Neue Fundstelle für "Winnetou. Eine Reiseerinnerung&quo
Verfasst: 20. Mai 2006, 13:46
Liebe Karl-May-Freunde,
nach dem Zufallsfund der 4 Regensburger Marienkalender habe ich mich, wie das alte Antiquare so tun, ein wenig an bibliographische Stöbereien gemacht, angeregt auch durch die faszinierende Lektüre der alten Nummern der "Mitteilungen" der KMG, die ein guter Geist eingescannt hat- eine Fundgrube. Ich las mich darin fest bis heute früh fünf Uhr, als die ersten Vögel sangen.
Da war ich nun in der rechten Stimmung, nach dem Frühstück (das so früh nicht war) aufs Geradewohl in bestimmte Regionen meines Kellers hinabzusteigen. Das ist wie ein Abtragen archäologischer Schichten, denn 30 Jahre Arbeit als Antiquar liegen da, nach irrealen Prinzipien in glücklicheren, weil jüngeren Jahren aufgetürmt.
Man entwickelt da so einen gewissen Jagdinstinkt. Der Jäger "ahnt" ja auch: In diesem Gebüsch, über jene Lichtung dort trabt die Sau herbei, wenn wir Glück haben, vielleicht, wer weiß.
Sie trabte heute in Gestalt eines schweren alten Bandes, den ich zunächst bibliographisch schildere:
D'r Meiselocker / D'r Maikäfer. B e i l a g e.
Druck und Verlag von Ed. Hubert, Straßburg
(erscheint wöchentlich)
Jg. -ohne Zählung- 1890, (und Teil von 1889)
416 (und ca. 150) S., hier betreffend die Nr. 8 und Nr.9
Gartenlauben-Format, mit sehr vielen (teils originellen und seltenen) Holzstichen
Seltsam ist, daß niemand, auch die Bibliothèque Universitaire und die Stadtbücherei Straßburg nicht, so recht hinter die Zwitternatur dieses Blattes gestiegen sind. Auf den ersten Blick würde mans für eine Zeitungsbeilage halten. Die hatten in Straßburg gern Dialektnamen. Aber es gibt Hinweise, daß zumindest zeitweilig d'r Meiselocker / Maikäfer - wohl zu unterscheiden von dem Blatt, das n u r D'r Meiselocker hieß - ein selbständiges Dialekt-, Witz und Lokalkolorit-Unterhaltungsblatt war, ich sollte noch einige Jahrgänge haben, irgendwo im Keller nebendran.
Also handelt es sich, nun kommen wir der Sache näher, um die B e i l a g e nicht etwa einer Zeitung, sondern eines W o c h e n b l a t t s. Aber das ist gar nicht so sicher, denn der Verleger, der sein Blatt über mehrere Jahrzehnte schlecht und recht hinüberrettete, war ziemlich seltsam organisiert.
Ich höre den Zuruf: Aber dann ist es doch sicher das Produkt einer B e i l a g e n f a b r i k? Ist es definitiv nicht. Ich habe möglicherweise die größte Sammlung solcher "standardisierter" Zeitungsbeilagen, von Greiner + Pfeiffer über die Badenia bis zu Broschek usw. Sowas liegt hier nicht vor.
Was wir uns fragen müssen: Hat Hubert in Straßburg mit M a t e r n einer M a t e r n k o r r e s p o n d e n z gedruckt?
Ich glaube etwas zu verstehen von der Typographie jener Jahre und möchte sagen: Nein. Das hat er selber gesetzt und gedruckt. Für mich steht das anhand des Druckbilds außer Frage.
Hat Hubert den Text einfach geklaut? 1890 war May kein Unbekannter mehr, auch im Elsaß galten die Urheberrechte, das war ja nicht der wilde Westen. Hatte KM nicht auch bei ähnlichen Nachdrucken ohne Berührungsängste kleine Verkaufsaktionen seiner kürzeren Texte unternommen?
Vor allem aber: Handelt es sich um den unveränderten Text, den uns Plaul unter Nr. 77 nachweist:
"Winnetou. Eine Reiseerinnerung" in:
Omnibus. Illustriertes Wochenblatt. Hamburg: Rosenberg, 1 8 7 8.
Die Seitenzahl legt es nahe.
Aber das wüßte ich dann schon gern genauer.
Ich biete den schweren Band mit dem ganzen Jg. 1890 und einem Teil des Jahrgangs 1889 in befriedigendem Zustand heute gegen Abend in ebay an, für drei Tage. Die Scans erfassen den ganzen Text und sollten dort bei ebay auch lesbar sein. Kopien sonst auch direkt von mir auf Anfrage, sofern Sie umfangreiche Attachements durch Ihre Virenkontrolle hindurchbekommen.
Die Verfilmung bei der Straßburger Bibliothek läßt darauf schließen, daß es für dieses Jahr k e i n anderes Exemplar gibt. Somit wäre mein Angebot mit einiger Sicherheit - wofern ich selber nicht noch ein Doppel habe, was möglich ist - fast ein U n i k a t.
Vielleicht läßt sich das Herz der KM-Sammler, die immer nur ihre schönen Fehlsenfelds sammeln wollen und sonst nix, für einmal doch erwärmen? Zumal W i n n e t o u ja zweifellos ein Kerntext des Altmeisters ist.
