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Re: Winnetou-Neuverfilmung 2016: Kritik zum Film
Verfasst: 25. Dez 2016, 23:38
von OmasEnkel
Ich hatte den ersten Teil zwei Stunden nach der Erstsichtung noch einmal angesehen um einfach in den Einzelheiten etwas genauer hinschauen zu können.
Ich bin ein riesen Fan der alten Filme und war mir wirklich nicht sicher ob mich das packt. Ehrlich gesagt, wusste ich zum Erscheinen des Trailers noch nicht ob ich mir das alles schönrede, in der Hoffnung die Filme zu mögen.
Nun aber hat es mich tatsächlich gepackt und ich finde den ersten Teil wirklich grandios.
Nik Xhelilaj ist eine andere Art von Winnetou als Pierre Brice und heimst auf seine ganz eigene Weise Symphatien ein, wesentlich ungeschliffener, wilder aber auch unberechenbarer.
Wotan Wilke Möhring ist ebenfalls wirklich klasse und Winnetous Schwester, die man aus Mel Gibsons "Apocalypto" kennt ist ein Traum.
Ich fühlte mich schon wohlig an meine Kindheit erinnert, als ich 7 oder 8 war und noch aufbleiben durfte um einen der alten Filme zu sehen.
Ich hätte nicht gedacht nochmal neue Winnetou Filme zu Gesicht zu bekommen und dieses "Gefühl" von damals noch einmal als Erwachsener zu erleben.
Die vertraute kroatische Landschaft war eine kluge Wahl und zumindest die Anlehnung an die Musik von Martin Böttcher gibt dem ganzen dann noch den "Echt" Stempel.
Der Film hatte in jedem Fall Kinoqualität und eine tolle Ausstattung, sehr aufwändig inszeniert.
Nach dem ich die alten Filme unzählige Male gesehen hatte, wusste ich nicht mehr wirklich was an den 60er Jahre Filmen so fasziniernd war. War es die Musik oder die Schauspieler oder die wunderschönen Landschaften? Seit dem ersten Teil der neuen Winnetou Trilogie weiß ich es wieder , das ist meiner Meinung nach in erster Linie diese wunderschöne Männerfreundschaft, die hier sehr feinfühlig dargestellt wird.
Es freut mich auch, dass ich die alten und die neuen Filme nun trennen kann.
Das eine kann neben dem anderen existieren, bzw. die neuen Filme tun den alten nicht weh.
Ich könnte jetzt noch an der Musik rummeckern, weil sie nicht so flächig und vordergründig ist wie in den alten Filmen.
Ich könnte mich vielleicht etwas an "neuen" Storywendungen stören aber wenn ich ehrlich bin hatte ich beim ersten Teil einfach ein grandioses "zweimaliges" Seherlebnis und vergebe aus meiner Sicht die volle Punktezahl.
Grandios!
10/10
Re: Winnetou-Neuverfilmung 2016: Kritik zum Film
Verfasst: 25. Dez 2016, 23:39
von OmasEnkel
Noch ein kleiner Anhang.
Wäre der erste Teil in Punkto Regie, Story, Kamera und Darsteller nicht so extrem stark, dann wäre die 08/15 Musik von Heiko Maile voll in die Hose gegangen.
Heiko Maile hat den Kern von Martin Böttchers Musik und die Wirkung in Verbindung zu den Filmen nicht mal ansatzweise verstanden.:facepalm:
Wenn Maile schon Anleiehen bei Böttchers Musik nimmt, dann hätte er wirklich Großartiges schaffen können, wenn er nur die heute noch zeitgemäßen Elemente der Böttcher Musik herausgefiltert hätte.
Damit meine ich nicht, dass er sich in schwülstigen Streicherflächen hätte verlieren müssen aber mir fehlt die Wehmut, die unterschwelligen Klangteppiche, die der Zuschauer eher unterbewusst wahrnimmt.
Zusätzlich hätte man mit mehr Perkussion Elementen arbeiten und einen etwas rythmischen Soundtrack machen können.
Die ganz leisen Töne der Böttcher Musik hätten eine unglaubliche Atmosphäre geschaffen, wenn man diese neu arrangert bzw. eingearbeitet hätte.
