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Verfasst: 13. Jul 2007, 18:44
von Rüdiger
Da müßte also unbedingt ein Frau-Mann-Team ran.
Ach wo. Wenn ich einen Auftrag einmal angenommen habe, schreckt mich nichts mehr. Also, ich fang’ schon mal an (das ist doch am einfachsten. So gibt es überhaupt keine zeitliche Distanz mehr zwischen Hinschreiben und Veröffentlichen, ferner keinerlei Scherereien, und abgedruckt werden kann es meinetwegen auch noch, solange ihr sozusagen lustig seid und alle Fehler bitte so lasst).

Halbblut in E. – Beobachtungen auf der Damentoilette

An diesem schönen Sommerabend hatte ich irgendwie nichts besseres zu tun, und ich dachte, fahre ich doch noch mal nach E., nicht dass ich wie im Fall von M. eines Tages plötzlich erfahre, dass der einzige Darsteller wegen dem es sich lohnt dort hinzufahren plötzlich nicht mehr da spielt, also gut, fahren wir, bevor es zu spät ist.

Schon auf der Autobahn beschlich mich ein ungutes Vorgefühl. Ich will mich doch nicht mehr so ärgern, muß ich es denn immer wieder herausfordern. Du bleibst bitte ganz ruhig, egal was passiert, schließlich sollst Du über die Toiletten berichten und nicht über sonst etwas, sagte ich mir, und fuhr weiter Richtung Kythera, nein, E. war’s.

Und was kommen musste kam: der gleiche Typ (ein anderer Schauspieler, aber das spielte keine große Rolle) der mir damals schon so gut gefallen hatte, stieg aus seiner Postkutsche, sagte „So Kinder da bin ich wieder. - Leider ist der, der immer die bösen Indianer spielt, heute krank, und so lassen wir die entsprechenden Szenen einfach weg. Stattdessen gibt es ein paar weitere Schlägereien und Explosionen.“

Jubelnder Applaus. „Nachbarin Euer Fläschgen“ konnte ich gerade noch verwirrt stammeln, aber die Dame mit dem tiefen Ausschnitt hatte gar nichts entsprechendes zur Hand, verstand mich offenbar richtig, äh, falsch und versetzte mir eine kräftige Ohrfeige. Benommen wankte ich zur Toilette und irrte mich offenbar in der Tür.

„Hinaus“ gellte eine erschreckende Stimme, „hier kommt wenn überhaupt nur der eine Stuntman rein“. Ich wusste sofort wen sie meinte, nickte innerlich mit einem resignativ angehauchten „Das verstehen wir …“ und schlich mich meiner Wege …

Aber die Räume sind schön. Doch. Zweckmäßig und praktisch. Und man kann sich tatsächlich einschließen und ist für ein paar Minuten ganz allein. Etwas schöneres kann ich mir dort wie anderswo kaum vorstellen …

Das Weitere liest man später.

(„Der Schatz im Goldsee“ – Anschauliches aus Mör schied)

*

(Ich bitte um Verlegung all dieser Beiträge in den Saloon. Hier wollen wir nur über die Ölprinz-Aufführung lesen.)

Verfasst: 13. Jul 2007, 20:11
von Hermesmeier
Wie einfach ist doch der Beweis zu führen, dass die wirklich wichtigen Themen mit dem Abort zusammenhängen. Bereits die bloße Erwähnung führt dazu, dass alle anderen Themen (einschließlich des eigentlichen) überlagert werden. Aber vielleicht ist hierbei einfach nicht berücksichtigt, dass es zwischen der Klo-Thematik und dem Stück selbst eine Schnittmenge gibt ("Sch..." ist das Initial). [... womit ein Thema aus dem Paralleluniversum auch hier aufgeworfen wäre].