Freundlich grüßt
Peter Mulzer in Freiburg
nach dem Zufallsfund der 4 Regensburger Marienkalender habe ich mich, wie das alte Antiquare so tun, ein wenig an bibliographische Stöbereien gemacht, angeregt auch durch die faszinierende Lektüre der alten Nummern der "Mitteilungen" der KMG, die ein guter Geist eingescannt hat- eine Fundgrube. Ich las mich darin fest bis heute früh fünf Uhr, als die ersten Vögel sangen.
Da war ich nun in der rechten Stimmung, nach dem Frühstück (das so früh nicht war) aufs Geradewohl in bestimmte Regionen meines Kellers hinabzusteigen. Das ist wie ein Abtragen archäologischer Schichten, denn 30 Jahre Arbeit als Antiquar liegen da, nach irrealen Prinzipien in glücklicheren, weil jüngeren Jahren aufgetürmt.
Man entwickelt da so einen gewissen Jagdinstinkt. Der Jäger "ahnt" ja auch: In diesem Gebüsch, über jene Lichtung dort trabt die Sau herbei, wenn wir Glück haben, vielleicht, wer weiß.
Sie trabte heute in Gestalt eines schweren alten Bandes, den ich zunächst bibliographisch schildere:
D'r Meiselocker / D'r Maikäfer. B e i l a g e.
Druck und Verlag von Ed. Hubert, Straßburg
(erscheint wöchentlich)
Jg. -ohne Zählung- 1890, (und Teil von 1889)
416 (und ca. 150) S., hier betreffend die Nr. 8 und Nr.9
Gartenlauben-Format, mit sehr vielen (teils originellen und seltenen) Holzstichen
Seltsam ist, daß niemand, auch die Bibliothèque Universitaire und die Stadtbücherei Straßburg nicht, so recht hinter die Zwitternatur dieses Blattes gestiegen sind. Auf den ersten Blick würde mans für eine Zeitungsbeilage halten. Die hatten in Straßburg gern Dialektnamen. Aber es gibt Hinweise, daß zumindest zeitweilig d'r Meiselocker / Maikäfer - wohl zu unterscheiden von dem Blatt, das n u r D'r Meiselocker hieß - ein selbständiges Dialekt-, Witz und Lokalkolorit-Unterhaltungsblatt war, ich sollte noch einige Jahrgänge haben, irgendwo im Keller nebendran.
Also handelt es sich, nun kommen wir der Sache näher, um die B e i l a g e nicht etwa einer Zeitung, sondern eines W o c h e n b l a t t s. Aber das ist gar nicht so sicher, denn der Verleger, der sein Blatt über mehrere Jahrzehnte schlecht und recht hinüberrettete, war ziemlich seltsam organisiert.
Ich höre den Zuruf: Aber dann ist es doch sicher das Produkt einer B e i l a g e n f a b r i k? Ist es definitiv nicht. Ich habe möglicherweise die größte Sammlung solcher "standardisierter" Zeitungsbeilagen, von Greiner + Pfeiffer über die Badenia bis zu Broschek usw. Sowas liegt hier nicht vor.
Was wir uns fragen müssen: Hat Hubert in Straßburg mit M a t e r n einer M a t e r n k o r r e s p o n d e n z gedruckt?
Ich glaube etwas zu verstehen von der Typographie jener Jahre und möchte sagen: Nein. Das hat er selber gesetzt und gedruckt. Für mich steht das anhand des Druckbilds außer Frage.
Hat Hubert den Text einfach geklaut? 1890 war May kein Unbekannter mehr, auch im Elsaß galten die Urheberrechte, das war ja nicht der wilde Westen. Hatte KM nicht auch bei ähnlichen Nachdrucken ohne Berührungsängste kleine Verkaufsaktionen seiner kürzeren Texte unternommen?
Vor allem aber: Handelt es sich um den unveränderten Text, den uns Plaul unter Nr. 77 nachweist:
"Winnetou. Eine Reiseerinnerung" in:
Omnibus. Illustriertes Wochenblatt. Hamburg: Rosenberg, 1 8 7 8.
Die Seitenzahl legt es nahe.
Aber das wüßte ich dann schon gern genauer.
Ich biete den schweren Band mit dem ganzen Jg. 1890 und einem Teil des Jahrgangs 1889 in befriedigendem Zustand heute gegen Abend in ebay an, für drei Tage. Die Scans erfassen den ganzen Text und sollten dort bei ebay auch lesbar sein. Kopien sonst auch direkt von mir auf Anfrage, sofern Sie umfangreiche Attachements durch Ihre Virenkontrolle hindurchbekommen.
Die Verfilmung bei der Straßburger Bibliothek läßt darauf schließen, daß es für dieses Jahr k e i n anderes Exemplar gibt. Somit wäre mein Angebot mit einiger Sicherheit - wofern ich selber nicht noch ein Doppel habe, was möglich ist - fast ein U n i k a t.
Vielleicht läßt sich das Herz der KM-Sammler, die immer nur ihre schönen Fehlsenfelds sammeln wollen und sonst nix, für einmal doch erwärmen? Zumal W i n n e t o u ja zweifellos ein Kerntext des Altmeisters ist.
Freundlich grüßt
Peter Mulzer in Freiburg