Seite 5 von 6

Verfasst: 15. Nov 2006, 07:55
von jwoebking
Johnny hat geschrieben:Nagut, der Stil ist einigermaßen misslungen.
Dein Stil ist aber auch nicht besonders gut.
(Kleiner Scherz am Rande!)
Entweder ist der Stil misslungen oder einigermaßen gelungen.
So wie es oben steht, liest es sich etwas "holprig" :-D

Verfasst: 15. Nov 2006, 07:56
von jwoebking
La Zorra hat geschrieben: wo find ich denn marheinecke???
In Hamburg ;-)

Nachtrag

Verfasst: 15. Nov 2006, 14:10
von jwoebking
Johnny hat geschrieben:"Die Jagd des Old Shatterhand" inklusive "Das Geheimnis der blauen Rose".
Soweit ich unterrichtet bin, war der o.g. Roman der erste von Marheinecke. Sicher noch etwas holprig, aber soweit doch zu empfehlen. Was "Das Geheimnis der blauen Rose" angeht, so muss ich sagen dass ich davon wenig begeistert war.

Ich habe alle bisherigen Bände der "roten Reihe" vom Marheinecke gelesen und bin schon begeistert.

Was die "Testament -Reihe" betrifft, so sollte man hier auch nicht zu oberflächlich kritisieren.
Lobenswert ist doch schon allein die Tatsache, dass sich die beiden Autoren(IN) überthaupt an das Thema herangewagt haben.
Wenn dies dann noch so gut umgesetzt wird, wie in diesem Fall, kann man mehr als zufrieden sein.

Verfasst: 15. Nov 2006, 16:10
von JennyFlorstedt
Einen schnellen Überblick über Karl-May-Nachahmer und -Fortsetzer gibt es hier:
http://141.30.89.80/~thomas/maybuecher/autoren.php *)

Aber das sind schon "Professionelle".
:-)

In vergangenen Rundbrieftagen gab es dort manchmal gedruckte Fanfiction, die den Namen auch verdiente. Sowas in die Richtung wie "Ribannas Tagebuch".

ta

*) Das ist eigentlich eine Übersicht über Fremdtexte, die wir aus verschiedenen Gründen in die Datenbank aufgenommen haben. Aber zwei Drittel davon sind Fortsetzer.

Verfasst: 15. Nov 2006, 16:14
von Johnny
Huh!
Wusste gar nicht, dass May von so vielen nachgeahmt wurde.

Verfasst: 15. Nov 2006, 16:23
von JennyFlorstedt
Naja... "nachahmen" klingt immer ziemlich unfreundlich.

May ist - im besten Wortsinn - phantasieanregend.
Und wenn die Abenteuer in den Büchern irgendwann alle sind, treibt es die Leser und Fans eben dazu, selbst weiter zu träumen.
Das Schicksal teilen Mays Helden ja auch mit anderen populären Gestalten. Die Fanfiction im Bereich Sherlock Holmes, Harry Potter, Herr der Ringe oder Star Trek ist ja kaum zu überblicken.

Qualitativ sind die Ergebnisse der Nachahmer (oder Fortsetzer) durchwachsen. Aber so muss das auch sein. Immerhin ist Fanfiction ein Bereich, der voll in der Hand der Fans ist (wie der Name schon sagt). Umso erstaunlicher, was es da eben doch an Qualität zu bestaunen gibt. Und bei Karl May ist besonders erstaunlich, wie viel davon gedruckt wurde. Bei Vorlagen, die noch urheber- oder lizenzrechtlich geschützt sind, ist die Fanfiction-Szene eigentlich komplett virtuell.

ta

Verfasst: 15. Nov 2006, 19:35
von Johnny
Ja, bei Harry Potter kenne ich selbst ein paar Fanfictions.
Z.B. auf http://www.harry-p.de, oder auf meiner Site auch eine (http://www.schreibecke.iphpbb.com).
Es passt auch, dass das Buch, was ich gerade lese, mehr oder weniger auch eine Fanfiction ist - und zwar zu STAR WARS.
"Nachahmen" war aber keineswegs unfreundlich gemeint, im Bezug auf May ist sowas ja soger löblich und wenn es gut ist, natürlich sogar lesenswert^^

Verfasst: 15. Nov 2006, 19:45
von La Zorra
ich hab ja wie gesagt mich auch versucht, einige meiner lieblingskindheitshelden unter einen geschriebenen hut zu bekommen. wer interesse hat: http://www.fanfiction.net/s/1239959/1/
ist aber wie gesagt auf englisch. trotzdem viel spass

apropos englisch. hat einer schonmal einen KM auf englisch gelesen? ich hab da die gesamtausgabe von winnetou 1-3. war mal lustig.

