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Re: Korrekturprogramm
Verfasst: 7. Aug 2008, 15:07
von markus
Rüdiger hat geschrieben:Wahnidee und Old Shatterhand im Tal der Toten, da machen wir einen richtig tiefsinnigen Film draus, ohne Worte und mit Musik von dem Komponisten vom Hitchcock, ich hab' mir den Namen nicht merken können.
;-)
Bernard Herrmann wars. Ich habs mal aus langeweile gemacht. Habe das Video "Das Fenster zum Hof" gestartet, den Ton weggemacht und als Ersatz die Musik von "Der mit dem Wolf tanzt" dabei laufen lassen. Und es passte. Die ganze Stimmung wurde ein wenig melodramatischer. Da sieht man mal wieder wie Musik die Stimmung, die Gefühle des Zuschauers beeinflussen kann. Hitchcock wollte es ja nie so richtig glauben. Er hätte ja am liebsten das ganze Leben Stummfilme gemacht. Wenns nach ihm gegangen wäre, würden wir heute die berühmte Duschszene aus "Psycho"
ohne Musik, ohne die nervig-schön kreischenden Geigen sehen müssen. Gott sei dank konnte Herrmann ihn eines besseren belehren.
Re: Korrekturprogramm
Verfasst: 7. Aug 2008, 15:40
von Rüdiger
Ich habe den Film noch nie gesehen, kenne nur die Szene, und in der bräuchte ich die "Musik" nicht ...
Sie kann unterstreichen, und sie kann zukleistern und verfälschen (die Musik). Wenn z.B. in May-Verfilmungen oder Freilichtaufführungen bei Überfällen, Kämpfen usw. oft locker-flockige Begleitmusik läuft, dann fällt das unter Verharmlosen, unter geglättetes, bereinigtes, um nicht zu sagen verlogenes Bild liefern, und ist abzulehnen. Töten und Sterben ist nun mal keine so gefällige Angelegenheit. Die Auseinandersetzungen im damaligen Amerika haben außerdem eine ganze Menge mit Dingen wie Völkermord und Vertreibung zu tun, da ist eine solche Musik völlig unpassend. In Filmen über den Holocaust z.B. würde man solch gefällige Musik ja auch nicht einsetzen.
Aber so weit wollen die meisten ja gar nicht denken. Bunte Ballerei mit Mord und Totschlag für die ganze Familie, bei Popcorn und Cola. Ist ja "nur Karl May", ist ja "nur Spiel". Ekelhaft.
Re: Korrekturprogramm
Verfasst: 7. Aug 2008, 16:06
von Rüdiger
So etwas zum Beispiel
"Abenteuer auf See, geheimnisvolle Schätze und grenzenlose Freiheit – mit diesen Begriffen verbinden wir das sagenhafte Leben der Piraten. Im Historischen Museum der Pfalz Speyer wurde der Anker geworfen, und es darf angeheuert werden.
Die Mitmach-Ausstellung „Die Piraten · Herrscher der sieben Weltmeere“ entführt junge Besucher zwischen vier und zwölf Jahren in ein großes Abenteuer:Wer waren die Piraten, wie haben sie gelebt und welches Ende nahm es mit ihnen? Außerdem können sich die Kinder auf die Suche nach einem geheimnisvollen Piratenschatz begeben.
Die Ausstellung verbindet Wissenswertes aus dem Leben berühmter Piraten wie Störtebeker und Blackbeard mit zahlreichen Spiel- und Erlebnisstationen. Die kleinen und großen Museumsbesucher können mit allen Sinnen erleben, wie es auf See zuging,was in einem Hafen passierte, und warum Teamgeist eine wichtige Sache ist.
Zur Ausstellung bietet das Junge Museum Speyer ein spannendes Begleitprogramm rund um das Thema Piraten an."
geht ja in etwa in die gleiche Richtung ...
Da frage ich mich wirklich, haben die (Museumspädagogen u.dgl.) wirklich nur noch Scheiße im Hirn ? (Du kannst auch z.B. "Müll" aus dem unfreundlichen Wort machen, lieber Admin, wenn's denn sein muß, der Thread heißt ja schließlich Korrekturprogramm ...)
"Mit allen Sinnen" ? Auch mit Kehle durchschneiden usw. ? Vermutlich nicht wirklich ...
