3 neue kostenlose Karl May Hörbücher!

Stephan
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3 neue kostenlose Karl May Hörbücher!

Beitrag von Stephan »

Hallo zusammen,

auf der Internetseite http://www.vorleser.net gibt es drei Karl May Geschichten zum kostenlosen download:

"Wir haben drei eher unbekannte aber deshalb nicht weniger gute Geschichten des Abenteuerautors Karl May ausgegraben, die wir Ihnen hier als kostenloses Hörbuch präsentieren:

"Die beiden Kulledschi"
"Sklavenrache"
"Ein Prairiebrand"

Sprecherin: Brigitte Trübenbach, Gesamtlänge 52 Minuten


Viele Grüße
Stephan
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

Ich höre gerade, während ich das hier schreibe, die "beiden Kulledschi".

Ganz ausgezeichnet.

Für ein paar Augenblicke ist es ein wenig gewöhnungsbedürftig, daß der Erzähler Karl May hier plötzlich eine Frau ist, genauso wie ich mir umgekehrt bei Virginia Woolf oder Ingeborg Bachmann doch eher eine solche als Sprecherin wünschen würde. Aber dieser Gedanke verläßt einen auch ganz schnell wieder, denn Frau Trübenbach stellt männliche Mitstreiter in Sachen Karl May lesen ganz mühelos in den Schatten.

Hier wirkt nichts aufgesetzt, und es wird nicht unnötigerweise auf die Tube gedrückt, um Worte oder Inhalte plakativ zu unterstreichen, sondern es wird mit Feingefühl für Worte, sensiblem Verständnis für Formulierungen und Intelligenz vorgelesen, und das so überzeugend, daß man die Geschichte nachvollzieht und miterlebt.

Dazu bedarf es keiner Hintergrundmusik, keiner Soundeffekte und sonstigem Schnickschnack, hier kommt die Sprache zu ihrem Recht.

Und, wohltuenderweise, sie verstellt nicht ihre Stimme (ob man dieser etwas platten Methode nun den hübsch anglizistischen Namen "voice switching" oder was auch immer verpaßt und damit als Errungenschaft besonderer Art verkaufen will, macht solches Treiben nicht überzeugender), man braucht das auch gar nicht, sondern sie variiert ein wenig innerhalb der natürlichen Bandbreite ihrer Stimme, das reicht völlig. Und sie legt die unterschiedlichen Mentalitäten der Figuren in kleine, feine Nuancen des Sprechens und der Stimmlage. So gehört es sich, m.E., genau so.

Und: sie hat ein feines Empfinden für Karl May. Wenn sie z.B. vom "verwerflichen Geschäft" der Schmuggelei spricht, vermittelt sich genau das, was sich auch beim Lesen vermittelt: eine Art Vogelperspektive, eine entspannte, nicht wertende, gelassene Haltung. Der eine oder andere mit weniger Feinblick ausgestattete männliche Vorleser hätte hier vermutlich eine ganz unpassende, schneidige Schärfe in die Stimme gelegt. Um etwas zu untermalen und hervorzuheben, um das es Karl May gar nicht ging.

Sehr schön !
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

Sklavenrache:

Ich bin wirklich außerordentlich angetan. Ich hätte es, nach ein paar Erfahrungen zuvor, fast nicht mehr für möglich gehalten, daß man Karl May so vorlesen kann, daß er sich wirklich nahezu so wie beim Buchlesen vermittelt.

Da vermittelt sich alles: Mitgefühl, Anteilnahme, Einfühlsamkeit, Vogelperspektive, Durchblick, usw., usf.

Und sie differenziert, und das sehr schön. So wie die Eskimos hundert oder was weiß ich wieviele Bezeichnungen für Schnee haben, so kann man Worte wie "häßlichste", "Verschlimmerung", "heller", "laut" (alles Beispiele aus der Lesung) u.a. auch auf viele verschiedene Arten sprechen. Die Art, wie sie es jeweils tut, zeigt, daß sie genau verstanden hat, was jeweils gemeint war (schönes Beispiel der Satz mit "immergrün" und "heller". Den hätten Bearbeiter vermutlich aufgrund mangelnden Feinverständnisses geändert. Was, wie sich in der Aufnahme zeigt, keinesfalls nötig ist.)