Aber bleiben wir ruhig bei der brauen Pampe. Szenerie: Immerhin ein paar Jahre her (da hat Sven Margref recht, irgendein Sommer Ende der Achtziger wird's gewesen sein, die wahren Fans werden es sicher ganz schnell ermitteln, denn es ward auch jenen Tags "Der Ölprinz" gegeben).
Es gießt in Strömen (was unter dem Olympiadach in Block G nicht weiter stört) und dann kommt die Pause. Ganze Heerscharen von entleerungswilligen Menschen streben dem "Häuschen" zu. Der Weg dorthin führt über verschlammte Wege hinauf, über verschlammte Holztreppen hinunter und über einen weiteren verschlammten Weg geradewegs in die gefliesten Räumlichkeiten, die nun auch so verschlammt sind, dass sich das Äußere der Fliesen vom Inneren der Keramik nur noch durch dezente Geruchsnuancen unterscheidet.
Es mag sein, dass der Innenausbau der WCs sich geändert hat. An der Matsch-Problematik und der Tatsache, dass hunderte von Menschen gleichzeitig müssen wollen, weil sie sich unvernünftigerweise einen Liter Cola, ne Bratwurst und Pommes rotweiß reingehauen haben, wird auch der modernste Architekt kaum was ausgerichtet haben, ((es sei denn, es wäre nun vom Parkplatz auf der grünen Wiese bis zur Bühne alles überdacht und alles gepflastert.))
Mein Eindruck ist jedenfalls so bleibend (ganz abgesehen vom Stück), dass ich es mich lieber hungern und dürsten ließe, als mich in die Verlegenheit zu bringen, die Örtlichkeiten an jenem Ort noch einmal testen zu müssen.

Verfasst: 13. Jul 2007, 20:31
von Sylvia
Klingt aber doch nach Abenteuer.
Eine Geschichte wie aus dem Roman "Das große Müssen" von Lusi Brombeerfeld.
:-)))

Verfasst: 14. Jul 2007, 08:21
von Sven Margref
Hermesmeier hat geschrieben:Es mag sein, dass der Innenausbau der WCs sich geändert hat. An der Matsch-Problematik und der Tatsache, dass hunderte von Menschen gleichzeitig müssen wollen, weil sie sich unvernünftigerweise einen Liter Cola, ne Bratwurst und Pommes rotweiß reingehauen haben, wird auch der modernste Architekt kaum was ausgerichtet haben, ((es sei denn, es wäre nun vom Parkplatz auf der grünen Wiese bis zur Bühne alles überdacht und alles gepflastert.))
Bevor du von renitenten Elspe-Fans gesteinigt wirst - du kannst schon seit vielen Jahren ohne matschige Füße zu bekommen aus dem Zuschauerraum zu den sanitären Einrichtungen gelangen. Was in rund 20 Jahren nicht alles passieren kann....

Verfasst: 14. Jul 2007, 13:17
von Hermesmeier
Ach, das sehe ich gelassen. Ich weiß ja, woher das Wort "Fan" abgeleitet ist. Abgesehen davon wohne ich weit entfernt vom Sauerland.
Es ist halt so, dass es die einzige May-Freilichtbühne ist, die ich kenne, dass ich als Kind daran Spaß hatte, das Erlebte jedoch nicht zur Verklärung reicht, sondern heute komischerweise das hängengeblieben ist, was eher nicht gefiel.

- Die sanitären Anlagen
- Die Pause. Wozu braucht man bei einer Nettospielzeit von weniger als 90 Minuten eine Pause? Braucht man im Kino auch nicht. Wer mich mitten aus einem Stück reißt, ist mein Feind.
- Irgendwie fiel mir schon als Kind auf, dass sie Jahr für Jahr dasselbe Stück spielten, nur der Titel änderte sich. Am Anfang immer ein Eisenbahn- oder Kutschen-Überfall, immer falsch verdächtigte Indianer. Unter denen ein Hitzkopf, der unbedingt Krieg will, ein Saloon links, der immer abfackeln muss und mittig ein hoher Felsen, von dem sich im Finale jemand runterstürzt - wahlweise mit Wasserfontänen (Silbersee) oder einer Feuerwand (Ölprinz). [[Wie unsinnig ein Ölbohrturm auf einem hohen Felsen ist, sei auch nicht verschwiegen.]] Und das Ganze garniert mit viel Knallerei, Pyrotechnik, Kunstreiterei und einem Clown mit einem Zirkuspferd. Nunja: Wo ist denn der May, nachdem sich das nennt?

