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Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 24. Sep 2008, 02:37
von karmaqueen
Rüdiger hat geschrieben:[off topic]
Mit dem Reprintprogramm und der HKA erscheinen fast alle relevanten Ausgaben im KMV; warum sollten wir uns da nicht einig sein.
[/off topic]
(Ich weiß zwar nicht warum Sie z.B. die Weltbild-Ausgabe für irrelevant halten, aber es interessiert mich auch nicht sonderlich und gehört darüber hinaus auch nicht zum Thema.)
;-)
[klugscheißermodus]die weltbild-ausgabe erscheint m.w. nicht mehr und ist teilweise nur noch antiquarisch erhältlich. grundsätzlich stört mich die billige anmutung dieser reihe. und was die kolportage-romane angeht, greift weltbild auf die textfassung der fischer-ausgabe zurück. also ist die ausgabe insgesamt nicht relevant.[/klugscheißermodus]
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 25. Sep 2008, 15:21
von Helmut
Werner Fleischer hat geschrieben:Ich denke das Winnetous Erben auf jeden Fall der bessere Titel ist.
Genau, und es sollte endlich auch "Faust, der Tragödie zweiter Teil" in "Die neuen Leben des Dr. Faust" umbenannt werden, sonst glauben noch die vielen Theaterbesucher, es werden dort einfach die Abenteuer Fausts aus dem ersten Teil weiter erzählt.
;-)
Helmut
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 25. Sep 2008, 16:23
von markus
Ich versteh auch nicht warum man beim KMV fast alle mehrbändigen Reiseerzählungen umbenannt hat (Satan u. Ischariot, Im Lande des Madhi, Im Reich des silbernen Löwen), es inkonsequenter Weise aber bei der Winnetou-trilogie unterlassen hat. Das könnte man jetzt nachholen. Anstatt langweilig Winnetou I-III, etwas moderner "Der kleine Indianer Winnetou", "Winnetou und sein Sohn Apahatschi", "Ein Apatsche in der Patsche", "Winnetou und sein Bruder Winneone",
"Winnetou am Fuße des Kalkbergs", "Winnetou trifft Pierre Brice", "Winnetou vs. Harry Potter (Directors Cut)", "Winnetou & Old Shatterhand in: Vier Fäuste gegen Radebeul", "Winnetou reitet wieder", "Winnetou in Taka-Tuka-Land (Wahlweise auch Lummerland)", "Winnetou bei den Briten", "Winnetou in Amerika (Uff?)", "Winnetou in neuen Abenteuern", "Der Todesritt des Winnetou". Ufffff...
Zuviel??? Na da müssen sich die Herren Bearbeiter und Nachahmer mal was einfallen lassen;-))
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 25. Sep 2008, 18:26
von Helmut
Die Titel der Trilogien beim KMV gehen teilweise auf die Titel der in einem Jahrgang im Hausschatz erschienenen Ursprungserzählungen zurück, das waren z.B. "Der Mahdi" und "Im Sudan" (im Hausschatz waren das nur 2 Teile), und "Die Felsenburg", "Krüger Bei" und "Die Jagd auf den Millionendieb" (der letzte Titel war offensichtlich selbst dem KMV zu "reißerisch").
Wobei natürlich nicht gesagt ist, dass all diese Titel von May selbst stammen, aber er hat so offensichtlich akzeptiert.
Helmut
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 25. Sep 2008, 20:28
von markus
Das weiß ich doch;-). Ich wollte nur überspitzt formulieren wie reißerisch heutzutage Titel sein müssen um Leser anzulocken, früher war das kaum nötig.
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 25. Sep 2008, 21:08
von Rolf Dernen
Wann früher? In den 60er Jahren kam man bei den Filmen ohne "Winnetou und..." irgendwann auch nicht mehr aus. Allerdings wurden die Streifen da auch immer mieser. Und mittlerweile hat sich die Figur Winnetou schon längst vom Namen seines Schöpfers verabschiedet.
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 26. Sep 2008, 09:10
von markus
Mit "früher" meinte ich im engeren Sinne die Bücher Karl May´s vor 100 Jahren, also zu seinen Lebzeiten. Im weiteren Sinne halt allgemein was "früher" mit einfachen Mitteln ging, geht heut nicht mehr (leider). Ein Beispiel: Die Duschszene aus "Psycho" schockte damals mit einfachen Mitteln (Schokoladensoße statt Blut, keine Messereinstiche) ganze Nationen. Heute kann man mit Filmen wo es nur so vor Blut rumgematscht wird, keinen Hund mehr unterm Tisch hervorlocken. Die Menschen brauchen immer größere Sensationen, leider leider.
Inwiefern hat sich die Figur von seinem Schöpfer verabschiedet? Oder ist er nicht eher verabschiedet worden?
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 26. Sep 2008, 09:25
von Rüdiger
Die Menschen brauchen immer größere Sensationen, leider leider.
Wie im alten Rom. Insofern ist das mit dem "früher" relativ ... Es sind Pendelbewegungen. Und wenn die Dinge in die eine Richtung ausgereizt sind, gibt es manchmal eine Art großen Krach, und dann geht es in aller Bescheidenheit wieder in die andere Richtung. bzw., fängt dort wieder an. Vielleicht ist es bald soweit. Hat schon mal ein Indianer vorhergesehen und hübsch formuliert (Nein, nicht Winnetou. Die Sache mit dem letzten Fisch usw.).
