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Eine naive Frage zum Henrystutzen

Verfasst: 12. Jul 2006, 00:52
von Starker Bär
Liebe Leute, ich bräuchte für eine halbwissenschaftliche Recherche ein paar einfache Informationen zur geheimnisvollen Mayschen Version des Henrystutzens als griffiges Beispiel eines ziemlich nebulos umschriebenen technischen Sachverhalts.
Grundsätzlich ist meine persönliche Old-Shatterhand-Zeit schon einige Jahrzehnte her. Gerne würde ich mir wieder mal eine Lesung gönnen, allein mir fehlt die Zeit dazu. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Nun habe ich mich mal ganz kurz diagonallesend eingearbeitet und im Kapitel "Ein Greenhorn" aus Winnetou I gleich mal die grundsätzliche, reichliche kryptisch gehaltene Beschreibung aus dem Munde Meister Henrys himself gefunden. So weit, so gut.

Nun meine weiterführenden Fragen dazu:

Wann, bzw. in welchem Band bekommt denn unser Held den Henrystutzen endgültig in die Hand? Denn vorerst zieht er ja offensichtlich "nur" mit dem Bärentöter los.
Gibt es noch an anderer Stelle im Gesamtwerk Karl Mays Hinweise auf das Aussehen und/oder die Funktion oder gar technische Daten wie Größe und Gewicht der Wunderwaffe?
Gibt es zum literarischen Henrystutzen wissenschaftliche Betrachtungen, wo sich May z. B. seine Inspiration, bzw. seine Teilinformationen dazu holte?
Gibt es irgendwo im Werk einen Hinweis auf das Kaliber, bzw. auf die erforderliche Munition der Wunderwaffe?
Wie wird eigentlich "repetiert" oder besser gesagt ein anderes der 25 Löcher zur oder hinter oder in die Kammer gebracht? Mittels irgendwelcher Hebel oder durch manuelle Drehung der, wenn ich das richtig verstanden habe, polygonen Kugel?
Wird die ominöse Waffe eigentlich von unserem Helden jemals gepflegt, d. h. zerlegt und gereinigt?
Erlebt Old Shatterhand, bzw. Kara Ben Nemsi bei seinem wunderbaren Stutzen jemals einen Munitionsversager oder klappt das immer wie am Schnürchen?
Wird im Gesamtwerk der Stutzen eigentlich immer nur Stutzen oder doch irgendwo einmal auch Karabiner/Carbine genannt?
Zur Munition: Was geschieht mit den Hülsen? (Ich nehme mal an, daß May von konventioneller Hülsenmunition und nicht von der nicht unproblematischen und leistungsschwachen Volcanic-Lösung ausgeht) Fallen die raus? Werden die beim Nachladen entnommen? Da man ja keine Spuren hinterlassen will, werden die Hülsen wohl immer mitgenommen, oder? Oder ist das ein zu banales Thema, das ebenso wie die grundsätzlichen körperlichen Bedürfnisse nicht gesondert erwähnt wird?

Tja, das war es auch schon. Und nun warte ich mal gespannt, ob es hier einen Henrystutzen-Spezialisten gibt.....

Liebe Grüße aus Wien....und hoffentlich habe ich meine Fragen im richtigen Teil des Forums positioniert...

Verfasst: 12. Jul 2006, 09:36
von Dine
Hallihallo!

Also eine Spezialistin bin ich beim besten Willen nicht, aber eine der zahlreichen Fragen, wohl die einfachste, kann ich beantworten. Shatterhand bekommt den Henrystutzen in Winnetou II.

Ich hoffe es folgen andere, die von Gewehren mehr Anhung haben und dir da weiterhelfen können.

Lg Dine

Hm....

Verfasst: 12. Jul 2006, 15:03
von Starker Bär
Hast Du das vielleicht noch etwas genauer als "Winnetou II"???? Weißt Du zufällig das Kapitel, damit ich nicht solange suchen muß?

Starker Bär, der sich bei der Hitze alle Anstrengungen ersparen will, hehe

Verfasst: 12. Jul 2006, 15:56
von Dine
Hallo!

Es ist direkt das erste Kapitel, das auch "Der Henrystutzen" heißt. Bei meiner grünen Ausgabe fängt das auf S.13 im letzten Abschnitt an mit "er öffnete seinen Gewehrschrank..."

Genau genug *g*?

Lg Dine

Verfasst: 12. Jul 2006, 16:14
von Rolf Dernen
Hallo Starker Bär!

Es ist immer die Frage, welche May-Ausgabe Du verwendest. Möchtest du nach dem unbearbeiteten Erstdruck zitieren, dann wäre das im 2. Band die Seite 394. (Winnetou der Rote Gentleman. 2.Band. Von Carl May. Freiburg i.B., Verlag von Friedrich Ernst Fehsenfeld [Carl May's gesammelte Reiseromane. Band VIII])

Zum Waffentechnischen kommen wir gleich noch, ich muß erst schnell ein paar Quellen zusammensuchen.

Grüße

Rolf

Zur 1. Frage

Verfasst: 12. Jul 2006, 17:01
von Starker Bär
Danke, also das find ich nun schon, wo er wann den Stutzen bekam. Die anderen Fragen interessieren mich noch sehr.

