Aus einem Interview der Welt mit...
Jan Philipp Reemtsma: "Ich wollte Shakespeare inszenieren"
WELT.de: Unmotivierte Auftritte und Abgänge etwa. Als Negativbeispiel dazu führen Sie die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg an, die Sie als „dilettantisches Bauerntheater“ bezeichnen. Ist es nicht unfair, dieses Freiluftspektakel mit Theater zu vergleichen?
Reemtsma: Nein, ich finde schon, dass eine Aufführung, auch in einem solchen Rahmen, sich an diese elementaren Regeln halten muss, weil es sonst albern wirkt. Wenn ich mit einem Kind beispielsweise dahin gehe, soll es sich was Gutes anschauen. Es kann ruhig Klamauk mit Platzpatronen und Pferden sein, aber doch nicht mit solchen Fehlern!
Quelle: http://www.welt.de/data/2007/01/24/1186941.html
Fehler in Bad Segeberg
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Sven Margref
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Re: Fehler in Bad Segeberg
Vielen Dank, Herr Reemtsma, für diese Zeilen:
"'Die strengste Regelmäßigkeit kann den kleinsten Fehler in den Charakteren nicht aufwiegen.'
Wie sehr Lessing hier ins Detail geht, mag ein kleines Beispiel zeigen. Eine Bühnenregel - eine gute, die wirklich stets beobachtet werden sollte - lautet, daß Auftritte und Abgänge motiviert sein müssen. Was für einen kuriosen Effekt es macht, wenn man sie nicht beachtet, kann man sehen, wenn dilettantisches Bauerntheater ohne ihre Kenntnis gemacht wird. Was für ein kläglicher Anblick ist es, wenn im Bad Segeberger Freilichttheater, nachdem die Hauptpersonen verabredet haben, am Rio Pecos einander wiederzutreffen, und abgeritten sind, die verbleibenden minderen Chargen sich ohne weitere Erklärungen von der Bühne, die für die nächste Szene frei werden muß, trollen. Also: Auftritte und Abgänge bitte motivieren. Aber eben nicht einfach durch ein paar Sätze, sondern aus der Handlung heraus. Denn was für ein befremdlicher Anblick ist zum Beispiel ein Indianerhäuptling, der ohne Not sein Pferd eine Pirouette drehen und mit dem notdürftigen Hinweis, er habe noch anderswo im Wilden Westen etwas zu tun, durch das Pappmaché-Felsentor galoppieren läßt."
(Reemtsma, Jan Philipp: Lessing in Hamburg. 1766-1770. München: C.H. Beck, 2007, S. 61)
"'Die strengste Regelmäßigkeit kann den kleinsten Fehler in den Charakteren nicht aufwiegen.'
Wie sehr Lessing hier ins Detail geht, mag ein kleines Beispiel zeigen. Eine Bühnenregel - eine gute, die wirklich stets beobachtet werden sollte - lautet, daß Auftritte und Abgänge motiviert sein müssen. Was für einen kuriosen Effekt es macht, wenn man sie nicht beachtet, kann man sehen, wenn dilettantisches Bauerntheater ohne ihre Kenntnis gemacht wird. Was für ein kläglicher Anblick ist es, wenn im Bad Segeberger Freilichttheater, nachdem die Hauptpersonen verabredet haben, am Rio Pecos einander wiederzutreffen, und abgeritten sind, die verbleibenden minderen Chargen sich ohne weitere Erklärungen von der Bühne, die für die nächste Szene frei werden muß, trollen. Also: Auftritte und Abgänge bitte motivieren. Aber eben nicht einfach durch ein paar Sätze, sondern aus der Handlung heraus. Denn was für ein befremdlicher Anblick ist zum Beispiel ein Indianerhäuptling, der ohne Not sein Pferd eine Pirouette drehen und mit dem notdürftigen Hinweis, er habe noch anderswo im Wilden Westen etwas zu tun, durch das Pappmaché-Felsentor galoppieren läßt."
(Reemtsma, Jan Philipp: Lessing in Hamburg. 1766-1770. München: C.H. Beck, 2007, S. 61)
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SirRichard
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Natürlich kann doch die Motivation nur von den agierenden Hauptpersonen ausgehen. Dass die Krieger ihrem Häuptling beim Abritt folgen ist doch völlig natürlich. Soll wirklich die Motivation eines jeden einzelnen "Chargen" (der Begriff allein irritiert mich schon, habe ich doch als Definition hinterlegt: Charge heißt beim Theater eine Rolle, die scharf und übertrieben zu charakterisieren ist und der dadurch eine größere komische Wirkung zukommen soll, als sie eigentlich in Relation zur Gesamtheit des Stücks verdient)dargelegt werden? Hätte jeder Bürger von Helldorff Settlement im vergangenen Jahr erklären sollen, warum er jetzt die Bühne räumt? Wie lange soll die Inszenierung denn dann werden!? Eine Freilichtbühne egal wo auf dieser Welt ist nicht mit einer 5 Meter mal 8 Meter Theaterbühne im Saal zu vergleichen.
Nundenn, plant Herr Reemtsma mit prallgefüllter Privatschatulle den Frontalangriff zur feindlichen Übernahme der Kalkberg GmbH!?
Nundenn, plant Herr Reemtsma mit prallgefüllter Privatschatulle den Frontalangriff zur feindlichen Übernahme der Kalkberg GmbH!?
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Rüdiger
Charge wird umgangssprachlich in unterschiedlichen Bedeutungen verwendet. So, wie es oben erklärt ist, aber auch als, in etwa, unbedeutende Rolle, Statisterie usw.
Reemtsma hat, scheint's, ein Händchen dafür, sich unbeliebt zu machen. Erst kommt er den Leuten mit der Wehrmachtsausstellung und jetzt kritisiert er auch noch Bad Segeberg.
:-))
Das von ihm gewählte Beispiel war in der Tat etwas unglücklich gewählt und darüberhinaus auch nicht allzu verständlich erklärt. Ich vermute mal, daß er etwa folgendes meinte: er sieht, bzw., spürt, daß das abgehende Gefolge mit den Gedanken bereits in der Kantine oder sonstwo ist. Sensitive Gemüter merken das, bis in die oberen Ränge, ob ein Kleindarsteller beim Rausgehen noch in der Rolle ist und denkt, jetzt muß ich dem Häuptling folgen, oder ob er denkt, jetzt geh' ich Kaffee trinken.
;-)
Reemtsma hat, scheint's, ein Händchen dafür, sich unbeliebt zu machen. Erst kommt er den Leuten mit der Wehrmachtsausstellung und jetzt kritisiert er auch noch Bad Segeberg.
:-))
Das von ihm gewählte Beispiel war in der Tat etwas unglücklich gewählt und darüberhinaus auch nicht allzu verständlich erklärt. Ich vermute mal, daß er etwa folgendes meinte: er sieht, bzw., spürt, daß das abgehende Gefolge mit den Gedanken bereits in der Kantine oder sonstwo ist. Sensitive Gemüter merken das, bis in die oberen Ränge, ob ein Kleindarsteller beim Rausgehen noch in der Rolle ist und denkt, jetzt muß ich dem Häuptling folgen, oder ob er denkt, jetzt geh' ich Kaffee trinken.
Das wäre doch mal was. Indes, mein Theater wäre das dann wohl immer noch nicht. Zu soziologisch-kritisch oder sowas in der Richtung. Ich will gutes Theater und Schauspielkunst sehen, weiter nichts.Nundenn, plant Herr Reemtsma mit prallgefüllter Privatschatulle den Frontalangriff zur feindlichen Übernahme der Kalkberg GmbH!?
;-)