La Zorra

Verfasst: 16. Nov 2006, 17:24
von Johnny
Joa, Fanficitions haben schon was.
Aber ich wag mich noch nicht an den Mayster.
Hab bisher ja auch noch keine Fanficition geschrieben, sondern mich nur inspirieren lassen.
Wär aber mal nen Versuch wert...

Ich arbeite übrigens schon seit langem (da war ich 10 oder so) an einer Geschichte. Bin dabei, sie komplett zu überarbeiten. Ich stelle mal den Anfang rein, um mich an Kritik orientiern zu können:


DER HÄUPTLING DER CHEYENNE


Nun, da es sicher nicht mehr lange dauern wird, bis ich von dieser Erde scheiden werde, möchte ich damit beginnen, meine Lebensgeschichte niederzuschreiben. Manch einer aus der von den Weißen “zivilisiert“ genannten Welt würde sagen, dass mein Leben außergewöhnlich abenteuerlich war. Für einen Stadtmenschen mag das stimmen und ich irre mich da nicht, da ich manches Mal die Städte der Weißen besucht habe, aber für einen roten, zumal einen, der in so einer Zeit wie ich lebt, ist mein Leben nichts außergewöhnliches. Gewiss – ich habe Gefahren durchgestanden, die auch für einen Sohn Manitus nicht alltäglich sind, aber so eine Besonderheit war und ist mein Leben auch wieder nicht.
Trotzdem werde ich es niederschreiben, denn ich habe viele Freun-de, die es interessiert und es gibt ja nicht viele meines Volkes, die ihre Lebensgeschichte niederschreiben.
Doch nun möchte ich endlich zurückblicken auf die längst vergange-ne Zeit…
Ich will mich erinnern…
An die schönen, bestickten Zelt, die oft ihren Ort wechselten aber immer wieder an jenen Hang unter dem überhängenden Felsen zu-rückkehrten, an den Hang der selbst trocken war, aber in dessen Nähe weite, saftige Wiesen waren und weitläufige, grüne Wälder wuchsen.
Jener Hang der so viele Abenteuer miterlebte und der der Aus-gangspunkt von allem war.
Jener Hang an in dessen Nähe gute Freunde und Verwandte starben.
Jener Hang, an dem ich geboren wurde…