Re: Korrekturprogramm
Verfasst: 7. Aug 2008, 16:56
von Rüdiger
Aber kommen wir wieder zu Erfreulicherem zurück.
Adäquate Musik, zwei schöne Fälle: 'Koyaanisqatsi' mit der Musik von Philip Glass, 'Der Tod in Venedig' mit dem Adagio aus Mahlers fünfter Symphonie.
Oder das, gerade gelesen:
›Beglückt und ohne Sorgen
Ging ich am frühen Morgen
Off meine Arbeit aus.
Da traf mich eene Eiche,
Und ach, als eene Leiche
Kam abends ich betrübt nach Haus.‹
Dieser majestätische Versch muß off die Melodie: ›Nun ruhen alle Wälder‹ gesungen werden.
(Hobble-Frank in 'Der Geist der Llano estakata')
:-)
Re: Korrekturprogramm
Verfasst: 7. Aug 2008, 17:06
von markus
Psycho ist genial, hast bisher was verpasst denke ich. Bei diesem Film, wie in vielen
Hitchcock-filmen mit Herrmanns Musik, unterstreicht die Musik die Handlung wie ein guter Wein das Essen unterstreichen soll und nicht der Geschmack des Weins den Geschmack des Essens totschlägt.
Es ist wahr daß das bei vielen Filmen leider nicht so der Fall ist, aber ich seh das ganz locker.
Re: Korrekturprogramm
Verfasst: 7. Aug 2008, 17:19
von markus
Rüdiger hat geschrieben:So etwas zum Beispiel
"Abenteuer auf See, geheimnisvolle Schätze und grenzenlose Freiheit – mit diesen Begriffen verbinden wir das sagenhafte Leben der Piraten. Im Historischen Museum der Pfalz Speyer wurde der Anker geworfen, und es darf angeheuert werden.
Die Mitmach-Ausstellung „Die Piraten · Herrscher der sieben Weltmeere“ entführt junge Besucher zwischen vier und zwölf Jahren in ein großes Abenteuer:Wer waren die Piraten, wie haben sie gelebt und welches Ende nahm es mit ihnen? Außerdem können sich die Kinder auf die Suche nach einem geheimnisvollen Piratenschatz begeben.
Die Ausstellung verbindet Wissenswertes aus dem Leben berühmter Piraten wie Störtebeker und Blackbeard mit zahlreichen Spiel- und Erlebnisstationen. Die kleinen und großen Museumsbesucher können mit allen Sinnen erleben, wie es auf See zuging,was in einem Hafen passierte, und warum Teamgeist eine wichtige Sache ist.
Zur Ausstellung bietet das Junge Museum Speyer ein spannendes Begleitprogramm rund um das Thema Piraten an."
geht ja in etwa in die gleiche Richtung ...
Da frage ich mich wirklich, haben die (Museumspädagogen u.dgl.) wirklich nur noch Scheiße im Hirn ? (Du kannst auch z.B. "Müll" aus dem unfreundlichen Wort machen, lieber Admin, wenn's denn sein muß, der Thread heißt ja schließlich Korrekturprogramm ...)
"Mit allen Sinnen" ? Auch mit Kehle durchschneiden usw. ? Vermutlich nicht wirklich ...
Falls dus nicht mitgekriegt hast lieber Rüdiger, das ist für Kinder;-)
Willst du denen die harte Wirklichkeit aufs Brot schmieren, da wo es nicht nötig ist? Reicht doch wenn wir Erwachsene fast täglich sehen müssen wie kaputt die Welt ist. Das kriegen die kleinen früh genug mit. Sollen spielen und sich vergnügen und wenn sie was ernstes wissen wollen, kommen sie von alleine.
;-)
Re: Korrekturprogramm
Verfasst: 7. Aug 2008, 17:33
von Rüdiger
markus hat geschrieben:
Falls dus nicht mitgekriegt hast lieber Rüdiger, das ist für Kinder;-)
Willst du denen die harte Wirklichkeit aufs Brot schmieren, da wo es nicht nötig ist?
Man muß ihnen nicht "die harte Wirklichkeit aufs Brot schmieren, da wo es nicht nötig ist". Aber man muß ihnen auch nicht ernste Dinge als harmlose Juxerei verkaufen.
markus hat geschrieben:
Reicht doch wenn wir Erwachsene fast täglich sehen müssen wie kaputt die Welt ist.
