Briefkasten - Frau JL in R
Verfasst: 23. Feb 2009, 16:55
Liebe Jutta,
"Wie schade, daß Sie mir nicht antworten können" schrieben Sie am Ende Ihrer Ausführungen. Da kennen Sie mich aber schlecht. Bei den Menschen ist's nicht möglich, auch bei mir aber ist allerhand möglich. Da gibt es so einen schrägen Typen, der versteht mich nach eigener Einschätzung manchmal besser als ich mich zu Lebzeiten selber verstanden habe, der erledigt das für mich. Was Sie können, sich in mich hineinzuversetzen versuchen, das kann der auch. Ich verrate Ihnen beiden dann später mal wer näher dran lag ...
"recht schnell" sei ich über den Tod meines "besten Freundes hinweggekommen", schreiben Sie. Sie haben offenbar nicht bemerkt, daß ich die Wunde dieses Verlustes lebenslänglich mit mir herumgetragen habe ... Was wollten Sie denn hören bzw. lesen ? Geschwätz, Gesülze, Sonntagsreden, sentimentale Ergüsse ? Da müssen Sie sich einen anderen Autor suchen ... (oder ... ach, lassen wir das.) Manchmal ist es halt duchaus angezeigt, den Schnabel zu halten und zu schweigen (nicht mißverstehen, ich meine gerade mich selber). Es geht übrigens, ich weiß nicht ob Sie das bemerkt haben, in der Winnetou-Trilogie auch darum, mit solchen Schicksalsschlägen fertig zu werden, ein Wesen zwar zu lieben, sich aber nicht abhängig zu machen von dessen Existenz, aufrecht stehen zu bleiben und seinen Weg weiterzugehen auch nach schmerzhaftem Wegbrechen aller Illusionen.
Dazu daß ich nach knapp einer Woche den Siedlern wieder beratend zur Seite stehen konnte schreiben Sie "mit Verlaub, ein bißchen früh, oder ?" (Lesen Sie übrigens die Passage vielleicht nochmal etwas genauer, habe ich auch gerade gemacht) Meinen Sie, es wäre im Sinne des Verstorbenen oder sonst irgendwie sinnvoll oder angebracht oder sonst etwas gewesen, ich hätte weitere Wochen sozusagen nahrungsverweigernd und Tränen vergießend im Gras gelegen und in den Mond geguckt ? Trauer und Schmerz müssen darüber hinaus, mit Verlaub, nicht zwangsläufig so theatralisch unterlegt sein wie vielleicht Klein Fritzchen sich das vorstellt ...
Und hätte ich den Siedlern NICHT helfen sollen ? Wer weiß, was Sie dann geschrieben hätten ... oder irgendjemand anders vielleicht ... An der Sache vorbeigehende Profilierungsbedürfnisse finden schon ihre Wege, wenn nicht so, dann so herum.
Ich hätte vor seinem Tod "nicht alle Mittel ausgeschöpft, dieses Unheil abzuwenden". Wenn ein Leben um ist, dann ist es um, da können wir uns auf den Kopf stellen. Winnetou wußte das, ich, wenn ich ganz ehrlich bin, auch, aber wie hätte ich das damals den Lesern vermitteln sollen, sie verstehen es ja heute noch nicht ...
Daß der "erhöhte Glanz" in seinen Augen "ganz eindeutig den Eindruck einer versteckten Hoffnung" macht, wurde durchaus richtig beobachtet, indes was die Art der Hoffnung betrifft gerieten Sie interpretatorisch allzu arg ins Weltliche und damit denn doch ein wenig in die Irre.
In Sachen Winnetous Tod habe ich Ihrer Ansicht nach zu wenig Worte gemacht, für Ihren Geschmack offenbar zuviel dann in Sachen Snuffles, "etwas Spaßiges also, wenige Wochen nach dem Verlust", ich spüre so etwas wie erhobene Stimme und ebensolchen Zeigefinger, seien Sie so gut und lassen Sie beides unten, vielleicht kennen Sie den guten alten Schnack 'Spaß muß sein, sonst geht keiner mehr zur Beerdigung' ... "Isch bin ene Kölsche Jung, watt willste maache" haben sie zur Beerdigung meines Freundes Willy (der ist auch hier, schönen Gruß, an die Tante aus Kalkutta hat er gesagt, der ist wirklich 'n bißchen albern) im Kölner Dom gespielt; über Schubladen- und Klischeedenken sollte man irgendwann denn doch mal hinaus sein; in Sachen Gesülze usw. siehe oben. Und unter uns: so spaßig war das gar nicht mit den Snuffles, das können Sie mir glauben. Sich nach einer solch traumatischen Erfahrung gleich wieder mit zwar herzensguten und liebenswürdigen, aber doch unverständigen und letzten Endes lästigen, hinderlichen Mitmenschen herumärgern zu müssen ...