Ich wurde in einem sonnigen Jahr geboren. Mein Vater war da-mals schon Oberhäuptling der Cheyenne. Ich war sein erstes Kind und er war stolz, dass es ein Sohn war.
Ich kam auch sehr schnell an einen Jugendnamen, der jedoch bei fast allen Roten Völkern nicht der endgültige Name ist:
Kurz vor meiner Geburt versuchte immer wieder ein kleines Kind, ins Geburtszelt zu gelangen. Die Dorfbewohner wollten es davon abhalten, das Kind gelangte jedoch durch eine List hinein, verschwand aber sogleich wieder, da meine Mutter mich gerade geboren hatte und sie deshalb blutverschmiert war.
Am nächsten Tag ertrank das Kind im Bach. Als Erinnerung an die-ses seltsame Geschehnis und zum Andenken an das verstorbene Kind, das übrigens mein Cousin war, erhielt ich meinen ersten Na-men: “Listiges Kind“.
Unter diesem Namen erlebte ich die ersten acht Sommer meines Le-bens, in denen nichts geschah, was außergewöhnlich ist. Es war e-ben ein ganz normales Leben eines Indianerkindes.
Für die Weißen, die sich darunter nichts vorstellen können, möchte ich es kurz zusammenfassen:
Morgens gingen alle Knaben erst einmal im nächsten Gewässer (denn so eines gab es immer, wir richteten unseren Lagerplatz da-nach aus) schwimmen. Den restlichen Tag verbrachten wir damit, von unseren Müttern und Vätern zu lernen, ihnen zu helfen und mit Gleichaltrigen Wettkämpfe und Spiele abzuhalten. War man alt ge-nug, nahm einen der Vater hin und wieder auf einen Jagd mit, bei der man erst nur zusah, später aber sogar selbst zur Waffe greifen durfte. Das war dann immer eine große Freude, wenn einem der Vater verkündete, dass man mitkönne und man wurde auch immer von den Freunden beneidet, was aber auch daran lag, dass man mit der einem zu Teil gewordenen Ehre der Jagd angab und nachher die eigenen Leistungen übertrieb. –
So wuchs ich heran und nach fünf Jahren bekam ich eine Schwester. Das heißt: Ich hatte schon mehrere Geschwister bekommen (es waren drei), aber sie waren alle schnell gestorben, was ja nicht selten war. – Diese Schwester nun starb nicht so schnell und sie lebte schon drei Jahre, als meine Mutter wieder schwanger wurde.
Mein Vater hielt zu der Zeit schon sehr viel auf mich und er (ich natürlich auch) war überzeugt, dass aus mir einmal ein guter Krieger werden würde.
Der Bauch meiner Mutter hatte schon eine beträchtliche Wölbung angenommen und wir waren sehr glücklich, aber da gab es wegen ein paar Pferden, die uns gestohlen worden waren, Streit mit den Arapaho, die eigentlich unsere Verbündeten waren, und mein Vater, der Weißer Bär hieß, ritt mit einer Anzahl Krieger los, um den Streit zu schlichten.
Es war während der Abwesenheit meines Vaters, als etwas passierte, dass Einfluss auf viele Ereignisse in meinem späteren Leben haben sollte:
Wir hatten unser Lager einmal wieder an jenem Hang aufgeschlagen und ich ging an einem Morgen nach dem Bad wieder in Richtung Fluss zum Angeln. Leider war ich allein, da viele meiner Freunde mit ihren Vätern auf Jagd waren; ich konnte nicht mit, da mein Vater ja bei den Arapaho war. –
Als ich schon ein paar Fische gefangen hatte, hörte ich aus dem Schilf ein halblautes Stöhnen. Da ich nur mein Messer dabei hatte (wer sollte mir so nah am Dorf denn gefährlich werden, aber irgend-womit musste ich die Fische ja töten, falls sie noch zappelten), wich ich einige Schritte zurück, zog das Messer und fragte: „ Ist da wer?“
Die Antwort war wieder ein Stöhnen. Langsam und vorsichtig näherte ich mich dem Schilf. Das Stöhnen nahm zu. Ich schob noch ein paar Schilfhalme zurück, da sah ich am Ufer angeschwemmt einen aus mehreren Wunden blutenden Jungen liegen. Er hatte mich wohl gehört, denn er blickte zu mir auf und röchelte nur: „Hilf...mir…..hilf…m-m.…ah…….“
Dann verlor er die Besinnung.
Er hatte englisch gesprochen, doch ich hatte es verstanden, da mein Vater, der es als Oberhäuptling ja kennen musste, mich unterrichtete. Ich zögerte nicht lange und rief: „Hilfe! Ich brauche Hilfe!“
Es dauerte nicht lange, da kamen zwei der Krieger, die zum Schutz des Dorfes hiergeblieben waren, herbei. Einer wollte etwas fragten, doch ich deutete stumm auf den Jungen. Die Krieger erschraken, hoben ihn vom Boden auf und trugen ihn auf meine Bitte in das Zelt meiner Familie. Meine Mutter kümmerte sich sofort um seine Wunden und ich betrachtete ihn etwas genauer.
