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Karl May und die "Königin"....

Verfasst: 26. Nov 2008, 20:38
von HGS
Hallo aus Oldenburg!

Nachdem ich soeben einen Beitrag von Rolf in der aktuellen Karl May & Co Ausgabe mit dem titel "Karl May in Kärnten" gelesen habe, habe ich eine Frage an alle die sich intensiv mit dem Lben Karl Mays auseinander setzen. Rolf schreibt von zwei Kirchenfenstern Karl May gestiftet hat. Auf den Kirchenfenstern steht u.a. "Salve Regina". In Winnetou III wird das "Ave Maria" gesungen, nun die Fenster. Nun meine Frage:

Warum hat Karl May die Mutter Gottes scheinbar so verehrt? Für einen Protestanten scheint mir die "Marienliebe" doch eher ungwönlich. Wie kommt es das er offenbar eine solche Bindung zur "Himmelskönigin" hatte?

LG

Re: Karl May und die "Königin"....

Verfasst: 26. Nov 2008, 22:02
von Rüdiger
Die Mutter Gottes ist nach meinem Dafürhalten ja nur ein Bild, eine Manifestation, eine Personifikation von etwas dahinter stehendem, das man meinetwegen göttliche Liebe nennen mag ("Nennen se's wie se wollen"; Georg Düser, noch ein Oldenburger). Und zu dieser hatte Karl May in der Tat offenbar ein inniges Verhältnis, wenn man sich z.B. mal seine "Himmelsgedanken" anschaut.

Ich tue das übrigens regelmäßig und entdecke hinter der meinetwegen manchmal seltsam oder unbeholfen wirkenden Form immer wieder viel Schönes in ihnen.

Re: Karl May und die "Königin"....

Verfasst: 26. Nov 2008, 22:44
von HGS
Rüdiger hat geschrieben:Die Mutter Gottes ist nach meinem Dafürhalten ja nur ein Bild, eine Manifestation, eine Personifikation von etwas dahinter stehendem, das man meinetwegen göttliche Liebe nennen mag ("Nennen se's wie se wollen"; Georg Düser, noch ein Oldenburger). Und zu dieser hatte Karl May in der Tat offenbar ein inniges Verhältnis, wenn man sich z.B. mal seine "Himmelsgedanken" anschaut.

Ich tue das übrigens regelmäßig und entdecke hinter der meinetwegen manchmal seltsam oder unbeholfen wirkenden Form immer wieder viel Schönes in ihnen.
Ah, aber das WARUM ist damit nicht geklärt. Vor allem die Form der Ansprache " Königin " läßt mich anderes vermuten. Gibt es darüber wissenschaftliche oder gute Quellen in der ich das nachlesen kann?
LG

Re: Karl May und die "Königin"....

Verfasst: 26. Nov 2008, 23:11
von Hermesmeier
Meine Vermutung ist die, dass Karl May als Protestant letztlich nur geboren und erzogen wurde. Seine persönliche Haltung zum Christentum stellt sich jedoch häufig als konfessionslos oder überkonfessionell dar, ganz wie man mag. So schreibt er ja lange für katholische Blätter, gar für "Marien-Kalender". Der Frage, wie weit da innere Überzeugungen eine Rolle spielten, oder wirtschaftlicher Opportunismus, oder was für ein Mischungsverhältnis von beidem, mögen sich versierte Kenner durchaus einmal detailliert widmen.

Ein Kirchenfenster zu stiften kann ein Hinweis für Marienverehrung sein (vorausgesetzt May hatte Einfluss auf das Motiv des Bildes, was eher unwahrscheinlich ist) oder aber auch eine Investition in Sachen Imagepflege.

Ein Schreiben für katholische Blätter und Marien-Kalender kann ein Hinweis für Marienverehrung sein oder aber für wirtschaftliche Zwänge, weil die protestantischen Blätter (allen voran die "Gartenlaube") ihn nicht wollten, weil die katholische Publizistik in Zeiten des Kulturkampfes mächtig und damit für ihn ein Forum zur Mehrung des eigenen Ruhms sein konnte. Empfehlungen deutscher Bischöfe sind ja auch nicht ausgeblieben.

Psychologen oder auch solche, die sich dafür halten, könnten in der Marienverehrung eine Ersatzhandlung, eine Kompensatiion für fehlende, echte Mutterliebe sehen.

Das Problem ist wohl zu vielschichtig, als dass man es in einem Internetforum klären könnte.

Re: Karl May und die "Königin"....

Verfasst: 26. Nov 2008, 23:14
von markus
Meines Wissens bekennt sich May in seiner Autobiographie während seines Gefängnisaufenhaltes im Zuchthaus Waldheim eher zum Katholizismus, vor allem durch den katholischen Kathecheten des Zuchthauses Johannes Kochta, den Karl May als einer der wenigen bezeichnete denen er sich ganz öffnete, neben seiner zweiten Frau Klara.

Später allerdings wurde May ja eher Multireligiös.

Re: Karl May und die "Königin"....

Verfasst: 26. Nov 2008, 23:39
von Rüdiger
Schön, der Beitrag von Wolfgang. Da gehen wir sehr konform. (Was die Sache mit dem Internetforum betrifft, ist er offenbar weiter als ich. Ich Depp versuch' sowas immer noch ...) (Habe ich heute schon mal geschrieben: Null komma null Prozent Ironie.)