Ich weiß nicht ob man nur dem Komponisten oder auch dem Regisseur die Schuld geben kann. Stölzl hätte das doch auffallen müssen. Hört hier mal rein:
Hier gibt es einen 40 Minuten Clip von Martin Böttchers Musik, in dem die unterschwelligen Themen ien einem Mix verarbeitet sind. Das ist meiner Meinung nach, neben den Perkussion Elementen die Quintessenz der Winnetou Musik und da hätte man sich schon anlehnen müssen.
https://www.youtube.com/watch?v=Nh8JmCffBak&t=36s
Aber ich wiederhole mich gern. Der erste Film ist so stark, dass er sogar eine 08/15 Musik, die nur wenige "Momente" hat fast unbeschadet überlebt.
Re: Winnetou-Neuverfilmung 2016: Kritik zum Film
Verfasst: 25. Dez 2016, 23:42
von OmasEnkel
Meine vorigen zwei Postings hatte ich nach Sichtung von Teil 1 geschrieben und nun hier reinkopiert.
Gerade habe ich Teil 2 gesehen "Das Geheimnis vom Silbersee".
Oh je, nach dem grandiosen ersten Film ist das nicht nur ein unglaublicher Absturz.
Hier wird nun wirklich ein Fehler nach dem anderen begangen.
Sicherlich bin ich nicht das Maß aller Dinge aber hier entzaubern die Macher den wirklich schönen ersten Film.
Im ersten Teil freundet man sich mit den "neu interpretierten" Charakteren an und nun bekommt man Winnetou als einen Old Shatterhand "Buddy" serviert. Oh ja ich meine "Buddy".
Zusätzlich nimmt man sich des Silbersee Themas an und da erwartet doch jeder Großes? Leider gibts hier nichts Großes, selbst der Silbersee ist im Verhältnis zur 60er Jahre Verfilmung kein Höhepunkt mehr, sondern einfach nur ein schöner See.
Winnetou labert was das Zeug hält und entmystifiziert sich damit selbst.
Winnetou Regisseur Harald Reinl würde sich im Grabe umdrehen, wenn er das sehen würde.
Reinl hat Winnetou damals bewusst nie zu viel sprechen lassen, weil er der Meinung war, das Winnetou am besten wirkt wenn er nichts sagt.
Pierre Brice hatte diese enorme Ausstrahlung, die ich dem neuen Darsteller nicht mal absprechen will aber dafür ist der Regisseur da um die Schauspieler zu inszenieren.
Reinl hatte Pierre Brice wortkarg inszeniert, denn so war Winnetou für die Zuschauer geheimnisvoll und brice hatte die richtige Wirkung ohne den Mund aufzumachen.
Reinl hatte auch die Landschaftsaufnahmen viel epischer inszeniert und ein unglaubliches Talent für die Actiondramaturgie. Bei Stölzl Fehlanzeige.
Zusätzlich wirkte dieser Film auch noch unfreiwillig komisch, speziell in Punkto Bösewicht,von dem man den Eindruck hatte, als hätte der Drehbuch Autor zu sehr auf Javier Bardem in SKYFALL geschielt.
Die Krone setzt dem Film dann noch die Musik auf, die noch uninteressanter als im ersten Teil daher kommt und im Abspann von der Instumentierung und dem Arrangement fast wie ein Auszug aus dem Soundtrack einer der aktuelleren Bond Filme wirkt.
Ich bin übrigens ziemlich sicher das Martin Böttcher die Musik komplett scheiße findet.
Er hat ja bereits eine sehr zurückhaltende aber interpretierbare Meinung von sich gegeben.
Hoffentlich findet man im dritten Teil nochmal zu dem zurück, was den ersten so gut gemacht hat.
Ein echt kleiner Silbersee!
Re: Winnetou-Neuverfilmung 2016: Kritik zum Film
Verfasst: 26. Dez 2016, 08:19
von Shatterhand24
Das hier ist für alle die nichts mit den neuen Filmen anfangen können:
Dauernd wird sich beschwert, das Die neuen Filme nichts mehr mit Karl May zu tun haben. Das stimmt so Joch nicht. Der Film weißt viel mehr Parallelen zu Karl May auf als gedacht. Da wären z.B. die Szenen, wie Old Shatterhand Winnetou niederschlägt und sich so bei den Apachen ein wenig Respekt aneigtnet oder das Rattler von Winnetou am Ende von Teil 1 an die Brücke mit Messern genagelt wird oder das Karl May den Henry Stutzen von Mr Henry hat und nicht wie in den Filmen der 60er einfach schon hat und nie aufgeklärt wird woher? Aber es sind auch Kleinigkeiten, wie das Karl May erwähnt das er Landvernesserei Studiert hat. Und an diesem Punkt unter stelle ich den Filmen der 60er auch was diese noch mit Karl May zu tun haben oder gar die Karl May Spiele.
