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Verfasst: 30. Nov 2006, 23:13
von Sabine
Auf dem Berg Mokkatam, wenn ich mich nicht irre ...
Verfasst: 30. Nov 2006, 23:18
von Rüdiger
"Mein Lieblingsplatz war ein Felsensitz in der Nähe der alten, verfallenen Giyuschi-Moschee."
Verfasst: 30. Nov 2006, 23:23
von Rüdiger
»Weißt du, Vater, an wen ich jetzt denke?« sagte sie. »An Karl May. Ich habe seine drei Bände "Im Lande des Mahdi" gelesen, und - - -«
»Lies nicht das dumme Zeug von diesem May!« unterbrach er sie rasch und schnarrend. »Dieser Schriftsteller hat nichts als Phantasie, und du weißt, daß mir seine weichliche Frömmigkeit widerwärtig ist! Wie kommst du dazu, grad jetzt an ihn zu denken?«
»Er nennt Kairo "Bauwaabe el bilad esch schark, das Tor des Orientes", und sagt, dieses Tor sei altersschwach geworden und könne dem Einflusse des Abendlandes kaum mehr widerstehen. Es wird mir schwer, das zu glauben. Ich habe den Orient noch nicht gesehen, aber ich liebe ihn und wünsche, daß er sich stärker erweisen möge, als zum Beispiel du, Vater, mit so vielen Anderen denkst. Er ist für mich ein schlafender Prinz im stehengebliebenen Saale einer eingefallenen, morgenländischen Königsburg. Seine Bestimmung ist, von einer abendländischen Jungfrau aufgeweckt zu werden. Wenn dann durch Beide der Osten mit dem Westen in selbstloser Liebe vereinigt ist, werden alle Völker der Erde glücklich sein.«
»Du bist eine Träumerin, ganz wie deine Mutter war! Die Wirklichkeit aber sieht ganz anders aus als so ein Märchentraum. Das Morgenland hat uns um das Paradies gebracht; es hat den Erlöser gekreuzigt und bis auf den heutigen Tag niemals erkennen wollen, was zu seinem Frieden dient. Nun kommen wir, die Himmelsboten, ihm diesen Frieden zu bringen. Nimmt es ihn an, so soll es ihn haben; stößt es ihn aber von sich, so wird es trotz aller unserer Mühe nicht zu retten sein. Schau doch hinab und sieh, was zu deinen Füßen liegt! Alles, was da noch orientalischen Ursprungs ist, steht im Begriff, im Schmutze zu versinken. Alles Neue, Praktische und Gute aber hat diese Stadt vom Abendlande bekommen. Dein Karl May, von dem ich sonst nichts wissen will, hat also in diesem einen Falle ausnahmsweise einmal das Richtige gesagt. Ist der Orient der Märchenprinz, von dem du sprachst, so ist es nur uns Sendboten möglich, ihn aus dem Schlafe aufzuwecken. Nur wir allein können ihn erlösen; wir fußen in und auf der Wirklichkeit; deine abendländische Jungfrau aber gehört ins Reich der Phantasie.«
»Phantasie! Das ist vielleicht das richtige Wort,« lächelte sie. »Es gibt Leute, welche behaupten, daß die Phantasie hellere und schärfere Augen habe als der alterssichtig gewordene Verstand.«
»Willst du mich belehren?«
»Nein. Dazu bist du mir ja viel, viel zu gelehrt. Aber weißt du, wir klopfen heut beide an das Tor des Orientes, und wenn man irgendwo anklopft, soll man sich nicht nur fragen "Was willst du hier?" sondern auch "Was bringst du mit?". Denn ob man das, was man will, erreichen wird, das ist wahrscheinlich sehr von dem abhängig, was man mitbringt. Und mitbringen muß und wird Jeder Etwas, und wenn es nichts weiter als seine Persönlichkeit wäre. Fragen wir uns also heut, indem wir an diese Pforte klopfen, was wir für die, welche hinter ihr wohnen, mitbringen!«
»Well, mein Kind! Ich bringe ihnen meinen Glauben. Das ist mehr als genug!«
»Und ich bringe ihnen meine Liebe, meine ganze, ganze, volle Liebe! Ob das genug ist, weiß ich nicht; aber ich besitze ja nichts weiter, was ich geben kann. Und diese Liebe gebe ich so gern, so unendlich gern. Was habe ich gewünscht! Wie habe ich geträumt, gehofft, geschwärmt! Mein Herz ist mir nach hier vorausgeflogen. Es ist mir, als sei mein bisheriges Leben eine Weissagung gewesen, welche von heute an beginne, in Erfüllung zu gehen. Der Orient ist die Heimat des Menschengeschlechtes. Fühlst du nicht auch, was es heißt, am Tore unserer Heimat zu stehen? Im Osten geht der Welt die Sonne auf. Ist es nur dein Glaube, welcher ihr entgegen geht? Bringst du ihr gar, gar nichts anderes mit?«
»Schwärmereien!« antwortete er überlegen. »Das sind nun die Folgen meiner Schwäche, deine Lektüre nicht strenger zu überwachen. Die Gestalten aus "Tausend und eine Nacht" und anderen Büchern spuken in dir; du bist noch ein Kind; ich aber bin ein Mann; ich darf nicht schwärmen wie du, denn ich habe ernste Pflichten zu erfüllen.«
Re: Alle Bücher gelesen?