Ich glaube nicht daß Konfessionen für Karl May eine Rolle gespielt haben. Für mich spielen sie auch keine. Ich bin vor vielen Jahren aus der Kirche ausgetreten. Was mich indes nicht hindert, das Thema, wie sagte Dieter Hildebrandt in Dr. Murkes gesammeltes Schweigen, 'jenes höhere Wesen das wir verehren', sozusagen außerordentlich interessant zu finden.

Re: Karl May und die "Königin"....

Verfasst: 27. Nov 2008, 01:14
von Rüdiger
(Schlaflos in Mannheim ...)

Noch ein paar Takte zu Wolfgangs Beitrag.
Hermesmeier hat geschrieben: innere Überzeugungen ... wirtschaftlicher Opportunismus ... Mischungsverhältnis ... Investition in Sachen Imagepflege ... wirtschaftliche Zwänge ... Forum zur Mehrung des eigenen Ruhms ... Kompensation für fehlende, echte Mutterliebe
All das trifft m.E. zu. Alles, nebeneinander, miteinander, sich nicht ausschließend. Über die jeweiligen Mischungsverhältnisse vermag ich nicht zu spekulieren.

Karl Mays Religiosität nehme ich ihm z.B. im "Old Surehand" ab, in den "Himmelsgedanken" erst recht, in einigen der Marienkalendergeschichten überhaupt nicht. Der Schluß der Geschichte mit dem Kind auf dem Salzsee z.B. ist in meinen Augen infam, abstoßend (so viel nebenbei bemerkt zu vermeintlicher kritikloser "Bewunderung"), gewisse Grenzen überschreitend, schändlich, frevelhaft. Manchmal denke ich wirklich, er muß teilweise ein unheimlich kaputter Typ gewesen sein.

"Mein Leben und Streben" ist a.) ein anrührendes Bekenntnis, b.) vermutlich voller Lügen und c.) laut eines Briefes Mays an Fehsenfeld aus taktischen Motiven im Rahmen der Prozesse entstanden. Solche Dinge schließen sich nicht aus, und bei Karl May schon gar nicht. Andersartige Schwarzweißmalerei in der einen wie der anderen Richtung wird der Angelegenheit m.E. nicht gerecht.

Es war gut, daß er mit Lebius (wie früher schon einmal angemerkt: einer Art Manifestation eigener Anteile im Außen) u.a. konfrontiert wurde und nach der ungeuren Hybris einige Jahre vorher ordentlich einen auf die Mütze kriegte. Unter Umständen sehr lehrreich, so etwas. Stichwort Wachstum. Entsprechend äußert sich auch Oskar Gerlach in Syberbergs Film.

Gut's Nächtle.

Re: Karl May und die "Königin"....

Verfasst: 27. Nov 2008, 10:39
von Helmut
May selbst hat (soviel ich weiss) als auch sich dazu bekennender (zumindest in seinen späten Jahren) Protestant einmal sinngemäß geschrieben:

"Was ist schon ein Ave Maria, das ich mal geschrieben habe, gegen dass was jener katholische Geistliche (Kochta) für mich getan hat."

Um sein Verhältnis zu den Kirchen zu erklären, sollte man noch hinzufügen, dass der evangelische Anstaltsgeistliche in Waldheim teilweise auch den Posten des stellvertr. Zuchthausdirektors hatte, und May durch sein Gutachten die Polizeiaufsicht "verschaffte".

Helmut

Re: Karl May und die "Königin"....

Verfasst: 27. Nov 2008, 11:25
von Rüdiger
HGS hat geschrieben: Gibt es darüber wissenschaftliche oder gute Quellen in der ich das nachlesen kann?
Mit wissenschaftlichen Quellen kann ich nicht dienen, aber vielleicht tut's eine Stelle aus einem Brief Karl Mays an Willy Einsle vom 12.8.1905:

Du bist als Katholik geboren und getauft und wirst als guter Katholik die Augen schließen, so hoffe ich! Aber es giebt, wie überall, auch hier ein Hoch und ein Niedrig. Bleib nicht unten, sondern erhebe Dich, steig auf! Du hast nicht Schatten zu bleiben, sondern Person zu werden. Die Thüren sind unten, aber die Glocken läuten oben. Unten bist Du eingetreten; nun steige innen auf, geh nicht heraus! Bist Du einst oben angekommen, so laß Dein Leben klingen für alle da unten, die ohne diesen Glockenton an keinen Sonntag glauben. Und nur da oben werden Dir die Augen geöffnet, daß Du die wahre Mutter Gottes schaust, von der man unten hört, ohne sie aber zu begreifen. Nenne sie Marie, Mirjam oder Marryam, es ist gleich. Sie ist die Liebe, durch welche der Gottesgedanke in Dir geboren wird, der Heiland und Erlöser im Sinne Jesu Christi, der Alles geistig meinte, auch sich selbst.
Streite Dich nie um Äußerlichkeiten, um Formen, um Gebräuche. Gott ist nur Geist; kein Schema bringt Dich ihm näher. Behalte Dein Kleid, und gönne jedem Andern das seinige. Du hast gar nicht nöthig, zu tauschen, und wenn Du es thätest, so wäre es vergeblich, denn Du bleibst doch immer Du selbst!