Und das ist genau der Punkt. Die Filme der 60er sind auch sehr frei nach Karl und trotzdem lieben sie alle. Und was ist mit den Karl May Spielen, da ist es genau das gleiche. Und darüber sollte man mal nachdenken bevor man so schnell urteilt
Re: Winnetou-Neuverfilmung 2016: Kritik zum Film
Verfasst: 26. Dez 2016, 09:06
von Chrissie
Shatterhand24
Muß hier mal was fragen...habe ich hier entweder was verpasst oder nicht kapiert ? Als Old Shatterhand mit dem Pfeil in der Brust am Boden liegt und sich ihm Winnetou nähert, sich über ihn beugt, da schlägt ihn Shatterhand mit der Faust...Winnetou kippt oder fällt daraufhin zur Seite, steht aber doch gleich wieder auf...inwiefern habe ich da als Zuschauer das Gefühl, daß Shatterhand Winnetou "besiegt" hat ? Diese Frage stellte sich mir, als Nscho-tschi später einmal im Lager der "Apachen" sagt, Old Shatterhand habe Winnetou besiegt - da habe ich mich gefragt, er hat bitte was ? Wenn Winnetou bewußtlos am Boden gelegen hätte und ihn die Krieger vielleicht hätten wegtragen müssen, aber er stand doch gleich wieder auf...Also, ich will hier nicht den Ablauf eines Faustkampfes diskutieren, aber hier geht es ja um das erste Zusammentreffen der beiden absolut zentralen Hauptfiguren, die zuerst mal Feinde sind. Eine ganz wichtige, mythische Szene eigentlich, egal ob im Buch, Film, Hörspiel etc. - diese beiden Männer KÄMPFEN gegeneinander. Und was war das hier ? Da war ja gar nichts...
Ganz ehrlich, ganz ohne Ironie...bitte erklärt mir, habe ich hier was verpasst, bin ich weggenickt, oder kapiere ich was nicht...?
Re: Winnetou-Neuverfilmung 2016: Kritik zum Film
Verfasst: 26. Dez 2016, 13:32
von ramazzotti1970
Shatterhand24,
der Film mag zwar technisch perfekt gemacht sein und auch die Handlung ist gut wenn man nicht an Karl May denkt, ABER, es fehlt die Seele...........
ich weiß ja nicht was Du an KM Nähe findest, ich zumindest nicht viel.
Old Shatterhand hat nur Intschu-tschuna K.O. gehauen mit dem Jagdhieb.....und die Sache mit der Brücke gibt es gar nicht bei KM, auch der Tod Rattlers ist komplett anders. Der wird nämlich von dem Jungvolk der Apatschen im Pecos in den Kopf geschossen!
Also mir fehlt dann doch die Romantisch verklärte Erzählweise KMs. Die Filme der 60er waren auch nicht Werkgetreu, aber ich finde, zumindest die von Harald Reinl, hatten noch ein wenig von dem Geist KMs.
Gut, man kann auch Geschichten moderner erzählen, aber hier finde ich nur noch sehr wenig Ansätze zu den Büchern.
Für mich sah das ganze aus wie ein Versuch "Der mit dem Wolf tanzt" neu zu erfinden.....
Ich hätte wenigstens gedacht das W & OS auf edlen schwarzen Rappen reiten, und auch das Pueblo fehlt mir, Sam ohne das Kleeblatt, schade...
Wie gesagt, der Film an sich war gut gemacht und hat auch Potenzial, aber nicht als Karl May Film, sondern als solider Deutscher Western mit Anklängen vom "Wolf"!
Re: Winnetou-Neuverfilmung 2016: Kritik zum Film
Verfasst: 26. Dez 2016, 20:18
von Formfehler
Die Einschaltquoten des ersten Teils waren doch ziemlich gut, knapp hinter Helene Fischer, dafür aber sehr stark in der RTL Zielgruppe. Kann man nur hoffen das man das halten kann, auch wenn ja heute der ziemlich schwache Silbersee Film läuft.
So mal meine Meinung zu den Darstellern und Charakteren.
