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Wer sah früher die Karl-May-Filme zu Weihnachten im Kino?
Verfasst: 21. Dez 2006, 15:55
von Karl-Heinz Becker
Weihnachten war nicht nur für Karl May eine wunderbare Festzeit, sondern auch für viele Fans der May-Filme. Schließlich erblickte in den 1960er Jahren ein Großteil der herrlichen Karl-May-Streifen das Kinolicht in der Weihnachtszeit. Damit machten die Filme Weihnachten für die Fans zu einem doppelten Hochgenuss! Wer kann sich noch daran erinnern?
Ich selbst habe Silbersee (Advent 1962) und Winnetou I (Advent 1963) erst Wochen nach ihrer Premiere in den Bezirkskinos gesehen, aber "Unter Geiern" erlebte ich 1964 im Hamburger Ufa-Palast am "Dritten Weihnachtstag". Ja, richtig gelesen. Der 27. Dezember war damals nämlich ein Sonntag. Der Film hat mich ziemlich begeistert (nicht ganz so stark wie Silbersee und W I). Vor allem der Titelritt von Vater und Sohn Baumann quer über die große Kinoleinwand, untermalt von einem neuem Heldenthema Martin Böttchers, der Old-Surehand-Melodie - das war Faszination in Vollendung. Selten ging mir so das Herz auf!
Wie erging es euch mit den Filmen? Viele haben sie ja auch erst später im Fernsehen gesehen, aber vielleicht auch zu Weihnachten?
Bin gespannt, eure Erinnerungen zu lesen.
Gruß, Karl-Heinz
Verfasst: 21. Dez 2006, 16:39
von Rolf Dernen
Hallo Karl-Heinz!
"Silbersee" und "Winnetou I" kamen tatsächlich im Dezember in die Kinos, ebenso "Unter Geiern". Ich kann mich zwar noch recht genau an meine kindliche Begeisterung erinnern (war damals 10 bzw. 12 Jahre alt), aber daß das in die Weihnachtszeit gefallen ist, habe ich vollständig vergessen. Ich denke mal, daß mir ein neuer Karl-May-Film damals entschieden wichtiger war als Weihnachten, Ostern Geburtstag oder sonst ein Fest. Man muß diese Filme in relativ frühem Alter gesehen haben, um mit ihnen etwas anfange zu können. Sie sind reine Nostalgie heutzutage, aber ich stehe absolut zu dieser Faszination. Gerade Einstellungen wie die von Dir geschilderte: schöne Landschaft, Böttchers Musik und ein paar Reiter, das liebe ich heute immer noch.
Speziell zu karl May; Du schreibst: "Weihnachten war nicht nur für Karl May eine wunderbare Festzeit." Das ist nicht so ganz richtig. may schreibt in seiner Autobiographie von für ihn sehr bitteren Erlebnissen gerade um Weihnachten herum. Schau mal in die neue Ausgabe von KARL MAY & Co. hinein, da habe ich das ein bißchen zusammengefaßt.
Grüße
Rolf
Verfasst: 22. Dez 2006, 11:40
von Karl-Heinz Becker
Natürlich hast du Recht, Rolf, dass Weihnachten für May privat oft eine schwierige Zeit gewesen ist.
Meine Erwähnung bezog sich jedoch auf Karl Mays Weihnachts-Schilderungen (Weihnacht, Weihnachtslied, Bescherung bei den Aussätzigen etc.). Darin nehmen Adventszeit und Christfest immer eine herausgehobene Stellung ein.
Frohe Festtage wünscht
Karl-Heinz
Verfasst: 22. Dez 2006, 18:14
von reinhardhh
Mich erinnern die Karl May Filme vor allem auch an Kinos, die es heute alle nicht mehr gibt. Winnetou II sah ich in Hamburg im Roxy (heute Aldi Markt), Unter Geiern im Gloria (heute Penny?) und Winnetou III im Urania (abgerissen). Die Erstaufführungstheater waren meinen Eltern zu weit entfernt, so musste ich immer sehnsüchtig warten, bis die Filme in den Stadtteilkinos angekommen waren. Die Wirkung seinerzeit war natürlich viel gewaltiger als für heutige Kids, schließlich gab es zuhause nur einen S/W Fernseher, der nur das 1. Fernsehprogramm übertrug. Und da im Kino diese Farben, diese Größe, dieser Ton. Nur die ewig langen Wochenschauen und Reklamedias vor den Filmen fand ich unerträglich (eben ungeduldig).
