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Oberlausitzer Impressionen .... Bischofswerda/Jonsdorf

Verfasst: 11. Jul 2011, 23:33
von Methuselah
War am Wochenende mal wieder in Uwe Hänchens „Wohnzimmer“ zu Gast … d.h. bei der Spielgemeinschaft „Gojko Mitic“ in Bischofswerda und hab mir das „Halbblut“ in der Kinder- und der Erwachsenenvorstellung angeguckt.
Das Halbblut ist das vierte Stück aus der Feder von Drehbuchautor Dieter F. Gottwald, das in Bischofswerda aufgeführt wird, und sofern mir mein Gedächtnis keinen Streich spielt, kommt es der (bearbeiteten ?) Buchvorlage sehr nahe, sieht man einmal von ein paar kleinen Veränderungen ab, die vielleicht damit zu tun haben, dass man (außer „Tante“ Droll) einige weibliche Attribute in das Stück einbringen wollte. So wurde aus dem Ingenieur Leveret eine „Inschinöse“ Leveret und das Zepter (und den Kochlöffel) im Firwood Camp schwang die resolute Köchin Carmencita.
Sehr gelungen fand ich die dramaturgische Umsetzung der inneren Zerrissenheit des Ik Senanda/Yato Inda …. zum einen durch die Gesichtsbemalung (eine Hälfte weiß, die andere Hälfte rot)und zum anderen durch die Stimme aus dem Off, die Senandas Gedanken wiedergibt („bin ich ein weißer Mann oder bin ich ein roter Mann?“). Diese Frage stellt er auch einer stummen Schamanin, die ihm durch Gesten zu verstehen gibt, er möge sich im Spiegel des Sees betrachten und im Übrigen auf sein Herz hören. Für mich eine der schönsten Szenen des Stücks …. ebenso wie die Schlussszene, als die Blutsbrüder davon träumen, dass einst Büffel und Mustangs wieder in die Prärie zurückkehren und daraufhin zwei Indianer (einer davon Uwe Hänchen) in einer symbolischen Herde Mustangs, angeführt von einem wunderschönen Appaloosa, über die Bühne galoppieren.
Publikumsliebling in der Kindervorstellung war auch diesmal wieder der Sam Hawkins des letzten Jahres ….Janko Scheudeck, der sein ganzes Herzblut und den Enthusiasmus eines sieben- (oder acht?) jährigen in die Rolle des Hobble Frank steckt und herumhumpelt, als hätte er nie was anderes getan. (Leider hab ich ihn akustisch manchmal nicht verstanden… was vielleicht ein bisschen am Sächsisch lag…;o)). Überhaupt ist die Spielfreude und der Idealismus der größte Trumpf der Schiebocker Bühne – wo andere Spielstätten mit Pyrotechnik, Professionalität und grandiosen Darstellern (wie Meinolf Pape) glänzen, ist hier der Zusammenhalt einer großen Familie zu spüren, die von „Flöhehüter“ Uwe Hänchen zu einer wunderbaren Einheit zusammengeschweißt wird.
In der Erwachsenenvorstellung gab’s dann den wahrscheinlich jüngsten Darsteller auf einer KM-Bühne zu bestaunen - ein sechs Monate altes Baby - das den ganz jungen Senanda darstellte und sogar dieser „Floh“ war ganz brav….;o)
Ein weiteres Kuriosum (es menschelt einfach so in BW, drum bitte ich meine Begeisterung zu entschuldigen) war der Kas Timpe, der (im Gegensatz zur Kindervorführung) nicht in Plauen, sondern in Siegen (NRW) beheimatet wurde, da der Darsteller seinen Wohnsitz kurzerhand für ein Vierteljahr von Siegen nach BW verlegt hat, nur um bei den kleinsten KM-Spielen in Schiebock mitmachen zu können (sowas nenn ich echte Hingabe!)