Der neue Winnetou Darsteller ist Top und hat ein Charisma das Pierre Brice in nichts nachsteht. Winnetous Tot ist von ihm sehr emotional dargestell und mir liefen doch wirlich die Trännen.
Wotan Wilke Möhring spielt einen guten Karl May aber einen sehr schlechten Old Shatterhand! Dieser Shatterhand ist eine Witzfigur und man wünscht sich das Heldenhafte eines Lex Barker Schatterhands herbei. Das diese Lachnummer auch noch in Teil 3 Häuptling der Apachen (Mescaleros werden nie erwähnt!) wird ist echt zuviel des guten!
Gojko Mitić einfach nur GENIAL!!! Leider war sein Tod viel zu früh da ich gerne mehr von ihm gesehen hätte.
Marie Versini hat man kaum erkannt und die Rolle hätte man sich sparen können, eine Besetzung als alte Indianerin wäre besser gewesen. Im Abspann von Teil 3 wird sie auch erwähnt, ist mir im Film aber gar nicht aufgefallen! Sam ist in Teil 1 wirlich gut, verliert aber im 3 Teil komplett dem May Charakter.
Sam ist in Teil 1 wirlich genial, hat im 2 Teil seine Momente aber ab Teil 3 nichts mehr mit dem May Charakter zu tun.
Rattler ist ein super Bösewicht und der Beste Obermotz in allen 3 Teilen.
Der Oberschurke in Teil 2 ist extrem schwach und absolut nicht ernstzunehmen. Der Mann wird als Wahnsinnig dargestellt und knallt seine Mitsteiter einfach ohne wirklichen Grund nieder. Sorry aber solch einen Typen hätte die restlichen Bandenmitglieder in Wirlichkeit doch sofort kaltgemacht als ständig mit der Gefaht zu leben aus irgendeinen nichtigen Grund erschossen zu werden. Das Charmen Thema ist absoltut Schwachsinnig und nevt einfach nur.
Sander jr. finde ich streckenweise wirklich stark dargestellt, da er sehr gerissen den Apachen das Land nimmt, aber mußte er wirklich wieder Wahnsinnige Züge zeigen. Ein Aalglatter und fieser Geschäftsmann wäre da besser gewesen.
Die Filme:
Teil 1: Super, mit top Ausstattung und tollen Darstellen.
Teil 2: Sehr schwach! Eine schlechte Story und einem schwachen Bösewicht. Zum Glück der kürzeste Film!
Teil 3: Gut, hat mit Winnetou Teil 3 bis auf den Tot Winnetous nicht viel zu tun.
In allen drei Teilen fehlte der Humor der doch so May Typisch ist.
Die Musik: OK aber nichts besonderes, hat aber seinen Zweck erfüllt.
Fazit: Ich hoffe das noch weitere Teile folgen werden, dort kann man ja die Fehler vermeiden die man hier noch gemacht hat, vorallem ein Heldenhafter und starker Old Shatterhand muß einfach sein.
Re: Winnetou-Neuverfilmung 2016: Kritik zum Film
Verfasst: 26. Dez 2016, 21:13
von johnnycash
Hallo erstmal ...
ich hatte schon einiges bei Facebook auf der entsprechenden Seite gepostet. Leider werden dort teilweise anderslautende Meinungen mit wüsten Beschimpfungen kommentiert. Also ...
Man muss anerkennen, dass sich die Leute hier an ein heftiges Projekt gewagt haben. Nicht umsonst hat sich 50 Jahre niemand daran gewagt, bzw. gilt Karl May in Hollywood als unverfilmbar. Ist es nun Mut oder Wahnsinn, sowas zu machen. Ich denke, die bei RTL haben etwas von beiden. Es wird nie vermieden werden können, dass die neuen Filme mit den alten verglichen werden. Punkt. Egal, was die von RTL oder Rialto oder sonstwem sagen ... die alten Filme werden immer als Vorbild genommen. Im Endeffekt ist dann das rausgekommen, was ich schon geahnt habe. Nämlich ein Indianerfilm, wo zufällig die Namen Winnetou, Old Shatterhand usw. fallen. Nix anderes ist das. Es sind weder Karl May Filme, noch Winnetou Filme. Anerkennen muss man, dass die Macher bei Facebook ihr Ding eisenhart verteidigen und durchblicken lassen, bei einem Erfolg, wird es weitere Fortsetzungen geben.
Im Endeffekt muss man sagen ... sollen sie einfach machen, Ich denke früher oder später, werden diese Ambitionen auch wieder verschwinden.
