Der Vorhang fällt für Gojko Mitic

ReinhardB
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Der Vorhang fällt für Gojko Mitic

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Anläßlich des Abschiedes von Winnetou-Darsteller Gojko Mitic in Bad Segeberg am kommenden Sonntag zieht die 'Segeberger Zeitung' nochmals Bilanz der 15 jährigen Karriere:

Der Vorhang fällt für Gojko Mitic
Gojko Mitic (66) kehrt am Sonntag den Bad Segeberger Karl-May-Festspiele den Rücken.

Wenn Winnetou am Sonntag zum letzten Mal in den Armen seines weißen Bruders Charly stirbt, geht am Kalkberg auch eine Ära zu Ende. 15 Jahre lang war Gojko Mitic (66) der bejubelte Held der Bad Segeberger Karl-May-Festspiele. Jetzt hängt er die Silberbüchse für immer an den Haken. Er geht aus freien Stücken, keiner hat ihn gebeten, niemand hat ihn gedrängt.
"15 Jahre reichen einfach", sagt Gojko Mitic, der Winnetou-Darsteller, der in 1024 Vorstellungen 3,6 Millionen Zuschauer begeisterte. Mit seiner Erscheinung, seinen Stunts, seinen Reitkünsten und seinen Friedensbotschaften.

Der Anfang war allerdings nicht leicht. Als Pierre Brice, sein berühmter Vorgänger, 1991 das Feld räumte, fragte man Gojko Mitic, ob er nicht dessen Rolle übernehmen wolle. Er hat sich von hoch oben, von der Spitze des Kalkbergs aus eine Vorstellung angesehen und danach gesagt: "Okay, das mach ich." Doch kaum einer kannte ihn hier, das Publikum nicht und auch viele Kollegen nicht. Er hat sich seine "Popularität hart erarbeiten müssen."

Dabei war der im Osten Berlins lebende gebürtige Serbe von den späten 60er bis in die frühen 80er Jahre nicht nur der populärste Indianerdarsteller der DDR, sondern der bekannteste Schauspieler im Osten überhaupt. In zwölf DEFA-Streifen, die als Pendant zu den westdeutschen "Winnetou"-Filmen gedreht wurden, spielte er die Hauptrollen. Was im Westen "Winnetou" war, war im Osten "Gojko". Und wenn die Kinder Cowboy und Indianer spielten, wollte jeder "Gojko" sein. Doch die west- und ostdeutschen Produktionen unterschieden sich gewaltig. Bei der DEFA gab es keine Witzfiguren wie Sam Hawkins, da gab es überhaupt nichts zu lachen. Es waren Filme, die Licht in das dunkelste Kapitel der amerikanischen Geschichte bringen sollten: die Vertreibung und Vernichtung der Indianer. Und dass sie sehr authentisch waren, erfuhr Gojko Mitic 2001 in den USA bei einem Besuch eines Reservats, wo er den Indianern zwei dieser Filme zeigte. "Sie wurden ganz still, klatschten Beifall und sagten: {sbquo}Ja, das ist unsere Geschichte.'"

1984 drehte die DEFA ihren letzen Indianerfilm, ins Häuptlingskostüm schlüpfte Gojko Mitic erst 1992 wieder – in Bad Segeberg. Sicher sei es ein Bruch gewesen, nach "Tokei-itho", "Ulzana", "Osceola" und "Tecumseh" den "Winnetou" zu geben. Aber er lässt auf den "Häuptling aller Apachen" nichts kommen. "Dank Karl May wurde in Europa überhaupt erst das Interesse für Indianer geweckt, und Winnetou ist schließlich ein Botschafter des Friedens", sagt Mitic, der den Krieg aus seiner eigenen Heimat kennt – einen Krieg, von dem er vorher nie geglaubt hätte, dass es ihn einmal geben könnte.

Dass Gojko Mitic in Bad Segeberg gern in die Fußstapfen von Pierre Brice getreten ist, hängt auch damit zusammen, dass sich beide von früher kannten – bei drei "Winnetou"-Verfilmungen kämpften sie gemeinsam gegen die Bösewichte. Jetzt ist er es, der geht. "Es waren 15 sehr schöne Jahre, und es fällt mir schwer, Abschied von einem Publikum zu nehmen, das mir sehr viel gegeben hat", sagt er. Wer sein Nachfolger wird, wisse er noch nicht. Und wie es für ihn weitergeht? "Ich habe zwei Film- und zwei Theaterangebote, aber erstmal mache ich Urlaub." Und wenn er noch einmal eine Rolle als weiser Häuptling angeboten bekäme? "Die würde ich wahrscheinlich schon annehmen. Von den Indianern kann man immer noch viel lernen."

Quelle: http://segeberg.nordclick.de/artikel/19 ... ko%20mitic
Autor: Thomas Eisenkrätzer
Segeberger Zeitung / 08.09.06