Verfasst: 14. Jul 2007, 14:20
von Johnny
Hermesmeier hat geschrieben:Wo ist denn der May, nachdem sich das nennt?
Der war so begeistert über die sanitären Anlagen, dass er Elspe alle Urheber- und Verfälschungsrechte übertragen hat.
;-D

Elspe

Verfasst: 14. Jul 2007, 15:11
von Elspe-Fan
Hermesmeier hat geschrieben:
- Die Pause. Wozu braucht man bei einer Nettospielzeit von weniger als 90 Minuten eine Pause? Braucht man im Kino auch nicht. Wer mich mitten aus einem Stück reißt, ist mein Feind.
Eine Pause muss sein. Sie dient im wesentlichen den Schauspielern und den Pferden, sich ein wenig auszuruhen und sich auf die nächsten Szenen vorzubereiten. Erfahrungsgemäß werden in dieser Zeit die bösen Indianer mit ihrer Kriegsbemalung versehen, die nach der Pause in jedem Stück die friedlichen Siedler und den Saloon angreifen. Die Pyrotechniker können die nächsten Effekte vorbereiten.

In den Pausen kann der Umsatz durch den Verkauf von Eis und Getränken nochmals angekurbelt werden.

Und die "örtlichen Wasserspiele" müssen natürlich ebenfalls in den Pausen besichtigt werden können, bevor sich alles kurz vor dem Heimweg staut.

Verfasst: 8. Aug 2007, 00:58
von GP
Hermesmeier hat geschrieben: Nunja: Wo ist denn der May, nachdem sich das nennt?
Der steht auf dem Straßenschild, das man sieht, wenn man von der Bushaltestelle zur Bühne läuft.

Hat mich selbst gewundert. Dachte, es müsse hier eigentlich Pierre-Brice-Straße oder so heißen, aber der war wohl zu teuer...

Verfasst: 8. Aug 2007, 01:05
von GP
Hermesmeier hat geschrieben:Die Pause. Wozu braucht man bei einer Nettospielzeit von weniger als 90 Minuten eine Pause? Braucht man im Kino auch nicht. Wer mich mitten aus einem Stück reißt, ist mein Feind.
D'accord.

Zumal sich diese Nettospielzeit auf ungefähr 60 zu 30 verteilt, das ist dann sicher immens wichtig, für das Finale gut angemalt zu sein, dafür sind ja die Zeiten, in denen man im ersten Akt gar nicht auf der Bühne steht und in denen man sich ebenfalls bemalen lassen könnte, sicher nicht ausreichend. (Nein, ernsthaft, für die Schminkerei haben die da ihre Leute, die sogar richtig bezahlt werden, und selbst beim Laientheater legt man für das Anlegen einer neuen Maske nicht eine extra Pause ein. Unsinn, das Argument.)

Und Effekte gab's im ersten Teil schon so viele, da kann man die restlichen auch schon vorher präparieren. Auf vielen anderen Bühnen klappt das so.

Nein, den wesentlichen Punkt trifft der Vorschreiber mit dem Wort "Umsatz", werden doch die Kioske bzw. dass sie "nur in der Pause geöffnet" sind, in den freundlichen einleitenden Worten extra erwähnt.

Aber ich will insgesamt mal nicht so unken: Dazu - wie schon zu anderen Bühnenerlebnissen 2007 - würde ich gern bloggen. Ausführlich.

Verfasst: 13. Aug 2007, 15:33
von Christina
GP hat geschrieben: Aber ich will insgesamt mal nicht so unken: Dazu - wie schon zu anderen Bühnenerlebnissen 2007 - würde ich gern bloggen. Ausführlich.
Dschi-Piiih for blog!


(Vorteil: Auch würde das verschrobene Reiterstandbild von einem Nicht-Winnetou eine Winzigkeit nach unten rücken.) ;-))