Re: Winnetou-Neuverfilmung 2016: Kritik zum Film
Verfasst: 26. Dez 2016, 22:08
von OmasEnkel
Ach übrigens, während ich Teil zwei angesehen habe, kam eine kurze Einstellung einer kleinen Westernstadt, die mich extrem an die typischen Westernstädte der 60er Jahre Filme erinnert hat. Danach kam der Schnitt auf eine Szene, die in einem der Häuser spielt.
Ich war etwas verwundert, dass man nicht mehr von diesem Städtchen zeigt, wenn man es schon gebaut hat.
Im Abspann wurde mir dann klar, dass das Westernstädchen aus Winnetou 3 eingebaut wurde.
Da steht "Footage aus Harald Reinl`s Winnetou 3".
Desweiteren hat man das Städchen Miramonte aus "Winnetou und sein Freund Old Firehand" auch eingebaut aber nur sehr klein von weitem.
Mir wäre das aber nie bewusst geworden, wenn es nicht im Abspann gestanden hätte.
Re: Winnetou-Neuverfilmung 2016: Kritik zum Film
Verfasst: 26. Dez 2016, 22:11
von silbersee
Bevor ich ein wenig zum Film "Winnetou - Eine neue Welt" schreibe, möchte ich einen Teil der Nutzer bitten, ihre Beiträge doch zumindest grob Korrektur zu lesen. Einige der letzten Posts (nicht nur in diesem Thread) sind wirklich alles andere als schön zu lesen und fordern hier und da verschärften Einsatz der "kleinen grauen Zellen", um das Geschriebene zu entschlüsseln. Wie sagt Kaiser Franz Josef im "Weißen Rössl" so treffend: "Ja, ja, ich versteh' alles. Es kommt nur a bisserl konfus heraus." ;-) (Das ist nicht bös gemeint, aber selbst dem gutmütigsten Leser sträuben sich hier und da die Nackenhaare...)
Zu "Winnetou - Eine neue Welt":
(Ich schreibe hier nichts zu den Filmen, die morgen bzw. am 29. ausgestrahlt werden - ich habe sie schlicht noch nicht gesehen)
Nach großer anfänglicher Skepsis bin ich ganz glücklich, mich noch nicht en detail im Voraus zu den Filmen ausgelassen zu haben. Ich hatte (auch nach Lektüre der drei Romane) mit weit Schlimmerem gerechnet. Von einer geglückten Romanverfilmung ist das Ergebnis für mich aber doch zu weit entfernt. Sicher sind auch die Verfilmungen mit Barker, Brice und anderen bis auf wenige Ausnahmen weder gelungene May-Verfilmungen noch (zum Teil zumindest) überhaupt gute Filme. Auf eine Handvoll der "alten" Karl-May-Filme trifft aber diese Kritik (für meinen Geschmack) nicht zu. Sowohl der "Schatz im Silbersee" als auch "Winnetou I" (sowie "Der Schut" und "Das Vermächtnis des Inka") sind - bei allen Freiheiten gegenüber der Vorlage - Filme, die den vielbeschworenen Geist der Romane Karl Mays atmen.
Das (vielleicht) Wichtigste: Nik Xhelilaj ist ein guter Winnetou, kriegerischer als Brice, aber doch durch und durch edler Häuptling. Gojko Mitics Intschu-tschuna ist großartig (v.a. das Verhör Shatterhands im Kreis der Apatschenkrieger), Milan Peschel könnte ein grandioser Sam Hawkens sein, wenn das Drehbuch ihn ließe - und uns sowohl den albernen Schmonzens um "Mad Dog MacCarthy, den Büffelschlächter" als auch den Skalp und seine Rückgabe erspart hätte. Jürgen Vogel ein sehr guter Rattler, der seines Handlangers Ugly eigentlich gar nicht bedürfte. Die Entscheidung, Rattler zum Hauptschurken zu befördern und Santer für Teil 3 aufzusparen finde ich gar nicht verkehrt. Rainer Bock als Bancroft ist gut, Leslie Malton gibt seine Frau (an sich ein völlig unnötiger Charakter) gut gespieltes menschenverachtendes Gepräge.
Ugly war für mich genauso unnötig wie die Lady im Zug (auch wenn es Spaß machte, Marie Versini nochmal zu sehen), Klekih-petra habe ich nicht vermisst (lieber gar nicht, als zur Charge erstarrt). Alles ok soweit.