Zu den Ausgaben: Bin bin (noch) kein Karl May-Spezialist, aber seit (oder wegen) meiner Kinderzeit ist für mich Banausen nur die grüne, ich denke das ist die Bamberger, Ausgabe für mich "existent".
Andere kenne ich noch gar nicht. Gibt es denn wesentlich bessere Ausgaben als die Bamberger....aber das ist nun schon ein anderes Kapitel... Aber wenn die Unterschiede marginal sind, dann bleib ich auch dabei, wenn mein Sohnemann alt genug dazu ist. Aber das waren nur so Nebengedanken, Karl Mays Waffentechnik-Science Fiction ist momentan viel, viel interessanter.
Wollte auch keine Arbeit delegieren, eine gute Quellenangabe dazu tut es zur Not eigentlich auch. Ich denke mir, daß dieses so wenig konkrete Thema doch schon andere gereizt haben müßte.

Re: Eine naive Frage zum Henrystutzen

Verfasst: 12. Jul 2006, 17:07
von Rolf Dernen
Nun also weiter im Text:

Deinen Fragen und speziell der Erwähnung von Volcanic sehe ich an, daß Du einige waffentechnische Kenntnisse hast. Mit amerikanischen Repetiergewehren des 19. Jahrhunderts dürftest du Dich daher wohl auskennen. Und daß Mays Henrystutzen ein reines Phantasieprodukt ist, wird Dir wohl auch klar sein

Meines Wissens gibt es im Werk keinerlei Angaben über Größe oder Kaliber der Waffe. Über den Repetiervorgang gibt es im Werk die unterschiedlichsten Aussagen. "...Bei jedem Schusse rückt die Kugel weiter, die Patrone an den Lauf" (Winnetou I). Dann aber auch: "Ich legte an und schoß, nach jedem Schusse die excentrisch sich bewegende Patronenkugel des Henrystutzens mit dem Daumen weiterdrehend..." (Satan und Ischariot II). Dann aber auch wieder: "...sie bewegt sich bei jdem Schusse von selbst..." (In den Schluchten des Balkan). Wiederum anders: "...indem ich die Kugel, welche die Patronen enthält, mit dem Drücker bewegte...(In den Cordilleren) - Du siehst, er wußte es selbst nicht.
Von der Bezeichnung als "Karabiner" weiß ich nichts. Ebenso habe ich nicht in Erinnerung, irgendwo gelesen zu haben, wie die Patronenhülsen aus der famosen Kugel entfernt wurden. Einfach in der Gegend rumliegen lassen durfte man die ja sowieso nicht, da wären findige Spurenleser auf jeden Fall gleich drauf gekommen, daß hier der große Old Shatterhand mal wieder rumgeballert hatte.

Es gibt über die drei Gewehre ein hervorragendes Buch, das leider vergriffen ist: "Silberbüchse, Bärentöter, Henrystutzen. Die berühmtesten Gewehre des Wilden Westens". Herausgegeben von der Karl May-Stiftung, Radebeul und dort von Museumsshop vertrieben. Es läßt sich aber noch auftreiben, etwa beim Antiquariat von Ekkehard Bartsch in Bad Segeberg.

Grüße

Rolf

Verfasst: 12. Jul 2006, 17:17
von Rüdiger
Zu den Ausgaben: Bin bin (noch) kein Karl May-Spezialist, aber seit (oder wegen) meiner Kinderzeit ist für mich Banausen nur die grüne, ich denke das ist die Bamberger, Ausgabe für mich "existent".
Andere kenne ich noch gar nicht. Gibt es denn wesentlich bessere Ausgaben als die Bamberger....aber das ist nun schon ein anderes Kapitel... Aber wenn die Unterschiede marginal sind, dann bleib ich auch dabei,
Wenn ich mich recht entsinne, besucht Old Shatterhand den Mr. Henry in Winnetou II zwei mal. Und einer dieser Besuche steht im stark bearbeiteten grünen Band (Winnetou II ist einer der am stärksten veränderten Bände bei den Reiseerzählungen, immer noch) an einer ganz anderen Stelle als im Original. Insofern ist es in diesem Zusammenhang schon relevant, mit welcher Ausgabe man es zu tun hat.

Suuuuuper

Verfasst: 12. Jul 2006, 17:30
von Starker Bär
Genau DAS habe ich mir vorgestellt.

Ich hatte eben schon genau diesen Verdacht, daß er selber sich nicht darüber klar war oder klar sein wollte und daß sich deshalb Widersprüche ergeben müssen. Aber ich bin Karl May für genau diese seine Art der Erzählungen dankbar und ihm nicht gram, daß für ihn die Waffentechnik nicht so wichtig war.
Da fällt mir ein, daß ich glaube, mich daran erinnern zu können, daß er es auch mit der - technisch sehr leicht nachvollziehbaren - Unterscheidung zwischen Revolver und Pistole nicht so genau nahm. Aber auch da bin ich ihm nicht bös, denn das schaffen die meisten Lokaljournalisten heute noch nicht :-)
Und wie war das nun mit der Waffenpflege? Ein technisch so anspruchsvolles, kompliziertes Gerät wie der Henrystutzen mußte ja sicher oft und regelmäßig gepflegt werden, vor allem in Wüstegegenden. Kommt dieser Aspekt bei May irgendwie vor?
Ach ja, noch was: der Bärentöter war ja ein ganz besonders starkes Gewehr. Gab es die Munition zum Kaufen, war die einfach zu besorgen oder war das - wie es rein technisch bedingt sein müßte - Handarbeit? Oder waren alle diese Dinge für den Erzähler unwichtige, weil selbstverständliche Randgebiete?

