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Unfug

Verfasst: 18. Jul 2006, 14:50
von Rüdiger
"Der Scharlih ist die älteste und bekannteste Auszeichnung, die mit dem Namen Karl May verbunden ist" las ich heute.

Ob er das weiß, da oben bei Marah Durimeh ? Nicht daß er noch eines Tages 'runterkommt und das Ding, wie auch immer es aussehen mag, einem der Preisträger auf dem Kopf zerdeppert.

Es ist schon verblüffend, wie nebensächliche Begleiterscheinungen wie Freilichtspiele und Verfilmungen mit dem Namen Karl May gleichgesetzt werden.

Nein, bitte keine weitere "Öffentlichkeitsarbeit" und Popularisierung. Wirklich nicht.

Re: Unfug

Verfasst: 18. Jul 2006, 16:20
von Rolf Dernen
Rüdiger hat geschrieben: Es ist schon verblüffend, wie nebensächliche Begleiterscheinungen wie Freilichtspiele und Verfilmungen mit dem Namen Karl May gleichgesetzt werden.

Nein, bitte keine weitere "Öffentlichkeitsarbeit" und Popularisierung. Wirklich nicht.
Verblüffend ist das gar nicht, weil "Karl May" längst ein Phänomen, ein Markenzeichen, ein Etikett ist. Ich bin einigermaßen sicher, daß die Tatsache, es handele sich um einen Autor, vielfach eher unbekannt oder zumindest uninteressant ist. Das mag man bedauern, aber es ist halt so. Bei einem meiner Segeberg-Besuche meinte die Dame an der Hotelrezeption, die Bühnenstücke hätten ja mit den Filmen nicht viel zu tun. Meine Bemerkung, die Vorlagen seien eher Bücher, hat sie dann wohl nicht so richtig verstanden. Vielfach werden die Filme als Primärquellen gesehen, und da geht es schon los. Andererseits erreiche ich beim Zusammensein mir Bühnen- und Filmfans immer wieder mal, daß das Thema "Buch" den einen oder anderen dann doch interessiert. Und Öffentlichkeitsarbeit für Karl May bedeutet eben, das Interesse für den gedruckten Karl May zu wecken, Vorurteile auszuräumen, Klischees abzubauen etc. Das ist mir persönlich schon einigermaßen wichtig.

Grüße

Rolf

Verfasst: 18. Jul 2006, 16:29
von Rüdiger
Wenn die Öffentlichkeitsarbeit in die Richtung geht, wie Du es schilderst, dann Ja. Aber das sehe ich nicht. Ich sehe, daß die KMG anfängt, sich mit Freilichtaufführungen und Verfilmungen zu beschäftigen, nach meinem Eindruck um sich mehr in Richtung breite Öffentlichkeit zu bewegen, unfreundlicher ausgedrückt, sich bei ihr ein bißchen anzubiedern. Und das kann man m.E. getrost vergessen.

Im übrigen will ich die Filme und meinetwegen auch solche Marketing-Erscheinungen wie diese Preise gar nicht miesmachen. Ich finde nur diese GLEICHSETZUNG mit Karl May völlig daneben und richtig fatal. Und selbst wenn der Satz mit dem Scharlih sachlich stimmen mag, die Formulierung ist dermaßen unglücklich, daß ich senkrecht im Stuhl gehockt bin, als ich das las.

Verfasst: 18. Jul 2006, 16:38
von Rolf Dernen
Die "breite Öffentlichkeit" ist aber genau die Zielgruppe, für die beispielsweise ich selbst in KARL MAY & Co. schreibe. Und nicht nur ich. Wenn beispielsweise Ekkehard Bartsch alljährlich die Buchvorlage des jeweiligen Segeberger Bühnenstücks beleuchtet, so ist das ein Crossover, das nicht mit Anbiederung sondern mit Karl-May-PR zu tun hat. Und ähnlich empfinde ich die zaghafte Öffnung der KMG für das, was ich durchaus auch schon mal gerne "Gedöns" nenne. Man kann natürlich ketzerisch anmerken, daß der KMG sowieso langsam die Themen ausgehen.

In einem anderen Forum las ich den klugen Satz: "Eine Schlange, die sich nicht häutet, stirbt".

Grüße

Rolf

Verfasst: 18. Jul 2006, 16:53
von Rüdiger
Es gibt vielleicht verschiedene Häutungs-Möglichkeiten.

Und ob eine Weinstube, damit wieder mehr Leute kommen, unbedingt den guten Wein mit Mineralwasser, Cola oder Red Bull mixen sollte (Trauben-Power red and white für die Kinder nicht zu vergessen), können wir auch mal dahingestellt sein lassen.

