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Karl-May-Ausstellung in Hannover

Verfasst: 1. Apr 2008, 17:02
von Blechmops
Am 10. April 2008 findet im Theatermuseum Hannover anlässlich der Ausstellungseröffnung eine Vernissage statt.
1. Dankeschön
2. Auf der lustigen Webseite des Museums findet der Sohn meines Vaters leider nichts dazu.
3. Trotzdem und vor dem Hintergrund meines morgigen Telefonats mit den ZUSTÄNDIGEN will i be there.

Re: Karl-May-Ausstellung in Hannover

Verfasst: 1. Apr 2008, 17:30
von Sven Margref
Da geht es dir wie mir - auch auf Presseanfragen reagiert man da recht spärlich (um nicht zu sagen bisher gar nicht) - schade. Im Zweifelsfall hilft nur hingehen und ansehen...

Re: Karl-May-Ausstellung in Hannover

Verfasst: 2. Apr 2008, 12:02
von n.f.
Hier sind die Presse-Informationen des Theatermuseums Hannover:
Sonderausstellungen 10. April bis 22. Juni 2008

Wunsch, Indianer zu werden
Wenn man doch ein Indianer wäre, gleich bereit, und auf dem rennenden Pferde, schief in der Luft, immer wieder kurz erzitterte über dem zitternden Boden, bis man die Sporen ließ, denn es gab keine Sporen, bis man die Zügel wegwarf, denn es gab keine Zügel, und kaum das Land vor sich als glattgemähte Heide sah, schon ohne Pferdehals und Pferdekopf.
Franz Kafka

Karl May – Ich habe erlebt, was ich erzähle

Karl May, der meistgelesene Erzähler der deutschen Literatur, wird über ein Jahrhundert von Generation zu Generation gierig verschlungen. Er fasziniert Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Viele seiner Schriftstellerkollegen ziehen ehrfürchtig vor seiner Erzählkunst den Hut: Ernst Bloch, Franz Kafka, Hermann Hesse, Heinrich Mann, Klaus Mann, Thomas Mann, Arno Schmidt oder Hans Wollschläger – um hier nur einige zu nennen – schätzen ihn.
Seine literarische Entwicklung reicht von den Trivialromanen seines schriftstellerischen Beginns über seine genialen Reiseerzählungen bis hin zu den psychologisch-mystischen Büchern seines Alterswerkes.
Um 1896 erlebt die Identifikation Karl Mays mit seinen Helden ihren Höhepunkt: Er behauptet, selbst Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi zu sein. Bei einem Radebeuler Photographen läßt sich May in zahlreichen Posen und in entsprechender Verkleidung mit und ohne Tieren und Utensilien des Orients und des Wilden Westens ablichten und sorgt für die Veröffentlichung in aller Welt. Doch daraus entwickelt sich schon in wenigen Jahren ein nicht enden wollender Rechtsstreit, der May finanziell und gesundheitlich sehr zusetzt. Bereits 1902 versenkt er die Photo-Glasplatten in der Donau. Doch auf die Authentizität seiner Reiseerlebnisse besteht er bis an sein Lebensende.

Die Sonderausstellung konzentriert sich auf die Inszenierungen dieser fiktiven Welten. Zu sehen sind, neben zahlreichen Photographien aus Mays Leben, u. a.: Old Shatterhands Trapperjacke, der Fes des Kara Ben Nemsi, diverse Schmuckstücke, der Henrystutzen, die Silberbüchse und der Bärentöter, Bärenfelle, eine Pferdehaube, ein Kamelsattel und orientalische Möbelstücke, mit denen er seine Villa Shatterhand in Radebeul schmückt, sowie Originale des Jugendstilkünstlers Sascha Schneider und viele weitere Utensilien, mit denen May seinen produktiven Schaffensprozeß kreativ gestaltet.
Wir danken dem Karl-May-Museum in Radebeul für die freundliche Überlassung der Exponate. Insbesondere René Wagner (Leiter des Museums und Geschäftsführer der Karl-May-Stiftung) und Hans Grunert (Kustus der Karl-May- und Indianersammlung).

Ich bin wirklich Old Shatterhand resp. Kara Ben Nemsi und habe erlebt, was ich erzähle.
Daß ich dabei, wie der Maler, die Feder in die Farbe tauche, versteht sich von selbst, daß ich es gar nicht zu erwähnen brauche. Wer da behauptet, dass ich nicht aus Erfahrung, sondern aus der Phantasie schöpfe, der mag, und sei er der begabteste Mensch, sich doch einmal hinsetzen und den Versuch machen, auch nur einen einzigen May-Band einfach zu erdichten.
Daß ich zu meiner großen Genugtuung grad aus den Ländern, über welche ich schreibe, eine Menge schriftliche und mündliche Bestätigungen erhalte, will ich nur erwähnen; behaupten aber muß ich, und mit mir jeder vernünftige Mann, daß die Meinung, ich schreibe nichts als Erdichtetes, nur in einem jungen, also unreifen Gehirn entstehen kann. Der gereifte Denker weiß, daß solche Erzählungen, zu denen eine solche Summe von Kenntnissen und Erfahrungen gehört, nicht aus den Rippen zu saugen sind, und wenn die höchsten Geburts- und Geistesaristokraten mir schriftlich und persönlich ihre Anerkennung zollen, so ist es eigentlich lächerlich, daß ich einigen Flachköpfen wegen diesen Brief schreibe. Diese jungen Herrn mögen hierher kommen und meine Reisetrophäen sehen, dann werden sie schweigen! Oder sie mögen die Narben sehen, welche meinen Körper bedecken!