Ja, woran mag das denn zum Beispiel auch (unter anderem) liegen ... weil alles verlogen und falsch ist, und das fängt bei solchen Schwachsinnigkeiten wie Piraten für Kinder an.
markus hat geschrieben:
Das kriegen die kleinen früh genug mit.
Offenbar eben nicht. Wenn sie über vorenthaltene Kekse u.ä. schreien wie am Spieß, dann frage ich mich immer, was machen die, wenn es mal wirklich ernst wird ...
markus hat geschrieben:
Sollen spielen und sich vergnügen
Ja. Aber weder Piraten noch Cowboy und Indianer. Das ist beides idiotisch und verantwortungslos. Es denkt nur kaum einer richtig drüber nach.
Re: Korrekturprogramm
Verfasst: 7. Aug 2008, 18:09
von markus
Rüdiger hat geschrieben:markus hat geschrieben:
Falls dus nicht mitgekriegt hast lieber Rüdiger, das ist für Kinder;-)
Willst du denen die harte Wirklichkeit aufs Brot schmieren, da wo es nicht nötig ist?
Man muß ihnen nicht "die harte Wirklichkeit aufs Brot schmieren, da wo es nicht nötig ist". Aber man muß ihnen auch nicht ernste Dinge als harmlose Juxerei verkaufen.
markus hat geschrieben:
Reicht doch wenn wir Erwachsene fast täglich sehen müssen wie kaputt die Welt ist.
Ja, woran mag das denn zum Beispiel auch (unter anderem) liegen ... weil alles verlogen und falsch ist, und das fängt bei solchen Schwachsinnigkeiten wie Piraten für Kinder an.
markus hat geschrieben:
Das kriegen die kleinen früh genug mit.
Offenbar eben nicht. Wenn sie über vorenthaltene Kekse u.ä. schreien wie am Spieß, dann frage ich mich immer, was machen die, wenn es mal wirklich ernst wird ...
markus hat geschrieben:
Sollen spielen und sich vergnügen
Ja. Aber weder Piraten noch Cowboy und Indianer. Das ist beides idiotisch und verantwortungslos. Es denkt nur kaum einer richtig drüber nach.
Jetzt mach aber mal ein Punkt. Du hast keine Kinder was;-). Warst doch (ich behaupte es einfach mal frech;-)) auch mal klein.
Wenn man alles gleich verbieten würde was nicht einer Rationalität entspricht, tja dann würde das Leben gar keinen Spaß mehr machen. Ich habe als Kind auch Cowboy und Indianer gespielt, seltener Pirat. Was ist daran Verantwortungslos? Ich glaube wir sollten mal die Kirche im Dorf lassen. Was bist du heut so gut drauf Rüdiger, so kenn ich dich ja gar nicht:-))?
Vor ein paar Jahren wollten mal irgendwelche Politiker (weltfremde Sesselpupser),
da sie wohl langeweile hatten, Spielzeugpistolen für Kinder (Karneval) und Kaugummi- und Schokoladenzigaretten verbieten. Die Pistolen könnten ja das Gewaltpotenzial der Kinder erhöhen und die Zigaretten zum echten rauchen animieren. Das ich nicht leise kichere. Demnach müßte ich heute einer der schlimmsten kettenrauchenden Killer sein;-)). Alles quatsch. Genauso wie es quatsch ist zu behaupten daß Killerspiele am PC gewalttätig machen. Entweder das Gewaltpotenzial ist schon da oder nicht. Ich kann mir höchstens vorstellen daß die Gewalt unmittelbar durch solche Spiele geweckt wird, bei jemanden wo Gewaltpotenzial drin steckt.
Genau wie jetzt aktuell eine Politikerin die Überaschungseier für Kinder verbieten wollte, da die Gefahr bestünde daß das Ei mitsamt dem Spielzeug verschluckt werden könnte. Also da fällt mir nix mehr zu ein. Ehrlich nicht. Für soviel geistige Unzulänglichkeiten heutzutage habe ich kein Verständnis mehr.
