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wieder mal ein Jahrestag

Verfasst: 2. Sep 2009, 21:44
von Rene Grießbach
In der heutigen "Dresdner Morgenpost" fand sich ein knapp halbseitiger Artikel zu einem Jahrestag, den wohl manch einer von uns vergessen hätte.
Überschrift des Artikels:

"Heute vor 135 Jahren starb Winnetou"

Der Autor des Artikels weiß auch genau die Quelle zu bezeichnen, aus der das Datum zu entnehmen ist.
Und scheint sich in den Büchern besser auszukennen als in den Filmen. :-)
Das zeigt jedenfalls der letzte Absatz:

"Wissen Sie, liebe Leser, eigentlich noch, wer den Apachenhäuptling ins Jenseits geschickt hat? Im Kinofilm mit Pierre Brice ist der Schurke Santer sein Attentäter. Aber Karl-May-Leser sind schlauer: In "Wirklichkeit" war´s ein Sioux-Indianer."

Wobei wir, denke ich, dem Autor des Artikels die kleine Ungenauigkeit des Kino-Winnetou-Attentäters gern verzeihen. Da hat nämlich Santer im Gegensatz zum Buch den ersten Teil nicht überlebt ...
Und auch der Anfang dieses letzten Absatzes scheint mir eine nette Referenz an Karl May zu sein. Denn die direkte Ansprache an seine lieben Leser hat der ja auch öfters verwendet.

Re: wieder mal ein Jahrestag

Verfasst: 2. Sep 2009, 23:13
von markus
Das war der 2.September 1874. Ca. ein Jahr später begann Old Shatterhand endlich über ihn zu schreiben;-)).

Re: wieder mal ein Jahrestag

Verfasst: 2. Sep 2009, 23:20
von markus
Rene Grießbach hat geschrieben:
"Wissen Sie, liebe Leser..."

...der Anfang dieses letzten Absatzes scheint mir eine nette Referenz an Karl May zu sein. Denn die direkte Ansprache an seine lieben Leser hat der ja auch öfters verwendet.
Dieses "Lieber Leser, weißt du, was das Wort Greenhorn bedeutet?", war im Grunde der eigentliche Grund mich überhaupt mal für Mays Werk zu interessieren. Ein Autor der mich so persönlich anspricht, dem muß man einfach mal zuhören;-).

Re: wieder mal ein Jahrestag

Verfasst: 2. Sep 2009, 23:56
von Angel
Dieser Zeitungsartikel zum Thema dürfte vielleicht auch von Interesse sein ...
http://www.news.de/medien/855023232/uns ... sbruder/1/

Re: wieder mal ein Jahrestag

Verfasst: 3. Sep 2009, 08:17
von Rüdiger
Chor der Gefangenen ? Feuerwasser ?

An die unverständige, intellektuell sich dünkende Wischerei solcher Artikel ist man zwar hinlänglich gewöhnt, aber solche handfesten faktischen Fehler müßten nicht auch noch sein ...

(an einer Stelle dieses Beitrags sind mir möglicher- & freundlicherweise die Buchstaben etwas durcheinandergeraten)

Re: wieder mal ein Jahrestag

Verfasst: 3. Sep 2009, 08:39
von markus
Der erste Satz des Artikels schockiert mich schon sehr: Winnetou steht für alles, was Männer gerne wären. - Also wenn man mich fragt, ich wär nicht gern so. Ein Mann ohne Lebensfreude, der aber froh ist daß er ahnt daß er bald von uns gehen kann.

;-)

Re: wieder mal ein Jahrestag

Verfasst: 3. Sep 2009, 08:42
von Rüdiger
markus hat geschrieben:der aber froh ist daß er ahnt daß er bald von uns gehen kann.
Ist er das ?

(Sach mal schnell, sonst muß ich nachlesen)

;-)

Re: wieder mal ein Jahrestag

Verfasst: 3. Sep 2009, 09:22
von markus
Rüdiger hat geschrieben:
markus hat geschrieben:der aber froh ist daß er ahnt daß er bald von uns gehen kann.
Ist er das ?

(Sach mal schnell, sonst muß ich nachlesen)

;-)
Muß man nicht lesen, muß man fühlen (oder verklären;-)) ).

(naja, eigentlich wars eine Ironie darauf daß Winnetou ja manchmal kalt wie eine Maschine wirkt, daher der Satz von mir daß er dann froh ist wenn er bald geht; man muß nicht immer alles so wörtlich nehmen was ich so schreibe, manchmal denk oder besser schreib ich laut;-)) )

Re: wieder mal ein Jahrestag

Verfasst: 3. Sep 2009, 09:28
von Rüdiger
markus hat geschrieben: Muß man nicht lesen, muß man fühlen
Im Prinzip hast Du Recht ...

Wenn ich es so in Erinnerung hätte, daß er froh ist daß er ahnt daß er bald von uns gehen kann, hätte ich auch nicht nachgefragt, auch wenn es nicht so direkt da steht ...

Aber da ich es nicht so in Erinnerung habe, werde ich gleich nochmal nachlesen. Und mal gucken wie ich die Passage heute empfinde. Und mich dann nochmal melden.

Re: wieder mal ein Jahrestag

Verfasst: 3. Sep 2009, 09:42
von markus
Bis gleich.

