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Verfasst: 27. Aug 2007, 19:17
von BernhardT
Hallo an alle,
gestern war ich in Dasing und muss Elke besonders im folgenden recht geben. So sehe ich es auch:
Mathias M. dagegen ist Mays edler Haeuptling wie er im Buche steht. Auch wenn er manchmal nicht den tollsten Text hat, kommt er noch glaubwuerdig rueber. Und seine Zweikaempfe sind auch erste Sahne. Gut, Dasing hat Schwaechen, aber die haben andere Buehnen auch. Das darf man meiner Meinung nach nicht ganz so eng sehen, jede Buehne hat ihren eigenen besonderen Reiz. Uebrigens Jansons Tochter fand ich ebenso hervorragend!
Die Handlung war zwar etwas frei von Karl May, trotzdem machte es mir ordentlich Spaß.
Das ist einer der Gründe, warum ich mir wünsche, dass es gerade die kleinen Bühnen besser machen als die großen, damit sie eine Chance haben, zu überleben. Dann dürfen wir Fans endlich mehr gelungene UND Karl-May-gerechte UND spannende Aufführungen erleben. Auch wenn ich es nicht so eng oder so streng sehen will, doch sind es gerade die Kleinigkeiten, die noch stören, sonst würde ich eindeutig behaupten, dass Dasing besser ist, als manche große Bühne. (Ach wäre das schön !!!)
So mag es erbsenzählerisch erscheinen, wenn ich hier einiges am Handlungsablauf bemängele:
- Zu Beginn taucht Sam aus dem Bergstollen auf, weil er nach Gold gesucht hat, ein paar Minuten später kommen Männer des Ku-Klux-Klans aus dem gleichen Stollen, die ihn überfallen. Es ist schon merkwürdig, dass er sie vorher nicht drinnen im Stollen getroffen hat.
- Der gleiche Indianer, der zusammen mit Winnetou die tote Ribanna hinausträgt, kämpft Minuten später plötzlich wieder gegen Winnetou. Ungereimtheiten dieser Art gab leider noch einige.
- Selbst Kindern fällt auf, dass ein zu Beginn erschossener Indianer später wieder quicklebendig herumsteht. Vermutlich leidet er aber jetzt an Gedächtnisverlust.
- Bei Forster kommt es gegen Ende aus heiterem Himmel zu einem Sinneswandel, so dass Old Firehand plötzlich in dem ehemaligen Feind Forster einen Verbündeten findet. Das ganze kommt sehr, sehr plötzlich und ist kaum nachvollziehbar.
Einen weiteren Umstand finde ich schade. Die Zuschauertribühne steht im Osten, so dass bei der Aufführung um 17 Uhr die Zuschauer durch die Abendsonne im Westen geblendet werden. Die Sicht ist getrübt, der Sonnenbrand ist abonniert und die Fotos leiden.
Wenn Fred Rai es sich leistet, die Bühne um 180 Grad zu drehen, und um mehrere Meter den Hang hinunterzuverschieben, dann könnte er den aufsteigenden Hang ähnlich wie in Elspe nutzen.
Sei es, wie es will: ich freu mich auf nächstes Jahr in Dasing.
Grüße
Bernhard
Re: Premiere auch in Dasing
Verfasst: 24. Dez 2007, 14:23
von HGS
Hallo!
