Nach meines doch sehr enttäuschten Eindrucks und meiner danach verärgerten geschriebenen Kritik 2015 (
http://www.karl-may-magazin.de/forum/vi ... f=3&t=3399),die mir selbst danach von Mitarbeitern der Spiele bestätigt wurde, bin ich doch recht lustlos zu "Winnetou II" gefahren. Meinen Kindern zu Liebe aber dann doch ein neuer Versuch.
Was soll ich sagen? Vieles hat sich sehr zum positiven geändert. Gleich beim Hereinkommen wird man wie gewohnt sehr freundlich empfangen.
Der Internetkauf der Tickets klappt reibungslos. Die Westernstadt selbst erstrahl deutlich generalüberholt, oder um ein Besucherzitat von 2015 anzubringen "endlich mal geputzt". Gefängnis und Museum erstrahlen in neuem Glanz, es sind Kinderklettergerüste aufgestellt worden, der Saloon innen hat ein neues Bühnenbild spendiert bekommen. Aufgrund des schlechten Essens 2015 haben wir diesmal dort drauf verzichtet, so dass ich zur Gastronomie nichts schreiben kann. Die 2015 noch sehr negativ aufgefallene Indianerausstellung war verschlossen. Werden auch hier notwendige Neuerungen getroffen? Es wäre wünschenswert. Insgesamt erschien das ganze Areal deutlich "freundlicher" und moderner. Wir alle waren freudig überrascht und es bleibt zu hoffen, dass die Geschäftsführung weiter in die Aussenanlage investiert, um konkurenzfähig zu bleiben. Toiletten z.b sind in Ordnung, aber sicher auch einmal verbesserungswürdig. Ansonsten aber ein äußerst positiver Gesamteindruck und ich freute mich geradezu persönlich, dass man doch etwas tut. Natürlich im Rahmen der finanziellen Mittel in kleinen Schritten, aber es bleibt zu hoffen, dass man da dranbleibt.
Klasse finden wir auch wie den Besuchern die Möglichkeit gegeben wird, schon im Vorfeld ganz nah an den Schauspielern und am Geschehen hinter den Kulissen zu sein. So waren meine 3 Jungs hin und weg, als sie Peter Görlach, oder Matthias M. beim Einreiten Ihrer Pferde beobachten konnten.
Auch das Rahmenprogramm scheint umgestaltet worden zu sein. Es gibt eine kleine Show unter Einbeziehung der Kinder. Sehr gut.
Und Winnetou II ? In einem Wort " Gigantisch". Ein ganz dickes Lob an die beiden Autoren und Regisseure Görlach /M. . Eine stringente, nie langweilende Handlung. Eine grandiose Musikauswahl, in der natürlich auch Hans Zimmer und Steve Jablonsky nicht fehlen durften. Gänsehaut und Begeisterung. Rührung und Spaß. Spätestens bei dem kongenialen "Chevalier de Sangreal" und dem Auftritt einer sehr sympathischen Ribanna, bekam auch Papa feuchte Augen. Da hat Herr Görlach ein Händchen für. Keine Bühne in Deutschland versteht es so Pathos und Emotionen unter die Zuschauer zu bringen. Da kann Elspe und Segeberg sich abschauen, wie es geht.
Meine Kritik an den Nebenrollen und ihren Leistungen 2015, ist 2016 zum Gegenteil umgeschlagen. Hier hat sich das Engagement von Sprechtrainerin Susanne Bentzien mehr als bezahlt gemacht. Alle Schauspieler haben dazugewonnen, ganz besonders aber die Nebendarsteller. Petra Laschner zeigt ihre mit Abstand beste Rolle, Gisela Böhnisch professionell und auch Sam Hawkens war für mich die beste Rolle von Michael Englert. Die Komik zwischen ihm und dem toll aufspielenden Björn Trenner wohl dosiert. Die gefüchrterte Holzhammerkomik Segebergs oder vergangener Dasinger Zeiten blieb aus. Die Kinder vor mir und meine haben sich "weggeschmissen". Selbst die kleine 9jährige "Sarah" war schauspielerisch überzeugend. Tolle ausdrucksstarke Stimme. Bleibt für die Nebenrollen festzustellen, dass der "Klassenunterschied" nicht mehr vorhande war. Ganz tolle Weiterentwicklung. Hat mich enorm gefreut, dass man hier anscheinend hart gearbeitet hat.
Und dann war da noch Ribanna alias Marina Hohnke. Mein 8 Jahre alter Sohn flüsterte mir nur nach der Hälfte Ihres Auftrittes ins Ohr " Papa ich bin verknallt in Ribanna" und auch Papa musste feststellen dass man sich dem Lächeln von "Ribanna" kaum entziehen konnte. So waren wir dann auch doppelt traurig, als sie den Tod fand. Schaupsielerisch konnte auch Marina Hohnke voll überzeugen.
Peter Bechtel als Old Firehand mag einen Besuchern vielleicht zu alt für die Rolle gewesen sein, aber die Darstellung des berühmten Westmannes war gelungen.Allein schon Kostüm und die ergrauten langen Haare waren eindrucksvoll. Übrigens waren die Kostüme dieses Jahr ganz besonders zu bewundern.
Matthias M. wie immer souverän und einfach unnachahmbar. Ich habe Birkholz mehrfach erlebt, aber an die Geschmeidigkeit, Sportlichkeit, Ausstrahlung und Edelmütigkeit kommt da Keiner ran. Alleine seite Art zu reiten, erinnert uns Filmfans doch sehr an "unseren echten Winnetou".
Meine persönliche Lieblingszene war die Verabschiedung von Ribanna nach der gegenseitigen Liebeserklärung. Hier kam wieder sein ausdrucksstarker Blick nach unten, mit einem leichten Kopfnicken voll zur Geltung. Ganz stark Herr M.!!
Besonders positiv überrascht war ich auch über die Darstellung von Herrn Görlach als Parranoh. War es 2015 doch etwas langweilig und ermüdend gewesen, die immer gleichen Gesten und Betonungen seiner Ausdrucksweise zu beobachten, so hat er dieses JAhr ebenfalls eine kräftige Weiterentwicklung gemacht. Seine Rolle ist diesmal nicht " Apanatschka, Tangua oder "Großer Wolf", sondern eben ein ganz eigenständiger Parranoh. Keine Kopie Meinolf Papes. Auch wenn es etwas viel des Lobes wird, so war auch er dieses Jahr einfach toll und ganz klar am stärksten von all seinen Darstellungen. Hier steckt noch viel Potential, wenn er weiter den Schritt wagt eine eigene Darstellungsweise zu finden ohne Pape zu imitieren.
Eine nicht mehr zu kritisierende Verbesserung ist auch in der Auswahl der Pferde getroffen worden. Kein Kaltblut trottet beim Angriff der Indianer mehr über die Bühne. Stattdessen wilde warmblütige Indianerpferde.
Insgesamt habe ich mich über alle Verbesserungen der Geschäftsführung, der Akteure, des Stückes und des positiven Aufwärtstrendes der Dasinger Festspiele sehr gefreut. Denn nach der Enttäuschung und des Frustes 2015 habe ich bei "Winnetou 2" wieder Begeisterung gespührt. Emotionen und eine positive Aura, so dass ich nach 2012/2013 auch 2016 wieder schreiben kann " Für mich vom Stück selbst die beste May-Bühne in Deutschland".
Was für ein Traum hätten die Dasinger das Kapital und vorallem die Cinemascope-Bühne mit ihrer Landschaftswirkung Elspes.
Bitte macht weiter so und vorallem investiert weiterhin in die Anlage selbst.
Wir kommen wieder 2017!