Es gab auch Zeiten, da verkündeten Leute ebenso demonstra- wie plakativ, nicht mehr in Österreich Urlaub zu machen und dergleichen, weil da der Herr Haider irgendeine Wahl gewonnen hatte. Das finde ich genauso übertrieben wie in einigen Landstrichen nur noch Neonazis zu vermuten.
Ich erinnere mich, seinerzeit wegen des Kaffees und des Kuchens weiterhin eine Konditorei in Düsseldorf besucht zu haben, als es gerade in einigen Kreisen schick oder in war, dort nicht mehr hinzugehen, weil der Besitzer für die Republikaner antrat. Ich habe zwar mit den Republikanern nichts am Hut, aber mit Kaffee und Kuchen.
Steht übrigens auch irgendwo bei Karl May, fällt mir gerade ein, dass ihn nicht interessiert, was der Bäcker, der sein Brot bäckt, für eine Gesinnung hat.
Um Missverständnisse zu vermeiden: linksherum ist es genauso, ich würde gerne mal nach Kuba fahren, ich las neulich irgendwo, dort gebe es „trotz“ Castro und Sozialismus mehr Lebensfreude als anderswo, was heißt trotz, vielleicht gerade deswegen. Genau wie ich einigermaßen überzeugt bin, dass es in der ehemaligen DDR mit den inneren Werten, mit Menschlichkeit und Zusammenhalt weit besser bestellt war als jemals hier drüben.
Nach Dessau, um zum eigentlichen Thema zurückzukehren, würde ich auch gern mal fahren, bin neugierig wie es dort aussieht, eine Prise Nostalgie hole ich mir auch gern, und der Herr Felsenstein macht dort gutes und interessantes Theater, soweit ich das nach ein paar spärlichen Eindrücken beurteilen kann. Und mit Gewalt konfrontiert werden kann ich überall, hier wie dort.
Und mit Karl Mays Dessauer-Figur kann ich auch wesentlich mehr anfangen, seit ich (dank Wohlgschaft u.a.) um die Deutungsmöglichkeit weiß, ihn als Spiegelung von Karl Mays Vater sehen zu können. Das war ein richtiges Aha-Erlebnis (Verniedlichung gewalttätiger Züge usw., passt, in der Tat.)
Nur, vom 42er-Band träumen, wie es hier im Thread auch hieß, das kann ich leider nicht. Der steht zwar bei mir im Regal, ist aber dermaßen sprachlich-stilistisch überarbeitet und verändert, dass das nicht mehr Karl May ist, was man da liest. Inhaltlich schon, aber eben nicht sprachlich (vgl.
http://141.30.89.80/~thomas/maybuecher/ ... 46&_sort=A).
Eine Neuherausgabe des Bandes 42 im Originaltext wäre eine feine Sache, das ist doch eh so ein Exot innerhalb des Gesamtwerkes, dass ihn vermutlich sowieso eher die „Insider“ kaufen, und die lesen doch vermutlich mehrheitlich lieber den Originaltext. Und eine Ausgabe mit allen originalen Dessauergeschichten gibt es gar nicht auf dem Markt, die vergriffene illustrierte Ausgabe (Edition Stuttgart) kriegt man selbst antiquarisch nur zu horrenden Preisen.