Die Schatten des Schah-in-Schah
-
Johnny
- Beiträge: 221
- Registriert: 6. Okt 2006, 18:23
- Wohnort: Köln
Die Schatten des Schah-in-Schah
Ich habe gerade "Die Schatten des Schah-in-Schah" durchgelesen und da dies ja eine "alternative Fortführung" ist finde ich es einer Diskussion wert.
Ich persönlich finde, dass Grill den Stil vom Mayster sehr gut nachgeahmt hat, perfekt nicht, aber das ist ja auch nicht möglich.
Was mich ein bisschen gestört hat ist, dass Halef gegen Ende soviel glückt.
Klar, er reist schon eine ganze Weile mit seinem Sihdi und sollte logischerweise etwas dazugelernt haben, aber bei May ist das eben nicht so und trotz der eigentlich denkbaren Erfahrung des Scheiks geht noch so einiges schief, auch Der Löwe der Blutrache und Bei den Trümmern von Babylon.
Wenn etwas bei Halef klappt, dann nur selten und meist nicht so wie sein Sihdi sich das vorgestellt hatte.
Bei den "Schatten" ist das gegen Ende nicht so.
Ich vermute zwar, dass Grill das Ende nicht noch länger herauszögern wollte, aber durch Halefs Glück wirkt die ganze Sache etwas "unmayisch".
Dies war jetzt nur ein Diskussionsgegenstand. Man kann noch viel mehr kritisieren und loben an dem Buch, doch das soll vorerst genügen, denn alle Gesichtspunkte hier aufzuführen... das wäre zu ausschweifend.
Johnny
Ich persönlich finde, dass Grill den Stil vom Mayster sehr gut nachgeahmt hat, perfekt nicht, aber das ist ja auch nicht möglich.
Was mich ein bisschen gestört hat ist, dass Halef gegen Ende soviel glückt.
Klar, er reist schon eine ganze Weile mit seinem Sihdi und sollte logischerweise etwas dazugelernt haben, aber bei May ist das eben nicht so und trotz der eigentlich denkbaren Erfahrung des Scheiks geht noch so einiges schief, auch Der Löwe der Blutrache und Bei den Trümmern von Babylon.
Wenn etwas bei Halef klappt, dann nur selten und meist nicht so wie sein Sihdi sich das vorgestellt hatte.
Bei den "Schatten" ist das gegen Ende nicht so.
Ich vermute zwar, dass Grill das Ende nicht noch länger herauszögern wollte, aber durch Halefs Glück wirkt die ganze Sache etwas "unmayisch".
Dies war jetzt nur ein Diskussionsgegenstand. Man kann noch viel mehr kritisieren und loben an dem Buch, doch das soll vorerst genügen, denn alle Gesichtspunkte hier aufzuführen... das wäre zu ausschweifend.
Johnny
-
Rüdiger
Mir gefällt das Buch auch sehr gut. Das mit dem Halef ist mir gar nicht aufgefallen und hat mich auch nicht gestört, es ist doch auch öfter mal so daß Halef etwas gelingt und sein Gefährte richtig stolz auf ihn ist. Außerdem macht er ja auch eine gewisse Entwicklung durch, worauf das "Figurenlexikon" anschaulich hinweist.
-
tainischoh
- Beiträge: 74
- Registriert: 28. Dez 2005, 21:06
- Wohnort: Kreuztal
-
sandhofer
- Beiträge: 96
- Registriert: 28. Dez 2005, 20:26
Re: Die Schatten des Schah-in-Schah
Hallo zusammen!
Grill ist ein weiteres Argument dafür, dass Mays Stil eben nicht "unnachahmlich" ist - so wie Hauffs Der Mann im Monde bewiesen hat, dass Clauren, im Gegensatz dazu, was zeitgenössische Kritiker und Fans behaupteten, ebem nicht unnachahmlich war.
Zu Halef: Den Zenith hat er bei Karl May meiner Meinung nach in Im Reiche des Silbernen Löwen III + IV erreicht. Dort wird er wirklich zu einer menschlichen und Kara ben Nemsi ebenbürtigen Figur. In Ardistan und Dschinnistan sinkt die Figur wieder ab - leider. Insofern hat Grill in seiner alternativen Fortführung - heute würde man sowas "Fanfiction" nennen ;o) - Mays Absicht in Bezug auf diese Figur wohl getroffen.