;-]

Verfasst: 18. Jul 2006, 17:41
von Rolf Dernen
Niemand verlangt, daß der Wein (mir fällt gerade ein: "Chateau Migraine") mit Cola gemischt wird. Klares Wasser geht noch an, das macht man gerne in südlichen Ländern. Auf der Getränkekarte kann ja durchaus Wein, Wasser und Cola nebeneinander stehen. Und dann heißt es: aussuchen. "Leben ist aussuchen", um Tucholsky zu zitieren. (Der May allerdings nicht mochte). - Guck mal, wat nützt dir die beste Weinstube, wenn du der einzige Gast bist, weil keiner mitkommen will. Irgendwann macht die dann zu. Und dann weißte nicht mehr wohin. Ich sach immer: trinken und trinken lassen. Lesen und lesen lassen. Und leben sowieso.

Verfasst: 18. Jul 2006, 18:12
von Rüdiger
Du hast schon Recht, wobei mir "Trinken und trinken lassen" besonders gut gefällt, da muß ich gleich an zwei Herren denken, bzw., einige Jahre zurückblickend, drei.

;-))

Aber zu "wat nützt dir die beste Weinstube, wenn du der einzige Gast bist" muß ich doch noch mal meinen Eigenbrötler-Senf dazugeben: gelegentlich gehe ich sonntags in unserer Kantine essen. Das ist ein Riesen-Raum, wo schätzungsweise ein paar hundert Leute reinpassen. Sonntags bin ich dann manchmal der einzige dort. Was meinst Du wie ich das genieße: kein Beobachtet-werden, kein Angequatscht-werden, keine Gespräche und Geräusche hören müssen, kein Hin- und Hergelaufe, nichts. Ruhe & Frieden, wunderbar. Besser geht nicht.

Aber ich komm' vom Thema ab.

;-)

Verfasst: 18. Jul 2006, 18:32
von Rolf Dernen
Nun kommste mir mit der Kantine! Ich rede von der Weinstube. In der Kantine kann man sich die Leute nicht aussuchen (deswegen betrete ich sowas auch nur in äußersten Notfällen), aber so eine gemütliche Weinstube, wo es eben halt auch Cola gibt (irgeneiner muß ja hinterher noch Auto fahren), das ist etwas ganz anderes.

Und wenn ich jetzt hier auch vielleicht etwas zu sehr pro domo argumentiere, da mir das Konzept von KM&Co. wirklich gut gefällt: um all das, was mit May zu tun hat (man mag es begrüßen oder bedauern) wenigstens ein bißchen unter einen Hut zu bekommen, muß sich die KMG öffnen. Und sie dabei zu unterstützen halte ich für äußerst wichtig.

Verfasst: 18. Jul 2006, 21:05
von tainischoh
Ich denke auch daß man mit diesem sturen-in-eine-Richtung- marschieren auf die Dauer gesehen nicht wirklich weiterkommt. Da muß man schon mal etwas über den Tellerrand hinaus blicken und auch mal einen anderen, vielleicht etwas ungewohnten Weg gehen.

Ich als eines der Küken in der Runde kann es ja wohl mal ganz offen ansprechen: ohne eine gewisse Öffnung nach außen hin wird die KMG nämlich über kurz oder lang zu einer "Grufti-Organisation" (ich hoffe jetzt fliegen gleich nicht irgendwelche Gegenstände ;-))mutieren, die irgendwann ganz still und leise in der Versenkung verschwindet. Und darum wäre es absolut schade, denn es gibt noch viel zu entdecken und zu bewegen, da bin ich mir sicher.

Verfasst: 20. Jul 2006, 16:29
von IDDOC
Was fuer eine interessante Diskussion.
rolfd hat recht,die arrogante Einstellung eines Ruediger fuehrt direkt in die Gruft,um tainischoh zu zitieren.
Ich habe die Erfahrung gemacht,wer sich besonderes arrogant und elitaer verhaelt, ist im wirklichen Leben oft ein armes Wuerstchen.
Apropos, wer geht schon Sonntags in eine leere Kantine.

Verfasst: 20. Jul 2006, 17:30
von Rolf Dernen
IDDOC hat geschrieben:Was fuer eine interessante Diskussion.
rolfd hat recht,die arrogante Einstellung eines Ruediger fuehrt direkt in die Gruft,um tainischoh zu zitieren.
Ich habe die Erfahrung gemacht,wer sich besonderes arrogant und elitaer verhaelt, ist im wirklichen Leben oft ein armes Wuerstchen.
Apropos, wer geht schon Sonntags in eine leere Kantine.
Nun ja, auch wenn ich mich freue, daß Du mir zustimmst, solltest Du nicht so vorschnell ein Urteil über jemanden fällen, nur weil er sich etwas pointiert ausdrückt. Arroganz kann auch durchaus ein Spiel sein, das ich selbst auch schon mal ganz gerne spiele, je nachdem wie ich drauf bin.