So, die freien Tage wurden genutzt um ein wenig "Bühnenstudium" via DVD, sofern vorhanden, zu machen. Vorgestern habe ich mir die DVD der "Karl May" Spiele Dasing angesehen und habe beschlossen mir keine Aufzeichnung dieser Bühne mehr anzusehen geschweige denn gen Süden zu fahren. Bis auf einigen Darstellern ist das was dort in Dasing geboten wird in meinen Augen "murks". Ein plus gibt es für die Kostüme, die durch die Bank weg realistisch aussehen und absolut schön sind. Ein plus gibt es auch für die Kompraserie, die viel Spielfreude zeigt und insgesamt recht motiviert wirkt. Auch Janson gefällt, Rudi Sorger in der "Tolpatsch Hawkens" Rolle (hat man sich wohl in Österreich abgeschaut) ebenfalls, aber, Sorry, in meinen Augen war es das. Klar ist Matthias M. ein guter Winnetou, aber kein sehr guter. Sarah Janson ist ein Ausfall und bringt null Charme auf die Bühne (man darf einen Vergleich zu Preuss, Karun oder J. Vincze nicht wagen, es würde vernichtend ausfallen). Der kuriose Chinese macht das alles ganz nett, aber in meinen Augen viel zu aufdringlich (ala Schröder in BSE). Und dann ist da noch Peter Görlach. Auweia. Der spielt Parranoh, den wohl fiesesten Charakter aus der Mayschen Feder und.......sorgt dafür das man sich an Guido Gorges 1997 in Bad Segeberg erinnert!!!! Das geht gar nicht. Das gesamte Paket dann in ein Buch gepackt, welches einfach ohne große Dialoge ist. Außerdem absolut an Karl May vorbei. Und ich spiele damit nicht auf die Bekehrung des "bösen" Fred Rai an. Daran gewöhnt man sich ja, nein, der Rest ist ebenfalls murks. Ohne Sinn (was sollte der Ku-Klux-Klan denn auf der Bühne?) wurden einzelne Elemente zusammengefügt.
Schade, das man auch in Dasing nicht versucht May auf die Bühne zu bringen. Tolle Kostüme, zum Teil gute bis sehr gute Darsteller und Komparsen und viel Einsatz werden von einem schlechten Buch und zu vielen durchschnittlichen Darstellern kaputt gemacht. Aber gut, eine ähnlich schwache "Firehand/Winnetou" Inszenierung gab es 1997 in Segeberg auch und man zeigte im Jahr drauf, das es besser geht. Man darf gespannt sein ob Dasing 2008 einen Sprung nach vorne macht. Allerdings grault es mir, wenn ich daran denke das Roulin sich zum guten bekehrt. Wenn die Dasinger es schaffen ihre immer wieder gelobte Familienfreundlichkeit, die erstklassigen Kostüme und den Willen der Komparserie mit einem guten Ensemble und einem stärkeren Buch zu verbinden, dann können sie sicherlich eine kleine Konkurrenz zu den traditionsreicheren Festspiele werden.
So, beste Grüsse und gesegnete Festtage
Heinz-Gerd
Re: Premiere auch in Dasing
Verfasst: 25. Dez 2007, 18:16
von Tahoe
Hm, sollte ich mir doch noch die DVD von diesem Jahr besorgen? Weicht die Aufzeichnung so vom live gesehenen ab?
Ich kann das jetzt nicht so ganz nach vollziehen, mir hat`s live sehr gut gefallen. Und dass das Buch sehr frei nach Karl May ist, nun ja, da hab ich auf anderen, durchaus renomierten Bühnen, schon schlimmeres gesehen!
Lg Tahoe
Re: Premiere auch in Dasing
Verfasst: 25. Dez 2007, 21:24
von Rolf Dernen
Tahoe hat geschrieben:Hm, sollte ich mir doch noch die DVD von diesem Jahr besorgen? Weicht die Aufzeichnung so vom live gesehenen ab?
Ich kann das jetzt nicht so ganz nach vollziehen, mir hat`s live sehr gut gefallen. Und dass das Buch sehr frei nach Karl May ist, nun ja, da hab ich auf anderen, durchaus renomierten Bühnen, schon schlimmeres gesehen!