Er hatte die Kleidung von Weißen an aber schwarze Haare und Züge, die auf indianische Verwandte schließen ließen.
Doch die Frage nach seiner Herkunft konnte zunächst nicht beant-wortet werden, da er vorerst bewusstlos blieb. Nach zwei Tagen der Pflege kam er endlich zu Besinnung.
Er war erst verwirrt, doch dann sah er mich und dankte mir.
Wir erzählten ihm natürlich, wo und bei wem er war.
Dann begann er zu erzählen, doch nicht viel. Er erinnerte sich daran, dass er ein Halbblut war und zwölf Jahre zählte.
Er hatte mit seinen Eltern (sein Vater ein Weißer und die Mutter eine Rote eines Stammes, den er nicht mehr wusste) auf einer Farm gelebt.
Was dann geschehen war, wusste er kaum noch: Er erinnerte sich an ein Feuer auf der Farm, an viele Reiter, die auf dem Nichts auftauchten und daran, dass seine Elter niedergeschossen worden waren.
Er selbst war vor den Reitern geflohen. Er war mehrere Tage gelau-fen und hatte sich schließlich mit seinen letzten Kräften ein Floß ge-baut, dass ihn auf dem Fluss, an den er gekommen war, fortgetrie-ben hatte, bis er im Schlaf einen Wasserfall hinunterstürzte und dann ans Ufer gespült worden war, wo ich ihn gefunden hatte.
Andere Dinge, wie etwa die Strecke die er zu Fuß und per Floß zu-rückgelegt hatte, oder die Richtung derselben, hatte er vergessen.
Sogar seinen Namen wusste er nicht mehr. So nannten wir ihn einstweilen “Der mit dem Fluss kam“.
Nach einer Woche weiterer Pflege wurde er in den Stamm und in meine Familie aufgenommen.
Dann gingen wir mit ihm zum nahen Wasserfall, den er wiederer-kannte. Dort fanden wir nicht nur ein paar Floßtrümmer, sondern auch im Gebüsch ein kleines, kurzes Gewehr. Über sein Gesicht huschte die Erkenntnis und er gab auch zu, sich an das Gewehr er-innern zu können, aber nicht an mehr.
Ich hegte aber die Vermutung, dass er noch mehr wisse, doch alle Versuche ihm etwas zu entlocken, und waren sie noch so geschickt, scheiterten.
So vergingen einige Tage während denen er sich mit und mit einlebte und ich begann, ihn in unserer Sprache zu unterrichten.
Eines schönen Morgens, kurz nachdem wir aus dem Fluss gekommen waren, hörten wir den Ruf: „Weißer Bär kommt!“
Der Ruf war von einem der Posten gekommen und die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Dorf, sodass bald sämtliche Bewohner desselben den Hang ganz hinauf gerannt und um den Felsen gestürmt waren, wo der Posten unter einem großen Baum stand. Dieser Baum war der einzige weit und breit auf dieser Grasebene, die hier begann. Man konnte also die Gegend ganz überblicken, weshalb selbst in diesen gefährlichen Zeiten nur ein Posten nötig war.
So hatten auch wir den freien Blick über die Prärie und sahen sofort den langen Zug von Krieger, an deren Spitze mein Vater ritt. Sie wa-ren schon so nah, dass man ihre Gesichter sehen und sie zählen konnte – trotz der Kolonne in der sie ritten. Aber als wir sie zählten und genaue betrachteten, wurde klar, dass es keine Verwundeten oder Toten gab. Das war eigentümlich. Wir hatten zwar damit ge-rechnet, dass die Auseinandersetzung nicht mit einem Krieg enden würde, aber so friedlich?!
Das war schon seltsam.
Was uns aber jetzt erst auffiel: Neben meinem Vater ritt ein Bleich-gesicht. Und es trug seine Waffen!
Da gab es einige Fragen beantworten, doch davon konnte vorerst nicht die Rede sein, da der Zug jetzt von der jubelnden Menge, die erkannte, dass keine Familie einen Verlust zu beklagen hatte, ins Dorf geleitet wurde. Ich war natürlich auch mittendrin und “Der mit dem Fluss kam“ hielt sich bei mir, da er sich noch nicht so ganz wohl unter all den Indianern fühlte. Er wurde übrigens von meinen Spielkameraden, bei denen er sich trotz seines fortgeschrittenen Al-ters aufhielt (Wer konnte es ihm, dem Neuling, verübeln?), nur “Flussjunge“ genannt. Ich nannte ihn einfach “Bruder“.
