Die Besten im Westen

Nscho-tschi
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Die Besten im Westen

Beitrag von Nscho-tschi »

Erste Austrahlung war letzten Freitag um 20:15 Uhr auf WDR.

Seine Rolle als Santer in Winnetou I wird in diesem Portait ebenfalls angesprochen.

WDR Köln

Montag | 03.11.2008
14.15 - 15.00 (45 min.) 16:9 Stereo mit Untertiteln
Die Besten im Westen
Mario Adorf

Deutsche Mutter, italienischer Vater, französische Ehefrau. Geboren in Zürich, aufgewachsen in der Eifel, Wohnsitze in Rom und Paris. Es versteht sich von selbst, dass Mario Adorf vier Sprachen spricht, mit dem Rheinischen sogar fünf.
Trotzdem ist er immer der "Mayener Jung" geblieben, der natürlich längst auch zum Ehrenbürger seines Heimatortes ernannt wurde.

Seit einem halben Jahrhundert einer der größten Stars des deutschen Films, waren die Anfänge denkbar unglamourös. Denn der uneheliche Sohn aus kleinen Verhältnissen verlebte keine einfache Jugend. Seinen Vater, Matteo Menniti, traf er nur ein einziges Mal im Erwachsenenalter. Die Mutter, Alice Adorf, verdiente ihren Lebensunterhalt als Schneiderin, das Geräusch ihrer Nähmaschine begleitete Marios gesamte Jugend.

Die Mutter-Sohn Beziehung war von Anfang an eher Schicksalsgemeinschaft denn liebevolles Miteinander. Und weil Alice kaum Zeit für ihren Sohn fand, musste er unter der Woche im "Spitälchen", einem von Nonnen geleiteten Kinderheim, leben. Nur am Wochenende durfte er die Mutter besuchen, dann ging man gemeinsam im Sonntagstaat die Mayener Ringstraße entlang und anschließend Kaffee trinken. Wie sehr ihn diese Zeit geprägt hat, betont Mario Adorf immer wieder. Er wisse noch, was Hunger bedeutet, wie man die Angst im Luftschutzkeller übersteht, und wie man es aus eigenem Antrieb zu etwas bringen kann.

Seine Mutter hatte sich immer gewünscht, dass aus ihrem Sohn "ein Herr" würde. So wundert es nicht, dass sie ihn später nicht gern in seiner Rolle als psychopathischer Frauenmörder in "Nachts, wenn der Teufel kam" sah. Dieser Film prägte in den 50er Jahren sein "Schurken-Image" und machte ihn mit einem Schlag bekannt. Aber erst in "Der große Bellheim" sollte er dann als geschmackvoll gealterter Gentleman eher den mütterlichen Vorstellungen entsprechen.

Anfang der 60er Jahre ging Adorf nach Italien, weil von dort einfach die interessantesten Filmangebote kamen.
Er unternahm auch einen kurzen Ausflug nach Hollywood, hatte bald aber keine Lust mehr, "immer den Mexikaner zu spielen". Ein Rollenangebot von Francis Ford Coppola für dessen Film "Der Pate" lehnte er aber ab und bereute später diese "Hochnäsigkeit". Billy Wilder wollte ihn ebenfalls verpflichten, doch auch bei "1, 2, 3" war Adorf die ihm angebotene Rolle zu klein. Aber: 16 Jahre später drehte er mit Wilder "Feodora". In den 70er Jahren war er wieder verstärkt auf deutschen Kinoleinwänden zu sehen, in den besten Filme ihrer Ära. So in Schlöndorffs Grass-Verfilmung "Die Blechtrommel" als Oskar Matzeraths Vater und in Fassbinders "Lola", wo er den fiesen Baulöwen Schuchardt gab.

Das bodenständig Rheinische hat Mario Adorf bei vielen seiner Rollen geholfen. Vor allem als Emporkömmling Heinrich Haffenloher in "Kir Royal". Seine "Isch mach disch fertisch"-Ansprache an Klatschreporter Schimmerlos hat längst Kultstatus. Egal welche Rollen er spielt,
Adorf gelingt es immer, seinen Figuren etwas Menschliches mit auf den Weg zu geben. Trotz ihrer Schwächen mag man sie am Ende dann doch, zumindest ein bisschen. Und auch wenn er selbst bis heute behauptet, er sei nie der "Hofierte", sondern immer nur "der Gebrauchte" gewesen, wurde er von den Deutschen zum beliebtesten deutschsprachigen Schauspieler gewählt.

Inzwischen lebt Mario Adorf mit Ehefrau Monique in Paris. Noch immer steht er vor der Kamera, spielt Theater, hält Lesungen und schreibt Geschichten. Über sich selbst, über seine Kindheit und vor allem über seine Mutter. Er weiß, dass ihm nicht mehr all zu viel Zeit bleibt, aber einen kleinen Trost gibt es dann doch, wie er im Gespräch mit Ulrike Brincker verrät: "Na ja, man fühlt sich ja immer jünger als alle anderen im gleichen Alter."
guenni
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Re: Die Besten im Westen

Beitrag von guenni »

Ich habe ihn gesehen. Es war ein schöner Beitrag, er hat mir gefallen!!
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