So, und jezz hör i auf ….. es gibt ja bestimmt noch eine Besprechung des Stückes im Magazin und ich möchte darauf hinweisen, dass dies meine ganz persönliche Meinung ist (bitte nicht mit Steinen schmeißen!....;o))

Tja…. und nachdem ich schon mal in der Oberlausitz war, hab ich mir gedacht: „schauste Dir in Jonsdorf noch den „Schatz im Silbersee“ an. Gedacht….. getan! Autsch!!!
Dazu sag ich jezz mal fast nix oder ned viel….. wenn jemand den „Schuh des Manitu“ mag, dem hätte die Vorstellung vielleicht gefallen. Mein Fall war dieser Klamauk jedenfalls nicht! Schade….. das Ensemble war gut, die Kulisse war gut, aber was der Verantwortliche daraus gemacht hat…. Oooohweh!
Ich kann‘s ja verstehen, wenn man dem Publikum etwas Humor bieten will, aber den Mayster so zu verfremden (nur um der Effekthascherei willen)….. nööööö, not my cup of tea!
Dieser Johnny-Depp-Verschnitt als Tante Droll, die (der) seltsamerweise auch noch der Neffe (oder Cousin… hab’s vergessen..... *rotwerd*) von Sam Hawkens war (häh??), letzterer wiederum auch noch Apanatschi als Freundin hatte…….. *grübel*
…… und dann gab’s statt dem Lord auch noch ne Lady Castlepool als Schmetterlingsfängerin….. sorry, das war mir dann einfach TOO MUCH!!
An sich wollte ich nächstes Jahr zur „Orientreise“ (klingt verführerisch) wieder hin…. aber ich lass es lieber!

LG Charlotte

Re: Oberlausitzer Impressionen .... Bischofswerda/Jonsdorf

Verfasst: 12. Jul 2011, 18:08
von Helmut
Dass das kein ächter May war, sieht man natürlich schon an dem "Sam Hawkins" ;-)

Oh, diese Anfängerfehler!!
(glücklicherweise beim 2. Mal korrigiert)
;-)

Helmut

Re: Oberlausitzer Impressionen .... Bischofswerda/Jonsdorf

Verfasst: 12. Jul 2011, 23:13
von Methuselah
Ähem.... wo ist hier der *rotwerdsmiley* ?

..... fällt auch unter das Motto: "wer sich nicht durchsetzen kann, sollte wenigstens Verwirrung stiften" ...

;o)

Re: Oberlausitzer Impressionen .... Bischofswerda/Jonsdorf

Verfasst: 12. Jul 2011, 23:27
von Rüdiger
Oho ...

:-)

Re: Oberlausitzer Impressionen .... Bischofswerda/Jonsdorf

Verfasst: 13. Jul 2011, 00:10
von BernhardT
Hi,

bzgl. des "Halbbluts" in Bischofswerda muss ich Charlotte durchweg recht geben. Ich habe mir am vergangenen Sonntag die Jugend- und die Kinderbesetzung angeschaut und bin ebenfalls begeistert. Die jungen Darsteller zu erleben, war fast ausnahmslos ein Vergnügen. Hinzu kommt ein stimmiges, Karl May gerecht werdendes Textbuch, das es schafft, dass man bis zum Schluss neugierig bleibt, sowie die bereits erwähnte familiäre Athmosphäre.

Der Hobble-Frank der Kinderaufführung, Janko Scheudek, ist mit solchem Enthusiasmus bei der Sache und zieht sein Hinkebein unentwegt hinter sich her, dass man ihm gerne verzeiht, dass er für Nicht-Sachsen kaum verständlich ist - so sehr ist er in seinem sächsischen Element.

Mutig fand ich, dass zu Beginn des Stücks die Ermordung eines unschuldigen Weißen durch Ik Senanda dargestellt wurde. Dass dies gelungen umgesetzt war, konnte ich schnell feststellen. Kein einziges der um mich herum sitzenden 4-6 jährigen Kinder - und das waren nicht wenige - hat mit dieser Szene ein Problem gehabt. Den Kinder war klar, dass die nur "spielen". Respekt! Ich will hier extra nochmals betonen: Gerade so eine Szene ist besonders gut gespielt, wenn sie zum einen uns ältere Zuschauer überzeugt und wenn zum anderen die Kinder erkennen, dass sie nur "gespielt" ist.