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 27. Sep 2008, 02:56
von Werner Fleischer
Karl May war sicherlich viele - nur kein guter Lektor und sicherlich auch keine gute Ideenquelle für Romantitel!
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 27. Sep 2008, 10:17
von giesbert
Rüdiger hat geschrieben:Hat schon mal ein Indianer vorhergesehen und hübsch formuliert (Nein, nicht Winnetou. Die Sache mit dem letzten Fisch usw.).
Falls Du die angebliche "Weissagung der Cree" meinst: Die ist nicht indianisch, sondern schlicht erfunden und als angebliche Weissagung ausgegeben worden. Passt doch so schön in den Kram. Und der Erfolg dieses Spruches gibt ihm ja auch recht, hat doch prima funktioniert. Fälschung? Ach was, erfolgreiche Berarbeitung.
http://de.wikipedia.org/wiki/Weissagung_der_Cree
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 27. Sep 2008, 10:36
von Rüdiger
Ich weiß, daß ich nichts weiß ...
Andererseits darf man auch nicht alles glauben was in der Wikipedia steht ...
;-)
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 27. Sep 2008, 10:38
von Rüdiger
Werner Fleischer hat geschrieben:Karl May war sicherlich viele - nur kein guter Lektor und sicherlich auch keine gute Ideenquelle für Romantitel!
In Sachen Titel, das mag stimmen. Gegen die nachträglichen Titel spricht m.E. auch nichts, mit der Ausnahme „Kapitän Kaiman“, das klingt nach Kindergeburtstag oder Abenteuerspielplatz und nicht nach Piraterie.
In Sachen Lektorat, jenun … Es ist richtig, dass May zu Nachlässigkeiten neigte und einfach so „aus dem Ärmel“ geschrieben hat, wie es ihm in den Sinn kam. Und dabei rutschte ihm gelegentlich auch mal eine unfreiwillige Stilblüte, eine unbeabsichtigte Wortwiederholung, ein falscher Ausdruck oder sonst noch etwas in den Text. Daraus nun aber die Schlußfolgerung zu ziehen, es sei richtig, die Texte durchgehend zu überarbeiten, wäre ganz fatal und einmal mehr erschreckend undifferenziert. Denn wie will ein Lektor vom Format Biedermann & Sesselfutz erkennen, was Absicht ist, Wortwitz, Spielerei, feine Anspielung, bewusste sprachliche Phantasiekreation usw. usf. und was nicht.
Eigentlich war das Thema des Threads ja der Nachlass. Meine persönliche bescheidene wie unmaßgebliche Meinung: wichtiger als Samentüten, zerknautschte Handschriften oder Ansichtskarten wäre es, das Werk zu bewahren und zugänglich zu halten, in seiner ursprünglichen Form, als eigentlichen, wesentlicheren Nachlass. Und mit diesem Anspruch ist seinerzeit mal eine literarische Gesellschaft angetreten. Hoffen wir (das ist allerdings m.E. leider eher rhetorisch als realistisch …), dass sie den vor lauter Öffentlichkeitsarbeit, Freilichtbühnen- und Filmberichterstattung, bunten Kindernachmittagen und sonstigem Ringelpietz mit Anfassen (das Wort Unterdenteppichkehrfriedenumjedenpreis, das sich in dieser Aufzählung auch noch gut gemacht hätte, ist inkorrekt, zu lang, gehört nicht zum Thema und wurde daher in freiwilliger Selbstkontrolle lektoriell entfernt) nicht aus den Augen verliert.
(„Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst“; Karl Kraus)
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 27. Sep 2008, 12:15
von Helmut
Werner Fleischer hat geschrieben:Karl May war sicherlich viele - nur kein guter Lektor ...
Ein wenig Sachkenntnis wäre manchmal gar nicht so schlecht.
Als May in seiner Anfangszeit Redakteur war (und gleichzeitig so etwas wie Lektor, denn einen solchen gab es weder bei Münchmeyer noch bei Radelli) hat er seine Arbeit hervorragend gemacht!
Helmut
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 27. Sep 2008, 12:33
von Rüdiger
Der Werner meinte das vermutlich nicht so wörtlich, siehe oben, und da wäre ihm, wiederum siehe oben, mit Abstrichen durchaus zuzustimmen …
(Nicht ich bin kompliziert, sondern die Sachverhalte sind es)
;-)
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 27. Sep 2008, 14:06
von markus
Werner Fleischer hat geschrieben:Karl May war...sicherlich...keine gute Ideenquelle für Romantitel!
Das sind persönliche Ansichten. Karl May hat sich offenbar (für die heutige Zeit sehr unverständlich) mehr Gedanken um Inhalt als um die Verpackung gemacht. Heute ist das ja glücklicherweise nicht mehr so. Klassischer Fall die Bild-Zeitung, wo der Megagroße Aufmacher auf der Titelseite mehr aussagt als auf Seite 2 dann der Text dazu (Bild sprach zuerst mit dem Toten usw.)
;-))