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"Nein, den führen wir gar nicht"
Verfasst: 1. Jan 2007, 15:44
von n.f.
"Nein, den führen wir gar nicht", antwortet die Verkäuferin der Großbuchhandlung auf die Frage nach Karl May. Der ältere Kunde stutzt. "Der wird ja überhaupt nicht mehr gelesen", erläutert sie energisch. "Der ist out!" "Ach, wenn das so ist ...", seufzt der Kunde. Ja, so ist das wohl. Zehn Meter deckenhohe Regale Jugendliteratur - und nicht ein Band Karl May. Da bleibt dem Kind wohl nichts übrig, als zu Weihnachten einen weiteren Zaubererroman neben die Potters, Bartimäus und Eragons zu stellen.
So beginnt der Artikel "Vom Laserschwert zurück zur Silberbüchse? Warum Karl May immer seltener unterm Weihnachtsbaum landet - und warum das nicht sein müsste" (von Andreas Solbach), der bereits am 23. Dezember 2006 in diversen Zeitungen im Rhein-Main-Gebiet im Ressort Feuilleton veröffentlicht wurde.
Interessierte finden den vollständigen Text beispielsweise unter der folgenden Adresse:
http://www.az-badkreuznach.de/feuilleto ... id=2653636
Verfasst: 1. Jan 2007, 17:07
von Rolf Dernen
Ein äußerst lesenswerter Artikel. Danke, Nicolas, für den Tip.
Grüße
Rolf
Verfasst: 2. Jan 2007, 19:18
von andrea
Danke.
Verfasst: 2. Jan 2007, 19:45
von JennyFlorstedt
Ich finde den Halef auf der Weihnachtskarte nett. Und den sehr milde äugenden Winnetou. :-)
ta
Verfasst: 2. Jan 2007, 20:59
von Rüdiger
Ich seh' gar keinen Halef. Nur eine etwas merkwürdig geratene Mischung aus Heinz Rührmann, Zwerg Nase und Rumpelstilzchen.
Und der Winnetou erinnert an die netten Herren vom neuen Cover von Band 39. Die begegnen einem jetzt anscheinend öfter.
;-)
Verfasst: 2. Jan 2007, 21:33
von giesbert
Zitat aus dem verlinkten Artikel: Statt mit "Expelliamus!" blaue Blitze zu schleudern ...
das heißt "Expelliarmus". Und es geht weniger um das Schleudern blauer Blitze als um die Entwaffnung des Gegners (aus dem Lateinischen: expellere & arma).
Nicht dass hier noch einer auf die Idee kommt, ich könnte nicht kleinlich sein 8-)
Verfasst: 2. Jan 2007, 22:53
von Rolf Dernen
Da kennt aber einer seinen Harry sehr gut.
"Die Waffen nieder!" (B. von Suttner)
Verfasst: 3. Jan 2007, 00:49
von Hermesmeier
Da ist der giesbert nicht allein. Mich hatte dieser Schreibfehler im Artikel auch gleich gestört, zumal ich - seit amazon mich unaufgefort darauf hinwies - noch ungeduldiger auf Band 7 "Harry Potter and the Deathly Hollows" warte.
Und halten zu Gnaden: Dieses Gegeneinander Ausspielen von Karl May und J. K. Rowling geht mir auf den Senkel. Als ob es um ein entweder - oder ginge. Wer will, kann doch beides lesen. Und wenn schon Vergleiche, wieso dann nicht einmal ein anderer. Werden Artikel zu Karl May nur noch dann gelesen, wenn Harry Potter auch erwähnt wird?
Und noch problematischer: Wenn wirklich mal jemand untersucht, welcher der beiden Autoren die intelligentere Geschichte, mehr Doppelbödigkeit, mehr Sprachwitz, die feingliedrigere Struktur, den größeren Tiefgang hat, dann fürchte ich, sieht Karl May bei aller Wertschätzung einfach alt aus.
Sobald Harry Potter am Ziel - an welchem auch immer - ist, könnte mal jemand diesen Zyklus mit Mays sechsbändiger Orientreise vergleichen.
Ende der heutigen Nachtgedanken.
Verfasst: 3. Jan 2007, 02:06
von IDDOC
Naja so alt sieht der gute May nicht aus.
HP ist in erster Linie Kinder und Jugendliteratur.Mrs.Rowling schreibt denn auch auf dem sprachlichen Niveau eines/r 12-14 jaehrigen Lesers.
May hat ausser seinen Spemann -Erzaehlungen nichts fuer die Jugend geschrieben und diese Jugenderzaehlungen sind mit Sicherheit nicht schlechter als HP und waren ,beruecksichtigt man die unterschiedlichen Zeiten ihrer Publikation , aehnlich populaer.
Ob jemand HP noch in 100 Jahren kennt,wage ich zu bezweifeln.
HP ist reine Fantasyliteratur,bei May konnte der damalige Leser noch allerhand ueber fremde Kulturen,Religionen etc lernen.
Don't compare apples and oranges.
Verfasst: 3. Jan 2007, 07:30
von JennyFlorstedt
Naja.. bei Frau Rowling kann sich jeder Zwölfjährige auf Leseebene 1 prächtig unterhalten. Man hat ja auch schon Neunjährige gesehen, die sich mit den Wälzern in Straßenbahnen und Bussen herumdrücken.
Neee, im Gegensatz zu einigen May-Erzählungen ist HP Hochkultur.
Aber der Vergleich ist wirklich hinfällig. Immerhin steckte May schon lange vor dem ersten Auftauchen von HP in der Krise.
ta
PS: Perfekt für Achtjährige ist übrigens "Eine lausige Hexe" von Jill Murphy. Eindeutige Motiv-Parallelen zu Potter, aber "harmloser" und mit viel Humor, ohne gleich klamaukig zu sein.
Verfasst: 3. Jan 2007, 09:01
von Rüdiger
mehr Doppelbödigkeit, mehr Sprachwitz,
Hier empfiehlt sich
a.) immer die Originalfassung lesen
b.) immer gut aufpassen
;-))
Verfasst: 3. Jan 2007, 10:49
von JennyFlorstedt
Gilt aber für beide. ;-)
Die hektischen deutschen Potter-Übersetzungen sind für literaturwissenschaftliche Untersuchungen auch nicht geeignet.
ta
Verfasst: 3. Jan 2007, 13:21
von Hermesmeier
HP ist in erster Linie Kinder und Jugendliteratur.Mrs.Rowling schreibt denn auch auf dem sprachlichen Niveau eines/r 12-14 jaehrigen Lesers.
Das mag für den deutschen Übersetzer gelten, nicht aber für J. K. Rowling. Und die Bände 4-6 würde ich auch keinem 14-Jährigen zum Lesen geben.
Einige Lateinkenntnisse sind bei der Lektüre übrigens durchaus nützlich.
Wenn ich nun wüsste ...
Verfasst: 3. Jan 2007, 16:24
von sandhofer
Rüdiger hat geschrieben:Ich seh' gar keinen Halef. Nur eine etwas merkwürdig geratene Mischung aus Heinz Rührmann, Zwerg Nase und Rumpelstilzchen.
Wenn ich nun bloss wüsste, ob der Verschreiber Absicht war ... *ggg*
Grüsse
Sandhofer
Verfasst: 3. Jan 2007, 16:42
von Rüdiger
Der Verschreiber war von Fritz Kortner (der hat ihn an den Münchener Kammerspielen so angeredet) geklaut und Absicht.
;-)