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Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 13. Apr 2008, 06:07
von markus
Angel hat geschrieben:markus hat geschrieben:Uff, weißer Bajuwarenengel nicht groll haben, weil ich was gegen ihren Stamm gesagt haben tu, ich staune. Howgh:-))
Markus
Gehört zwar jetzt mal wieder nicht zum Thema, aber nun mal darauf angesprochen, wollen wir diesen Umstand ein für alle mal klären ...
Nein, die weiße Squaw aus dem Süden hegt keinen Groll gegen den Nordrhein-Wandalen, weil er etwas gegen den Bajuwarenstamm gesagt hat, denn sie hat es nur vor 42 Jahren zu diesem verschlagen.
Ich wohne und lebe zwar in der Münchner Stadt, fühle mich aber nach wie vor nicht als Einheimische, sonder nur als "Zuagroaste".
Bin und bleibe ein "Spätzlefresser" und bin auch noch stolz drauf ... basta ;))
capito?
Howgh. Weiße Squaw haben gesprochen;-)
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 13. Apr 2008, 19:37
von Rolf Dernen
Sylvia hat geschrieben:
Wo sind denn die ganzen Bergen Bilder zum Beispiel? Det sind ja nu echte Kunstwerke, die man sich gemütlich über die Couch hängen könnte... - kleiner Scherz..
Originale von May-Illustratoren haben mit dem hier diskutierten Nachlaß nichts zu tun. Sie gehören dem Verlag, wohingegen der schriftliche May-Nachlaß, um den es geht, sich im Privatbesitz von Lothar Schmid befindet.
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 21. Apr 2008, 15:09
von sandhofer
Auch in der neutralen Schweiz nimmt man Kenntnis vom Gerangel im Sachsenlande. Hier die Neue Zürcher Zeitung (kurz: NZZ), am 15. April 2008, unter dem Titel: "Kein Schatz im Silbersee".
http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/ak ... 10230.html" onclick="window.open(this.href);return false;
2 Sätze, die mir - neben dem Schlusssatz - besonders in die Augen gefallen sind:
"Der Vergleich freilich mit dem Nachlass von Franz Kafka oder James Joyce, den der Verleger zog, um seine Preisforderung zu bekräftigen, lässt Literaturkritiker lachen und Archivare den Kopf schütteln. Bei den Manuskripten aus Mays Spätzeit dürfte es sich um korrigierte Reinfassungen handeln, sie dienten als Druckvorlage und sind, da sich die Stadien des Entstehens des Werks nicht in ihnen abzeichnen, philologisch unergiebig."
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 21. Apr 2008, 16:21
von giesbert
dazu auch die "
Jungle World":
Frühjahrsputz bei Winnetous
Karl May. Den Nachlass von Karl May will niemand haben. Zumindest nicht für den Preis, den der Verleger Lothar Schmid aus Bamberg dafür haben will … 15 Millionen für ein wenig Schnickschnack, keine schlechte Preisvorstellung. Vielleicht sollte es Schmid einfach mal bei Ebay versuchen.
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 21. Apr 2008, 21:52
von JennyFlorstedt
Jetzt gibt es auch eine "Stellungnahme" der KMG:
http://karlmay.leo.org/" onclick="window.open(this.href);return false;
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 21. Apr 2008, 22:36
von Hermesmeier
sandhofer hat geschrieben:2 Sätze, die mir - neben dem Schlusssatz - besonders in die Augen gefallen sind:
Der Vergleich freilich mit dem Nachlass von Franz Kafka oder James Joyce, den der Verleger zog, um seine Preisforderung zu bekräftigen, lässt Literaturkritiker lachen und Archivare den Kopf schütteln.
Da bin ich gern bereits, ins Kopfschütteln mit einzustimmen. Ganz abgesehen davon, dass hier international bedeutende Autoren mit Wirkung in allen möglichen Bereichen mit einer "nur" nationalen Legende verglichen werden, mag ich sowieso nicht den Vergleich von Äpfeln und Birnen.
Bei den Manuskripten aus Mays Spätzeit dürfte es sich um korrigierte Reinfassungen handeln, sie dienten als Druckvorlage und sind, da sich die Stadien des Entstehens des Werks nicht in ihnen abzeichnen, philologisch unergiebig."
