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Verfasst: 12. Jul 2006, 20:08
von aland11
viele scheinen den Unterschied zwischen Pistole und Revolver nicht zu kennen. Mir ist schon oft in amerikanischen Western oder Krimis aufgefallen, das von Pistolen die Rede ist, und anschliessend die Schauspieler einen Revolver in der Hand haben. Na ja, kann man ja auch nicht von jedem verlagen, auch von unserem guten Mayster nicht.
Zum Kaliber. Da sich Karl May bestimmt mit dem Henrystutzen auf den Hersteller Benjamin Tyler Henry bezug nimmt, gehe ich davon aus, das dieser Stutzen eine Randfeuerpatrone Kaliber 44, Patrone aus Messing, 25 grains (1,6 g) Schiesspulver und 216 grain (14 g) Gewicht hatte. Ist nur meine Vermutung, spricht aber einiges dafür.
Uwe Mersch

Nur zu!

Verfasst: 12. Jul 2006, 21:36
von Starker Bär
Wie gesagt, bin ich ein sehr naiver Karl May Verehrer. Und ich habe fast Angst, daß mein May-Bild beschädigt wird, wenn ich von Manipulationen erfahre. Aber klammheimlich interessieren tät es mich schon. Wo kann man sich denn über die Genesis der Werke einlesen, ohne daß einem alles abgeräumt wird?

Das wenige, was ich weiß, betrifft meine vier Lieblingswerke, die Tetralogie um die Familie von Greifenklau, wo eben hinten drinsteht, daß der Mayschen Inspiration das Münchmeyer-Werk "Die Liebe des Ulanen" zugrundelag, wenn ich mich recht erinnere.

Und ob ich wirklich von allen Werken mehr wissen muß und will, das schau ich mir erst mal vorsichtig an, wenn es eine nicht zu episch breite Einführung dazu gibt.

Verfasst: 12. Jul 2006, 21:46
von JennyFlorstedt
Niedlich formuliert.
Tatsache ist, dass "Die Liebe des Ulanen" von Karl May und das Original ist. Die Tetralogie (in anderen Ausgaben gibt es eine andere Anzahl Bände) stammt aus dem Karl-May-Verlag. Und ja: Mays Roman diente als Inspiration. :-)

Wenn es Dich interessiert, dann geh mal unter http://www.karl-may-buecher.de stöbern. Da gibt es zu den meisten Texte eine Menge Rezensionen und Hintergrundinformationen.

Viele Grüße

ta

Tut leid

Verfasst: 14. Jul 2006, 02:17
von Starker Bär
Ich muß zugeben, daß ich an der Formulierung "niedlich formuliert" etwas "gekiefelt" habe.
Nun, da ich mich mal kurz im Forum eingelesen habe, verstehe ich es besser, weil ich erkenne, daß ich wohl einen ziemlichen Blödsinn geschrieben habe. Obwohl es sich dabei um meine Lieblingswerke handelt, habe ich da eine lange Zeit etwas total mistverstanden.

Das mit dem Münchmeyer-Roman aus Nach- oder Vorwort der Reihe "Die Herren von Greifenklau/Die Liebe des Ulanen" hatte ich immer falsch zugeordnet. Für mich war da ein gewisser Münchmeyer der Autor und May der - horribile dictu - Plagiator, bzw. Recoverer (wenn es letzteres Wort überhaupt gibt).

Nun erhebt sich für mich - obwohl ich damit eine peinliche May-Ignoranz offenlege, aber ich halte mich an den alten Grundsatz: es gibt keine blöden Fragen, es gibt nur blöde Antworten - die ehrliche Frage: Was oder wer war dann Münchmeyer? Ein Verlag, ein Auftraggeber, ein Sponsor, eine wie auch immer zustandegekommene Schaffensperiode Mays?

Verfasst: 14. Jul 2006, 07:26
von Rüdiger
Ja, er war eine Schaffensperiode. Wie auch immer zustandegekommen. Jürgen von Manger alias Adolf Tegtmeier hätte es nicht schöner ausdrücken können.

Übrigens nicht zu verwechseln mit Münchhausen oder Münchenhagen, das war die Talkshow mit Kinski, "Tragt ihn raus", aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Verfasst: 14. Jul 2006, 08:01
von JennyFlorstedt
Guten Morgen!

Heinrich Münchmeyer war ein Verleger, der den frisch aus der Haft entlassenen Karl May als Redakteur einstellte und somit ein bürgerliches Leben ermöglichte.
Später trennten sie sich und May wurde freier Schriftsteller.
Irgendwann trafen sie sich wieder und Münchmeyer, der in finanziellen Schwierigkeiten war, bat May, für ihn einen Kolportageroman (=Fortsetzungsroman) zu schreiben, der das Geschäft wieder ankurbeln sollte.
Aus dem einen Roman wurden letztlich fünf, darunter die "Liebe des Ulanen", die aber pseudonym erschienen.
Da die entsprechenden Verlagsverträge mündlich geschlossen worden waren, hatte Karl May nach Münchmeyers Tod sehr viel Ärger mit dem Rechtsnachfolger.

Einige Links dazu:
*http://141.30.89.80/~thomas/wiki/index. ... Münchmeyer
*http://141.30.89.80/~thomas/wiki/index. ... Münchmeyer

Viele Grüße

Jenny

Verfasst: 14. Jul 2006, 08:26
von Rüdiger
Gut, daß es immer wieder dienstbare Geister gibt.