Unglück haben übrigens nicht "meine Feinde" mir "bereitet", sondern ich mir selber. Damals hab' ich et zwar nicht verstanden aber heut' versteh' ich datt, um unseren Freund an der Orgel zu zitieren (Spiel' noch eins, Hanns Dieter). Ich gebe hier oben übrigens gemeinsam mit Münchmeyer und Fehsenfeld die Wolken-Post heraus, da veröffentlichen wir gelegentlich auch gern mal Beiträge von Rudolf Lebius (ein anderer Verleger, der sitzt immer so piesepampelig in der Ecke, möchte das nicht ... versteht immer noch nichts, der Mann, und Spaß sowieso nicht), guckemal, was meinen Sie was wir hier für'n Spaß haben alle miteinander. Die besten Witze machen übrigens immer noch der Rudolf und der Adalbert.
Und das mit dem Geburtstag sehen Sie auch entschieden zu eng. Winnetou ist eine Idee, und die wurde nicht an einem Tag geboren.
"fast immer nur um sich selbst kreist, selten aber um den Freund",
Das haben Sie nun immerhin gut erkannt, das hätte ich Ihnen nach Vorangegangenem gar nicht zugetraut (falls Redaktion oder Lektorat von "Karl May & Co" bzw. deren Foren-Administration ein "dem" einfügen will vor "Vorangegangenem", ich habe mir schon etwas dabei gedacht, daß da keins steht).
Wer keine Liebe bekommen hat, kann keine geben, da kreist man schon mal um sich selbst. Außerdem ist die auf ein Individum beschränkte Liebe eine, der noch ein gewisses Bewußtsein fehlt. Man hat ja alles in sich. Aber mehr schreib' ich dazu nicht, das verstehen Sie möglicherweise doch nicht.
"Beurteile ich sie zu hart ? Ich kann hier nur meine eigenen Gedanken ausdrücken" ... Richtig, sehr richtig. - Aber warum beschäftigen Sie sich dann ausgerechnet mit mir ?
(Nit bös sein, aber watt mutt datt mutt. - Spätestens hier oben vermischen sich sogar die Dialekte.)
Soweit für heute
Himmlischen Gruß
Charly
"Wie schade, daß Sie mir nicht antworten können" schrieben Sie am Ende Ihrer Ausführungen. Da kennen Sie mich aber schlecht. Bei den Menschen ist's nicht möglich, auch bei mir aber ist allerhand möglich. Da gibt es so einen schrägen Typen, der versteht mich nach eigener Einschätzung manchmal besser als ich mich zu Lebzeiten selber verstanden habe, der erledigt das für mich. Was Sie können, sich in mich hineinzuversetzen versuchen, das kann der auch. Ich verrate Ihnen beiden dann später mal wer näher dran lag ...
"recht schnell" sei ich über den Tod meines "besten Freundes hinweggekommen", schreiben Sie. Sie haben offenbar nicht bemerkt, daß ich die Wunde dieses Verlustes lebenslänglich mit mir herumgetragen habe ... Was wollten Sie denn hören bzw. lesen ? Geschwätz, Gesülze, Sonntagsreden, sentimentale Ergüsse ? Da müssen Sie sich einen anderen Autor suchen ... (oder ... ach, lassen wir das.) Manchmal ist es halt duchaus angezeigt, den Schnabel zu halten und zu schweigen (nicht mißverstehen, ich meine gerade mich selber). Es geht übrigens, ich weiß nicht ob Sie das bemerkt haben, in der Winnetou-Trilogie auch darum, mit solchen Schicksalsschlägen fertig zu werden, ein Wesen zwar zu lieben, sich aber nicht abhängig zu machen von dessen Existenz, aufrecht stehen zu bleiben und seinen Weg weiterzugehen auch nach schmerzhaftem Wegbrechen aller Illusionen.
Dazu daß ich nach knapp einer Woche den Siedlern wieder beratend zur Seite stehen konnte schreiben Sie "mit Verlaub, ein bißchen früh, oder ?" (Lesen Sie übrigens die Passage vielleicht nochmal etwas genauer, habe ich auch gerade gemacht) Meinen Sie, es wäre im Sinne des Verstorbenen oder sonst irgendwie sinnvoll oder angebracht oder sonst etwas gewesen, ich hätte weitere Wochen sozusagen nahrungsverweigernd und Tränen vergießend im Gras gelegen und in den Mond geguckt ? Trauer und Schmerz müssen darüber hinaus, mit Verlaub, nicht zwangsläufig so theatralisch unterlegt sein wie vielleicht Klein Fritzchen sich das vorstellt ...