Vieleicht wird ja irgendwann auch noch das atmen verboten, weil es ja sein könnte daß man schmutzige Luft einatmet. Obwohl morgen in der Dunstglocke Pecking würde ich es den Sportlern raten;-))
Re: Korrekturprogramm
Verfasst: 7. Aug 2008, 18:18
von Rüdiger
Die Gewalt ist ja schon da, da braucht es gar keine Spielzeugpistolen, die die erst zutage treten lassen müßten, Neenee ... Hat schon Wilhelm Busch sehr zutreffend geschrieben, sinngemäß: man sehe sich den Augenausdruck von Kindern beim Schweineschlachten an, da weiß man, wo der Hammer hängt ...
Neenee, um pädagogischen Schwachsinn dieser Art geht es mir überhaupt nicht.
Aber ich habe keine Lust mehr zu debattieren und zu erklären und mir hier den Kopf einzurennen. Die Welt ist halt ein verlogenes Irrenhaus, und das werde ich nicht ändern.
Ick jeh lieber Hobble-Frank lesen ...
("Ich sage nichts weiter"; Richard Wagner, unter der Partitur der "Götterdämmerung")
Re: Korrekturprogramm
Verfasst: 7. Aug 2008, 18:34
von Rolf Dernen
markus hat geschrieben:
Jetzt mach aber mal ein Punkt. Du hast keine Kinder was;-). Warst doch (ich behaupte es einfach mal frech;-)) auch mal klein.
Nee, war er nicht. Nie. Aber es ist doch komisch: ich habe als Kind all diese Indianerspielerei auch mitgemacht, trotzdem aber nach und nach ein Bewußtsein für die Verbrechen an diesen Menschen entwickelt. Aber vielleicht bin ich ein Genie?
markus hat geschrieben:
Wenn man alles gleich verbieten würde was nicht einer Rationalität entspricht, tja dann würde das Leben gar keinen Spaß mehr machen. Ich habe als Kind auch Cowboy und Indianer gespielt, seltener Pirat. Was ist daran Verantwortungslos? Ich glaube wir sollten mal die Kirche im Dorf lassen. Was bist du heut so gut drauf Rüdiger, so kenn ich dich ja gar nicht:-))?
Vor ein paar Jahren wollten mal irgendwelche Politiker (weltfremde Sesselpupser),
da sie wohl langeweile hatten, Spielzeugpistolen für Kinder (Karneval) und Kaugummi- und Schokoladenzigaretten verbieten. Die Pistolen könnten ja das Gewaltpotenzial der Kinder erhöhen und die Zigaretten zum echten rauchen animieren. Das ich nicht leise kichere. Demnach müßte ich heute einer der schlimmsten kettenrauchenden Killer sein;-)). Alles quatsch. Genauso wie es quatsch ist zu behaupten daß Killerspiele am PC gewalttätig machen. Entweder das Gewaltpotenzial ist schon da oder nicht. Ich kann mir höchstens vorstellen daß die Gewalt unmittelbar durch solche Spiele geweckt wird, bei jemanden wo Gewaltpotenzial drin steckt.
Genau wie jetzt aktuell eine Politikerin die Überaschungseier für Kinder verbieten wollte, da die Gefahr bestünde daß das Ei mitsamt dem Spielzeug verschluckt werden könnte. Also da fällt mir nix mehr zu ein. Ehrlich nicht. Für soviel geistige Unzulänglichkeiten heutzutage habe ich kein Verständnis mehr.
Vieleicht wird ja irgendwann auch noch das atmen verboten, weil es ja sein könnte daß man schmutzige Luft einatmet. Obwohl morgen in der Dunstglocke Pecking würde ich es den Sportlern raten;-))
Das mit den Überraschungseiern ist die neueste Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Lommt aus "The Land of the Free" = USA, wo der Import dieser tödlichen Mischungen aus Süßigkeit und Spielzeug schon des ländgeren untersagt ist. Blöd, daß auch da immer noch Cola aus Bechern getrunken wird; die Gefahr, daß die lieben Kleinen das Plastik bzw. die Pappe mitfressen, ist doch eigentlich viel zu groß.
Re: Korrekturprogramm
Verfasst: 7. Aug 2008, 18:50
von Rüdiger
ich habe als Kind all diese Indianerspielerei auch mitgemacht, trotzdem aber nach und nach ein Bewußtsein für die Verbrechen an diesen Menschen entwickelt.