Im Grunde braucht man gar nicht groß nachzulesen (es sei denn die letzte Lektüre liegt 30 Jahre zurück). Er war zwar vieleicht nicht himmelhoch begeistert daß er bald sterben würde, aber nervös oder gar beängstigt war er keineswegs. Er ahnte seinen nahen Tod, doch war er die Ruhe selber. Old Shatterhand nahms viel schwerer, er konnte es gar nicht fassen daß sein Bruder an sowas dachte. Aber Winnetou ließ sich nicht abbringen. Also er war zwar nicht froh, aber Angst hatte er auch nicht.

Re: wieder mal ein Jahrestag

Verfasst: 3. Sep 2009, 09:52
von Rüdiger
markus hat geschrieben:Im Grunde braucht man gar nicht groß nachzulesen (es sei denn die letzte Lektüre liegt 30 Jahre zurück).
Das mußt Du mir schon überlassen ...

;-)

Es gibt Fälle, da brauche ich wirklich nicht nachlesen und reagiere gleich sozusagen aus dem Ärmel, aber hier bin ich mir halt nicht sicher.
markus hat geschrieben:Er war zwar vieleicht nicht himmelhoch begeistert daß er bald sterben würde, aber nervös oder gar beängstigt war er keineswegs.
Schon vor dem Nachlesen: Na klar. So soll es auch sein. "Gleichnis vom rechten Leben und rechten Sterben" hat Wohlgschaft in Bietigheim gesagt über die Trilogie. So ist es. Es sind ja nicht irgendwelche Indianergeschichten, die uns nichts angehen, sondern hat konkret mit uns zu tun, es geht immer um "Menschen wie Du und ich" bei Karl May. Das kapiert offenbar nur kaum jemand. - Man sollte halt 'Loslassen' können. Auch beim Sterben.
markus hat geschrieben:Also er war zwar nicht froh, aber Angst hatte er auch nicht.
S.o.

Re: wieder mal ein Jahrestag

Verfasst: 3. Sep 2009, 10:09
von Rüdiger
Also, schau'n wir mal,
Er war mir in den letzten Stunden ganz anders vorgekommen, als er sonst zu sein pflegte. Der feste, sichere Blick seines Auges hatte sich in ein eigentümliches, unruhiges Flackern verwandelt, und auf seiner immer glatten Stirn waren, bei ihm etwas noch nie Dagewesenes, Falten erschienen, welche auf eine ganz ungewöhnliche Sorge deuteten oder auf Gedanken von einem solchen Ernste, daß sie imstande waren, das von mir so oft bewunderte Gleichgewicht seines Innern zu stören. Es bedrückte ihn etwas
„Winnetou läßt sich von keiner Anstrengung bemeistern, und keine Ermüdung kann ihm die Heiterkeit seiner Seele rauben. Mein Bruder Old Shatterhand kennt mich und weiß, daß ich nach dem Wasser der Erkenntnis, des Wissens gedürstet habe. Du hast es mir gereicht, und ich trank davon in vollen Zügen. Ich habe viel gelernt, so viel wie keiner von meinen Brüdern, bin aber dennoch ein roter Mann geblieben. Der Weiße gleicht dem gelehrigen Haustiere, dessen Instinkt sich verändert hat, der Indianer aber dem Wilde, welches nicht nur seine scharfen Sinne behalten hat, sondern auch mit der Seele hört und riecht. Das Wild weiß ganz genau, wenn der Tod sich ihm naht; es ahnt ihn nicht nur, sondern es fühlt sein Kommen und verkriecht sich im tiefsten Dickicht des Waldes, um ruhig und einsam zu verenden. Diese Ahnung, dieses Gefühl, welches niemals täuscht, empfindet Winnetou in diesem Augenblicke.“
„Ich gehe heut dahin, wo der Sohn des guten Manitou uns vorausgegangen ist, um uns die Wohnungen im Hause seines Vaters zu bereiten, und wohin mir mein Bruder Old Shatterhand einst nachfolgen wird. Dort werden wir uns wiedersehen, und es wird keinen Unterschied mehr geben zwischen den weißen und den roten Kindern des Vaters, der beide mit derselben unendlichen Liebe umfängt. Es wird dann ewiger Friede sein“.
„Winnetou, mein Winnetou, es ist ja nur eine Ahnung, ein Schatten, der vorübergeht. Du mußt bei mir bleiben; du darfst nicht fort!“
„Ich gehe fort!“ antwortete er leise aber bestimmt, riß sich mit Ueberwindung seiner selbst von mir los und wendete sich nach dem Lagerplatz zurück.
Er weiß, daß es soweit ist, und akzeptiert es. So soll es sein.

Und wenn wir schon so etwas wie eine Wertung haben wollen, er geht weder gern noch ungern, würde ich sagen. Er geht halt.

Re: wieder mal ein Jahrestag

Verfasst: 3. Sep 2009, 10:18
von markus
Ich sags ja...;-)

Re: wieder mal ein Jahrestag

Verfasst: 3. Sep 2009, 10:22
von Rüdiger
Teilweise. Daß er froh ist daß er ahnt daß er bald gehen kann ist halt nicht der Fall. Aber das hattest Du ja auch schon relativiert.