Post von Halef Omar
Verfasst: 26. Feb 2010, 15:57
Liebe Jutta,
Dein Artikel hat mich natürlich besonders interessiert, neben dem von Rolf ... Das wollte ich denn doch gleich mal gesagt haben; war letztes Mal übrigens auch so, die Sache mit Gerstäcker, das war das Interessanteste im ganzen Heft.
Wie Du weißt, ist das Werk Karl Mays jeweils auf mehreren Ebenen lesbar, „und zwar für den, der sich nicht von der glatten Oberfläche blenden läßt“, wie Du so hübsch schriebst.
Und ich bin zwar einerseits ein Mensch aus Fleisch und Blut (ich wähle ganz bewußt diese Formulierung (und schreibe sie, trotzig wie ich immer noch bin, gleich fett- und kursivgedruckt), und nicht etwa so etwas wie „Kunstfigur“, wer so etwas schreibt, kriegt es mit mir zu tun ...), andererseits aber auch so etwas wie ein Wesensgemisch aus Anteilen des Autors Karl May; Arno Schmidt schrieb gar, ich sei sein (Mays) Penis, nun, das ist etwas arg reduziert ... Jedenfalls verkörpere ich sozusagen die weltlichen, menschlichen Anteile, von Aufschneiden, Aggression und Geltungsbedürfnis bis zur Lust auf Speis’ und Trank und sonstnochwas.
Und diese Anteile spielen im Spätwerk eine zunehmend geringere Rolle, bei Marah Durimeh geht es um andere Dinge, und deshalb bin ich dort etwas minderberücksichtigt untergebracht. Ich selber habe kein Problem damit, das ist halt so ... wir sind ja nicht im Seehotel Etepetetia oder auf Schloß Spießerbarth, wer wird eitel sein und auf so einen Quark Wert legen ... Jedes Ding zu seiner Zeit; Du wirst ja bemerkt haben, daß ich eh in dem Werk keine so große Rolle mehr spiele wie früher. Karl May war ja nun auch nicht mehr der Jüngste, guckemal in Winnetou IV, da kommen nicht mehr Assoziationen gewaltiger Jägerei herüber wie seinerzeit bei Old Surehand u.a., sondern eher von Des Jägers Klage, hat mal einer sybillinisch geschrieben ...
Du schreibst, „echte Partnerschaft“ könntest Du „auch hier leider nicht feststellen“. Jenun, seien wir froh, daß er mich aus sich nicht gleich „hinauskicken“ (das ist ein vor Jahren aufgeschnapptes Zitat von einem gewissen Hermann Wohlgschaft, ich schreib's mal dazu, sonst merkt's wieder keiner) wollte (geht auch gar nicht ...), eine gewisse Abstufung der verschiedenen Wesens-Anteile sei ihm aber freundlicherweise durchaus gestattet ...
„Bevor Sie, lieber Herr May, mich jetzt empört zurechtweisen“, über diese Stelle haben wir uns einigermaßen amüsiert, hübsch, die Automobilisten nennen sowas „vorausschauendes Fahren“ ... Aber in solchen Sachen empört der sich gar nicht mehr, das ist alles eher eine Art Spiel ...
Von den empörten Vorwürfen, die Du dann Deinerseits aufzählst, kannst Du ca. zweiundsiebzig bis dreiundachtzig Prozent abziehen ... Ja, der Karl hatte seine Schwächen und hat nicht immer alles bemerkt innerhalb dessen, was er so vortrug ... aber guck’ Dir mal zum Vergleich andere Autoren an, was die alles nicht merken, du liebe Zeit ... ja, diese Bibelzitate sind immer wieder überzeugend, finde ich auch. Übrigens auch die aus dem Koran, darum geht es nicht, ob diese oder jene, aber das nur am Rande.
Übrigens, in Sachen Gedankenspielerei am Rande (S. 41 links 12. Zeile von unten): das mit der Bildung á la Europäischer gehobener Standard könnte auch eine Konzession ans bürgerliche Lesepublikum gewesen sein, gemischt mit entsprechenden Eigenanteilen ... die Schakara war aber schon in Ordnung so wie sie war, da gab’s nichts ‚nachzubessern’ ...
Soweit für heute
Grüße
Halef
(das mit dem Geltungsbedürfnis habe ich mir hier oben abgewöhnt. Nennt mich Halef.)