Verfasst: 12. Jan 2007, 16:08
von Schneffke
La Zorra hat geschrieben:Hat jemand alle Bände gelesen??? Ich muss sagen, dass ich mich speziell mit den in Deutschland spielenden Geschichten sehr schwer tue. Was habt ihr für Erfahrungen gemacht?
LG
La Zorra
Mir fehlen etwa 5.
Ich habe gerade zu Weihnachten ein paar von den dt. Büchern wieder gelesen und zwar "Der Fremde aus Indien" (in meiner Kindheit mein absoluter Liebling) und zudem die Greifenklau-Saga. Wenn man einfach ein paar Abstriche hinsichtlich der politischen Sicht Mays und wie fast immer in seinen Büchern bei den stereotypen Figuren macht, dann ist es spannend und vergnüglich. Auch die Adlerhorst-Saga mag ich. Wie ich überhaupt, nachdem ich als Kind natürlich vor allem Winnetou etc. gelesen habe, später vor allem die Geschichten gern las, die eben nicht unter Indianern oder Beduinen spielten.
Verfasst: 13. Jan 2007, 07:06
von Rüdiger
Ui, Hieronymus Aurelius höchstselbst, das ist aber eine Überraschung. Dieser H.A. Schneffke ist ja eine der interessantesten Figuren bei Karl May, und erinnert mich immer ein wenig an Münchmeyer, den Karl May möglicherweise lange Zeit zu wohlwollend-positiv eingeschätzt hat, kleine Abschweifung nebenbei (Richtig abschließend beurteilen kann ich es eh nicht, bin ihm nie begegnet. Und auch dann wäre es natürlich schwer).
Was den „Fremden aus Indien“ angeht, ist das ja einer der Bände innerhalb der „Gesammelten“, die eigentlich herzlich wenig mit Karl May zu tun haben, man ging hier mit seinem Text gleichsam um wie mit Formfleisch, woraus ja mittlerweile auch der Karl-May-Verlag keinen Hehl mehr macht. Ein paar Zitate aus dem „Geschliffenen Diamanten“:
Die Arbeit, „seinen Lesern wenigstens ein bisschen Ordnung zu präsentieren“, „übernahm dann Jahre später Dr. Schmid unterstützt von zahlreichen Maykennern“.
„haben die Bearbeiter aus dem ersten Band […] und wenigen Teilen des vierten Bandes […] die abgeschlossene Erzählung […] geformt“.
„Über mehrere hundert Seiten getrennte Dialoge wurden in eine einzige Szene zusammengefasst. Insgesamt sind viele Umstellungen und nacherzählende Passagen zu beobachten“.
„Statt naheliegenderweise die Erzählung unter Rückgriff auf die Fischer-Ausgabe zu erweitern, schrieb Otto Eicke neuen Text (Kap. 5 und 6) hinzu, der mit der Handlung nichts zu tun hat und aufgesetzt wirkt.“
Die letzte Textrevision gab es 1995, die Fassung davor (auch nicht uninteressant) ist noch als Ueberreuter-Taschenbuch antiquarisch erhältlich.