Sehr, sehr wohltuend, bei all der Hauruck-Mentalität und Verständnislosigkeit, die einem in Sachen Karl May, und keineswegs nur bei Hörprodukten, sonst unentwegt begegnet, um nicht zu sagen, um die Ohren gehauen wird.

Diese Folterszene: SCHEINBAR wie unbeteiligt. Und kein Schlagzeug und keine Pauke im Hintergrund, auch keine Stimmen, die vielleicht "Aaaaaahhhhh" schreien, nichts. Aber der Einatmer und der kleine Wechsel in der Tonlage anschließend, da vermittelt sich das Entsetzen auch völlig oder auch noch mehr, nämlich richtig, ohne doofe Äußerlichkeiten.

Klasse !
Hermesmeier

Beitrag von Hermesmeier »

I don't want to rain on your parade, but ...

es sei am Rande vermerkt, dass die Verfasserschaft Karl Mays an "Die beiden Kulledschi" eher zweifelhaft ist.
JennyFlorstedt
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Beitrag von JennyFlorstedt »

Kopierst Du dann bitte Deine Rezensionen auch in die Hörspieldatenbank?

ta
JennyFlorstedt
Beiträge: 395
Registriert: 28. Dez 2005, 10:25

Beitrag von JennyFlorstedt »

Eskimos haben hundert Wörter für "Schnee"

Dieses Gerücht wurde durch einen Artikel in der New York Times von 1984 verbreitet. Tatsächlich handelt es sich dabei um einen Irrtum eines Etymologen. Die Inuit haben nur zwei Wörter für Schnee: nämlich für Schnee der fällt - "aput", und Schnee der liegt, "quanik". Alle weiteren Begriffe sind Zusammensetzungen wie "Pulverschnee" oder "Neuschnee".

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Verbreitet ... 2Schnee.22
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

Laut Hermesmeier & Schmatz war es der "Präriebrand", bei dem die Autorschaft zweifelhaft ist. Oder mittlerweile bei den "Kulledschi" auch ?

Mag sein, in dem Gesamtzusammenhang hier auch nicht so entscheidend. Die Sprecherin zeigt, wie man Karl May (und andere) lesen kann; darum geht's mir primär.

Neuschnee usw. gehören natürlich auch zu den hundert oder weißichwieviel Ausdrücken, nun kommt mir doch nicht mit solchen Erbsenzählereien, darum geht es doch gar nicht. Um Vieldeutigkeit von Wörtern je nach Zusammenhang und entsprechende Vielzahl von Sprechmöglichkeiten ging's.

Es handelt sich auch eigentlich nicht um Rezensionen; ich sagte ja, ich habe während des Hörens geschrieben, was mir so auffiel, ohne an Formulierungen herumzufeilen, was ich sonst gelegentlich durchaus tue. Deshalb kopier' ich auch erstmal nix.

*

Zum "Präriebrand": Teilweise (mehr in der ersten Hälfte) ersteht auch hier die geschilderte Geschichte lebendig und plastisch vor den inneren Augen, und das kann man, wie gesagt, allein mit Sprache hinkriegen, ohne alles.

"neigt und beugt", schönes Beispiel dafür, wie man einen Autor, der ja selber für das, was er mitteilen will, Bilder sucht, vermitteln kann. Bearbeiter vom Typus Ratzfatz, Hopplahopp & Co hätten hier mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder eines der beiden Worte gestrichen und sich auch noch ganz schlau dabei gefühlt, Ha, wieder eine Doppelung entfernt.