;-)

Ich bin da etwas vorsichtig geworden. Ich erinnere mich, daß, so vor ein, zwei Jahren, schon mal jemand erzählt hat, die Bearbeitung eines Kolportageromans (damals war es das "Waldröschen") seien seine Lieblingsbücher gewesen. Auch er stellte Fragen über Fragen und erhielt ausführlichst Antwort. Später stellte sich allerdings heraus, daß der Fragesteller und sein eifrigster Beantworter identisch waren ...

(Muß nicht immer so sein, aber kann)

Verfasst: 14. Jul 2006, 08:38
von Rolf Dernen
Ist in diesem Falle definitiv nicht so.

Grüße

Rolf

Verfasst: 14. Jul 2006, 08:40
von Sylvia
Jennys Antwort ist kurz, sachlich, richtig wohltuend. Danke!
Mehr, mehr! Bzw. Bitte öfter!

Gruß
Sylvia

Verfasst: 14. Jul 2006, 08:40
von JennyFlorstedt
Hallo Rüdiger,

ich hab keine Lust, Paranoia zu meiner Lebenseinstellung zu machen: also no risk - no fun. Und Deine Antwort hat dem Teddy vermutlich nicht wirklich weitergeholfen.

ta

PS: Ich versuche immernoch herauszufinden, was "gekiefelt" bedeutet. :-)

Verfasst: 14. Jul 2006, 08:46
von Rüdiger
Ihr seid halt klüger als ich, damit muß ich mich abfinden, und das freut mich für Euch und das gesunde Volksempfinden.

Verfasst: 14. Jul 2006, 08:57
von JennyFlorstedt
Achso... weil Du, Bär, ja nach einer Einführung zum Thema Bearbeitung gefragt hast. Heißes Pflaster. Diese ganze Bearbeitungsdiskussion wurde (wird) sehr hitzig-heftig geführt.
Es gibt zwei Bücher und mehrere Aufsätze zu dem Thema. Aber da Du Angst hast, dass Dir "alles abgeräumt" wird, kann ich Dir keines so richtig empfehlen.
Oder hat jemand eine Idee?

(Andererseits dürfte Dein MAY-Bild ohnehin keinen Schaden nehmen. Meistens sind die Originale besser und Du wirst eher bestätigt.)

ta

Na dann

Verfasst: 14. Jul 2006, 10:25
von Starker Bär
Wer wird nicht gerne in seiner Meinung bestätigt? Schließlich haben wir ja bekanntlich nix gegen Menschen mit einer eigenen Meinung, vorausgesetzt, daß sie sich mit der unsrigen deckt.


Zum Wort "kiefeln". Hehe. Ich habe mir das ein bissi so gedacht, als ich das Wort schrieb, daß das nicht jede/r verstehen wird, aber dann habe ich mir gedacht, eine kleine Revanche für das "niedlich" hättest schon verdient :-)

"Kiefeln" - ich habe da nun nicht extra gegoogelt, denn das könnte ja jeder - dürfte ein rein österreichisches Phänomen sein - ich könnte nicht mal sagen, aus welcher Ecke unseres Landes es kommt - und bedeutet, über eine Sache stark nachzudenken, etwas zu wälzen, in sich zu gehen, um ein schwieriges Problem zu lösen. "Kiefeln" heißt jedenfalls mehr als nachdenken, eher in Richtung "rätseln", "grübeln".
Nicht zu verwechseln mit "abkiefeln", was soviel wie "abnagen" bedeutet, abe vielleicht hängt das doch zusammen. Wenn man an etwas zu nagen hat, also etwas mit Mühe und langwierig erledigt...

Verfasst: 14. Jul 2006, 10:35
von JennyFlorstedt
Es gibt ein "Deutsch-Österreichisches Online Wörterbuch mit Erklärungen und Beispielen". Hatte mich inzwischen informiert. Nein, was sind die Eingeborenen in fremden Landen putzig. :-P

Zur Bearbeitungsthematik kannst Du Dir im Buchhandel den Sonderband "Der geschliffene Diamant" aus dem Karl-May-Verlag besorgen. Da hast Du die Pro-Variante mit allem Drum und Dran (historischer Kontext, Begründungen, Beispiele,...). Auf dem Schwarzmarkt, wenn überhaupt, kannst Du mit Glück ein Exemplar von "Karl Mays Werke" von Klaus Hoffmann auftreiben (Verlag Neues Leben). Das ist die Contra-Variante auch mit Beispielen. Mir persönlich ist letztgenanntes Buch viel zu polemisch, aber ich krieg sowieso gleich eins auf den Deckel.
Ansonsten wäre es für Dich das ratsamste, Du sprichst in einer ruhigen Minute einen der May-Experten hier an und lässt Dir eine individuelle Einführung in das Thema geben. Für den Anfang wäre das vermutlich wirklich das beste.

Viele Grüße

ta

--
Täglich neues zu entdecken bei http://www.karl-may-buecher.de

Verfasst: 14. Jul 2006, 10:47
von Rüdiger
ich krieg sowieso gleich eins auf den Deckel.
Em Läwe nit

(Gast-Dialektiker & Dialektler Kuh-No van Düsseldorf)
in einer ruhigen Minute
Herrlich.

;-))