Henny Reents spielte die "Hure mit Herz" gut, aber ist so eine Figur (nebst passenden Dialogen wie "Du lutschst hier nur die Schwänze" etc.) in einem Familienfilm nötig? Nebenbei: moderneres Frauenbild als bei May, wie von den Machern annonciert, ist das auch nicht. Ärgerlich finde ich auch Nscho-tschi als Schamanin. Das gibt nichts Charakteristisches zur Figur, ist dafür historisch ein wenig schief. Iazua Larios ist aber als Typ großartig besetzt und spielt sehr gut.
Ja und dann - Wotan Wolke Möhring als Karl May/Old Shatterhand. Mit ihm kann ich mich gar nicht anfreunden. Weder Stimmlage noch Habitus haben mich überzeugt. Er wirkt ein bisschen linkisch. Inhaltlich finde ich die Figur auch arg missraten (dafür kann natürlich Möhring nichts): Wenn man schon Karl May in die USA reisen lässt - warum muss er dann aus Leipzig stammen, studierter Ingenieur sein, Schokoladenbilder sammeln und seinen Vater, einen Bergmann, heroisieren? Wenn man schon die Identifikation Autor - Figur nutzen will, dann hätte mir das authentischer deutlich besser gefallen.
Zwei Dinge haben mich dann regelrecht geärgert: 1. Sam Hawkens schickt Ugly mit Kopfschuss in den Fluß. Das ist (gerade für einen Familienfilm) ein Unding. Eine positiv besetzte Figur tötet nicht aktiv mit klarer Opferzuweisung durch die Kamera. Dasselbe gilt für Winnetou, der Rattler mit zwei Messern durch die Arme an der Brücke fixiert, kurz bevor diese explodiert. Das findet man weder bei May ("Schießt auf die Pferde" - einzige Ausnahme: Parranoh) noch bei Shatterhand, Winnetou und Hawkens in den alten Filmen (Stewart Granger als Surehand hingegen tötet sichtbar. Auch ein großes Problem dieser Filme).
Alles in allem, trotz viel Kritik: der insgesamt zufriedenstellende Eindruck überwiegt. Das hätte alles weit schlimmer kommen können.
Was die Bücher von Frau Edel usw. angeht: Schlimm. Unnötig. Schlecht (und sie machen Angst vor morgen Abend).
Trotzdem, Hans Wollschläger hatte nicht ganz Unrecht, als er 1963 schrieb: "Einen West-Roman kann jede machen, - einen Winnetou nur Karl May. Eine Western-Film kann jeder machen, - einen Winnetou-Film nur... - Lassen Sie also das Drehbuch von Karl May geschrieben sein: anders ist der gewünschte singuläre Erfolg nicht zu erwarten."
Re: Winnetou-Neuverfilmung 2016: Kritik zum Film
Verfasst: 27. Dez 2016, 00:58
von Formfehler
Jawohl!!! Herr Oberlehrer wird gemacht!!!!
Einen Werktreuen Karl May würde sich heute kaum jemand ansehen! Die Bücher liegen wie Blei in den Regalen der Buchhandlungen, in den meisten sind gar keine May Bücher mehr zu finden. Wer das nicht einsieht lebt leider in einer Traumwelt.
PS: Wenn der User"silbersee" Rechtschreib- und Grammatikfehler findet darf er sie behalten.
Re: Winnetou-Neuverfilmung 2016: Kritik zum Film
Verfasst: 27. Dez 2016, 09:11
von Rüdiger
Formfehler hat geschrieben:
Einen Werktreuen Karl May würde sich heute kaum jemand ansehen!
Das halte ich für Unsinn. Es kommt ganz darauf an wie man es macht. Wenn man es richtig gut macht, bedarf es keinerlei Veränderungen ...
(das ist wie beim Theater. Schlecht gemachte konventionelle Inszenierungen sind langweilig. Gut gemachte konventionelle Inszenierungen machen alles, was so an Neuerungen herumgeistert, ganz überflüssig ...)
Re: Winnetou-Neuverfilmung 2016: Kritik zum Film
Verfasst: 27. Dez 2016, 09:33
von mugwort
Rüdiger hat geschrieben:Formfehler hat geschrieben:
Einen Werktreuen Karl May würde sich heute kaum jemand ansehen!
Das halte ich für Unsinn. Es kommt ganz darauf an wie man es macht. Wenn man es richtig gut macht, bedarf es keinerlei Veränderungen ...