Also – die Menge war der Kriegerschar bis ins Dorf gefolgt, wo die Krieger abstiegen. Mein Vater kletterte mit dem Bleichgesicht einen Felsblock hinauf. Mein Vater war es gewohnt keine langen Reden zu halten, also sprach er, nachdem es still geworden war: „Ich will mich kurz fassen: Wir haben mit den Arapaho Frieden geschlossen, da es sich herausgestellt hat, dass die Pferde von einigen Weißen gestohlen wurden, um Unheil zu stiften und von den Arapaho für die Mitteilungen, die sie ihnen der Pferde bezüglich machten, belohnt zu werde. Mithilfe dieses Bleichgesichtes, dessen Farm in der Nähe der Arapaho liegt, konnten wir den Betrug aufdecken und die Weißen ih-rer gerechten Strafe zuführen.“ Er machte eine Pause und deutete auf den Weißen neben ihm.
„Er ist Holländer und heißt Jan de Müller. Auch bei der Verfolgung der Bleichgesichter war er sehr hilfreich und ohne seine Redekünste gäbe es jetzt vielleicht Krieg zwischen den Arapaho und uns. Deshalb schlage ich vor, ihn in den Stamm aufzunehmen.“ Er wartete kurz ab und fuhr fort, da die Menge ihre Zustimmung bekundet hatte.
„Es gibt aber nicht nur erfreuliches zu berichten: Der Anführer der Weißen konnte mit einem Gefährten entkommen und sinnt wahr-scheinlich auf Rache. Wir müssen in Zukunft aufpassen, obwohl wir seine Leute vernichtet haben. Er wird nämlich sicher nicht lange brauchen, bis er genug Leute um sich versammelt hat, um sich zu rächen. Ich sage das, weil sein Name berüchtigt ist: Er nennt sich Death-Jack.“
Bei diesem Namen war es muckmäuschenstill geworden, denn die-ser Weiße war dafür bekannt, bei den Indianern Unheil zu stiften. Er tauchte immer dort auf, wo man es am wenigsten erwartet hatte. Und nun war er hier und hatte eine Rache auf unseren Stamm. Doch nicht nur dass, wie ich erfuhr, denn jetzt ergriff, Jan de Müller, der Holländer das Wort: „Nehmt euch in Acht, tapfere Cheyenne! Death-Jack ist hinterhältig und böse! Solltet ihr je ein Bleichgesicht in der Nähe des Dorfes sehen, so meldet dies sofort! Und wenn er es wirk-lich sein sollte, so gilt es die Ehre des Stammes zu verteidigen, denn bei seiner Flucht, die wir tatenlos mit ansehen mussten, beleidigte er das Volk der Cheyenne auf schmählichste Weise.“
Wütende Stimmen gaben ihre Meinung kund und auch ich konnte nicht umhin, in das empörte Geschrei der Menge einzufallen.
Ja, so war es immer gewesen – beleidigte jemand die Ehre von mir oder den Cheyenne, so brauste ich auf und alles nach mir schrie um Vergeltung. Auch sonst wurde ich sehr leicht wütend und erst mit den Jahren und durch Joe, den besten Weißen den ich kenne, konnte ich diese meine wohl stärkste Charakterschwäche unterdrücken, die mich so manches mal in Verlegenheit gebracht hat.
Jetzt jedenfalls ließ ich mich von der Wut tragen und kam erst lang-sam zu Ruhe.
Mein Vater ergriff abschließend noch einmal das Wort: „Ihr habt ge-hört, was Jan gesagt hat. Haltet also in Zukunft eure Augen offen. Doch heute wird Jack wohl kaum schon hier sein deshalb steht ei-nem Fest nichts im Wege!“
Die Menge brach in Jubel aus und mein Vater und Jan stiegen vom Felsblock, während sich die Versammlung auflöste.
Die beiden kamen direkt zu uns, das heißt, zu meiner Mutter, meiner Schwester, dem neuen Bruder und mir.
Mein Vater erkundigte sich natürlich sofort, wer den der Junge sei und auf dem Weg zum Zelt und darin erzählte ich es ihm.
Jetzt kam es darauf an, ob mein Vater das neue Familienmitglied akzeptierte.
Ich hatte dem Bruder schon vorher erzählt, dass die Entscheidung bei dem Häuptling liege, also blickte er meinen Vater fest an, um ihm zu zeigen, dass er kein Schwächling sei.
Mein Vater erwiderte eine Weile den Blick und umarmte dann das Halbblut. Dies war ein sicheres Zeichen seiner Einwilligung. Und ich nickte meinem jetzt endgültigem Bruder zu.
Dann begannen Jan und mein Vater ausführlich das Erlebte zu erzäh-len.
Bei Anbruch der Dämmerung schließlich begann das Fest, da vorher ja noch Vorbereitungen zu treffen waren.
Die Feier dauerte bis zum Morgengrauen und war gestaltet durch Tänze, Musik und Erzählungen von Krieger und Alten.
Dies war das letzte fröhliche Erlebnis, bevor eine Kette von Ereig-nissen losbrach, die Unglück, Blut, Trauer und Wut hervorbrachten.
Und alle hingen sie mit Death-Jack zusammen.


