Fehsenfeld-Anekdote
Verfasst: 11. Jan 2008, 15:43
(für Friedrich Ernst Fehsenfeld)
May, so träumte mir, schrieb in einem seiner Texte zweimal das Wort „Wanderlied“. Einmal mit, einmal ohne Bindestrich („Wander-Lied“, „Wanderlied“). Von Fehsenfeld gebeten, das auf zweimal „Wanderlied“ ändern zu lassen, schrieb er, Nein, er wolle an der einen Stelle bewusst „Wander-Lied“ haben, da es einen direkten Bezug zum anderweits im Text anklingenden Wandern habe und er auf diese Weise dezent darauf aufmerksam machen wolle, auch wenn ihm bewusst sei, dass das kaum jemand bemerken werde. Fehsenfeld änderte daraufhin achselzuckend beide Fälle in „Wander-Lied“.
Als May nun bemerkte, dass nicht nur an der ersten Stelle in seinem Text, sondern auch an der zweiten, „Wander-Lied“ stand, bat er Fehsenfeld, das an der zweiten Stelle wieder zu ändern, weil es dort den Satzfluß rhythmisch störe, an der anderen Stelle aber so stehen zu lassen. Wir wissen nicht ob Fehsenfeld daraufhin ärztlicher Betreuung bedurfte. Wir wissen nur, May hatte Recht. Denn, so May weiter: Und wenn von hundert Lesern siebzig es gar nicht bemerken dass da einmal „Wander-Lied“ und einmal „Wanderlied“ steht und neunundzwanzig von den anderen dreißig das für eine Schluderei halten mögen, einer merkt’s, das mit der kleinen Feinheit. Vielleicht. Und für den schreibe er. Letzten Endes nicht einmal für den. Sondern für sich. Oder für die Sache (L’art pour L’art könne man das nennen.). Und ein Wanderlied sei halt einmal ein Wander-Lied und einmal einfach ein Wanderlied. Je nach Sinn und Zusammenhang.
Es sei übrigens, um das Maß voll zu machen, noch ein wenig komplizierter. Daß er das Wort einmal mit und einmal ohne Bindestrich geschrieben habe, beabsichtige eigentlich gar keine Wirkung. Nicht einmal bei dem einen. Nur, wenn er es anders schriebe, sei es halt nicht richtig, bzw., nicht das, was er schreiben wolle. Auch ohne dahinterstehende direkte Absicht. Einmal meine er halt „Wander-Lied“, das andere Mal „Wanderlied“, auch ohne Sinn und Zweck, er für sich wisse schon was er meine, und daher wolle er das so schreiben. Das sei alles eigentlich ganz einfach, und dass andere das in der Tat anders sähen, sei sozusagen deren Problem.
Und es sei sogar noch komplizierter. Gelegentlich schludere er, May, tatsächlich herum, und keineswegs sei immer alles Absicht. Aber da, wo es eben Absicht sei, da solle es eben auch so sein. – Hier merkte May, dass ihm niemand mehr zuhörte. Aber das störte ihn nicht weiter.
;-)
May, so träumte mir, schrieb in einem seiner Texte zweimal das Wort „Wanderlied“. Einmal mit, einmal ohne Bindestrich („Wander-Lied“, „Wanderlied“). Von Fehsenfeld gebeten, das auf zweimal „Wanderlied“ ändern zu lassen, schrieb er, Nein, er wolle an der einen Stelle bewusst „Wander-Lied“ haben, da es einen direkten Bezug zum anderweits im Text anklingenden Wandern habe und er auf diese Weise dezent darauf aufmerksam machen wolle, auch wenn ihm bewusst sei, dass das kaum jemand bemerken werde. Fehsenfeld änderte daraufhin achselzuckend beide Fälle in „Wander-Lied“.
Als May nun bemerkte, dass nicht nur an der ersten Stelle in seinem Text, sondern auch an der zweiten, „Wander-Lied“ stand, bat er Fehsenfeld, das an der zweiten Stelle wieder zu ändern, weil es dort den Satzfluß rhythmisch störe, an der anderen Stelle aber so stehen zu lassen. Wir wissen nicht ob Fehsenfeld daraufhin ärztlicher Betreuung bedurfte. Wir wissen nur, May hatte Recht. Denn, so May weiter: Und wenn von hundert Lesern siebzig es gar nicht bemerken dass da einmal „Wander-Lied“ und einmal „Wanderlied“ steht und neunundzwanzig von den anderen dreißig das für eine Schluderei halten mögen, einer merkt’s, das mit der kleinen Feinheit. Vielleicht. Und für den schreibe er. Letzten Endes nicht einmal für den. Sondern für sich. Oder für die Sache (L’art pour L’art könne man das nennen.). Und ein Wanderlied sei halt einmal ein Wander-Lied und einmal einfach ein Wanderlied. Je nach Sinn und Zusammenhang.
Es sei übrigens, um das Maß voll zu machen, noch ein wenig komplizierter. Daß er das Wort einmal mit und einmal ohne Bindestrich geschrieben habe, beabsichtige eigentlich gar keine Wirkung. Nicht einmal bei dem einen. Nur, wenn er es anders schriebe, sei es halt nicht richtig, bzw., nicht das, was er schreiben wolle. Auch ohne dahinterstehende direkte Absicht. Einmal meine er halt „Wander-Lied“, das andere Mal „Wanderlied“, auch ohne Sinn und Zweck, er für sich wisse schon was er meine, und daher wolle er das so schreiben. Das sei alles eigentlich ganz einfach, und dass andere das in der Tat anders sähen, sei sozusagen deren Problem.
Und es sei sogar noch komplizierter. Gelegentlich schludere er, May, tatsächlich herum, und keineswegs sei immer alles Absicht. Aber da, wo es eben Absicht sei, da solle es eben auch so sein. – Hier merkte May, dass ihm niemand mehr zuhörte. Aber das störte ihn nicht weiter.
;-)