Ich auch. - Wieso sollte ich nicht klein gewesen sein ? (Manchmal kommt halt irgendein Quark, vermutlich aus irgendeiner emotionalen Ecke ...)
(Die Schals, die sie bei Aufbruch aus Lokalen (ein Staatsakt ist nichts dagegen) immer eine gefühlte Viertelstunde (naja mit all den Mützchen, Fähnchen und sonstigen Accessoires) lang um den Hals gewickelt kriegen, werden vielleicht auch noch verboten. Nicht daß da mal einer falsch zieht ...)
Re: Korrekturprogramm
Verfasst: 7. Aug 2008, 19:28
von Angel
Ach, zu dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten hab ich auch noch was beizusteuern, ich bin im Platinnetz dem Forum für 50+ vertreten, da hat ein Mitglied einen Beitrag verfasst, schaut Euch nur mal an, was sich in den einzelnen Bundesstaaten der USA so alles in Schieflage befindet ... kurios
http://www.platinnetz.de/artikel/97071/ ... ige-wissen" onclick="window.open(this.href);return false;
Re: Korrekturprogramm
Verfasst: 7. Aug 2008, 20:21
von Rüdiger
Was haben die immer mit dem ollen Daumen ...
Re: Korrekturprogramm
Verfasst: 8. Aug 2008, 02:09
von Hermesmeier
Da liest man sich spät Abends durch die Foren und schüttelt mit dem Kopf.
Dass Politiker meinen, Ü-Eier nun verbieten zu müssen, hat erkennbar damit zu tun, dass sie die wirklich wichtigen Dinge nicht mehr geregelt bekommen, was vor allem drei Gründe hat. Erstens: weit verbreitete Inkompetenz. Zweitens: Es überkommt sie die Globalisierung wie das Wetter. Dagegen ist halt nichts auszurichten. Drittens: Es gibt in Deutschland mittlerweile so viele Gesetze, dass jedes neue mit bereits vorhandenen unvermeidbar kollidieren muss, weshalb die Regierungsgewalt mittlerweile kaum noch von der Legislative, sondern von der Jurisdiktion ausgeübt wird. Seit Jahren gab's kein größeres Gesetzesvorhaben, das nicht vom Bundesverfassungsgericht wieder kassiert worden wäre, falls nicht der Bundespräsident seine Unterschrift schon vorher verweigert hat. Selbst das Nichtrauchergesetz ham'se nicht hingekricht. Die erste Musterwiderrufsbelehrung wurde von deutschen Gerichten kassiert, um die novellierte Fassung wird gestritten. Aber es geht immer munter weiter. Was bleibt: versicherten Versand anzubieten, ist wettbewerbsrechtlich verboten. Wow. Das hat die Welt gerettet.
Um ihre Existenz hinfort zu rechtfertigen, suchen sich die Politiker unentdeckte Nischen im Kleinklein und regieren, besser regulieren in meinem Teller herum. Wie der Norm-Apfel, die Norm-Banane, das Norm-Ei und die Euro-Palette auszusehen hat, ist vermessen und festgehalten. Der Norm-Schniedel wird auch noch kommen - mit Balkencode. Das Ergebnis modernen Regierens ist zwar durchweg Schwachsinn, aber man erkennt wenigstens die Motivation dahinter.
Bei Rüdiger allerdings ... entgeht mir mittlerweile alles. Will Rüdiger die Kinder raus haben aus den Festspielen, damit's kein störendes Geplärre und Kindergeschrei mehr gibt? Hey: Karl May hat "Der Soldat James Ryan" nicht geschrieben! Seine Werke sind - geschrieben oder gespielt - immer noch Unterhaltung, und die will ich mir auch nicht nehmen lassen. Wenn ich die brutale Realtät, den Ernst des Lebens sehen will, dann schaue ich mir die täglichen Nachrichten an. Und wer es für pädagogisch sinnvoll hält, soll seine Kinder da mitgucken lassen.