Dein Artikel hat mich natürlich besonders interessiert, neben dem von Rolf ... Das wollte ich denn doch gleich mal gesagt haben; war letztes Mal übrigens auch so, die Sache mit Gerstäcker, das war das Interessanteste im ganzen Heft.
Wie Du weißt, ist das Werk Karl Mays jeweils auf mehreren Ebenen lesbar, „und zwar für den, der sich nicht von der glatten Oberfläche blenden läßt“, wie Du so hübsch schriebst.
Und ich bin zwar einerseits ein Mensch aus Fleisch und Blut (ich wähle ganz bewußt diese Formulierung (und schreibe sie, trotzig wie ich immer noch bin, gleich fett- und kursivgedruckt), und nicht etwa so etwas wie „Kunstfigur“, wer so etwas schreibt, kriegt es mit mir zu tun ...), andererseits aber auch so etwas wie ein Wesensgemisch aus Anteilen des Autors Karl May; Arno Schmidt schrieb gar, ich sei sein (Mays) Penis, nun, das ist etwas arg reduziert ... Jedenfalls verkörpere ich sozusagen die weltlichen, menschlichen Anteile, von Aufschneiden, Aggression und Geltungsbedürfnis bis zur Lust auf Speis’ und Trank und sonstnochwas.
Und diese Anteile spielen im Spätwerk eine zunehmend geringere Rolle, bei Marah Durimeh geht es um andere Dinge, und deshalb bin ich dort etwas minderberücksichtigt untergebracht. Ich selber habe kein Problem damit, das ist halt so ... wir sind ja nicht im Seehotel Etepetetia oder auf Schloß Spießerbarth, wer wird eitel sein und auf so einen Quark Wert legen ... Jedes Ding zu seiner Zeit; Du wirst ja bemerkt haben, daß ich eh in dem Werk keine so große Rolle mehr spiele wie früher. Karl May war ja nun auch nicht mehr der Jüngste, guckemal in Winnetou IV, da kommen nicht mehr Assoziationen gewaltiger Jägerei herüber wie seinerzeit bei Old Surehand u.a., sondern eher von Des Jägers Klage, hat mal einer sybillinisch geschrieben ...
Du schreibst, „echte Partnerschaft“ könntest Du „auch hier leider nicht feststellen“. Jenun, seien wir froh, daß er mich aus sich nicht gleich „hinauskicken“ (das ist ein vor Jahren aufgeschnapptes Zitat von einem gewissen Hermann Wohlgschaft, ich schreib's mal dazu, sonst merkt's wieder keiner) wollte (geht auch gar nicht ...), eine gewisse Abstufung der verschiedenen Wesens-Anteile sei ihm aber freundlicherweise durchaus gestattet ...
„Bevor Sie, lieber Herr May, mich jetzt empört zurechtweisen“, über diese Stelle haben wir uns einigermaßen amüsiert, hübsch, die Automobilisten nennen sowas „vorausschauendes Fahren“ ... Aber in solchen Sachen empört der sich gar nicht mehr, das ist alles eher eine Art Spiel ...
Von den empörten Vorwürfen, die Du dann Deinerseits aufzählst, kannst Du ca. zweiundsiebzig bis dreiundachtzig Prozent abziehen ... Ja, der Karl hatte seine Schwächen und hat nicht immer alles bemerkt innerhalb dessen, was er so vortrug ... aber guck’ Dir mal zum Vergleich andere Autoren an, was die alles nicht merken, du liebe Zeit ... ja, diese Bibelzitate sind immer wieder überzeugend, finde ich auch. Übrigens auch die aus dem Koran, darum geht es nicht, ob diese oder jene, aber das nur am Rande.
Übrigens, in Sachen Gedankenspielerei am Rande (S. 41 links 12. Zeile von unten): das mit der Bildung á la Europäischer gehobener Standard könnte auch eine Konzession ans bürgerliche Lesepublikum gewesen sein, gemischt mit entsprechenden Eigenanteilen ... die Schakara war aber schon in Ordnung so wie sie war, da gab’s nichts ‚nachzubessern’ ...
Soweit für heute
Grüße
Halef
(das mit dem Geltungsbedürfnis habe ich mir hier oben abgewöhnt. Nennt mich Halef.)