KMG-Kongress

Helmut
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Beitrag von Helmut »

Hallo Rüdiger,

auf Deine ursprüngliche Frage, kann ich nur mit einem entschiedenem "Daskommtdaraufan" oder einem ebensolchem "jenachdem" antworten. Eben ob einem der Anblick von Fotografien reicht, oder ob es einem mehr bringt, die Originale zu sehen und wirken zu lassen.
Das ist so wie die Frage, reicht einem der "Originaltext" Mays in neuer Rechtschreibung und neu gesetzt, oder möchte man das "originale Buch" so wie es zu "seiner Zeit" hergestellt wurde, in den Händen haben.

Helmut
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

Hallo Helmut,

also kann ich getrost zuhause bleiben. Mir reicht auch ein Bild vom Niagarafall, z.B., ich muß nicht dort sein.

Neue Rechtschreibung bitte nicht, aus wohlbekannten (in diesem Fall auch wohl bekannten) Gründen.

Tür statt Thür darf schon sein, habe ich immer gedacht, aber seit ich die Ode auf einen Buchstaben (oder wie heißt der Text; ich such' mich tot im Netz und find' ihn nicht) von Karl Kraus gelesen habe, bin ich mir selbst da nicht mehr so ganz sicher ...

Die ollen Schwarten ... das werde ich nie nachvollziehen können warum Leute dafür so viel Geld ausgeben. Nein, lieber einen nagelneuen Reprint. Oder noch besser, im Neusatz. Aber alter Rechtschreibung.

;-)
Zuletzt geändert von Rüdiger am 15. Okt 2007, 16:15, insgesamt 1-mal geändert.
Sylvia
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Registriert: 29. Dez 2005, 10:43

Beitrag von Sylvia »

Jedem sein Pläsirchen. Karl May ist halt nicht nur Textgeschichte.
Der eine hat's mehr mit den Abenteuern, der andere mit dem speziellen Humor, und wieder der andere mit den verschiedenen Ausgaben. Neben den Bibliografen gibt es die besonders an Mays Lebensgeschichte Interessierten, und dann gibt es welche, die spielen heute noch gern Indianer, oder jene, die, wenn sie in eine fremde Gegend, in ein anderes Land kommen, wo auch May mal hingeschnuppert hat, gleich irgendwelche Gefühle kriegen.
Aber das alles ist schon ein Phänomen.
Wenn Dich Mays Schreibtisch kalt lässt, lieber Rüdiger, und Du uns lieber dafür die Leviten liest, weil wir eine Feinheit in Mays Text übersehen haben, wenn es uns manchen, auch wenn wir nie auf einem Gaul gesessen haben mögen, die Tränendrüse zerquetscht bei Rihs Tod - nur mal so als Beispiel - dann, egal von welcher Seite wir rankommen, treffen wir uns beim Alten wieder.


Ich merke es auch hier in dem Thread wieder: Jedem geht es um was anderes..
Eigentlich wollte ich nur auf Sandhofers Klopstöckelei antworten und darauf, ob es wichtig sei, dass man auch Mays Umstände und die Zeit, in der er lebte, sehen solle. :-))
Mir ging es um verschiedene Aspekte (die mir jetzt auch erst selber klar werden):
Einmal, wie kann man May heute noch interessant machen für die Nachkömmlinge, isser überhaupt noch interessant, hat es einen Sinn, sich darüber Gedanken zu machen, warum überhaupt, wer bin ich und kann es mir nicht wurscht sein, ob ihn nach mir noch jemand liest?
Das, dachte ich, sei auch u.a. ein Anliegen der KMG. Und hier gibt es wahrscheinlich auch Antworten außerhalb der streng wissenschaftlichen Szenerie. Eine lockere Manitouschuh-Persiflage wird heute leichter unter die Leute gebracht, als eine neue Buchausgabe. Und ich wundere mich immer wieder, wieviele Karl-May-Festspiele es gibt und vielviele Leute da hinpilgern! Mich interessiert das zwar nicht besonders, dennoch ist mir das Herz übergelaufen, als sie in Dasing nach der Vorstellung sagten, dass wir diese wunderbaren Geschichten Karl May verdanken (auch wenn der Alte sich heuer schwer gewundert hätte!).
Und deshalb stört es mich nicht (mehr), wenn an allen Ecken und Enden Mays herumgebastelt wird. Das ist halt eine gewisse Dynamik; immerhin zeigt es auch, dass da was Aktuelles dran ist, mit dem man was anfangen kann.
sandhofer
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Beitrag von sandhofer »

Sylvia hat geschrieben:Eigentlich wollte ich nur auf Sandhofers Klopstöckelei antworten und darauf, ob es wichtig sei, dass man auch Mays Umstände und die Zeit, in der er lebte, sehen solle. :-))
In dem Moment, wo ich Mays andere Umstände berücksichtigen soll, ist May fürs breite Lesepublikum - tot. In dem Moment, wo sich die May-"Forschung" an seiner Biografie verbeisst, ist May auch für die Literaturwissenschaft - tot.

