, weil es dort den Satzfluß rhythmisch störe, an der anderen Stelle aber so stehen zu lassen. Wir wissen nicht ob Fehsenfeld daraufhin ärztlicher Betreuung bedurfte. Wir wissen nur, May hatte Recht. Denn, so May weiter: Und wenn von hundert Lesern siebzig es gar nicht bemerken dass da einmal „Wander-Lied“ und einmal „Wanderlied“ steht und neunundzwanzig von den anderen dreißig das für eine Schluderei halten mögen, einer merkt’s, das mit der kleinen Feinheit. Vielleicht. Und für den schreibe er. Letzten Endes nicht einmal für den. Sondern für sich. Oder für die Sache (L’art pour L’art könne man das nennen.). Und ein Wanderlied sei halt einmal ein Wander-Lied und einmal einfach ein Wanderlied. Je nach Sinn und Zusammenhang.
Es sei übrigens, um das Maß voll zu machen, noch ein wenig komplizierter. Daß er das Wort einmal mit und einmal ohne Bindestrich geschrieben habe, beabsichtige eigentlich gar keine Wirkung. Nicht einmal bei dem einen. Nur, wenn er es anders schriebe, sei es halt nicht richtig, bzw., nicht das, was er schreiben wolle. Auch ohne dahinterstehende direkte Absicht. Einmal meine er halt „Wander-Lied“, das andere Mal „Wanderlied“, auch ohne Sinn und Zweck, er für sich wisse schon was er meine, und daher wolle er das so schreiben. Das sei alles eigentlich ganz einfach, und dass andere das in der Tat anders sähen, sei sozusagen deren Problem.
Und es sei sogar noch komplizierter. Gelegentlich schludere er, May, tatsächlich herum, und keineswegs sei immer alles Absicht. Aber da, wo es eben Absicht sei, da solle es eben auch so sein. – Hier merkte May, dass ihm niemand mehr zuhörte. Aber das störte ihn nicht weiter.
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Rüdiger
Re: Fehsenfeld-Anekdote
(Karl May, Durch die Wüste)Wir kehrten in das Selamlük zurück, wo ich nach Halef schickte, der alsbald mit der Apotheke erschien. Ich gab Ignatia nebst den nöthigen Vorschriften und machte mich dann zum Gehen bereit.
(aus dem Internet)Auch Seufzen oder Würgen ist typisch für Ignatia-PatientInnen, wenn man ihre Probleme anspricht. Das Charakteristische an ihrem Seufzen ist die Stimmhaftigkeit. Typisch ist auch ein kompliziertes Stirnrunzeln, sozusagen ein Knoten in der Stirn, der dem emotionalen Knoten der Patientin entspricht.
:-))
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Hermesmeier
Re: Fehsenfeld-Anekdote
Ich werde das Gefühl nicht los, dass Rüdiger hier nicht wirklich träumte, sondern im Gegenteil einen sehr realen persönlichen Disput/sonstwie missverständnis-beladenen Dialog (inklusive übertriebener auf-den-Schlips-getreten-Gefühligkeiten) mit der KMCo-Redaktion oder einem oder mehreren Lektoren (exklusive den Schreiber dieses) in die Öffentlichkeit tragen musste (müssen insofern, als er wohl nicht anders kann).
Ganz abgesehen davon, dass Loriot vermutlich aus dem Stehgreif einen gelungenen Sketch über die seitenlange Diskussion um einen Bindestrich schreiben könnte, und uns hier Realsatire in einer Form geboten wird, die kaum tiefer in den Eingeweiden bohren könnte: Was lernen wir eigentlich aus der ganzen Geschichte ((((ich meine etwas, das über die persönlichen Befindlichkeiten einzelner hinaus geht, denen eigentlich dringend zu raten wäre, dass sie sich so erwachsen verhalten sollten, derlei Streitigkeiten unter sich auszutragen, weil öffentliche Auftritte ausschließlich peinlich sind))))?
Oder wie Nicolas so treffend schrieb:
"<seufz>"
(("Kürzer, präziser ist das nie gesagt worden!" (Loriot)))
Ganz abgesehen davon, dass Loriot vermutlich aus dem Stehgreif einen gelungenen Sketch über die seitenlange Diskussion um einen Bindestrich schreiben könnte, und uns hier Realsatire in einer Form geboten wird, die kaum tiefer in den Eingeweiden bohren könnte: Was lernen wir eigentlich aus der ganzen Geschichte ((((ich meine etwas, das über die persönlichen Befindlichkeiten einzelner hinaus geht, denen eigentlich dringend zu raten wäre, dass sie sich so erwachsen verhalten sollten, derlei Streitigkeiten unter sich auszutragen, weil öffentliche Auftritte ausschließlich peinlich sind))))?
