Winnetous Erben

Oso Blanco
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Beitrag von Oso Blanco »

Hermesmeier hat geschrieben: Diese Textfassungen findet man dafür auf der Karl-May-Werke-CD.
Und bei Weltbild, richtig?
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

Und bei Weltbild, richtig?
Meines Wissens: richtig.
Oso Blanco
Beiträge: 3
Registriert: 5. Jan 2006, 11:43

Beitrag von Oso Blanco »

Rüdiger hat geschrieben:
Und bei Weltbild, richtig?
Meines Wissens: richtig.
Gut. So langsam scheine ich es zu kapieren. Selbst die zu Mays Lebzeiten und noch von ihm selbst vorgenommenen Bearbeitungen auseianderzuhalten und ihren verschiedenen neuzeitlichen Editionen zuzuordnen, bereitet mir manchmal Kopfzerbrechen. Diese ganzen verschiedenen Ausgaben erster, letzer, linker und rechter Hand ... ganz zu schweigen von den danach vorgenommenen Bearbeitungen. Aber die interessieren mich zum Glück eh nicht.
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

Mir geht es ganz ähnlich. Wobei mich auch die nachträglichen Bearbeitungen nicht loslassen.

Ich beschäftige mich gerade mit Ardistan und Dschinnistan, da gibt es eine Manuskriptfassung, eine Zeitschriftenfassung, und die Buchausgabe. Dann eine spätere Bearbeitung sowie eine Rückbearbeitung. Anstrengend, wirklich.

Wobei ich zugebe, je mehr mir bewußt wird, daß es auch zu Lebzeiten Mays schon verschiedenste Fassungen und offenbar eben auch schon Bearbeitungen gab (durch Hausschatz- und andere Redaktionen), desto mehr verstärkt sich eine gewisse Bereitschaft zu mehr Toleranz in Sachen späterer Bearbeitungen ...
Hermesmeier

Beitrag von Hermesmeier »

Die Liste der von May bewirkten Textfassungen ist nicht ganz vollständig:

1. Manuskript für den "Hausschatz".
2. Abdruck im "Hausschatz" unter dem Titel "Der 'Mir von Dschinnistan" mit redaktionellen Änderungen, Druckversehen usw.
3. Manuskript für die Buchausgabe, bestehend aus aufgeklebten "Hausschatz"-Seiten mit handschriftlichen Korrekturen, Streichungen und Hinzufügungen.
4. Fehsenfeld-Buchausgabe unter dem Titel "Ardistan und Dschinnistan" - wahrscheinlich auch mit redaktionellen und Druck-Versehen.

Erstaunlich ist nun, dass Hans Wollschläger für seine "Kritische Ausgabe nach den Manuskripten" (sic! Plural) den Titel "Ardistan und Dschinnistan" gewählt hat. Mir scheint, dass er damit beide Druckfassungen verworfen und das zweite Manuskript zur Grundlage einer Fassung letzter Hand macht, was in gewisser Weise auch logisch erscheint. Denn May hat mit dem zweiten Manuskript eventuelle Änderungen der "Hausschatz"-Redaktion autorisiert oder selbst ausgeschieden, und die in der Druckerei Felix Krais in Stuttgart bewirkten neuen Fehler und Texteingriffe kommen gar nicht erst in die Wollschläger-Fassung rein.
Allerdings weiß ich nicht, ob dabei weitere spätere Willensäußerungen Karl Mays, etwa in brieflicher Form vorgebrachte Korrekturwünsche nach seiner Überprüfung der Druckfahnen oder des gedruckten Buches mit berücksichtigt sind. Man wird das Erscheinen des zweiten Bandes samt kritischem Apparat abwarten müssen.
Rehkitz
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Beitrag von Rehkitz »

Hat hier schonmal jemand einen eigenen, mehrhundertseitigen Text Korrektur gelesen? Ich habe dabei die Erfahrung gemacht, dass früher oder später der Wille, das Ding vom Tisch und veröffentlicht zu haben, die Kraft, inhaltlich und formal weiter daran zu arbeiten, übersteigt.

Aber May traue ich da natürlich viel mehr zu. Er war mE ein leidenschaftlicher Schriftsteller.
Hermesmeier

Beitrag von Hermesmeier »

Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, dass das fehlerfreie Schreiben einer einzige A4-Seite bereits ein so komplexer Vorgang ist, dass der Mensch ihn nicht beherrscht, auch kein Schriftsteller, selbst wenn er noch so leidenschaftlich wäre.
Rehkitz
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Beitrag von Rehkitz »

Ja.