Hier dagegen kann ich der Redaktion nicht folgen. Gerade von "Ardistan und Dschinnistan" gibt es mehr als ein Manuskript und beide unterscheiden sich von den Druckfassungen. Die Lebensarbeit von Hans Wollschläger kann doch nicht vergebens gewesen sein. Das sollte eigentlich auch für "Winnetou IV" gelten. Ob es Konzepte, verworfene Textpartien etc. von May überhaupt gegeben hat, ist zweifelhaft. Nach eigenem Bekunden feilte er nie. Entweder das stimmt und May schrieb ohne Nachkontrolle drauflos, oder er oder die Erben hätten gründlich aufgeräumt und sämtliche Spuren eines Kampfes um Formulierungen, Handlungsverläufe, Figurencharakterisierungen vernichtet.
Wie dem auch immer sein mag: ich sehe nicht, dass dieser philologische Firlefanz den Wert bestimmen soll. Da wäre es wohl eher von Bedeutung, ob man Manuskripte von Winnetou I oder Winnetou IV im Angebot hat.
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 22. Apr 2008, 08:35
von sandhofer
Nun, abgesehen davon, dass sich offenbar NZZ, Hermesmeier, sandhofer und das Land Sachsen alle im Bereich des Konjunktivs bewegen, wenn es um den tatsächlichen, konkreten Inhalt des Nachlasses geht ...
Hermesmeier hat geschrieben:Wie dem auch immer sein mag: ich sehe nicht, dass dieser philologische Firlefanz den Wert bestimmen soll. Da wäre es wohl eher von Bedeutung, ob man Manuskripte von Winnetou I oder Winnetou IV im Angebot hat.
Es sind hier wohl zwei verschiedene Gesichtspunkte. Dem einen mag ein vollständiges Manuskript eines May-Romans gerade mal 2 € wert sein; dem Liebhaber dagegen gut und gerne 2'000'000 €. Das Land bzw. die Landesbibliothek aber werden natürlich nicht einen Liebhaberpreis zahlen wollen, da ihr Auftrag ein kulturell-wissenschaftlicher ist. Und wenn tatsächlich nur die jeweils letzte Reinschrift, die Druckvorlage, vorhanden ist (ob der Rest vernichtet oder nie vorhanden, spielt keine Rolle), dann ist das philologisch tatsächlich praktisch wertlos. Eine Aufarbeitung solcher Reinschriften lohnt sich kaum, da allfällige Abweichungen von Handschrift und Druckfassung wohl meist Fehler des Setzers waren ... Dinge also, die eine HKA gerne auch mal stillschweigend korrigiert, da so uninteressant.
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 22. Sep 2008, 08:47
von Sven Margref
Ein interessanter Artikel zum Thema findet sich auf NZZ Online unter dem Titel "
Winnetous Erbe ist den meisten zu teuer"
NZZ Online
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 22. Sep 2008, 09:27
von Rüdiger
Drei korrekturheischende Dinge sind mir bei vorerst flüchtiger Lektüre des Artikels aufgefallen: Mit der ‚legendären Partie’ zwischen Fischer und Spassky dürfte nicht eine einzelne Partie gemeint sein, sondern der Kampf um die Weltmeisterschaft 1972, und die ging über 24 Partien (bzw.: war auf 24 Partien angesetzt; da nach 21 Partien die Entscheidung gefallen war, wurden die restlichen nicht mehr ausgetragen. Ich erinnere mich bestens und war seinerzeit auch von der Leistung Lothar Schmids als Schiedsrichter sehr beeindruckt; das hätte wohl so kaum einer hingekriegt, den Kampf, der des öfteren kurz vorm Platzen, am Rande des Abbruchs stand, über die Bühne zu kriegen. Hut ab).
(
http://de.wikipedia.org/wiki/Match_des_Jahrhunderts)
Daß Schmid "stets bemüht ist, Karl May als einen Autor vom Range Franz Kafkas zu traktieren", dürfte so nicht zutreffen. Siehe z.B. Geleitwort zu Band 79.