Grüsse
Sandhofer
Och, "perfekt" konnte es der Mayster selber nicht ...Johnny hat geschrieben:Ich persönlich finde, dass Grill den Stil vom Mayster sehr gut nachgeahmt hat, perfekt nicht, aber das ist ja auch nicht möglich.
Grill ist ein weiteres Argument dafür, dass Mays Stil eben nicht "unnachahmlich" ist - so wie Hauffs Der Mann im Monde bewiesen hat, dass Clauren, im Gegensatz dazu, was zeitgenössische Kritiker und Fans behaupteten, ebem nicht unnachahmlich war.
Zu Halef: Den Zenith hat er bei Karl May meiner Meinung nach in Im Reiche des Silbernen Löwen III + IV erreicht. Dort wird er wirklich zu einer menschlichen und Kara ben Nemsi ebenbürtigen Figur. In Ardistan und Dschinnistan sinkt die Figur wieder ab - leider. Insofern hat Grill in seiner alternativen Fortführung - heute würde man sowas "Fanfiction" nennen ;o) - Mays Absicht in Bezug auf diese Figur wohl getroffen.
Grüsse
Sandhofer
-
Rüdiger
Eigentlich wollte ich ja (das sind so Muster, Reflexe …) jetzt schreiben, doch, Karl May sei unnachahmlich, das sei wie mit diesen Kurven in der Mathematik (wie hießen die gleich …), die sich annähern, aber die Gerade nie erreichen, Grill sei zwar einigermaßen nah dran, aber es sei eben nicht, usw., aber dann fiel mir diese Stelle ein
„was sich uns da an Hässlichkeit der wohldurchdachten Absichten und an Niedertracht der abgrundtiefen Handlungsweisen entgegenstellt, das ist unrettbar dem Verderben geweiht. Denn wenn wir freundschaftlich behandelt und hochachtungsvoll geehrt werden, ist unsere Herablassung und Milde so unendlich wie die Zahl der Wüstenflöhe in den Einöden der Sahara; wer es aber wagt, unsere Ehre anzutasten oder gar die Lieblichkeit unseres Wesens und die stolze Männlichkeit unserer heldenmütigen Persönlichkeiten mit seinem Schmutz zu besudeln, der muss damit rechnen, dass ihm der Gluthauch unseres Zorns und die Pestilenz unseres Grimms solange um die Ohren pfeift, bis er zur Nichtigkeit eines Läkkä muräkkäb (Tintenkleckses) zusammenschrumpft, wie dergleichen auf den Briefen zu sehen sind, die ich in der Stille meines Tschadir (Zeltes) an meinen Effendi schreibe.“
Die steht bei Heinz Grill. Und die hätte Karl May nicht besser hingekriegt. Also gut, er ist nicht unnachahmlich.
:-)
;-)
„was sich uns da an Hässlichkeit der wohldurchdachten Absichten und an Niedertracht der abgrundtiefen Handlungsweisen entgegenstellt, das ist unrettbar dem Verderben geweiht. Denn wenn wir freundschaftlich behandelt und hochachtungsvoll geehrt werden, ist unsere Herablassung und Milde so unendlich wie die Zahl der Wüstenflöhe in den Einöden der Sahara; wer es aber wagt, unsere Ehre anzutasten oder gar die Lieblichkeit unseres Wesens und die stolze Männlichkeit unserer heldenmütigen Persönlichkeiten mit seinem Schmutz zu besudeln, der muss damit rechnen, dass ihm der Gluthauch unseres Zorns und die Pestilenz unseres Grimms solange um die Ohren pfeift, bis er zur Nichtigkeit eines Läkkä muräkkäb (Tintenkleckses) zusammenschrumpft, wie dergleichen auf den Briefen zu sehen sind, die ich in der Stille meines Tschadir (Zeltes) an meinen Effendi schreibe.“
Die steht bei Heinz Grill. Und die hätte Karl May nicht besser hingekriegt. Also gut, er ist nicht unnachahmlich.