Oder wie Nicolas so treffend schrieb:
"<seufz>"
(("Kürzer, präziser ist das nie gesagt worden!" (Loriot)))
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Rüdiger
Re: Fehsenfeld-Anekdote
Ich wußte daß was kommt aus der Ecke.
Disput, auf-den-Schlips-getreten-Gefühligkeiten, in die Öffentlichkeit tragen, das war's alles nicht, nicht anders können auch nicht. Streitigkeiten gab's in Sachen Bindestrich auch nicht, im Gegenteil, das wird ja auch in der Anekdote geschildert, eher entspanntes (ggf. achselzuckendes)Einverständnis.
(der Wolfgang interpretiert mich wirklich mit konsequenter Beharrlichkeit regelmäßig miß.)
Ein bißchen Humor, ein bißchen Quatsch (und die ganze Erklärerei zur Sache trotzdem durchaus ernst gemeint, aber eben mit einem gewissen Augenzwinkern), das ist nicht jedermanns Sache, ok. Mir gefällt umgekehrt auch nicht alles.
;-]
Disput, auf-den-Schlips-getreten-Gefühligkeiten, in die Öffentlichkeit tragen, das war's alles nicht, nicht anders können auch nicht. Streitigkeiten gab's in Sachen Bindestrich auch nicht, im Gegenteil, das wird ja auch in der Anekdote geschildert, eher entspanntes (ggf. achselzuckendes)Einverständnis.
(der Wolfgang interpretiert mich wirklich mit konsequenter Beharrlichkeit regelmäßig miß.)
Ein bißchen Humor, ein bißchen Quatsch (und die ganze Erklärerei zur Sache trotzdem durchaus ernst gemeint, aber eben mit einem gewissen Augenzwinkern), das ist nicht jedermanns Sache, ok. Mir gefällt umgekehrt auch nicht alles.
;-]
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Hermesmeier
Re: Fehsenfeld-Anekdote
Das war ja klar, das den Erklärungen noch etwas nachgeschoben werden musste, hätte Loriot auch gemacht.
Wie war das im Mittelteil? Ich brauche dringend noch mehr Erläuterungen ... (besonders über drei Pünktchen, wenn denn schon ein Bindestrich wahre Aktenfluten verursacht).
Du hast vergessen, dass "ß" zu erklären. Übrigens: Wenn ich Dich nicht mehr öffentlich missverstünde, wäre das ein untrügliches Zeichen, dass Du mich endgültig langweilst und ich Deine Schreibe nicht einmal mehr ignoriere.der Wolfgang interpretiert mich wirklich mit konsequenter Beharrlichkeit regelmäßig miß
Wie war das im Mittelteil? Ich brauche dringend noch mehr Erläuterungen ... (besonders über drei Pünktchen, wenn denn schon ein Bindestrich wahre Aktenfluten verursacht).
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Rüdiger
Re: Fehsenfeld-Anekdote
Diesen altbekannten Kodderschnauzen-Ton muß man nicht so ernstnehmen, Leute. Ich glaub', der braucht das. - Aber so wichtig ist er nun auch wieder nicht daß er sich immer so selbstgefällig zurücklehnen muß, es wirkt etwas peinlich, unpassend ...dass Du mich endgültig langweilst und ich Deine Schreibe nicht einmal mehr ignoriere.
;-]
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Sylvia
- Beiträge: 231
- Registriert: 29. Dez 2005, 10:43
Re: Fehsenfeld-Anekdote
Wannderliiiied, ach Wanderlüd! Nett hier. Um was geht's denn gleich?
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Hermesmeier
Re: Fehsenfeld-Anekdote
Na eben. Aber erklären doch ganz sicher, nicht wahr, wor allem den "Leuten" (wer immer das sein mag)?Diesen altbekannten Kodderschnauzen-Ton muß man nicht so ernstnehmen, Leute.
((Noch ein Stöckchen gefällig? Du springst so schön. Aber das geht doch sicher noch etwas höher, oder?))
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Rüdiger
Re: Fehsenfeld-Anekdote
> Du springst so schön
Wo Du Recht hast hast Du Recht ...
:-)
> Aber das geht doch sicher noch etwas höher, oder?
Aber immer doch, weißt Du ja. Aber i mog net. Vielleicht das Alter ...
;-)
Wo Du Recht hast hast Du Recht ...
:-)
> Aber das geht doch sicher noch etwas höher, oder?
Aber immer doch, weißt Du ja. Aber i mog net. Vielleicht das Alter ...
;-)