Zum Schluss noch ein Loblied auf das diesjährige Plakat von Bischofswerda, das daran schuld ist, dass ich den weiten Weg dorthin auf mich genommen habe. Abgebildet ist der Hauptdarsteller des Ik Senanda: Serdar Semmer, rot-weiß geschminkt. Ein Riesenkompliment an die Maske, an den Darsteller, an den Fotografen und an alle, die zum Gelingen dieses Fotos beigetragen haben.

Bei der sehr kurzen Spielzeit von nur 1 -2 Wochen werde ich zwar wahrscheinlich nicht so schnell wieder die Gelegenheit haben, in den nächsten Jahren eine weitere Aufführung in Bischofswerda zu sehen, aber trotzalledem wird die diesjährige Inszenierung in bester Erinnerung bleiben. Der weite Weg hat sich gelohnt.

Re: Oberlausitzer Impressionen .... Bischofswerda/Jonsdorf

Verfasst: 13. Jul 2011, 10:41
von Methuselah
BernhardT hat geschrieben:Mutig fand ich, dass zu Beginn des Stücks die Ermordung eines unschuldigen Weißen durch Ik Senanda dargestellt wurde. Dass dies gelungen umgesetzt war, konnte ich schnell feststellen. Kein einziges der um mich herum sitzenden 4-6 jährigen Kinder - und das waren nicht wenige - hat mit dieser Szene ein Problem gehabt. Den Kinder war klar, dass die nur "spielen". Respekt! Ich will hier extra nochmals betonen: Gerade so eine Szene ist besonders gut gespielt, wenn sie zum einen uns ältere Zuschauer überzeugt und wenn zum anderen die Kinder erkennen, dass sie nur "gespielt" ist.
Stimmt Bernhard, das war auch eine beeindruckende Szene (hatte ich schon wieder vergessen .... naja "nomen est omen" - mein Name kommt nicht von ungefähr ... ;o)) und was die Kinder in Schiebock betrifft: das ist mir letztes Jahr schon aufgefallen - sie sind wirklich sehr andächtig und voller Interesse bei der Sache, ganz im Gegensatz zum Publikum in Jonsdorf, wo ich manchmal dachte, ich bin auf einem Volksfest ... :o(
BernhardT hat geschrieben:...zum Schluss noch ein Loblied auf das diesjährige Plakat von Bischofswerda.....
Das hat schon einen Platz an meiner Wand gefunden..... ;o)
......und nächstes Jahr zum 20jährigen Bühnenjubiläum und zu WINNETOU I bin ich wieder da .....

Re: Oberlausitzer Impressionen .... Bischofswerda/Jonsdorf

Verfasst: 9. Aug 2011, 16:30
von Catherine
War selbst mit einer guten Freundin zur Premiere und kann dem, was hier gesagt wurde, nur voll und ganz zustimmen. Nach der Vorstellung saßen wir noch mit Ben Hänchen zusammen und plauderten über das Stück und er zeigte uns anschließend sogar den hinteren Bühnenbereich. Alles total unkompliziert und wirklich familiär. Werde auch im nächsten Jahr der Bühne treu bleiben. Anlässlich ihres 20. Jubiläums gibt es auch einige Vorstellungen mehr, so dass das mit der Planung auch besser klappt.

Re: Oberlausitzer Impressionen .... Bischofswerda/Jonsdorf

Verfasst: 17. Aug 2011, 00:27
von Methuselah
Kleiner Nachtrag zu meinem Posting vom 11.7. ............. schön wars ... ;o)))

http://www.facebook.com/#!/video/video. ... 9&comments

Sollte der Link nicht funktionieren, bitte mal den ausprobieren:

http://www.karl-may-spiele-bischofswerda.de/