"Leidenschaft" bezog ich auf die Kraft, Fehler beseitigen zu wollen, nicht auf das Ergebnis.
Hermesmeier

Beitrag von Hermesmeier »

Und welcher Schluss wäre daraus jetzt zu ziehen?
Rehkitz
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Beitrag von Rehkitz »

Dass ich mit Ihnen gar nicht streiten will?
Hermesmeier

Beitrag von Hermesmeier »

Jetzt verstehe ich überhaupt nichts mehr. Frauen ...
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

Also ich halte inhaltliches und formales Arbeiten anderer an einem nicht von ihnen verfassten Text für eine Zumutung. Vorschläge (wenn sie nicht zu blöd sind) und Änderungen nach Absprache ok, aber Eingriffe einfach so, Nein. Ich würde ggf. möglicherweise auf ein Honorar von ein paar Tausend Euro verzichten, als mir ein Manuskript ohne Absprache ändern zu lassen. Ich lese mir doch nicht einen eigenen Text ca. dreißig mal (keine Übertreibung) durch und fitzele an Kleinigkeiten herum, um dann da irgendjemand mal kurz drübergucken und nach Schema F und Gutdünken Änderungen vornehmen zu lassen. Mit dem Brustton der tiefsten Überzeugung: Nein !
Rehkitz
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Beitrag von Rehkitz »

Das muss man sich aber auch leisten können.
Johnny
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Beitrag von Johnny »

Nun, es gab schon immer Leute, die Spaß daran hatten Korrektur zu lesen, andere halt nicht.
Man kann da stundenlang drüber hin- und herdiksutieren, ohne je zu einem Ergebnis zu kommen, da es im Endeffekt von dem Korrekturleser selbst abhängt, ob man das durchhält oder nicht.
Ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass der Thread nicht Korrekturlesen leicht gemacht ö. ä. heißt, sondern Winnetous Erben. Diese Diskussionen sind schon viel zu sehr abgeschweift und ich bitte, zum ursprünglichen Thema zurückzukehren.
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

Ich gestatte mir indes, auf Rehkitz noch ausführlich zu antworten. Und natürlich hat das alles sehr viel mit Karl May zu tun. Und auch mit "Winnetous Erben", da steht die redaktionelle Veränderung ja schon im Titel.

;-)
Das muss man sich aber auch leisten können
Je nun …

In der Lage, wirtschaftlich davon abhängig zu sein, ob ein Text angenommen wird, möchte ich in der Tat wirklich nie sein. Das stelle ich mir schon ziemlich gruselig vor. Da ich aber bislang mit meinen Schreibereien noch keinen Cent verdient habe, stellt sich das Problem so auch nicht.

Ich habe ein zwar sehr bescheidenes, aber doch regelmäßiges Einkommen, und wenn ich ein Buch schriebe (was ich mir durchaus vorstellen kann), dann sicher nicht primär, um damit Geld zu verdienen. Böte mir nun ein Verleger, was weiß ich, dreitausend Euro unter der Bedingung, dass ich mich mit redaktionellen Änderungen ohne Absprache einverstanden erkläre, dann würde ich das nicht machen. Dann würde ich zwar denken Schade, hättest du ganz gut gebrauchen können, aber ich verkaufe weder meine Seele noch meinen Text. (Wenn er eine Million böte, womit auch in Zukunft eher nicht zu rechnen ist, sähe die Sache schon anders aus, jedenfalls was den Text betrifft …)

Änderungen seitens dritter halte ich halt für eine Anmaßung. Es ändert auch keiner expressionistische Bilder, weil vielleicht die Proportionen nicht stimmen …

Ein – halbwegs erfundenes und etwas ausgefallenes - Beispiel: Karl May schreibt in einem Text etwas von einem „gewöhnlichen Kellner“. Nun ist aber dieser „Kellner“ ein Eigenname, was zwar für die Handlung des Textes nicht weiter von Bedeutung ist, aber ein witziges, verspieltes Detail, wenn man denn die Hintergründe der Geschichte kennt. Und selbst wenn diese Hintergründe von hundert Lesern nicht ein einziger versteht (und auch eigentlich gar nicht verstehen soll), Karl May würde doch rotieren, wenn da nun z.B. „Ober“ stünde statt Kellner.

Vergleichbares gibt es bei Karl May wirklich. Man denke an den Verleger Zimmermann im „Verlornen Sohn“ (Mays Verleger Münchmeyer war einstiger Zimmermann von Beruf) oder Emma Vollmer in „Szepter und Hammer“ (die man übrigens erst nach seinem Ableben, als eigentlich sozusagen jedem Deppen hätte klar sein müssen, dass es damit seine Bewandtnis hat, entfernte). Also, schon beim Namen ändern fängt’s an, das ist, sozusagen, tödlich.

Oder diese Erbsenzählerei in Sachen Chronologie, geographische oder geschichtliche Exaktheit usw. In meinen Augen völliger Quatsch. Um solche Dinge geht es einem Schriftsteller nicht. Er erzählt Gleichnisse, malt gleichsam Bilder. Es handelt sich nicht ums Telefonbuch oder die Steuererklärung.
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