Die Trübenbachschen Vorträge sind wirklich schöne Beispiele zum Thema "Die Kunst des Sprechens"; falls es in dieser Versammlung jemand geben sollte, der sich für so etwas interessiert, es gibt z.B. von Ernst Bloch einen Aufsatz "Die Kunst, Schiller zu sprechen".

Als der Knabe das erste Mal "Die Prärie brennt" sagt, hatte ich wirklich körperlich das Gefühl, als ob sich mir die Haare aufstellen, und das ganz ohne Herumschreierei u. dgl. "Er hat es innerlich" steht irgendwo bei Karl May, Frau Trübenbach hat es auch.

Mehr davon !
Sylvia
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Beitrag von Sylvia »

Das mit "auf die Parade regnen" finde ich herrlich! Ich lache schon seit ich's mittag gelesen habe darüber. Und hier sieht man wieder, wie schwer es sein kann, das ins Deutsche zu übersetzen. Bisher habe ich noch keinen Ausdruck gefunden, der genau diesen Witz so wiedergeben kann.
Rüdiger, ich hab auch ein wenig in den "Präriebrand" reingehört. Erstmal würde ich rein vom Bauch her sagen, dass das nicht Karl May ist, und zweitens muss ich mich erst an Frau Trübenbach noch gewöhnen. Gleich so sehr angesprochen wie Dich hat sie mich nicht.

Dxlbis

... :-)) Sorry

Sylvia
Günther Wüste
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Kulledschi

Beitrag von Günther Wüste »

Hallo Herr Hermesmeier
Laut Chronik anonym von May erschienen.

Was ist denn mit Franz Langner. Beitrag von May oder nicht?

Episode Richard Sonnenschein Korrekt usw. usw

Ich glaube wir brauchen noch eine Chronik zur Chronik.

Viele Grüsse und Hinweise. alles notiert.

Günther
Hermesmeier

Beitrag von Hermesmeier »

Hallo, Rüdiger!
Stefan und ich, wir schreiben nur, wenn wir neue Erkenntnisse haben. Die Sache mit "Ein Prairiebrand" habe ich jetzt einfach mal als bekannt vorausgesetzt - in aller Bescheidenheit selbstverständlich :D
und bei "Die beiden Kulledschi" kann ich nur zusammenfassen, was man schon weiß:
- Sie ist bei Plaul 221 mit folgendem Kommentar enthalten: "Möglicherweise von Karl May verfaßt; eindeutige Belege für seine Verfasserschaft fehlen allerdings bisher".
- Trotz anderslautender Behauptungen in GW71 ist sie nicht auf dem ominösen 'Abrechnungszettel' der Union erwähnt.
- Zitat aus dem Karl-May-Handbuch (S. 522): "Mays Autorschaft ist ein wenig umstritten. Im Nachwort zu GWB 71 behauptet der Herausgeber, Die beiden Kulledschi stünden zusammen mit Sklavenrache auf einer Abrechnungsliste des Union-Verlags. Das ist jedoch ein Irrtum: die Abrechnungsliste enthält nur Mays Beiträge in den GK-Jahrgängen I-IV (vgl. Faksimile im Anhang zum R Die Sklavenkarawane S. 499). So heißt es dort (S. 498) auch nur, daß "das Kulledschi-Märchen recht eindeutig auf Karl May als Verfasser schließen" lasse. Als Hinweis auf Mays Autorschaft läßt sich lediglich anführen, daß der Union-Verlag seinerzeit mit Brief vom 24. 3. 1916 dem KMV Radebeul einen Abdruck der Kulledschi (zusammen mit der Seehundsjagd und dem Schlangenmensch) als Beleg übersandt hat."
- Auch der undatierte Brief der Union an Karl May, der eine Sendung mit 9 Positionen an Illustrationen begleitete, zu denen May Text liefern sollte, gibt keinen Hinweis auf "Die beiden Kulledschi" (siehe KMCo. 91, S. 38).
Was wäre wohl gewesen, wenn der KMV 1967 nicht diese Story in GW71 aufgenommen hätte? Wer wäre da jemals auf die Idee gekommen, sie könne was mit Karl May zu tun haben? Die Aufnahme in diverse Reprints - ohne jeglichen Nachweis der Verfasserschaft - hat eine unbewiesene Behauptung nur zementiert.
Für mich gilt jedenfalls nicht der Grundsatz: bei jedem anonymen Text darf Karl Mays Verfasserschaft bis zum Beweis des Gegenteils angenommen werden.