$ 0.02
Sylvia hat geschrieben:Einmal, wie kann man May heute noch interessant machen für die Nachkömmlinge, [...]
Man beantworte mir die - zugegebenermassen ketzerische - Frage, warum man das machen sollte ...
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

Man beantworte mir die - zugegebenermassen ketzerische - Frage, warum man das machen sollte ...
Ich ketzere mit ... Der Klopstock ist ein gutes Beispiel ... Den kennt doch heute (Übertreiben veranschaulicht) kein Mensch mehr, aber macht (ihm) das was ? Das ist doch alles völlig relativ und willkürlich, was jeweils rauf- und runtergejubelt wird ...
Sylvia
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Beitrag von Sylvia »

Man (die KMG) wird das sicher wenigstens mit einem Blick durch die Wimpern beobachten, wie die Sache Mays sich fortentwickelt, auch wenn das nicht das erklärte Ziel des Vereins ist.

Sandhofer schrieb: (Zitatkästchen könnte Ihr Euch jetzt denken)
"Und solange die May-"Forschung" ihr Schwergewicht auf die Person May legt und nicht auf die Texte, wird weder in der (Literatur-)Wissenschaft noch beim breiten Publikum ein vergrössertes Interesse am May-Universum entstehen ... :( "

Diesen Deinen Satz möchte ich aber doch sehr anzweifeln in dem Punkt, dass das breite Publikum Interesse an May-Ur-Texten hätte. Was denn sollte das breite Publikum damit? Sind ja alles keine Wissenschaftler.
Klar wäre das wichtig, aber bestimmt nicht ausschlaggebend dafür, dass
Sylvia
Beiträge: 231
Registriert: 29. Dez 2005, 10:43

Beitrag von Sylvia »

Mann, da schreibt man sich die Finger wund.. und hinkt immer hinterher.


Sandhofer also schrieb:
"In dem Moment, wo ich Mays andere Umstände berücksichtigen soll, ist May fürs breite Lesepublikum - tot. In dem Moment, wo sich die May-"Forschung" an seiner Biografie verbeisst, ist May auch für die Literaturwissenschaft - tot.

$ 0.02 "

Und in dem Moment, wo sich die liebe Forschung in die Textkrümmungen verbeisst, ist der Lesespass dahin. Und May selber ist übrigens schon tot. Toter geht es gar nicht. Was wollt Ihr eigentlich?
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

Was denn sollte das breite Publikum damit? Sind ja alles keine Wissenschaftler.
Ich bin auch kein Wissenschaftler, und das ist auch gut so, aber wenn ich z.B. sehe, aha, da in der Fassung werden die Leute laufen gelassen und bei Karl May werden sie umgebracht, oder da ist der Erbe nur wegen des Todesfalls erschüttert und bei Karl May auch wegen des Geldes, oder da gibt er einer sich halt zufrieden und bei Karl May eben nicht sondern reflektiert und zweifelt, (ich könnte jetzt noch zwei bis zwölf Stunden weitermachen mit Beispielen) dann denke ich mal, so ganz wurscht ist es halt nicht … die Leut’ kennen halt den richtigen Karl May gar nicht, that’s it.
Und in dem Moment, wo sich die liebe Forschung in die Textkrümmungen verbeisst, ist der Lesespass dahin.
Nein, da fängt er erst an. Aber das ist halt mal wieder individuell verschieden.
sandhofer
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Beitrag von sandhofer »

Sylvia hat geschrieben:Was wollt Ihr eigentlich?
Wir? Hm ... Ich: nichts. Die mit der Mission ("Wie man Karl May bekannt machen könnte") sind die andern ;o)
Sylvia
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Beitrag von Sylvia »

@Rüdiger
Ich verstehe Dich schon, und die Beispiele, die Du immer bringst, zeigen die Unterschiede ja deutlich auf. Aber wovon reden wir denn nun? Davon, dass May für ein breiiites Publikum interessant ist, oder davon, womit die KMG sich beschäftigen möge, oder davon, ob es nicht auch interessant sein könnte, sich für Mays Person und Zeit zu interessieren?

Und welche Leute sollen denn den richtigen Karl May kennen wollen? Und isses dann auch der richtige?
Sylvia
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Registriert: 29. Dez 2005, 10:43

Beitrag von Sylvia »

sandhofer hat geschrieben:
Sylvia hat geschrieben:Was wollt Ihr eigentlich?
Wir? Hm ... Ich: nichts. Die mit der Mission ("Wie man Karl May bekannt machen könnte") sind die andern ;o)
Der Punkt ist: Karl May ist ja schon (und noch) bekannt. So bekannt, dass er sich über Filme und allerlei Festspiele und wissenschaftliche Beschäftigungen ständig wenigstens dem Namen nach im Bewußtsein hält.
Der Kern von ihm allerdings ist zu bewahren, dafür ist die KMG ja angetreten.