Karl May an einen Leser, 15. April 1898


Von Bagdad zum Silbersee
Michael Sowas Cover-Illustrationen zu Karl May


Jeder hat seinen Karl May, so auch Michael Sowa. Seine Landschaften wirken suggestiv, seine Konflikte dramatisch, seine Helden aber erscheinen als verkleidete Pappkameraden und seine wilden Tiere als Attrappen.
Michael Sowa, geb. 1945, lebt als Maler und Zeichner in Berlin. Nach Abschluß seines Kunst-pädagogikstudiums arbeitet er seit 1975 als freier Maler.
Seine Bilder zieren u. a. das Satiremagazin Titanic, das ZEIT-Magazin und The New Yorker sowie diverse Buch-Cover. Viele seiner Werke hat er mit dem Journalisten und Schriftsteller Axel Hacke gemeinsam veröffentlicht.
Im Jahre 1995 wird er mit dem Olaf-Gulbransson-Preis ausgezeichnet. 2004 erhielt er für das Buch „Prinz Tamino“ den Berliner Buchpreis in der Kategorie Kinderbuch.
Die Karl-May-Ausgaben mit den Bildern von Michael Sowa sind Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre im Haffmanns Verlag (Zürich) erschienen.

Michael Sowa wird im Mai nach Hannover kommen und seine Ausstellung besuchen!
Wir laden unsere Besucher ganz herzlich zu einem Gespräch mit dem Maler ein. Den Termin werden wir Ihnen noch rechtzeitig bekannt geben.

Re: Karl-May-Ausstellung in Hannover

Verfasst: 3. Apr 2008, 12:11
von n.f.
Nachtrag:

Zu der Ausstellung sind zwei Werbe-Postkarten erschienen: eine mit Karl-May-Motiv (Karl May als Old Shatterhand) und eine mit Michael Sowas "Winnetou I"-Illustration.

Unterirdische Karl-May-Ausstellung in Hannover

Verfasst: 11. Apr 2008, 10:14
von Blechmops
Kurzbericht zur Ausstellung:


Erklärung:
Nachfolgende Zeilen beschreiben ausschließlich meine pers. Eindrücke.

Besucher:
Fehlanzeige - als Beweis für die erfolgte Öffentlichkeitsarbeit hängt aber eine HAZ aufgeklappt an der Wand.

Ausstellung:
Sehr schöne Vitrinen mit Zeitschriften, Büchern, Fez etc., einigen Möbelstücken, Plakaten usw..
Die zur Beschäftigung mit den Exponaten notwendige (in anderen Ausstellungen übliche) Ruhe kommt jedoch nicht auf, da die Besucher der benachbarten Ausstellungen - durch die Karl-May-Ausstellung "durchmüssen", um das Museum verlassen zu können. Besonders eine Gruppe älterer bis alter Frauen, die von ihrer regelmäßigen "Tagung" aus dem Raum herausquillt, in dem die Sowa-Bilder hängen (!!!) zieht lautstark durch die Räume. Einen Augenblick später geschieht das ganze noch einmal mit einer Klasse ca. 10-12jähriger Schüler – die jedoch nicht weiter auffallen, da sie scheinbar (noch) wissen, wie man sich zu benehmen hat.

Sowa-Ausstellung:
Intelligent in Szene gesetzte Bilder an den Wänden des "Kinos".
Nach der Versammlung „Wie benehme ich mich mit 78++ in einem Museum und was kann ich diesbezüglich von der Generation Smart lernen?“ darf man eintreten (wir reden hier übrigens vom Eröffnungstag der Ausstellung). Das Personal des Museums ist emsig bemüht den durch die Alten entstanden Schaden zu begrenzen und bringt lautstark und energisch wieder etwas Ordnung in die Metallstühle. Da wird gestapelt, geschoben usw. bis auch der letzte Besucher hochrot das Kino verlässt.

Karl-May-Film:
Über dem Kino, also gerade noch so nah, dass man die alten Mädchen unten „plaudern“ hören kann, läuft der Karl May Film mit Ilmer, Wagner und Grunert usw. in den Hauptrollen. Sehr schön gemachter Querschnitt für die Besucher, die sich mit Herrn May beschäftigen wollen. Vitrine mit Büsten und Bibliotheksausgaben rundet den Raum ab – super, wenn da nicht die Spinatw. unten wären.

Verkauf:
"Wir haben sogar einen Ausstellungskatalog!" - „Aber das ist doch der aus Berlin?!“ – „Davon weiß ich nichts“ (!)
Es gibt grüne Sekundärliteratur und das Plakat zur Ausstellung (6€). Letzteres ist sehr zu empfehlen, denn ein Plakat mit May und der Aussage, er habe das alles selbst ... , ist natürlich wie geschaffen für’n May-Freund.