Aber bitte nicht gleich das Kind mit dem Bade ausschütten. Man darf sich auch der Unterhaltung "für die ganze Familie" hingeben. Es gibt Fernsehserien, in denen in jeder Folge tonnenweise Blei verballert wird, ohne dass jemals einer getroffen wird (erinnert sich noch wer ans A-Team?). Ein neues Gesicht auf der Commando-Brücke der Enterprise? Jeder weiß, die Figur wird die Folge nicht überleben. Warum nicht spaßeshalb die Minuten zählen? Es geht hier nicht, auch nicht bei May, um den Ernst des Todes. Letzteren nimmt man - weil ohnehin unvermeidlich - besser mit Humor (warum nicht mit locker-flockigem Martin Böttcher; meinetwegen auch derb wie in "Das Leben des Brian": "Always look on the bright side of life"). Warum soll man sich (und den Kindern!) beim Warten darauf auch noch den Tag vermiesen?
Ich schlage jedenfalls kein May-Buch auf, um der brutalen Realtität ins Antlitz zu blicken. Im Gegenteil: Ich lese Karl May, um der Realität zu entfliehen, und ich halte das für legitim.
Wenn dem Rüdiger die Festspiele nicht gefallen - meine Welt sind sie auch ganz und gar nicht - dann kommen wir alle doch ganz gut ohne einander klar, ohne auch noch vorschreiben zu müssen, ob bei fiktiven Überfällen Martin Böttcher oder Gustav Mahler angebrachter wäre. Im Theater können Kinder den Ernst des Lebens resp. Todes eh nicht lernen, weil sich alle Gemeuchelten beim Schlussapplaus wieder zur Verbeugung einfinden, ganz quicklebendig - wenigstens im Idealfall.
Mir wäre es ganz lieb, pädagogische Ideen, Bedenken, Empfehlungen, sonstige Einwürfe, könnte man im Zusammenhang mit Karl May ganz unterlassen. Da kam in der Vergangenheit nichts gutes bei heraus. Selbsternannte Volkserzieher und pharisäerhafte Jugendschützer haben May aus Schulbibliotheken entfernen lassen (oder dieses versucht) oder zu anderen Zeiten wieder besonders empfohlen. Die erzieherische Wirkung von Büchern im positiven wie im negativen Sinne wurde und wird hoffnungslos überschätzt. Ich will einfach nur Spaß haben, ohne tiefsinnigen Gedanken nachhängen zu müssen. Warum sollte man das Kindern nicht gönnen?
Re: Korrekturprogramm
Verfasst: 8. Aug 2008, 07:54
von Rüdiger
Karl May hat "Der Soldat James Ryan" nicht geschrieben! Seine Werke sind - geschrieben oder gespielt - immer noch Unterhaltung
Es geht hier nicht, auch nicht bei May, um den Ernst des Todes
Ich schlage jedenfalls kein May-Buch auf, um der brutalen Realtität ins Antlitz zu blicken. Im Gegenteil: Ich lese Karl May, um der Realität zu entfliehen
Das sehe und empfinde ich halt völlig anders. Ich denke z.B. an etliche unendlich grausame Szenen in „Old Firehand“, die schreckliche Bärenattacke auf das Kind im „Sohn des Bärenjägers“, den Überfall auf das Sklavendorf in „Im Lande des Mahdi“, die „Both Shatters“, um nur ein paar Beispiele zu nennen, die mir spontan einfallen, es gibt sicher unzählige mehr.
Und: wenn z.B. Winnetou oder Rih stirbt oder Ellen zu sterben droht oder Hadschi Halef, dann ist das für mich nicht „Kitsch“ und nicht „Herzschmerz“ oder „Rührseligkeit“ im Sinne von Unterhaltung, die letzten Endes mit einem selber ja nichts zu tun hat, sondern da geht es um Leben und Tod, und das kann man ganz real ganz nah an sich heranlassen und todernst nehmen, sonst lohnt es sich ja m.E. auch gar nicht zu lesen. Mir sind beim Tod des Wurzelsepp oder bei einigen Stellen der Pestepisode in Band 3 die Tränen gelaufen, und das finde ich auch gut so. Ich möchte daß Literatur mich erreicht, und nicht daß sie an mir abplätschert.
dann kommen wir alle doch ganz gut ohne einander klar, ohne auch noch vorschreiben zu müssen, ob
Na klar. Ich sage ja auch nur, ich finde die Musik unpassend. Ich würde bestimmt nicht so weit gehen zu sagen „So und so hätte die Musik geschrieben werden müssen, aber vielleicht hatten sie ja meine Texte nicht gelesen“, das wäre ja wirklich lächerlich. Kleiner Scherz am Rande.