Winnetou IV hieß auch in der (zu Mays Lebzeiten erschienen) Werkausgabe Winnetou IV, die Umbenennung geschah erst Jahre zwei Jahre nach Karl Mays Tod.
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 22. Sep 2008, 10:44
von Hermesmeier
Was "Winnetou IV" angeht, so ist die Formulierung in dem Kontext, in dem "Winnetous Erben" steht, jedenfalls nicht falsch, denn die "gesammelten Werke" sind ja zumindest die aktuelle Werkausgabe.
Falsch ist hingegen die tendenziöse Darstellung, Lothar Schmid habe verschwiegen, dass er alleiniger Verleger werden wollte. Den einen Bruder, Roland, hat er ohnehin nicht mehr auszahlen können, weil der bereits verstorben war. Es ging um dessen Witwe, die um Auszahlung bat, einem Wunsch, dem sich dann der Bruder Joachim aus Altersgründen anschloss. Und natürlich war der Nachlass, der den drei Parteien gemeinsam gehörte, davon betroffen. Wenn Lothar Schmid die Anteile an Verlag und Nachlass der beiden genannten Parteien nicht mittels eines Kredites erworben hätte, dann wäre der Nachlass schon vor Jahren geteilt gewesen und heute in alle Winde verstreut. Den Verlag gäbe es vermutlich nicht mehr.
Peinlich übrigens die Passage, als der Verfasser "Sütterlin" erwähnt. Es nützt nichts Sütterlin lesen zu können, wenn man Mays Manuskripte entziffern will, denn Sütterlin hat er nie geschrieben.
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 22. Sep 2008, 11:02
von Rüdiger
Wolfgang Hermesmeier hat geschrieben:
die "gesammelten Werke" sind ja zumindest die aktuelle Werkausgabe.
Darüber gehen ja nun die Meinungen bekanntlich beträchtlich auseinander, die Debatte darüber müssen wir nun wirklich nicht wieder haben an dieser Stelle, aber den Satz einfach so unkommentiert stehenlassen, das wäre auch zuviel verlangt.
;-)
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 23. Sep 2008, 03:40
von karmaqueen
Rüdiger hat geschrieben:Wolfgang Hermesmeier hat geschrieben:
die "gesammelten Werke" sind ja zumindest die aktuelle Werkausgabe.
Darüber gehen ja nun die Meinungen bekanntlich beträchtlich auseinander, die Debatte darüber müssen wir nun wirklich nicht wieder haben an dieser Stelle, aber den Satz einfach so unkommentiert stehenlassen, das wäre auch zuviel verlangt.
;-)
[off topic] aber wir sind uns doch wohl wenigstens darüber einig, dass heutzutage
ALLE irgendwie relevanten ausgaben im KMV erscheinen? ;-) [/off topic]
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 23. Sep 2008, 16:26
von Rüdiger
[off topic]
Mit dem Reprintprogramm und der HKA erscheinen fast alle relevanten Ausgaben im KMV; warum sollten wir uns da nicht einig sein.
[/off topic]
(Ich weiß zwar nicht warum Sie z.B. die Weltbild-Ausgabe für irrelevant halten, aber es interessiert mich auch nicht sonderlich und gehört darüber hinaus auch nicht zum Thema.)
;-)
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 23. Sep 2008, 19:17
von Werner Fleischer
Ich denke das Winnetous Erben auf jeden Fall der bessere Titel ist. Gleiches gilt für Kapitän Kaiman.
Re: Karl May Nachlass
Verfasst: 23. Sep 2008, 19:35
von Rolf Dernen
Für "Kapitän Kaiman" bedurfte es aber dann einer Umbenennung der Kaperkapitäns, da dieser im Original jenen Namen nicht trug. Ansonsten mag die "Surehand"-Auflösung als durchaus gelungen gelten, wenn es denn überhaupt sein mußte. Aus verlagspolitischen Gründen vielleicht, wie auch die Umbenennung des 4. Bandes "Winnetou". Letztere schien wohl angebracht, um von vorne herein Lesererwartungen, es gäbe weiteres Abenteuerliches um den Apachen, abzubiegen. Wobei natürlich Mays Konzept über den Haufen geworfen wurde. Naja, was kümmert einen die Intention des Autors, wenn er erst mal tot ist...