Verfasst: 20. Jul 2006, 17:45
von Rüdiger
Lieber IDDOC,

über gewisse psychologische Grundweisheiten (man könnte in einer etwas unfreundlicheren Tonlage auch von Binsenweisheiten sprechen) scheinen Sie ja durchaus zu verfügen.

Eine Neigung zu vermutlich arrogant wirkendem, elitärem Gehabe ist mir gelegentlich leider freilich nicht abzusprechen und mag durchaus auch etwas mit Kompensation zu tun haben, betrachte ich doch die Tatsache, in etwa vergleichbar wie weiland Kafka in der Arbeiter-Unfall-Versicherungsanstalt oder Melville im Zollamt gewissermaßen am falschen Ort zu sitzen und vielleicht doch zu anderem in der Lage zu sein, gelegentlich mit einer gewissen Bitterkeit.

Sie haben aber das, was ich ausdrücken wollte, offensichtlich überhaupt nicht verstanden. Mir ging es nicht um das Abqualifizieren der Filme, sondern um die Tatsache, dass die GLEICHSETZUNG der Filme und sonstiger Vermarktungs- und Erscheinungsformen mit dem Werk Karl Mays mir gegen den Strich geht. Dieses bzw. ein ähnliches Schicksal teilt Karl May mit Mark Twain, Jack London und anderen, es wird nur ein Teil-Aspekt des Werks einer größeren Aufmerksamkeit für wert befunden und daraus ein populäres, verzerrtes aber gut vermarktbares Gesamtbild gebastelt.

Daß Sie dann am Ende mit der Kantine am Sonntag auf sehr unbeholfen wirkende Weise versuchen, persönlich zu werden, erhöht nicht den Überzeugungsgrad Ihrer Zeilen.

Lassen Sie das mit den dumpfen Feindbildern doch einfach sein, bringt doch nichts, und lernen Sie, ein wenig zu differenzieren, wenn Sie das schaffen.

Glückauf !

Sorry

Verfasst: 20. Jul 2006, 18:32
von IDDOC
Tut mir leid,ich wollte niemanden persoenlich beleidigen.
Habe auch nichts gegen eine "pointierte"Ausdrucksweise.
Im uebrigen geht's mir wie "Ruediger" ich setzte keineswegs die Filme,Festspiele oder aehnliches mit dem originalen May gleich.
Trotzdem die vor Arroganz triefenden Beitraege aergern mich.

Verfasst: 21. Jul 2006, 08:54
von Rüdiger
Der Thread-Titel war meinerseits durchaus unglücklich (plakativ provozierend) gewählt, und es wurde mit Kanonen auf Spatzen geschossen; ob wegen einer mißlungenen Formulierung ein ganzer Thread hätte angelegt werden müssen, können wir im Nachhinein auch ruhig mal dahingestellt sein lassen.

Wenn da z.B. gestanden hätte "Auszeichnung, die mit den Karl-May-Filmen verbunden ist" statt "Auszeichnung, die mit dem Namen Karl May verbunden ist", wäre alles in Ordnung gewesen, und der ganze Sturm im Wasserglas nicht nötig. Nur darum ging es mir. Hoffentlich wird das jetzt, entspannter vorgetragen, etwas deutlicher.

Ich habe die Filme als Kind auch sehr gerne gesehen, und damals haben sie mich auch beeindruckt. Das funktioniert heute nicht mehr, dazu habe ich mich zuviel mit Karl May beschäftigt, um nicht zu erkennen, dass seine Geschichten in den Filmen halt auf die bloße (oft auch noch stark veränderte) Handlung reduziert sind und dadurch (naturgemäß) so einiges, was in den Büchern, und oft zwischen den Zeilen, zu finden ist, auf der Strecke bleibt. Auch die Komik finde ich in den Büchern viel feiner, origineller und witziger, über einen Eddi Arent als Lord Castlepool z.B. oder auch Chris Howland als „Tuff-Tuff“ kann ich beim besten Willen wirklich keine Miene verziehen.

Und „Karl-May-Stars“ sind für mich z.B. Leute wie Hadschi Halef Omar, David Lindsay oder Old Firehand, während Musiker, Stars oder Sternchen aus Verfilmungen für mich mit Karl May herzlich wenig zu tun haben und mich auch nicht interessieren.

Das ist keine Arroganz, sondern persönlicher Geschmack, und das kann und soll jeder natürlich auch gerne anders sehen.

Ich sehe auf die Film-Freunde überhaupt nicht herab, ich mag ja auch nicht, wenn sich überlegen dünkende Intellektuelle auf mich und meine Karl-May-Begeisterung herabsehen, jeder hat halt seins, und in der Film-Abteilung im Forum habe ich oft den Eindruck, dass dort die netteren, weil unkomplizierten und friedlichen Leute zu finden sind.

Salam !

Verfasst: 21. Jul 2006, 17:29
von IDDOC
Kann man nur zustimmen