(das ist wie beim Theater. Schlecht gemachte konventionelle Inszenierungen sind langweilig. Gut gemachte konventionelle Inszenierungen machen alles, was so an Neuerungen herumgeistert, ganz überflüssig ...)
So was ähnliches habe ich mir gestern gedacht, als ich im Theater eine "moderne" Kinderfassung des "Gespenst von Canterville" ansehen durfte... Die 10jährige hat sich gelangweilt, der 7jährige war zwar entzückt, dass er mal "mitsingen" durfte, hat aber zu Hause sofort nach dem Buch verlangt.
Wie hier mittlerweile bekannt sein dürfte, bin ich, was die neuen Filme betrifft, absolut im 'Fan-Modus' - dennoch: So richtig verstanden habe ich auch nicht, warum man praktisch eine neue Handlung erfinden musste. Das, was (soweit ich es verstanden habe) die Filmemacher zeigen möchten, hätten sie - theoretisch - auch anhand der 'Originalhandlung' zeigen können.
Viele Grüße
Irmgad
Re: Winnetou-Neuverfilmung 2016: Kritik zum Film
Verfasst: 27. Dez 2016, 10:38
von Cinemascope
Die Frage die sich mir stellt ist "Warum muss man die Grundhandlung eines Winnetou 1 von Karl May dermaßen neu erfinden, um ihn zu modernisieren?
Reinl und Co. haben ihn auch auf die damalige Zeit bezogen "modernisiert" (Hut, Bart, Geschwätzigkeit, Körperstatur), haben es aber so liebevoll gemacht, dass man zumindest Hut und Bart am Anfang des Filmes noch sieht.
Aber warum kann man May nicht "modernisieren" ohne ihn so arg zu verändern? Eine Grizzlybärenkampf sahen wir noch vor wenigen Monaten in " The Revenant". Warum ist ein Kiowa-Überfall auf ein Eisenbahnerlager nicht modern?
Ein Zweikampf mit einem hühnenhaften Krieger, ein Schwimmduell, eine Mustang-Jagd oder eine zarte Liebesgeschichte.
Es wird einem immer der Vergleich zu den alten Filmen vorgeworfen. Das machen aber doch die meisten Kritiker dieser Filme gar nicht. Die Filme der 60er stehen eh als "Einzigartig" dar und können genau so wenig "modernisiert" oder fortgesetzt werden wie eine "Immenhof- oder Sissi-Trilogie".
Ich selbst mag Karl May in Buchform weniger, aber die Filme der 60er und die in den 60er Jahren ebenfalls stark "moderniserten" Hörspiele der Europa-Serie.
Ich hätte mir eine spannende Geschichte gewünscht, modernisiert in Realitätsdarstellung und Kameraführung, aber mit der verliebten Detaildarstellung eines Karl May und der stringenten Handlungsführung eines Hörspiels wie Old Shatterhand 1+2 von Europa. Dieses Hörspiel hätte einen prächtigen Film ergeben.
Hier ist definitiv keine moderne Neuinterpretation erfolgt.
Alleine die Rechtfertigung über die Verwendung der Lakota-Sprache ist in meinen Augen völlig absurd.
Erstens reden die Indianer im ersten Teil so wenig, dass es eh kaum ins Gewicht fällt, zweitens ist es wohl maximal 1% der Zuschauer aufgefallen, dass hier echtes Lakota gesprochen wird.
Und 3. wäre das vermutlich 99% der Zuschauer auch egal gewesen, welcher Dialekt da gesprochen wird. Ergo hätte man die Apachen auch "Apatschen" lassen sein können.
Im Nachhinein betrachtet verpufft doch dieses ganze PR-Gequatsche eines Christian Becker ziemlich in der Luft. Schon die dümmliche Darstellung der Schurken im ersten und zweiten Teil verbieten sich, wenn man einen modernen May hätte machen wollen. Nein mir war Rattler viel zu aufgesetzt.
Das erinnert doch teilweise zu stark an Freilichtbühnen-Niveau.
Ich kann mich nur aus meinem ersten Posting wiederholen. Mir ist dieses "Schön-Gerede" völlig zweifelhaft und kann es mir nur so erklären, dass leider schon viele Menschen durch die heutige Kinoüberflutung von Mainstreamfilmen völlig weichgewaschen sind.