Und warum er so und was er geschrieben hat in dem Zusammenhang auch zu verstehen, dafür ist es auch wichtig, dass man seine Zeit und Lebensumstände sieht. Wenn heute die Indianers im Pickup durch das Reservat düsen, wird sich keiner mehr vorstellen können, wie es war, als sie noch auf'm Pferd hingen - um das mal salopp zu sagen.
Rolf Dernen
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Registriert: 27. Dez 2005, 23:38

Beitrag von Rolf Dernen »

Sylvia hat geschrieben:
Der Punkt ist: Karl May ist ja schon (und noch) bekannt. So bekannt, dass er sich über Filme und allerlei Festspiele und wissenschaftliche Beschäftigungen ständig wenigstens dem Namen nach im Bewußtsein hält.
Der Kern von ihm allerdings ist zu bewahren, dafür ist die KMG ja angetreten.
Karl May ist eben nicht bekannt - und war es eigentlich auch nie. Bekannt ist ein Klischee von karl May, das dazu führt, daß, erwähnt man die Teilnahme an einem Karl-May-Kongreß, sich herblassend-amüsiertes Naserümpfen breit macht, weil der, die oder das Gegenüber vor seinem geistigen Auge eine Horde indianerspielender Erwachsener erblickt. (Rennt aber selbst jeden Sonntag mit Vereinsemblemen behaftet auf den Fußballplatz und unterwirft sich den steinzeitmäßigsten Stammesritualen...). - Will sagen: Es dürfte ein gewisses Interesse daran bestehen, Karl May der Öffentlichkeit als interessanten Autor und ernst zu nehmendes Forschungssubjekt darzustellen, schon aus rein persönlichen Gründen, weil man nicht als notorischer Depp dastehen möchte. Mir selbst ist es zwar meist herzlichst gleichgültig, was die liebe Umwelt von mir denkt, aber in dieser Beziehung geht es mir halt auch so.
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

Danke; genau.

Sandhofer hat schon Recht, eigentlich ist das Quatsch, das mit dem Missionieren. Aber wenn es eine Herzensangelegenheit ist, geht es halt immer wieder mal mit einem durch … Wenn es sich nicht um Karl May handelte, sondern um Sandhofers Frau, wäre es ihm ja vermutlich auch nicht egal.

(Ich stell mir das gerade vor, veränderte Texte, bunte Freilichtspiele usw. und dann hieße es immer Ja, das ist unsere Frau Sowieso, und er würde von Nicht-Insidern grundsätzlich entsprechend angeguckt oder auch gnädig belächelt …)

(wenn man jetzt schlussfolgert, dass ich nach eigener Einschätzung Karl May nicht weniger nah’ stehe als Sandhofer seiner Frau, dann schlussfolgert man einigermaßen richtig)

;-)

(Bei anderen Autoren ist es mir eher egal was man mit denen macht bzw., es beschäftigt mich nicht so wie im Fall Karl May. – Das sei übrigens durchaus auch mal angemerkt: sie werden alle hemmungslos bearbeitet und gekürzt, die man für Jugendbuchautoren hält, selbst wenn sie Melville heißen … Und nicht zu knapp.)
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

(Falls sich jetzt jemand wundert daß der relativ lange Beitrag 1 Minute nach dem von Rolf erschien, so schnell geht's nun auch wieder nicht, alles andere war schon geschrieben und ich habe nur noch "Danke; genau" davor gesetzt.)

;-)
sandhofer
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Registriert: 28. Dez 2005, 20:26

Beitrag von sandhofer »

Sylvia hat geschrieben:Der Punkt ist: Karl May ist ja schon (und noch) bekannt.
Nein, ist er nicht. Ein paar von May entlehnte und z.T. grotesk abgeänderte Figuren wie die diversen Festspiel-Winnetous oder jener französische Baron, der sich abwechselnd für einen Schauspieler oder einen Indianer hält, aber eigentlich weder noch ist - ein paar solche Figuren also sind halbwegs bekannt. Schon die Texte - selbst in der grünen Ausgabe - verlieren täglich an Bekanntheitsgrad.
Sylvia hat geschrieben:So bekannt, dass er sich über Filme und allerlei Festspiele und wissenschaftliche Beschäftigungen ständig wenigstens dem Namen nach im Bewußtsein hält.
Da mischst Du nun - entschuldige - Kraut und Rüben bunt durcheinander. Filme und Festspiele haben mit Karl May so viel zu tun, wie die Zwerge mit Schneewittchen. Will sagen: May füttert die Festspiele wie die Zwerge Schneewittchen - aber geschlafen hat sie mit einem andern ...
Sylvia hat geschrieben:Und warum er so und was er geschrieben hat in dem Zusammenhang auch zu verstehen, dafür ist es auch wichtig, dass man seine Zeit und Lebensumstände sieht.
Genau da gehen wir diametral auseinander. Ein Autor, zu dessen Verständnis ich geschichtlich-biografische Kenntnisse brauche, hat keine Chance, zu überleben. Was wissen wir von Homer oder von Shakespeare? Wenig bis nichts. Aber der Odysseus oder der Hamlet sind bis heute präsent. Und kann auch von Otto Normalverbraucher verstanden und geschätzt werden. ;o)
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