Verfasst: 13. Jan 2007, 22:32
von Elspe-Fan
La Zorra hat geschrieben:muss in einem orientband sein, glaub ich. der erzähler hat irgendwo ein zimmer gemietet und hält sich da "undercover" auf. also quasi auf urlaub und nicht auf abenteuer. und er trifft einen anderen abendländer, welcher u.a. von des erzählers abenteuern berichtet, ohne aber zu wissen wer er ist. und er hat auch keine große lust mit dem fremden auf abenteuerjagd zu gehen...
und dann weiß ich nimmer weiter.
Diese Szene kommt auch in der Geschichte "Winnetou Weihnacht" vor, zumindest in dem Hörspiel mit dem Elsper Winnetou-Darsteller Benjamin Armbruster.
Ich habe noch nicht viel von Karl May. Die Winnetou-Bände I und IV, Old Surehand I und II, das o. g. Hörspiel sowie die Winnetou-Nacht "Ja uff erstmal" vom WDR, mit Rüdiger Hoffmann, Jürgen von der Lippe und Herbert Knebel in den Hauptrollen.
Verfasst: 13. Jan 2007, 23:22
von Rüdiger
Was spricht der herrliche Herbert Knebel da ?
Verfasst: 13. Jan 2007, 23:35
von andrea
Er spricht einen herrlichen Sam Hawkens.
Ich weiß noch, als ich das damals im TV gesehen habe, dass ich von seiner Darstellung total begeistert war. Herbert Knebel bzw. Uwe Lyko kannte ich bis dato überhaupt nicht.
Verfasst: 13. Jan 2007, 23:55
von Rüdiger
Ich hab' ihn mal live gesehen in Duisburg-Walsum, und oft im Fernsehen. Ich finde ja vieles überhaupt nicht komisch, worüber andere sich schlapplachen, aber bei dem komme ich humormäßig voll auf meine Kosten. Voll meine Linie, sozusagen.
Bin aber bei weitem nicht der einzige. Leute lachen regelmäßig Tränen bei seinen Programmen.
Ja uff erstmal
Verfasst: 14. Jan 2007, 16:47
von Elspe-Fan
andrea hat geschrieben:Er spricht einen herrlichen Sam Hawkens.
Ich weiß noch, als ich das damals im TV gesehen habe, dass ich von seiner Darstellung total begeistert war. Herbert Knebel bzw. Uwe Lyko kannte ich bis dato überhaupt nicht.
Das Hörspiel, ob auf CD und Radio zu hören oder im Fernsehen zu sehen, lohnt sich auf jeden Fall. Es ist keine Parodie wie der "Schuh des Manitou", sondern eine fast May-getreue Umsetzung der Winnetou-Trilogie. Alle wesentlichen Randfiguren sind, im Gegensatz zu einigen Film- und Bühnendarstellungen, vorhanden, z. B. Büchsenmacher Sir Henry, Dick Stone, Will Parker, Ingenieur Bancroft, Mr. White, Rattler, Bär, Klekih Petra, Bao, Tangua, Pida, Dunkles Haar, Eine Feder, Santer, Ohlert, Hillman, Til-lata, Old Death und den "Ave-Maria"-Chor.
Sämtliche Rollen werden von Comedians gesprochen. Rüdiger Hoffmann ist Winnetou ("Ja uff erstmal!"), Jürgen von der Lippe ist Old Shatterhand bzw. der May-Erzähler ("Der Bär ist tooooot!"), Herbert Knebel spricht wunderbar den alten Sam ("Wenn ich mich nicht irre!"). Die übrigen Sprecher übernehmen gleich mehrere Rollen.
Das wären Mike Krüger, Bernd Stelter, Bastian Bastevka, Till & Obel, Dirk Bach, Hella von Sinnen (die einzige Frau im Team, die alle Frauen-Rollen spricht) und Frank Zander.
Was ich aus den Büchern kenne, wurden einige May-eigene Gags verwendet. (Santer: "Was hast du da?" - Old Shatterhand: "Eine Schneiderrechnung!") Die Comedians brachten nur noch ihre eigene Note mit ein.