Sehr viel weiter habe ich noch nicht überarbeitet und komme momentan auch nicht weiter. Wenn es aber so weit ist, denke ich daran, es vielleicht zu veröffentlichen.
Ist die Geschichte gut genug, soweit einschätzbar?

Der Titel wird übrigens wahrscheinlich noch geändert.
Ich habe es ein bisschen phantastisch-unlogisch geschrieben, da ich kein Wissentschaftsbuch über Bräuche schreiben will.
Aber May mag man trotz, oder gerade wegen, dieser Eigenschaft ja sehr.

Verfasst: 21. Nov 2006, 23:24
von La Zorra
also mir gefällts bis dahin. mach ruhig weiter...

Seite

Verfasst: 29. Nov 2006, 15:45
von jwoebking
La Zorra hat geschrieben:also mir gefällts bis dahin. mach ruhig weiter...
Ich habe mal alle 4 Geschichten von Johnny auf der kleinen
Seite:
http://www.beepworld.de/members/karlmayfreunde/
eingestellt.
Sollten noch andere kreativen "Geister" dazukommen,
wird die Seite natürlich übersichtlich gestaltet, und jeder "Autor" jede "Autorin" erhält dann eine eigene Rubrik.

LG
Achim Wöbking

Verfasst: 1. Dez 2006, 17:44
von Johnny
Ich bitte, den Häuptling der Cheyenne herauszunehemen, da es hier nur testweise veröffentlicht wurde, später mal (vollständig) ein Buch werden soll und deshalb nicht als ganze Geschichte irgendwo im Web stehen soll.


EDIT: Ich habe heute übrigens eine weitere Kurzgeschichte geschrieben.
Sie heißt "Der Edle", doch ist dieser Titel ironisch.
Ich werde sie auch bald hier reinstellen.

Verfasst: 1. Dez 2006, 21:12
von jwoebking
Johnny hat geschrieben:Ich bitte, den Häuptling der Cheyenne herauszunehemen, da es hier nur testweise veröffentlicht wurde, später mal (vollständig) ein Buch werden soll und deshalb nicht als ganze Geschichte irgendwo im Web stehen soll.


EDIT: Ich habe heute übrigens eine weitere Kurzgeschichte geschrieben.
Sie heißt "Der Edle", doch ist dieser Titel ironisch.
Ich werde sie auch bald hier reinstellen.
"Häuptling der Cheyenne" habe ich rausgenommen!!!
Die Kurzgeschichte "Erde" sende mir bitte per
Mail, denn mir fehlt einfach die Zeit, hier nach
den Geschichten zu suchen!!

Gruß
Achin

Verfasst: 3. Dez 2006, 19:06
von Johnny
@jwoebking: okay, ich maile dir.
Trotzdem stelle ich die Geschichte auch hier rein:



Der Edle

Der Mann taumelte.
Er kniff die Augen zusammen und versuchte, den Fuß so aufzusetzen, dass er nicht umfiel.
Laaangsam… ga-anz langsam. U-oh… zu langsam…
Bevor der rote Mann den Fuß mit dem dünnen Schuh aufsetzen konnte, verlor er das Gleichgewicht und lag kurz darauf rücklings im weichen Laub.
Er versuchte, sich aufzuraffen, doch er fiel zurück. Zu einem weiteren Versuch kam es nicht, da er vorher seiner Müdigkeit unterlag.
Er fiel in einen tiefen Schlummer und träumte.
Er träumte von seinem Leben. – Rasend schnell zogen die Bilder an seinen Augen vorüber:
Die Kindheit im Dorf.
Die Jugend als heranwachsender Krieger der… ach, sogar seine Stammeszugehörigkeit war ihm entfallen.
Werdegang zum Krieger.
Dann die ersten Weißen.
Ihr seltsames, für ihn nicht entschlüsselbares Wesen.
Eine Reise ins Land der Weißen.
Ein Überfall, der er als einziger überlebt hatte.
Sieg des stolzen Kriegers über die vier Verfolger.
Die anstrengende Heimreise.
Die Notrast im Dorf der Weißen.
Der erste Schluck Feuerwasser.
Die Sucht.
Das Festsitzen bei den Weißen.
Das Eintauschen der Lederkleidung und der Waffen gegen dünne Stoffkleidung, in der man fror, und gegen Feuerwasser, das dann wieder aufwärmte.
Das Erleben der Entwicklung des Dorfes zur Stadt.
Immer mehr Feuerwasser…
Zwischendurch Rettungsversuch durch den Versuch, einen Beruf der Weißen, den sie „Schreiner“ nannten, zu erlernen.
Wiederverfall dem Feuerwasser.
Und noch mehr Feuerwasser…
Immer mehr Feuerwasser und Feuerwasser…
Arbeit als Tagelöhner, um sich noch Feuerwasser leisten zu können.
Aber immer wieder stolze rote Krieger, die vorbeireiten…