Vernissage:
„Wir haben von einer Vernissage gelesen?!“ – „Davon weiß ich nichts“ (!!)

Museumsmitarbeiter:
„Darf man fotografieren?“ – „Weiß ich nicht“ (!!!)

Karl May & Co.:
Neben einigen Leseexemplaren der Sekundärliteratur und Willemsen’s Gedichten, liegen einige Ausgaben des Karl-May-Magazins zum Stöbern bereit.

Netzwerk:
Wir trafen die Herren Grunert und Wagner. (Das war mal ein Lichtblick)


Zusammenfassung:
Keine Hinweise auf der Webseite des Museums.
Keiner geht an’s Telefon.
Kein Niedersachse weiß von der Ausstellung.
Keine „Atmosphäre“
(Nahezu) kein Grund nach Hannover zu fahren


Pressemeldung der HAZ vom 10.04.2008:
http://www.haz.de/newsroom/kultur/dezen ... 610,568909" onclick="window.open(this.href);return false;

Einige Fotos liegen bereits bei der Redaktion dieses Forums.

Re: Unterirdische Karl-May-Ausstellung in Hannover

Verfasst: 11. Apr 2008, 10:22
von n.f.
Blechmops hat geschrieben:Einige Fotos liegen bereits bei der Redaktion dieses Forums.
Sofern ich mich angesprochen fühlen darf: Bei mir liegt (noch?) nichts.
Danke für die geschilderten Eindrücke!

Re: Karl-May-Ausstellung in Hannover

Verfasst: 11. Apr 2008, 11:19
von JennyFlorstedt
Das klingt doch irgendwie nach einer prächtigen Organisation dort. :) Auf jeden Fall auch von mir herzlichen Dank für den Bericht.

Re: Karl-May-Ausstellung in Hannover

Verfasst: 11. Apr 2008, 15:41
von n.f.
Nun sind die Bilder eingetrudelt. Vielen Dank, Frank!

Ab sofort können Sie in der Online-Galerie von KARL MAY & Co. betrachtet werden:
http://www.karl-may-magazin.de/galerie/ ... g+Hannover" onclick="window.open(this.href);return false;

Da wir die Galerie noch nicht dahingehend eingerichtet haben, dass Kommentare zu den einzelnen Bildern dort eingestellt werden können, muss eine etwaige Erläuterung zurzeit noch an dieser Stelle erfolgen. Was es zu sagen gibt, überlasse ich aber doch lieber dem Fotografen selbst ;-)

Re: Karl-May-Ausstellung in Hannover

Verfasst: 11. Apr 2008, 15:52
von Blechmops
Und bevor die wildesten Fragen kommen ...

NEIN - Bild eins ist nicht das offizielle Plakat zur Ausstellung.

Besucher also bitte nicht die Straße der SA oder die örtliche KDF-Dienststelle suchen.


:-))

Re: Karl-May-Ausstellung in Hannover

Verfasst: 11. Apr 2008, 21:03
von Sylvia
Ein reizendes Bild das von diesem Karl-May-Schwärmer zu Mays 100. Geburtstag gemalte! Schad, dass man die Gestalten nicht genau sehen kann. Wie groß (breit) ist denn das Teil in Wirklichkeit?

Re: Karl-May-Ausstellung in Hannover

Verfasst: 11. Apr 2008, 23:13
von Blechmops
Das ist natürlich nicht die Originalauflösung der Aufnahme.

You will get a mail - th'is doch ganz clear.

Re: Karl-May-Ausstellung in Hannover

Verfasst: 11. Apr 2008, 23:34
von Sabine
You will get a mail - th'is doch ganz clear.
Me too, please! Erinnert so ein bisschen an Leonardos Letztes Abendmahl (oder heisst das anders?)

Re: Karl-May-Ausstellung in Hannover

Verfasst: 12. Apr 2008, 15:41
von Sylvia
Letztes Abendmahl mit May-Personal - makaber, makaber, da möchten sich einem doch gleich die blau-illustrierten Fehsenfelder Karl-May-Haare sträuben.
Danke Frank, sehr nett!! Ich warte...

Re: Karl-May-Ausstellung in Hannover

Verfasst: 12. Apr 2008, 15:51
von Sylvia
Wieso sind auf dem zweiten Bild die ganzen KM&Co.-Magazine auf den Stühlen verteilt, soll das so eine Art Stuhlleben sein? Oder muss man sich zu jedem Magazin auf den dafür vorgesehenen Stuhl setzen? Oder wie? Und wo ist der bequeme Ohrensessel mit Fußhocker und dem daraufliegenden in rotes Saffianleder gebundenen Band?

Re: Karl-May-Ausstellung in Hannover

Verfasst: 12. Apr 2008, 16:56
von Sabine
Soweit ich das erkennen kann, sind die Magazine an die Stühle angekettet (Diebstahlsicherung, nehm ich an), vermutlich, damit sie dort von Besuchern angesehen werden können. Aber vielleicht ist es auch eine Kunst-Installation eines Beuys-Nachfolgers.