Vielen Dank für die Literaturangabe, ich werde dem nachgehen.

Verfasst: 12. Jul 2006, 17:44
von Rolf Dernen
Pistole und Revolver konnte May normalerweise schon auseinanderhalten. Wenn er auch schon mal, ich glaube, es war im "Waldröschen", Patronenrevolver beschreibt, die es zur Zeit der Handlung noch nicht gab.

Von Waffenpflege weiß ich aus dem Werk selbst nichts. May hat zu seiner Renommierzeit allerhand über den Henrystutzen herumschwadroniert, was man aber hier wohl vergessen kann. Ich denke, es geht Dir nur um Aussagen im Werk selbst.

Daß der Bärentöter ein Vorderlader war, dürfte im Werk stillschweigend vorausgesetzt worden sein. Daher wird es für den Westmann kein Problem gewesen sein, mit der passenden Kugelpresse sich die Geschosse selbst herzustellen. Wird aber auch meines Wissens nirgendwo explizit beschrieben.

Ich bin bei meinen Aussagen auf mein Gedächtnis angewiesen, daher sind diese wirklich nicht unbedingt hieb- und stichfest. Sollte jemand anderes mich korrigieren können, wäre ich dankbar. Da mich die hier angesprochenen Themen allerdings schon von Jugend an interessiert haben, denke ich, daß ich nicht so falsch liege. Generell kann ich sagen, daß Mays Waffenkenntnis - speziell in Bezug auf Waffen im Wilden Westen - eher gering waren. Aber dazu wird man in ein paar Monaten Genaueres im Magazin lesen
;-)))).

Nachtrag

Verfasst: 12. Jul 2006, 18:03
von Rolf Dernen
Im Karl-May-Jahrbuch 1927 hat ein Ingenieur ("Dem Ingeniör ist nichts zu schwör" - Daniel Düsentrieb) eine Konstruktionszeichnung veröffentlicht und beschrieben, wie er sich das mit der exzentrischen Kugel vorstellt. Ein Schußwaffensachverständiger antwortet auf diese Sache, es ist alles sehr heiter zu lesen. Das hier aber auszubreiten würde den Rahmen des Forums sprengen. Leider sind die alten Jahrbücher längst vergriffen. Ich bin aber gerne bereit, auf Anfrage eine Fotokopie zu senden. Meine eMail-Adresse findet sich in meinem Profil.

Grüße

Rolf

Verfasst: 12. Jul 2006, 18:06
von JennyFlorstedt
Hier und da kauft Old Shatterhand Munition (z.B. in New Venango). Aber irgendwo schwirrt mir auch ein Kugelnselbergießen durch die Erinnerung. Nicht beschrieben, sondern erwähnt.

Ha! Gefunden...
Mit Old Death kauft er Blei. Da hat er aber den Stutzen noch nicht.

ta

Verfasst: 12. Jul 2006, 18:21
von Rolf Dernen
JennyFlorstedt hat geschrieben:Hier und da kauft Old Shatterhand Munition (z.B. in New Venango). Aber irgendwo schwirrt mir auch ein Kugelnselbergießen durch die Erinnerung. Nicht beschrieben, sondern erwähnt.

Ha! Gefunden...
Mit Old Death kauft er Blei. Da hat er aber den Stutzen noch nicht.

ta
Danke, Jenny. In der Bearbeitung hat er ihn quasi schon, läßt ihn aber bei Mr. Henry. Im Originaltext bekommt er ihn erst nach dem Old-Death-Abenteuer. Und nun könnten wir dem "Starken Bär" noch erzählen, aus welchen älteren Erzählungen May "Winnetou II" zusammengefummelt hat, dann wird er wahrscheinlich wahnsinnig. Oder ein "Problembär", und dann müßte er Bayern meiden.

Verfasst: 12. Jul 2006, 19:27
von Rüdiger
dann wird er wahrscheinlich wahnsinnig.
Der eine wird wahnsinnig, wenn es um interessante Fragen der Textgeschichte geht, der andere gerät an Randbereiche eben dieser Gefahr, wenn waffentechnische Fachfragen & Antworten daherkommen, mit wachsender Begeisterung und in allen Einzelheiten. So sind die Anfälligkeiten durchaus verschieden ...

;-)

Verfasst: 12. Jul 2006, 20:03
von Helmut
BTW:
von der Broschüre "Silberbüchse, Bärentöter, Henrystutzen, ..." wird derzeit ein Exemplar bei ebay angeboten.

Helmut