Langsam wurde die Erinnerung klarer. O, wie hatte er sich schämen müssen, als Krieger, die einmal Jugendfreunde gewesen waren, verachtend auf ihn, die lungernde, saufende Gestalt herabgesehen hatten. Hoffentlich hatten sie ihn nicht erkannt. Welche Schande das gewesen wäre!
Er musste aus diesem Elend raus…
Durch diese verachtenden Blicke seiner ehemaligen Freunde, oder zumindest der, die er dafür hielt, war sein Wille zurückgekehrt.
Eines Morgens war er aufgestanden und hatte nur weggewollt, raus aus dem Elend, weg vom Feuerwasser.
Doch er war nicht weit gekommen: ein paar „ehrenhafte Bürger“ der Stadt, um nicht zu sagen: Trunkenbolde, hatten ihn aufgehalten. Er erinnerte sich an ihre Worte: „Du willst doch nicht etwa nach mehr als fünf Jahren fortgehen, roter Freund?! Trink noch einen mit!“
O wie gerne hätte er widerstanden! Wie gerne hätte er sie zusammengeschlagen, wie er es gekonnt hätte, wäre er noch neun Jahre jünger. Denn so lange war es her, dass er in die Stadt gekommen war.
Damals war er noch stark gewesen.
Ein edler, junger roter Krieger, voller Hoffnungen auf Ruhm und mit einem ganzen prächtigen Leben vor sich…
Aber das war jetzt nicht wichtig.
Die Hauptsache war, dass er in der folgenden Nacht die Stadt verlassen hatte.
Zu spät hatte er seinen Fehler bemerkt, den kein Kleinkind der Roten machen würde – er war ohne Nahrung, ja sogar ohne Wasser fortgegangen. So sehr hatte ihm das Feuerwasser, das er nun mehr denn alles andere brauchte, schon den Verstand geraubt…

Er wachte auf und erhob sich unsicher.
Er nahm alle seine Kraft zusammen.
Nie wieder! Nie wieder Feuerwasser!
Schwankend setze er seinen Weg durch den Herbstwald fort.
Er ging weiter…
Und weiter…
Er nahm kaum etwas um sich herum war.
Und er ging weiter…
Und weiter…
Bis er zu einem Dorf kam.
Einem Dorf der Weißen, das am wachsen war.
Sofort roch er das Feuerwasser.
Nein, ich kann nicht, ich muss…
Da sah er den frisch aufgebauten Saloon und eine Gestalt, die herausgetorkelt kam.
Mit einer Flasche Whiskey.
Nein…
Er konnte nicht länger an sich halten und rannte los.
Der edle Indianer rannte zum ersten Mal seit neun, nein, seit fast zehn Jahren.
Er nahm dem nun Liegenden Bleichgesicht die Flasche aus der Hand.
Jaaa… !
Der Edle versank in der Welt des Feuerwassers, das die weißen Götter aus der Ferne gebracht hatten, um ihnen, den roten Lumpen, auch einmal eine warme Freude in ihrem nichtsnutzigen Leben zu gewähren…



Diese Geschichte habe ich erst diese Woche geschrieben.
Sie hat zwar nicht viel mit May zu tun, ich denke aber, dass auch kritische Indianergeschichten hier einen Platz finden können.

Geschichte

Verfasst: 3. Dez 2006, 22:27
von jwoebking
... wurde auf der kleinen HP eingestellt !!!

http://www.beepworld.de/members/karlmayfreunde/