Das Unter Geiern Plakat hing wochenlang am Bahnhof Habichtsstr., sodass ich jeden Tag nach der Schule die Stufen herunter auf das große Plakat zulief und mehrmals Schelte einfing, weil ich in Gedanken in die Landschaft eintauchte und so das Nachhausegehen vergaß...
Verfasst: 22. Dez 2006, 19:41
von Rolf Dernen
Ja, die alten Kinos! In Bonn war es in erster Linie das "Hansa" am Kaiserplatz, ein schöner, großer Saal, der später zu drei Schuhkartonkinos umgebaut wurde, die aber auch schon seit 15 Jahren nicht mehr existieren. Wochenschau, Werbung, im schlimmsten Fall sogar noch ein Vorfilm (wegen der Vergnügungssteuer: Wenn der Hauptfilm kein "Prädikat wertvoll" hatte, packte man von Verleih einen preisgekrönten Vorfilm dazu, um die Steuer zu sparen) - eine Geduldsprobe sonder Gleichen für uns damals.
Verfasst: 22. Dez 2006, 23:08
von Waldläufer
In Bonn im Hansa?
Das würde mich aber etwas genauer interessieren, da ich30 Jahre in Bonn "aufgewachsen" bin. Ich habe Apanatschi Ende der 70er im Metropol, WuSiTal der Toten im Gangolf und Old Firehand im alten Woki und im Stern gesehen.
Waren die meisten May-Filme im Hansa? Ich kenne das Hansa nur als etwas größeres Hansa 1 und kleines Hansa2.
Verfasst: 22. Dez 2006, 23:30
von Rolf Dernen
Meine "Hansa"-Zeit war vorher. In den 60er Jahren war das noch ein großer Saal zu ebener Erde. Die beiden von Dir angesprochenen Kinos waren eine Treppe hoch, als schon die Kaiserpassage gebaut war. Die Rialto-Filme liefen damals (ab 1962) alle im alten "Hansa", die CCC-Filme teilweise im Metropol, dem schönsten Kino Bonns, das sie nun auch platt gemacht haben.
Verfasst: 23. Dez 2006, 13:08
von Karl-Heinz Becker
@ Reinhard:
Ja, wir als Hamburger ... - Die ersten beiden Winnetou-Filme (Silbersee, W I) sah ich auch im Stadtteilkino, beide im Roxy, allerdings Eppendorfer Landstraße. Vier Lichtspielhäuser dieses Namens gab es damals in HH.
Danach folgten alle May-Erlebnisse in den Erstaufführungstheatern in der City. Witzigerweise hieß das überwiegend auf Winnetou-Premieren abonnierte Kino ja auch "City". Tausend Zuschauer passten dort hinein. Leider existiert es heute ebenso wenig wie viele andere der May-Erstaufführungstheater. Die beiden einzigen, die noch bestehen, sind das Passage-Kino und das Savoy (heute ein ausschließliches Bollywood-Theater).
Um auf unser ursprüngliches Thema zurückzukommen: In der Passage sah ich im Advent 1965 "Durchs wilde Kurdistan" (nicht gerade der Knüller) und 1966 "Old Firehand" - der bombastische Abgesang auf Karl-Mays Filmzauber.
Karl-Heinz
Verfasst: 28. Dez 2006, 20:12
von n.f.
Danach folgten alle May-Erlebnisse in den Erstaufführungstheatern in der City. Witzigerweise hieß das überwiegend auf Winnetou-Premieren abonnierte Kino ja auch "City". Tausend Zuschauer passten dort hinein. Leider existiert es heute ebenso wenig wie viele andere der May-Erstaufführungstheater. Die beiden einzigen, die noch bestehen, sind das Passage-Kino und das Savoy (heute ein ausschließliches Bollywood-Theater).