:-)
;-)
-
Johnny
- Beiträge: 221
- Registriert: 6. Okt 2006, 18:23
- Wohnort: Köln
Ich mein ja nicht, dass May unnachahmlich gut sei, vom Stil her.
Sein Stil hat seine Eigenheiten und das gefällt mir;)
Ich finde, Grill konnte May erstaunlich gut nachahmen, besser als Mahrheinecke oder Laroche.
Genauso wie May - nein. Ein paar Schnitzer gibt es da schon. Außerdem hätte May bei ein paar Kleinigkeiten der Handlung etwas anders gemacht, aber eben nur Kleinigkeiten.
Okay, Halef wird immer heldenhafter. Das ist klar.
Aber so viele Taten auf einmal, wie am Ende der "Schatten"?
Nein. Ich glaube, Grill hat das nur gemacht weil er das Ende eben nicht noch länger herauszögern wollte.
Da musste der Hadschi halt nachhelfen.
Das wird daran gelegen haben, dass Grill etwas spontan geschrieben hat - wie May auch.
Trotz allem Lob ist Die Schatten des Schah-in-Schah- eben kein echter May; ein paar Mängel gibt es schon.
Im Anhang des Bandes steht ja auch, dass einige erläuternde Stellen gekürtzt wurden, weil es zu ausschweifend wäre.
Dadurch ist das Buch noch maynäher. So ist aber nicht Grills Originaltext - und gerade eben den sollte man bewerten.
Fazit: Das Buch ist sehr gelungen (kann man May noch besser nachahmen???) und eine würdige Fortsetzung von Bd. 26 und 27, in May altem Stil.
Sein Stil hat seine Eigenheiten und das gefällt mir;)
Ich finde, Grill konnte May erstaunlich gut nachahmen, besser als Mahrheinecke oder Laroche.
Genauso wie May - nein. Ein paar Schnitzer gibt es da schon. Außerdem hätte May bei ein paar Kleinigkeiten der Handlung etwas anders gemacht, aber eben nur Kleinigkeiten.
Okay, Halef wird immer heldenhafter. Das ist klar.
Aber so viele Taten auf einmal, wie am Ende der "Schatten"?
Nein. Ich glaube, Grill hat das nur gemacht weil er das Ende eben nicht noch länger herauszögern wollte.
Da musste der Hadschi halt nachhelfen.
Das wird daran gelegen haben, dass Grill etwas spontan geschrieben hat - wie May auch.
Trotz allem Lob ist Die Schatten des Schah-in-Schah- eben kein echter May; ein paar Mängel gibt es schon.
Im Anhang des Bandes steht ja auch, dass einige erläuternde Stellen gekürtzt wurden, weil es zu ausschweifend wäre.
Dadurch ist das Buch noch maynäher. So ist aber nicht Grills Originaltext - und gerade eben den sollte man bewerten.
Fazit: Das Buch ist sehr gelungen (kann man May noch besser nachahmen???) und eine würdige Fortsetzung von Bd. 26 und 27, in May altem Stil.
-
sandhofer
- Beiträge: 96
- Registriert: 28. Dez 2005, 20:26
Mays Stil
Hallo zusammen!
Grüsse
Sandhofer
In Bezug auf Grill habe ich das Nachwort anders verstanden. In Bezug auf May: Ich weiss, dass May diese Spontaneität von sich behauptet hat. Mangels Handschriften (oder mangels zugänglicher Handschriften) kann ich es aber nicht verifizieren.Johnny hat geschrieben:Das wird daran gelegen haben, dass Grill etwas spontan geschrieben hat - wie May auch.
Was macht denn einen "echten" May aus?Johnny hat geschrieben:Trotz allem Lob ist Die Schatten des Schah-in-Schah- eben kein echter May;[...]
Insofern als dass wir tatsächlich weder den Original-May noch den Original-Grill vor uns haben, können wir wirklich sagen: maynäher - ja.Johnny hat geschrieben:Dadurch ist das Buch noch maynäher. So ist aber nicht Grills Originaltext - und gerade eben den sollte man bewerten.