Ohne das eine oder andere dieses Jahr gesehen zu haben, muß ich aus genereller Erfahrung sagen, daß man bei live Gesehenem entschieden mehr verzeiht als bei Video-Aufnahmen. Mir geht es zumindest so. Wenn ich im Publikum einer Aufführung sitze, bin ich entschieden mehr mittendrin als vor dem TV-Gerät bei der Betrachtung einer DVD. Ich habe es sogar schon erlebt, daß ich eine Aufführung vor Ort gar nicht mal so übel fand, beim Betrachten der TV-Aufzeichnung ein paar Monate später dann aber das große Grauen bekam. Die Atmosphäre, das Drumherum, die Stimmung, die anderen Besucher - all das spielt bei einer Beurteilung mit.
Re: Premiere auch in Dasing
Verfasst: 25. Dez 2007, 22:44
von HGS
Hallo!
@Rolf: Ja, DU hast natürlich recht. Live ist es grundsätzlich immer besser, da die Atmosphäre eine andere ist. Den Eindruck der Aufführung in Dasing habe ich also nicht, aber das auf DVD gesehene hat mich wirklich enttäuscht. Klar, auf anderen Bühnen ( auch in Segeberg ) arbeitet man nur nach Motiven von May, aber was ich auf der Dasinger DVD gesehen habe, hat mich ehrlich enttäuscht. ich habe (gefühlt) mehr "Mayfremde" Personen in einem Stück gesehen als in der kompletten Zeit des aktuellen Segeberger Autoren ( gefühlt ). rest siehe weiter oben ;)
LG
P.S.: ich wollte keinen Vergleich mit anderen Bühnen vermitteln, lediglich meinen, erneut Eindruck zur Inszenierung. May Pur habe ich nicht erwartet.
Re: Premiere auch in Dasing
Verfasst: 4. Jan 2008, 13:28
von Gerald
Bis auf einigen Darstellern ist das was dort in Dasing geboten wird in meinen Augen "murks"
Diese Bewertung nach dem anschauen einer "Videoaufzeichnung" zu machen ist einfach dumm.
Wie sagte doch Dieter Nuhr so richtig:
Wenn man keine Ahnung hat.........
Re: Premiere auch in Dasing
Verfasst: 4. Jan 2008, 14:23
von HGS
Gerald hat geschrieben:Bis auf einigen Darstellern ist das was dort in Dasing geboten wird in meinen Augen "murks"
Diese Bewertung nach dem anschauen einer "Videoaufzeichnung" zu machen ist einfach dumm.
Wie sagte doch Dieter Nuhr so richtig:
Wenn man keine Ahnung hat.........
Wie Rolf schon sagte ist ein Eindruck Live grundsätzlich anders. Allerdings wird auf DVD das gezeigt was auf der Bühne passiert ist. Buch bleibt Buch. Und die Vorlage ist weder nah am Original noch schlüssig (meiner Meinung nach)
Im übrigen können Meinungen verscheiden sein. So auch meine bezüglich Dieter Nuhr: Er meint : „Viele haben das mit der Demokratie nicht so richtig begriffen. Man darf in der Demokratie eine Meinung haben, man muss aber nicht. Wenn man keine Ahnung hat: einfach mal die Fresse halten. Ist mir ganz wichtig, dass sich das mal rumspricht.“
Seine Meinung! Ist die Falsch? Richtig? Dumm? Keine Ahnung. Ich habe eine andere. Werde aber nicht behaupten das seine Meinung dumm, falsch oder richtig ist...genauso wenig wie ich jetzt behaupten werde das Deine Meinung dumm, richtig oder falsch ist...
Btw: Frohes neues!