Hallo Sylvia!
Die Geschichte mit der Parade: Ich fürchte, das ist mindestens im amerikanischen Sprachraum eine ganz normale Redewendung. Die am nächsten dranliegende, aber nicht unbedingt treffendste oder gar schönste Übersetzung wäre "in die Parade fahren".
Erstmals ist mir das Ding im Film "Aliens" begegnet. Und das ist noch die anständige Variante. In einer weniger feinen, dafür wohl populäreren Version wird das r-Wort durch ein p-Wort ersetzt. So schon auf CDs von Robbie Williams gehört.

Hallo, Herr Wüste!
Sie müssen die Chronik lesen und verstehen lernen. Sie beziehen sich auf Seite 401 des ersten Bandes. Dort ist unter dem 5. September 1891 verzeichnet:
Im "Guten Kameraden" erscheint anonym die orientalische Erzählung Die beiden Kulledschi (plaul 1 143; ued 422)
Und daran ist doch nichts falsch. Die Geschichte ist ja tatsächlich an jenem Tag anonym erschienen. Sudhoff/Steinmetz behaupten eben nicht, dass May der anonyme Verfasser gewesen sei. Dazu verweisen sie auf die auch oben schon von mir genannten Quellen Plaul und das Karl-May-Handbuch, in denen die Zweifel an der Verfasserschaft so ausgedrückt sind wie oben zitiert.
Zu Franz Langer (so heißt er richtig) haben Stefan Schmatz und ich uns hinreichend geäußert. Es gibt keinen Grund, von unserem Standpunkt abzuweichen.
Den Rest Ihres Schreibens vermag mein schlanker Intellekt nicht zu verarbeiten.

Mit freundlichen Grüßen
an alle
Wolfgang Hermesmeier
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

Sylvia und ich (das behaupte ich jetzt einfach mal so, ich kenn’ die seute Deern doch mittlerweile einigermaßen, auch wenn ich ihr noch nie begegnet bin) haben es schon richtig mit der p-wie-pinkeln-Variante verstanden, und entsprechend von Anfang an an nichts anderes als „auf die Parade regnen“ gedacht.

Freier übersetzt könnte man auch von „den Festumzug verpinkeln“ sprechen. Das klingt zwar hübsch, aber „Festumzug“ ist zwar vom Bild her klar, aber sprachlich zu kompliziert bzw. irreführend. Also doch lieber Parade. Aber „Parade verpinkeln“ klingt nach nix. Wir bleiben bei „auf die Parade regnen“, dann sind auch die Freunde eher dezenter Wendungen gut bedient.

;-)

„In die Parade fahren“ ist ganz was anderes. Das macht der Wolfgang zwar gelegentlich auch immer noch ganz gern, wenn auch nicht mehr so oft wie früher, aber das wollte er diesmal ja freundlicherweise eben gerade nicht. Und das ist auch gut so.

;-))
abukital
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Registriert: 4. Jan 2006, 17:55
Wohnort: Dschinnistan

Beitrag von abukital »

wie wär's mit "die Parade verregnen"?
alternativ: "die ganze Parade verregnen"?
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

Das erste klingt mir zu nüchtern, vermittelt auch nicht das in „auf die Parade regnen“ enthaltene Bild von Drüber-Stehen, abgeklärtem Abstand, Gottvater u.ä.

Und das zweite: warum die ganze ? Halbe Sachen macht der eh nicht …

;-))
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