Winnetou und Tarantino

Apanatschka
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Winnetou und Tarantino

Beitrag von Apanatschka »

Am 20.8. startet Quentin Tarantinos Nazi-Frace "Inglorious Basterds" bei uns in den Kinos. Zu meiner vollkommenen Überraschung lese ich dazu im aktuellen Ray-Filmmagazin 07+08/09, dass es darin in der engl. OV einen längeren Dialog von Wehrmachtsangehörigen über Winnetou geben soll:

"Ganze Sequenzen, manchmal mehr als zehn Minuten, laufen in Deutsch ab... Vollkommen verwegen ist ene Szene, in der Wehrmachtsangehörige lange über die Nationalität des in den Staaten gänich unbekannten Apachen-Häuptling Winnetou deabttieren. Man kann sich kaum vorstellen, dass die 148-minütige Premierenfassung auch so in die KInos kommt..." (Daniel Kothenschulte, a.a.O., S. 10)

Nich genug damit. Auch Winnetou-Regisseur Reinl soll seine Hommage abbegkommen:

"Der Titel Inglorious basterds stammt, leicht verfremdet, aus dem Wrrk des Italieners Enzo G. Castellari. Aus Deutschland sind Alfred Vohrer oder Harald Reinl unverkennbare Vorbilder. Tarantinos Liebe zu diesem verkannten deutschen Unterhaltungsfilm ist grenzenlos..." (eda)

Das macht denn doch neugierig. Ist doch eine seltsamer popklutureller Adelsschlag Winnetous, der hier vollzogen wird. Ich bin jedenfalls auf August sehr gespannt! .... - Und Ende August treffen wir uns hier im Forum, und dann interessiert mich, was ihr datrüber denkt!
Rene Grießbach
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Re: Winnetou und Tarantino

Beitrag von Rene Grießbach »

Was mich seit Jahren und auch hier wieder mal maßlos stört, ist die Tatsache, dass der potentielle Kinogänger bzw. Filmkonsument wieder mal nichts mit dem Filmtitel anfangen kann.
Warum sind die Filmverleiher oder wer auch immer eigentlich nicht willens oder in der Lage, einen englischsprachigen Filmtitel ins Deutsche zu übertragen ?
Nun könnte man sich zwar, wenn man ein bisschen Englisch beherrscht, die Mühe machen, den Titel selber ins Deutsche zu übersetzen oder nach dem Wörterbuch zu greifen, aber das kann doch eigentlich nicht der Sinn der Sache sein.
Es gibt ja auch heute sicherleich manch einen, der kein englisch beherrscht. Und wird sich sagen: das waren noch Zeiten, als man wusste, wie der Film heißt, den man sich evtl anguckt ...

Übrigens ist für mich, und damit komme ich auf den Beitrag von Apanatschka, völlig unklar, was eigentlich ein "Frace" ist. Und zum Wörterbuchholen bin ich jetzt offen gesagt zu faul.
markus
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Re: Winnetou und Tarantino

Beitrag von markus »

Bin da ganz deiner Meinung Rene, dem gibts nichts mehr hinzuzufügen.
Duke
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Re: Winnetou und Tarantino

Beitrag von Duke »

Rene Grießbach hat geschrieben:Was mich seit Jahren und auch hier wieder mal maßlos stört, ist die Tatsache, dass der potentielle Kinogänger bzw. Filmkonsument wieder mal nichts mit dem Filmtitel anfangen kann.
Warum sind die Filmverleiher oder wer auch immer eigentlich nicht willens oder in der Lage, einen englischsprachigen Filmtitel ins Deutsche zu übertragen ?
Nun könnte man sich zwar, wenn man ein bisschen Englisch beherrscht, die Mühe machen, den Titel selber ins Deutsche zu übersetzen oder nach dem Wörterbuch zu greifen, aber das kann doch eigentlich nicht der Sinn der Sache sein.
Es gibt ja auch heute sicherleich manch einen, der kein englisch beherrscht. Und wird sich sagen: das waren noch Zeiten, als man wusste, wie der Film heißt, den man sich evtl anguckt ...

Übrigens ist für mich, und damit komme ich auf den Beitrag von Apanatschka, völlig unklar, was eigentlich ein "Frace" ist. Und zum Wörterbuchholen bin ich jetzt offen gesagt zu faul.
Ach ja, das waren wirklich noch Zeiten, als Filme "richtige" deutsche Titel bekamen, so wie Höllenfahrt nach Santa Fé für Stagecoach (da mussten die Verleiher dann sogar im Programmheft entschuldigend schreiben, dass die Fahrt nach "Lordsburg bei Santa Fé" geht, oder Der Marshal für True Grit (= wahrer Mumm). Nicht zu vergessen Spiel mir das Lied vom Tod statt Es war einmal im Westen.