Re: Winnetou-Neuverfilmung 2016: Kritik zum Film
Verfasst: 27. Dez 2016, 11:17
von Shatterhand24
Cinemascope hat geschrieben:Die Frage die sich mir stellt ist "Warum muss man die Grundhandlung eines Winnetou 1 von Karl May dermaßen neu erfinden, um ihn zu modernisieren?
Reinl und Co. haben ihn auch auf die damalige Zeit bezogen "modernisiert" (Hut, Bart, Geschwätzigkeit, Körperstatur), haben es aber so liebevoll gemacht, dass man zumindest Hut und Bart am Anfang des Filmes noch sieht.
Aber warum kann man May nicht "modernisieren" ohne ihn so arg zu verändern? Eine Grizzlybärenkampf sahen wir noch vor wenigen Monaten in " The Revenant". Warum ist ein Kiowa-Überfall auf ein Eisenbahnerlager nicht modern?
Ein Zweikampf mit einem hühnenhaften Krieger, ein Schwimmduell, eine Mustang-Jagd oder eine zarte Liebesgeschichte.
Es wird einem immer der Vergleich zu den alten Filmen vorgeworfen. Das machen aber doch die meisten Kritiker dieser Filme gar nicht. Die Filme der 60er stehen eh als "Einzigartig" dar und können genau so wenig "modernisiert" oder fortgesetzt werden wie eine "Immenhof- oder Sissi-Trilogie".
Ich selbst mag Karl May in Buchform weniger, aber die Filme der 60er und die in den 60er Jahren ebenfalls stark "moderniserten" Hörspiele der Europa-Serie.
Ich hätte mir eine spannende Geschichte gewünscht, modernisiert in Realitätsdarstellung und Kameraführung, aber mit der verliebten Detaildarstellung eines Karl May und der stringenten Handlungsführung eines Hörspiels wie Old Shatterhand 1+2 von Europa. Dieses Hörspiel hätte einen prächtigen Film ergeben.
Hier ist definitiv keine moderne Neuinterpretation erfolgt.
Alleine die Rechtfertigung über die Verwendung der Lakota-Sprache ist in meinen Augen völlig absurd.
Erstens reden die Indianer im ersten Teil so wenig, dass es eh kaum ins Gewicht fällt, zweitens ist es wohl maximal 1% der Zuschauer aufgefallen, dass hier echtes Lakota gesprochen wird.
Und 3. wäre das vermutlich 99% der Zuschauer auch egal gewesen, welcher Dialekt da gesprochen wird. Ergo hätte man die Apachen auch "Apatschen" lassen sein können.
Im Nachhinein betrachtet verpufft doch dieses ganze PR-Gequatsche eines Christian Becker ziemlich in der Luft. Schon die dümmliche Darstellung der Schurken im ersten und zweiten Teil verbieten sich, wenn man einen modernen May hätte machen wollen. Nein mir war Rattler viel zu aufgesetzt.
Das erinnert doch teilweise zu stark an Freilichtbühnen-Niveau.
Ich kann mich nur aus meinem ersten Posting wiederholen. Mir ist dieses "Schön-Gerede" völlig zweifelhaft und kann es mir nur so erklären, dass leider schon viele Menschen durch die heutige Kinoüberflutung von Mainstreamfilmen völlig weichgewaschen sind.
Bei dem Punkt das man Karl may auch Orginal getreu modern Verfilmen kann muss ich ihnen Recht geben. Doch macht dieser Punkt die neuen Filme so schlecht? Ganz klar Nein. Den sie sind für sich eigenständig. Und das sind die Filme der 60er auch. Die beiden einzigsten Karl may Filme der 60 er die noch sehr viel mit dem original Büchern zu tun haben sind Der Schatz im Silbersee und Winnetou 1. Danach hört es jedoch schnell auf. Wo ist in den Filmen Old Shatterhand, Old Firehand, Das Halbblut Apanatschi, Der Ölprinz, Old Surehand, Im Tal der Toten oder Winnetou 3 richtige Karl May Nähe. Winnetou 2 lasse ich an diesem Punkt außen vor, da der Film doch vieles des Buches aufweist doch auf einer ganz anderen weise erzählt wird. Und das ist der Punkt über den man mal nachdenken sollte. Den fast alle lieben die Filme der 60er und das obwohl diese nicht original getreu sind. Und aus diesem Grund werden die neuen Filme soviel kritisiert, da läuft doch irgendwas falsch ; )