Und hätte ich den Siedlern NICHT helfen sollen ? Wer weiß, was Sie dann geschrieben hätten ... oder irgendjemand anders vielleicht ... An der Sache vorbeigehende Profilierungsbedürfnisse finden schon ihre Wege, wenn nicht so, dann so herum.
Ich hätte vor seinem Tod "nicht alle Mittel ausgeschöpft, dieses Unheil abzuwenden". Wenn ein Leben um ist, dann ist es um, da können wir uns auf den Kopf stellen. Winnetou wußte das, ich, wenn ich ganz ehrlich bin, auch, aber wie hätte ich das damals den Lesern vermitteln sollen, sie verstehen es ja heute noch nicht ...
Daß der "erhöhte Glanz" in seinen Augen "ganz eindeutig den Eindruck einer versteckten Hoffnung" macht, wurde durchaus richtig beobachtet, indes was die Art der Hoffnung betrifft gerieten Sie interpretatorisch allzu arg ins Weltliche und damit denn doch ein wenig in die Irre.
In Sachen Winnetous Tod habe ich Ihrer Ansicht nach zu wenig Worte gemacht, für Ihren Geschmack offenbar zuviel dann in Sachen Snuffles, "etwas Spaßiges also, wenige Wochen nach dem Verlust", ich spüre so etwas wie erhobene Stimme und ebensolchen Zeigefinger, seien Sie so gut und lassen Sie beides unten, vielleicht kennen Sie den guten alten Schnack 'Spaß muß sein, sonst geht keiner mehr zur Beerdigung' ... "Isch bin ene Kölsche Jung, watt willste maache" haben sie zur Beerdigung meines Freundes Willy (der ist auch hier, schönen Gruß, an die Tante aus Kalkutta hat er gesagt, der ist wirklich 'n bißchen albern) im Kölner Dom gespielt; über Schubladen- und Klischeedenken sollte man irgendwann denn doch mal hinaus sein; in Sachen Gesülze usw. siehe oben. Und unter uns: so spaßig war das gar nicht mit den Snuffles, das können Sie mir glauben. Sich nach einer solch traumatischen Erfahrung gleich wieder mit zwar herzensguten und liebenswürdigen, aber doch unverständigen und letzten Endes lästigen, hinderlichen Mitmenschen herumärgern zu müssen ...
Unglück haben übrigens nicht "meine Feinde" mir "bereitet", sondern ich mir selber. Damals hab' ich et zwar nicht verstanden aber heut' versteh' ich datt, um unseren Freund an der Orgel zu zitieren (Spiel' noch eins, Hanns Dieter). Ich gebe hier oben übrigens gemeinsam mit Münchmeyer und Fehsenfeld die Wolken-Post heraus, da veröffentlichen wir gelegentlich auch gern mal Beiträge von Rudolf Lebius (ein anderer Verleger, der sitzt immer so piesepampelig in der Ecke, möchte das nicht ... versteht immer noch nichts, der Mann, und Spaß sowieso nicht), guckemal, was meinen Sie was wir hier für'n Spaß haben alle miteinander. Die besten Witze machen übrigens immer noch der Rudolf und der Adalbert.
Und das mit dem Geburtstag sehen Sie auch entschieden zu eng. Winnetou ist eine Idee, und die wurde nicht an einem Tag geboren.
"fast immer nur um sich selbst kreist, selten aber um den Freund",
Das haben Sie nun immerhin gut erkannt, das hätte ich Ihnen nach Vorangegangenem gar nicht zugetraut (falls Redaktion oder Lektorat von "Karl May & Co" bzw. deren Foren-Administration ein "dem" einfügen will vor "Vorangegangenem", ich habe mir schon etwas dabei gedacht, daß da keins steht).
Wer keine Liebe bekommen hat, kann keine geben, da kreist man schon mal um sich selbst. Außerdem ist die auf ein Individum beschränkte Liebe eine, der noch ein gewisses Bewußtsein fehlt. Man hat ja alles in sich. Aber mehr schreib' ich dazu nicht, das verstehen Sie möglicherweise doch nicht.
"Beurteile ich sie zu hart ? Ich kann hier nur meine eigenen Gedanken ausdrücken" ... Richtig, sehr richtig. - Aber warum beschäftigen Sie sich dann ausgerechnet mit mir ?
(Nit bös sein, aber watt mutt datt mutt. - Spätestens hier oben vermischen sich sogar die Dialekte.)
Soweit für heute
Himmlischen Gruß
Charly