Natürlich ist das mit dem deutschen Titel grundsätzlich gar nicht so verkehrt, aber leider ist es meistens so gewesen, dass die Eindeutschungen einfach peinlich und dumm waren. Wie Der schwarze Falke für einen Häuptling, der im Original Scar (=Narbe) hieß. Ich will gar nicht von TV-Serien anfangen, bitte mal die oft poetischen und meist mehrdeutigen Titel von Star Trek-Episoden mit den deutschen vergleichen, die immer auf das Primitivste den Inhalt wiedergeben. Oder eben auch schon mal aus den "Sieben von der Galileo" den Planeten (sic!!) Galileo Sieben machen.

Und das Frace, ob das nicht einfach eine Farce war..

Michael
ewureuab

Re: Winnetou und Tarantino

Beitrag von ewureuab »

Inglorious Bastards ist eine Art Remake vom gleichnamigen Enzo G. Castellari Film.
Der Film lief in Deutschland unter dem Titel EIN HAUFEN VERWEGENER HUNDE und ist extrem actionlastig und genauso sinnfrei. Es gibt bald eine Neuauflage der sehr guten Koch DVD mit zusätzlichem Tarantino Interview.
Meine Lieblingsszene im Castellari Film ist, wenn die Mädels im See beim Baden beobachtet werden und sie sich sich gestört fühlen und ihre Maschinengewehre barbusig im See stehend auf die bösen Männer abfeuern.
Das wackelt dann ganz schön.
Mit dem Remake erwartet uns ebenfalls ein ganz abgedrehtes Ding.
Sollte Harald Reinl zitiert werden, wird es bestimmt anders laufen als sich es ein Karl May Fan vorstellt.
Apanatschka
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Re: Winnetou und Tarantino

Beitrag von Apanatschka »

Also, nachdem ich den Film gestern gesehen habe: Die dt.-sprachige Diskussion der Wehrmachtssoldaten, ob Winnetou denn nun Amerikaner oder Deutscher wäre, ist - entgegen der oben zitierten Ray-Vermutung - auch in der intern. Kinoversion enthalten. Ob gekürzt oder nicht, kann ich natürlich nicht sagen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass dieser Dialog ursprünglich NOCH länger war.
Im selben Dialog wird auf "Edagr Wallace" angespielt, was zum Zeitpunkt des 2. WK natürlich möglich ist, aber natürlich hier im Zshg. mit Winnetou eine Referenz an die Filme der deutschen 60er-Jahre ist.
Bildkompositionen, die ausdrücklich an Vohrer oder Reinl erinnern, sind mir im Film beim ersten Mal Betrachten nicht aufgefallen, möglicherweise zeigt aber "Stolz der Nation", der Film in Film, eine paar Einstellungen, die bzgl. Perspektiven und Schnitt an die Wallace-Filme der 60er-Jahre angelehnt sind. Vielleciht hat da jemand mehr gesehen als ich? Würde mich jedenfalls interessieren, wenn wo ein unmittelbares Bild-Zitat wäre.
Helmut
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Re: Winnetou und Tarantino

Beitrag von Helmut »

Rene Grießbach hat geschrieben:Was mich seit Jahren und auch hier wieder mal maßlos stört, ist die Tatsache, dass der potentielle Kinogänger bzw. Filmkonsument wieder mal nichts mit dem Filmtitel anfangen kann.
Warum sind die Filmverleiher oder wer auch immer eigentlich nicht willens oder in der Lage, einen englischsprachigen Filmtitel ins Deutsche zu übertragen ?
Nun könnte man sich zwar, wenn man ein bisschen Englisch beherrscht, die Mühe machen, den Titel selber ins Deutsche zu übersetzen oder nach dem Wörterbuch zu greifen, aber das kann doch eigentlich nicht der Sinn der Sache sein.
Es gibt ja auch heute sicherleich manch einen, der kein englisch beherrscht. Und wird sich sagen: das waren noch Zeiten, als man wusste, wie der Film heißt, den man sich evtl anguckt ...
In diesem speziellen Fall ist eine "Übersetzung" ziemlich schwierig und vermutlich auch nicht angebracht. Der originale Titel "Inglourious Basterds" ist nämlich bewusst falsch geschriebenes Englisch, denn korrekt geschrieben müsste es "Inglorious Bastards" lauten(Ein Film mit diesem Titel gab es ja schon, wie oben geschrieben wurde, und Tarantino wollte auf diesen Film anspielen und sich gleichzeitig davon absetzen). Wie soll man so ein Wortspiel ins Deutsche übersetzen, damit dieser "Gag" erhalten bleibt?

Helmut
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