Freilichtbühne Mörschied - Halbblut

Rüdiger

Re: Freilichtbühne Mörschied - Halbblut

Beitrag von Rüdiger »

Hi Markus,

der Schut und z.B. Abrahim Mamur sind Schurken auf hohem Niveau, interessante Persönlichkeiten. Auch Abu Seif. Da gibt es interessante Dialoge, Gedanken des Erzählers zu diesen Menschen, Denkanstöße.

Santer bleibt ziemlich farblos. In Winnetou I wird er kaum beschrieben, nicht einmal äußerlich. Ein farbloser Schemen, der da durch drei Bände geistert. Nun gut, er ist ein kalter Mörder, aber er ist nicht interessant. Die drei anderen genannten sind interessant. So wird es auch vom Erzähler empfunden. Mit den genannten beschäftigt er sich, mit Santer nicht.

An den Brinkley kann ich mich im Moment nicht so gut erinnern. Ich habe den "Schatz im Silbersee" auch erst einmal gelesen, im Gegensatz zu anderen Büchern Mays, die ich bis zu schätzungsweise zehn Mal gelesen habe.

Das mit dem Drama auf der Prärie hast Du, ganz ohne Quatsch jetzt, fein beobachtet. An die Szene erinnere ich mich recht gut, an die beiden armen Schweine, von denen dann einer "fällig" ist (an den Cornel aber auch da nicht so sehr). Karl May beschreibt das ganz nüchtern, ganz kalt, ohne zu werten, daß da der eine den anderen über die Klinge springen läßt, weil er sonst selber fällig wäre.

Adorf ist großartig, finde ich auch. An Lom erinnere ich mich nicht (die Filme gehen mir im großen und ganzen recht schnell aus den Augen und aus dem Sinn).

Grüße

Rüdiger
andrea
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Registriert: 29. Dez 2005, 12:51

Re: Freilichtbühne Mörschied - Halbblut

Beitrag von andrea »

Am 29.06. war ich mit einem ganzen Treck (Kinder und Erwachsene) in Mörschied. Wir haben uns bei richtig heißem Wetter mit der ganz großen Postkutsche durch die Täler und Höhen des Hunsrücks gequält. Es hätte uns nicht verwundert, wenn aus dem Gebüsch irgendwo der Schinderhannes herausgesprungen wäre, aber das ist ja eine andere Geschichte....

"Halbblut" ist ausgerechnet das Buch, welches ich so gar nicht mag. Von daher war ich recht kritisch eingestellt. Es wurde in Mörschied zuletzt 1998 gespielt, vor genau 10 Jahren. Und das war auch mein erster Besuch der Freilichtbühne dort. Damals spielte noch Stephan Glenk einen hervorragenden Senanda.

Mir hat die diesjährige Inszenierung sehr viel besser als letztes Jahr ("Im Tal des Todes") gefallen. Der Ablauf war flott, keine Längen, spannend, mit Verfolgungsritt, der sich in Mörschied aufgrund der örtlichen Gegebenheiten so schön machen lässt, sehr guten Zweikämpfen und natürlich auch ein paar heftigen Explosionen. Die Szenenwechsel gingen zügig über die Bühne. Die Musikauswahl war okay und passend.
Das, was wir letztes Jahr kritisiert haben, war dieses Jahr tatsächlich auch nicht mehr vorhanden.

Tante Droll und Hobble-Frank gaben ein tolles Paar ab. Sehr schön, wenn die Tante Droll den Hobble-Frank verbesserte und dieser darüber so schön böse wurde.
Herausragend waren meiner Ansicht nach Eric Nisius als Senanda und Marcel Gillmann als Tokvi-Kava, der schwarze Mustang. Die beiden waren richtig gut. Eric Nisius hatte mir schon letztes Jahr sehr gut gefallen. Beide waren schön böse und hinterhältig, vor allem Gillmann, als er den Sohn von Senanda ermorden ließ und dies den Weißen in die Schuhe schob, um Senanda als Verbündeten in den Krieg mit hineinzuziehen. Echt bösartig.

Aber auch der Nachwuchs, Nico Wittmann als Kita-Homascha, Alexander Klein als Juwaruwa und Tatjana Neu als Der kleine Hirsch haben absolut überzeugt. Da steht wirklich ein prima Nachwuchs auf der Bühne.

Die Story um die Timpes war auch gut in Szene gesetzt und kam nicht zu kurz. Schade ist, dass Christian Städter, dieses Jahr als Kas Timpe, keine größere Rolle hat. Vor 10 Jahren war er der Hobble-Frank.

Nun gut, ob man Chinesen nun wirklich Hong und Kong nennen musste, dahingestellt. Vor 10 Jahren hießen die Chinesen Tschen und Hong und Peng. Mich haben die Namen nicht gestört. Mich hat es mehr interessiert, wie mit den beiden nach dem Gewehrediebstahl umgegangen wurde. Die Abtrennung der Zöpfe war erträglich umgesetzt und kam entschieden besser als im Buch rüber.

Hans-Joachim Klein und Arnd Limpinsel als Old Shatterhand und Winnetou gaben ein souverän-routiniertes Blutsbrüderpaar ab. Klein glänzte einmal mehr in seinem Zweikampf mit Senanda. Da reckten die Kinder mächtig die Hälse, um ja nichts zu verpassen.

Marcel Gillmann hat laut Programmheft in diesem Jahr nicht nur das Textbuch geschrieben, sondern auch Regie geführt und eine Hauptrolle übernommen - das war schon eine gewaltige Aufgabe. Es ist ihm alles sehr gut gelungen, da kann man wirklich gar nicht meckern.
Auch meinem Mann ist das aufgefallen, der anmerkte, die Aufführung komme wesentlich besser rüber als im Vorjahr.

Meinen Treckies, von denen nur 2 schon einmal in Mörschied waren, hat es rundherum gut gefallen und fragten an, ob im nächsten Jahr wieder eine solche Fahrt angeboten würde. Tim, ein Junge von 11 Jahren, wollte sich nach beendeter Aufführung direkt ein Karl-May-Buch kaufen. Er konnte sich aber überhaupt nicht entscheiden, welches er nehmen sollte. Ich habe ihm dann zu W 1 geraten. Seine Frage, ob Bilder im Buch seien, musste ich leider verneinen. Ich bin gespannt, ob er es liest. Der Vater von 2 anderen Jungs erzählte mir gestern, seine 2 seien seit der Aufführung völlig aus dem Häuschen und spielten nur noch Indianer.

Vor der Fahrt habe ich den Kindern gesagt, ich würde sie nach der Aufführung zu dem Stück befragen. "Und wenn es mir gar nicht gefällt und es total blöd ist?" fragte mich vorher ein Junge. - Genau der holte nach der Aufführung tief Luft und sagte: "Boah, das war aber eine ganz tolle Aufführung!" Gefragt habe ich dann die Kinder, wer ihnen am besten gefallen habe. Sie waren einhellig der Meinung, Winnetou und Old Shatterhand.

Anschließend haben wir ganz schnell die Postkutsche wieder bestiegen, um rechtzeitig zum EM-Finale wieder in der Heimat zu sein.
Nächstes Jahr steht in Mörschied "Winnetou der Apatsche/Apache" auf dem Programm. Winnetou 1 haben sie 1999 auch gespielt. - Ich werde, so Gott will, nächstes Jahr wieder dabeisein.
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