Die Veröffentlichung von Günter Eichs "Fährten in der Prärie" mit Will Quadflieg als Winnetou wäre sicher etwas Besonderes und sehr zu begrüßen.
Dazu gleich noch einige Fragen: Ist es eigentlich zutreffend, dass das Hörspiel, das Eich ja schon 1936 verfasste (oder bereits veröffentlichte? Siehe hierzu:
http://karlmay.leo.org/kmg/seklit/JbKMG/1984/60.htm), erstmals 1959, als es vom NDR produziert wurde, aufgegriffen wurde? Oder gab es gar eine erste andere Aufnahme bzw. Sendung aus den Dreißigerjahren? Darauf könnte etwa diese Quelle (der Beitrag "Das Hörspiel. Dramaturgie und Geschichte" von Heinz Schwitzke) hinweisen:
http://www.mediaculture-online.de/filea ... spiel.html
Dort heißt es u. a.:
"Daß daneben in der Hamburger Sendereihe auch Wiederbelebungsversuche mißglückten, soll nicht verschwiegen werden: Hermann Kessers einstmals berühmtes Hörspiel
Straßenmann wurde, freilich in der alten, etwas abgespielten Aufnahme von 1930, aber mit einem sehr geschickten und anekdotenreichen Vorwort seines alten Berliner Regisseurs, Alfred Braun, gesendet und blieb ohne größeres Echo,
Eichs Fährten in der Prärie, ein Hörspiel über Winnetou und Old Shatterhand, das Harald Braun 1936 angeregt hat, und Rolf Reißmanns rossedurchstampfter Dschingis Khan-Hörfilm
Der gelbe Reiter aus derselben Redaktion und demselben Jahr sind, ebenso wie Kasacks Arbeitslosenhörspiel
Der Ruf – 1932 aus der Redaktion Edlef Köppens hervorgegangen – vermutlich unwiederbringlich dahin."
Die Quelle enthält darüber hinaus eine Zeittafel, in der die (offenbar zuvor erwähnten) Hörspiele, chronologisch sortiert und - vermutlich - mit einem Sendeort versehen, aufgeführt werden. "Fährten in der Prärie" ist unter 1936 vermerkt mit dem Zusatz "Berlin". Ist also von einer Uraufführung 1936 in Berlin und einer Neuinszenierung 1959 durch den NDR auszugehen? In der in Schwitzkes o. g. Aufsatz erwähnten "Hamburger Sendereihe" dieser Zeit gab es ja offenbar seinerzeit mehrere solcher Wiederbelebungsversuche und Neuinszenierungen.
Zieht man Hansotto Hatzigs lobenswerten Beitrag "Winnetou macht sich selbständig. Beispiele der Interpretation durch Schauspieler: Hans Otto – Will Quadflieg – Pierre Brice" (in: "Karl Mays 'Winnetou'. Studien zu einem Mythos", hg. von Dieter Sudhoff und Hartmut Vollmer, 1989 erschienen bei Suhrkamp) als weitere Quelle heran, erfährt man von Will Quadfliegs (bekannter) Winnetou-Verkörperung 1938 an der Berliner Volksbühne und von seiner Mitwirkung als Winnetou-Sprecher "in dem damals entstandenen [!] Hörspiel von Günter Eich". Was heißt das nun? Sprach Quadflieg den Winnetou in einer Uraufführung des Hörspiels bereits in den Dreißigern und wurde diese Fassung 1959 wiederholt (sofern seinerzeit überhaupt aufgezeichnet) oder neu inszeniert - erneut mit Quadflieg? Oder hat Eich die "Fährten" nur 1936 geschrieben, und der NDR griff das Manuskript 1959 auf? In diesem Fall wäre die damalige Bezeichnung "Neuinszenierung" allerdings etwas irreführend.
Vielleicht ist es jemandem möglich, hier Klarheit zu schaffen?