Stil-Fragen finde ich immer sehr interessant. Wie definiert sich Mays "alter Stil"?Johnny hat geschrieben: in May altem Stil.
Grüsse
Sandhofer
-
Johnny
- Beiträge: 221
- Registriert: 6. Okt 2006, 18:23
- Wohnort: Köln
Ich gehe einfach mal davon aus, das die Info stimmt, May hätte spontan geschrieben. Die Spontanietät Grills bezog ich nur darauf, dass Halef der Handlung schneller zum Ende verhelfen musste. Im Anhang des Buches steht ja auch, dass Grill seine Pläne teilweise geändert hat. Das ist dann ja auch spontan.
Hm...
Ich kann nicht richtig beschreiben, was einen echten May ausmacht, da gibt es zu viele Elemente.
Wer jahrelang May gelesen hat wird übrigens schon feststellen, dass es zwischen May und der teilweise gekürzten Textform von Grills "Schatten" schon - wenn auch winzige - Stilunterschiede gibt.
Eine konkrete Beschreibung kann man da nicht so eben abliefern.
Hm...
Ich kann nicht richtig beschreiben, was einen echten May ausmacht, da gibt es zu viele Elemente.
Wer jahrelang May gelesen hat wird übrigens schon feststellen, dass es zwischen May und der teilweise gekürzten Textform von Grills "Schatten" schon - wenn auch winzige - Stilunterschiede gibt.
Eine konkrete Beschreibung kann man da nicht so eben abliefern.
-
sandhofer
- Beiträge: 96
- Registriert: 28. Dez 2005, 20:26
Mays Stil
Hallo!
Grüsse
Sandhofer
Schade. Ich kenne eine einzige Untersuchung zu Mays Stil, und die hat mich nicht so ganz befriedigt. Dieser Das-kann-man-nicht-beschreiben-Argumentation (verschärfte Variante: Das-kann-man-nicht-beschreiben-das-muss-man-fühlen!) kann ich leider nicht folgen.Johnny hat geschrieben:Wer jahrelang May gelesen hat wird übrigens schon feststellen, dass es zwischen May und der teilweise gekürzten Textform von Grills "Schatten" schon - wenn auch winzige - Stilunterschiede gibt.
Eine konkrete Beschreibung kann man da nicht so eben abliefern.
Grüsse
Sandhofer
-
Rüdiger
-
sandhofer
- Beiträge: 96
- Registriert: 28. Dez 2005, 20:26
Mays Stil
Hallo!
Ich halte es für unmöglich, den persönlichen Stil bzw. Sprachgebrauch eines Autors so ins Detail festzulegen, dass Plagiate, Emendationen von Herausgebern und Redakteuren etc. mit 100%iger Sicherheit festgemacht werden könnten.
Aber ich bin immer bereit, dazuzulernen. Deshalb: Wenn jemand "Mays Stil" einwandfrei und unverwechselbar definieren könnte ...
Grüsse
Sandhofer
Ich halte es für unmöglich, den persönlichen Stil bzw. Sprachgebrauch eines Autors so ins Detail festzulegen, dass Plagiate, Emendationen von Herausgebern und Redakteuren etc. mit 100%iger Sicherheit festgemacht werden könnten.
Aber ich bin immer bereit, dazuzulernen. Deshalb: Wenn jemand "Mays Stil" einwandfrei und unverwechselbar definieren könnte ...
Grüsse
Sandhofer
-
Johnny
- Beiträge: 221
- Registriert: 6. Okt 2006, 18:23
- Wohnort: Köln
Sicher nicht, da seine Texte von gewissen Verlegern ja "stilistisch überarbeitet" wurden und man seinen Originalstil nur in wenigen Ausgaben zu lesen bekommt.
Lies dazu doch mal mein Thema Winnetous Erben (http://www.karl-may-forum.de/forum/view ... a446ef0b20), dort wird etwas über diese Verfälschungen "gesprochen".
Lies dazu doch mal mein Thema Winnetous Erben (http://www.karl-may-forum.de/forum/view ... a446ef0b20), dort wird etwas über diese Verfälschungen "gesprochen".
-
Rüdiger