Nebenbei bemerkt: Über die Geschichte des "City"-Kinos informiert die brandaktuelle Ausgabe der Zeitschrift "Hamburger Flimmern" des Hamburger Film- und Fernsehmuseums e. V. auf vier bebilderten Seiten (Zitat: "Nach und nach wurde die gesamte Kinoeinrichtung entfernt und für eine neue Filiale der Billigladenkette 'Aladin' hergerichtet - deren Name stammte übrigens auch von einem ehemaligen UFA-Kino, dem 'Aladin' auf der Reeperbahn ...", ein Beitrag von Volker Reißmann). In dieser Zeitschrift hat es in vorigen Ausgaben bereits Artikel u. a. zu den Hamburger Kinos "Savoy" und "Barke" gegeben (Artikelreihe "Alte Hamburger Lichtspielhäuser"; bislang 12 Teile erschienen).
Die aktuelle Nummer bringt übrigens auch einen Beitrag zum Filmkomponisten Gerhard Trede. Ein dezenter May-Bezug: Trede war es, der in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre die Musik zu den Songs der Bad Segeberger Karl-May-Spiele komponierte (u. a. das "Manitou"-Lied, 1973, und "Yo quiro mi paes", 1974), die in Kooperation mit dem NDR-Redakteur Udo Langhoff entstanden, der sich von diesen Songs eine gesteigerte Attraktivität seiner Fernseh-Aufzeichnungen der norddeutschen Festspiele erhoffte.
Ein doppeltes Exemplar der aktuellen Ausgabe der o.g. Zeitschrift gebe ich gern an einen Interessenten ab.
Viele Grüße
Nicolas
(... der seine ersten cineastischen Erfahrungen in Sachen May 1988 in einem Kino in Rostock-Warnemünde sammelte ["Winnetou 1. Teil"]...)
Verfasst: 28. Dez 2006, 20:24
von andrea
Hihihi, ich habe gerade beim Überdentextfliegen anstatt "erste cineastische Erfahrungen in Sachen May" glatt "drastische Erfahrungen" gelesen. Freud´scher Verleser....
*schaut weiter "Das schwarze Schaf"*- Ich finde die Filme einfach herrlich.
ach ja, lang ist's her...
Verfasst: 2. Jan 2007, 19:16
von wittkowsky
Ja, ja - zu der Zeit hatten wir in Nordenham noch fünf Kinos, heute ist es nur noch eins, aufgeteilt in zwei Säle. In vier von den fünfen habe ich jeweils mindestens einen Karl-May-Film gesehen. Ich kenne sie also noch alle aus dem Kino. Im Metropol gab es "Der Schatz im Silbersee" und ich durfte mir den mit 11 Jahren 1962 sogar allein ansehen. Nach den ersten Musiktakten stellten sich mir die Nackenhaare hoch und ich war der Musik hoffnungslos verfallen.
Und, oh Wunder, nach ein par Tagen fand ich im Plattenladen sogar eine Single mit der Filmmusik! Das war meine erste selbstgekaufte Single (die erste selbstgekaufte LP war übrigens das Monohörspiel "Der Schut" mit Joseph Offenbach als Hadschi Halef Omar.). Damit war mein Musikgeschmack festgelegt - die Hälfte meiner Plattensammlung ist Instrumentalmusik und davon wiederum die Hälfte Original-Filmmusik (aber nicht diese so genannten Soundtracks mit Popmusikverschnitt, die behaupten, sie würden aus einem Film stammen).
Wir hatten zu der Zeit einen batteriegetriebenen Plattenspieler mit abnehmbaren Lautsprecher, den man auch zum Campingurlaub mitnehmen konnte und da lief dann die ganze Zeit die Musik aus dem Silbersee und die restlichen Singles, die ich auch alle ergattern konnte (inklusive "Durchs wilde Kurdistan"). Leider war ein Campingurlaub ziemlich heiß und die Originalplatten sind dabei etwas wellig geworden - aber zum Glück ist jetzt ja auch alles auch auf CD erhältlich.
Wilfried