LG
HG
l
Re: Premiere auch in Dasing
Verfasst: 4. Jan 2008, 16:31
von Sylvia
Den Eindruck, den HSG nach seinem DVD Konsum hatte:
"Wie Rolf schon sagte ist ein Eindruck Live grundsätzlich anders. Allerdings wird auf DVD das gezeigt was auf der Bühne passiert ist. Buch bleibt Buch. Und die Vorlage ist weder nah am Original noch schlüssig (meiner Meinung nach)"
kann ich, die ich im Sommer 2007 das Ganze live gesehen habe, nur bestätigen. Die Handlung war ziemlich verwickelt und hatte nicht mehr viel mit W.II zu tun. Um nicht meiner Enttäuschung zu erliegen (nach dem Schatz im Silbersee 2006 bestanden berechtigte Hoffnungen, dass die Dasinger Bühne noch weiter aufblüht), habe ich mich schließlich nur noch der momentanen Äktschen hingegeben, und die hatte zugegebenermaßen einen guten Unterhaltungswert. Indianer von rechts, Ku-Kluxer von links, schöne Bilder, nette Pferde, Kostüme super, Winnetou Matthias M. weiterhin ein Würdiger, Paranoh arg theatralisch, Janson routiniert, Fred Rai als Fred Rai (hoffentlich wird das nicht zur Marotte, dass der Mann immer den Bösen spielt, der alles nur deshalb macht, weil er eigentlich was Gutes damit bezwecken will), Sam Hawkens unmöglich - ein Kinderclown. Zur Handlung kann ich nicht mehr viel sagen, wie gesagt.. , hm eigentlich weiß ich gar nicht mehr, um was es da ging... Ich glaube, das war auch gar nicht wichtig. O.k, die Tochter von Janson spielte recht engagiert eine umweltbewußte Ribanna, und Winnetou war wahnsinnig verliebt in sie, das kam schon zart herüber, der Schmerz nach ihrem Ableben hielt sich aber denn doch in Grenzen. Parranoh vor Verliebtheit wahnsinnigtheatralisch, Ribanna ziemlich verliebt in Winnetou, und dann kamen mal wieder die Zipfelmützenkluxklaner, deren Anführer, wie sich zum Schluss herausstellte, eine Frau war, die das alles nur für Fred Rai tat. Der hat sie nach der Entlarvung aber verstoßen.
Naja, oder so ähnlich.
Was ganz schlimm war: Gleich zu Anfang wurde mein erwartungsfreudiges Herz auf den Bretterboden des gemütlichen kleinen Freilufttheaters geschmettert. Man muss sich vorstellen, es geht los, Winnetoumelodie, alles reckt die Hälse, man fühlt sich freudig erlöst (ich hatte meine Verwandtschaft dabei, die, wenn überhaupt, die Kinofilme vom Fernsehen her kannten, aber immerhin wußte, jetzt kommt gleich was Erhebendes....) und dann rollt ein weißes funkelndes Allradauto in den Bühnensand. Mann, war mir das peinlich. Statt 1em edlen PS, blecherne 60 PS (oder mehr?) - und die Ansagerin entsteigt diesem Blech und macht eine blechernde Ansage einschließlich Werbung für dieses Blech. Wohl hat sie sich ein wenig dafür entschuldigt und erklärt, dass die Bühne ja von was leben müsse, aber es war zu spät, von diesem Schreck konnte ich mich die ganze Aufführung lang nicht mehr erholen.
Illusion totmachen, nennt man sowas.
Also das will ich bittebitte nicht mehr sehen! Alles andere kann man, wenn man sich einfach nur mal einen netten Freilufttheaterabend gönnen will, verschmerzen. Karl May, nunja, der ist auch woanders.
In Dasing wäre alles so schön beieinander: diese nette kleine Bühne, die Schauspieler, die zum allergrößten Teil nach meinem Empfinden das Nötige mitbringen, die Tiere, der ganze Platz. Dem Gros der Menge wird es auch genügen, sich irgendein Wildwestspektakel anzusehen - und ich habe gar nichts mehr dagegen, wenn das Ganze frei oder sehr frei nach Karl May gestaltet ist - aber dann möchte ich es doch wenigstens hören: Dies ist eine Geschichte, dessen Personen und dessen Handlungsteile entnommen wurden aus einer Reiseerzählung des Schriftstellers Karl May.
Das wichtigste für derlei Bühnen wären gute Drehbücher.
(und genießbarer Kaffee..)
Sylvia