Bao (Obel) zu Old Shatterhand:
Stell dir vor, stehen drei Pferde auf Weide. Nimmst du fünf runter, tust du zwei wieder drauf, damit keinst mehr da!"
Verfasst: 14. Jan 2007, 17:17
von Rüdiger
Jürgen von der Lippe ist Old Shatterhand bzw. der May-Erzähler ("Der Bär ist tooooot!"
Verzeihung, aber das muß ja grauenhaft sein, da wird mir ja schon beim Lesen ganz anders. - Auch über die anderen "Gags", die da oben noch standen, kann ich nicht für fünf Cent schmunzeln, allenfalls wenn ich sie bei Karl May lese, ganz bestimmt nicht wenn Herr von der Lippe oder ein anderer dieser Haudrauf-Komiker sie spricht.
Die Comedians brachten nur noch ihre eigene Note mit ein.
Ja, eben, ich kann es mir lebhaft vorstellen. Und genau das ist sozusagen tödlich. Die albernen Gags sind nur witzig in Kombination mit Karl May und dessen Mentalität, nicht als Selbstläufer oder wenn sich gar noch Trittbrettfahrer auf ihre Weise damit schmücken.
(so bös' wie es klingt ist das alles gar nicht gemeint, kleine Ergänzung. Die Geschmäcker sind halt verschieden.)
Kann mir nicht einer eine Fassung schneiden, auf der nur Herbert Knebel drauf ist ?
;-)
(Ganz ruhig, heiliger Schutzpatron des Kopierschutzes, erstens ist es ein Scherz und zweitens wir sind alle bei Dir)
;-)
Verfasst: 14. Jan 2007, 19:28
von Elspe-Fan
"Ich bin nur ein einfacher Cowboy und kein erfahrener Westmann wir ihr! Mein Name ist Santer! Klaus Santer!"
Howgh erstmal!
Verfasst: 15. Jan 2007, 10:30
von Schneffke
Rüdiger hat geschrieben:Was den „Fremden aus Indien“ angeht, ist das ja einer der Bände innerhalb der „Gesammelten“, die eigentlich herzlich wenig mit Karl May zu tun haben, man ging hier mit seinem Text gleichsam um wie mit Formfleisch, woraus ja mittlerweile auch der Karl-May-Verlag keinen Hehl mehr macht. Ein paar Zitate aus dem „Geschliffenen Diamanten“:
Die Arbeit, „seinen Lesern wenigstens ein bisschen Ordnung zu präsentieren“, „übernahm dann Jahre später Dr. Schmid unterstützt von zahlreichen Maykennern“.
„haben die Bearbeiter aus dem ersten Band […] und wenigen Teilen des vierten Bandes […] die abgeschlossene Erzählung […] geformt“.
„Über mehrere hundert Seiten getrennte Dialoge wurden in eine einzige Szene zusammengefasst. Insgesamt sind viele Umstellungen und nacherzählende Passagen zu beobachten“.
„Statt naheliegenderweise die Erzählung unter Rückgriff auf die Fischer-Ausgabe zu erweitern, schrieb Otto Eicke neuen Text (Kap. 5 und 6) hinzu, der mit der Handlung nichts zu tun hat und aufgesetzt wirkt.“
Die letzte Textrevision gab es 1995, die Fassung davor (auch nicht uninteressant) ist noch als Ueberreuter-Taschenbuch antiquarisch erhältlich.
Ich glaube, so genau wollte ich das jetzt gar nicht wissen..Meine Ausgabe muß so aus den 30zigern sein, hoffentlich ist da noch nicht allzuviel verfälscht?
Ich fand die Comedy-Fassung erstaunlich unkomisch. Aber die Idee ist immerhin ganz hübsch.
Verfasst: 15. Jan 2007, 11:47
von Rüdiger
Alles oben zitierte bezieht sich auf die Ausgabe aus den Dreißigern. Aber so genau wollen Sie es ja gar nicht wissen. ("Manchmal ist es wirklich Scheiße wenn man durchblickt", sagte mal ein Schulfreund vor ca. knapp 35 Jahren. Recht hatte er.)
;-)
Verfasst: 15. Jan 2007, 15:15
von Schneffke
Ich habe jetzt jedenfalls bezüglich dieses Romans meine Unschuld verloren *schnief*...