Wir reden ein wenig aneinander vorbei. Ich habe überhaupt nichts dagegen, Gewalt darzustellen. Aber wenn man sie so darstellt, als sei es eine mehr oder weniger unterhaltsame Angelegenheit, die man mal eben bei Popcorn und Cola sich zu Gemüte führen, innerlich unbeteiligt an sich vorbei plätschern lassen kann, dann kann man sich das, m.E., in die Haare schmieren bzw. gleich bleiben lassen.
„wirklich" um Leben und Tod geht es da sicherlich nicht.
Aha. Na dann schauen wir uns doch z.B. das mal an:
„Ibn Asl war zu den Kindern zurückgekehrt. Er setzte seine Untersuchung fort. Diejenigen von ihnen, die er für kräftig genug fand, den weiten Transport auszuhalten, blieben liegen; die andern, die er mit einem verächtlichen Winke seiner Hand bezeichnete, wurden zur Seite getragen und dort niedergeworfen. Noch ahnte ich nicht, was er mit diesen Unglücklichen vornehmen werde. Da sie ihm als unbrauchbar erschienen, so war ich überzeugt, daß er sie ihrer Fesseln entledigen und einfach laufen lassen werde. Aber wie hatte ich mich da geirrt!
Als seine Untersuchung zu Ende war, hörte ich ihn einen Befehl aussprechen, und sogleich eilten mehrere seiner Leute zu den ausgeschiedenen Kindern - die Messer dieser Unmenschen blitzten - ich schrie laut auf und schloß die Augen - mehrere Peitschenhiebe zwangen mich, sie wieder zu öffnen - - als ich dort hinübersah, lebte keines von den Kindern mehr.
Die Mütter und Väter der Ermordeten schrieen und heulten vor Schmerz; sie sträubten sich gegen ihre Fesseln; sie wollten auf, um den Tod ihrer Kinder zu rächen. Die Armen! Man brachte sie durch Peitschenhiebe zum Schweigen, und einige, bei denen dieses Mittel nicht fruchten wollte, wurden einfach erschossen.
Ich fühlte eine Wut in mir, welche gar nicht zu beschreiben ist. Meine Glieder zitterten förmlich, nicht aus Schwäche, sondern infolge des inneren Grimmes. Wie oft hatte ich Ibn Asl und mehrere, ja alle seiner Mitschuldigen geschont! In diesem Augenblicke bereute ich dies auf das bitterste. Ich machte mir die schwersten Vorwürfe und nahm mir fest und heilig vor, nun nicht wieder so schwach und nachsichtig zu sein, falls ich in die Lage kommen Sollte, diesen Massenkindermord zu rächen.
Leider hatte ich noch nicht alles gesehen; es sollte, wenn auch nicht noch schlimmer, aber doch auch nicht besser kommen. Es ging nämlich jetzt an die Untersuchung der Erwachsenen. Dabei wurden die als untauglich erscheinenden gar nicht erst entfernt, sondern an Ort und Stelle getötet. Um nicht aufzubrüllen, preßte ich die Zähne zusammen; aber ich behielt die Augen offen, jetzt nicht aus Furcht vor der Peitsche, sondern ich wollte nun Augenzeuge dieser Schlächterei bis zum letzten Ende derselben sein.“
(„Im Lande des Mahdi“, III)
So geht’s zu bei Karl May, zum Beispiel. Soviel zum Thema „Es tut nicht weh“ usw.
Hingucken. Und nicht bewusstlos durchs Leben eiern und wenn’s dann wirklich mal unangenehm wird ist das Geschrei groß (wenn man vorher nur in Watte gepackt und eingelullt wird). Und wenn ich so einen Schnullitrallalabericht sehe wie den vorhin, dann könnte ich, mit Verlaub, in den Fernseher kotzen.
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(Das kommt dabei heraus, wenn man einer harmlosen Fernsehempfehlung folgt ... hätte vielleicht besser lesen und mich raushalten sollen ... die Beklopptheit der Welt werde ich eh nicht ändern, ich vergeß' es immer wieder: die WILL ja bekloppt sein, die Welt, da stört man ja nur, wenn man etwas genauer hinguckt ...)
;-)