KMG-Kongress

giesbert
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Beitrag von giesbert »

Rüdiger hat geschrieben:Neenee, nix projizieren … Archetypen, you know. Und gegessen, getrunken, geschlafen (z.B.) usw. usf. hat der Mensch damals schon. Und die Wesen, die Mechanismen usw. waren auch die gleichen, da brauchen wir gar nicht projizieren.
Die Taten waren natürlich ähnlich, die Motive und die Beurteilungen zum Teil ganz gravierend anders. (Bereits die Behauptung, "die Wesen, die Mechanismen" seien die gleichen wie heute ist eher gewagt.)

Und ich bin jetzt zu müde.
Sylvia
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Beitrag von Sylvia »

@Giesbert, Du meinst, wenn der Achilles müd' war, dann war er es, weil die Götter es so wollten?

@Sandhofer, da war noch was unbeantwortet:
Ich schrieb:
"Einmal, wie kann man May heute noch interessant machen für die Nachkömmlinge, [...]
Du schriebst:
Man beantworte mir die - zugegebenermassen ketzerische - Frage, warum man das machen sollte ..."

Dazu fällt mir jetzt nur ein: Weil May heute noch "im Gebrauch" ist. Sein Name muss für einiges herhalten, und er ist meiner humblen Meinung nach schon noch bekannt - die Generation, die ihn gern gelesen hat, ist noch nicht ausgestorben! - schon deswegen soll man den "echten" May pflegen. Pfleg'!

Was hattest Du für eine Schneewittchenbearbeitung gelesen?! Schneewittchen und die Zwerge gehören zusammen. Ich glaube, es waren 7...
Sylvia
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Beitrag von Sylvia »

Und was regt Ihr Euch immer so auf, wenn May mit Kinderzimmer in Verbindung gebracht wird - habt Ihr May nur im Wohnzimmer gelesen?
sandhofer
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Beitrag von sandhofer »

Sylvia hat geschrieben:Und glaubt Ihr denn wirklich, dass man mit irgendeiner Maßnahme die Leute dazu bringen kann, May bekannter zu machen. Was wollt Ihr denn? May in der Schule?
Ich will - und darin unterscheide ich mich prinzipiell von der KMG und vielen andern - gar nichts. (Ausser meinen Spass zu haben bei der Lektüre von May.)
Sylvia hat geschrieben:Und keine Seitenhiebe auf den Monsieur! May selber hat sich stellenweise für Old Shatterhand gehalten..
Quod licet Jovi non licet bovi. ;o)
Sylvia hat geschrieben:May ist doch nun in jeder Fassung zu haben, nicht? Lesen die Leute nun mehr May? Nö. Und würden sie mehr lesen, nur weil ein lLiteraturwissenschaftler sagt, May sei literaturwissenschaftlich besonders wertvoll?
Wie Du selber schon festgestellt hast: Beide Male ganz klar "nein". Aber in der sog. "Szene" hält sich offenbar dieser Glaube. Anders kann ich mir nicht erklären, warum auch Nicht-Literaturwissenschafter so verzeifelt nach einer HKA rufen.
giesbert hat geschrieben:Was wissen wir von Goethe oder von Schiller?
Wir, Giesbert, sehr viel. Otto Normalverbraucher wird allenfalls wissen, dass die beiden dicke Freunde waren, in Weimar lebten und dass Schiller in seiner Schreibtischschublade faulende Äpfel hielt, weil ihn der Geruch beim Dichten stimulierte, während Goethe ein alter geiler Bock war ...
giesbert hat geschrieben:
Sylvia hat geschrieben:So ganz ist mir das auch noch nicht klar, worauf Sandhofer hinaus will.
Mein Tipp: das weiß er auch nicht so recht ;-)
Doch. Ich reagiere allergisch auf Leute und/oder Institutionen, die da glauben, eine Mission haben zu müssen. Der Germane kann ja offenbar May nicht lesen, ohne dass ihn ein pädagogischer Furor packt, und er einen Verein gründet, der May zu lesenswerter und absolut unabdingbarer Hochliteratur erklärt, die nun natürlich der Masse mit allen Mitteln zugeführt werden müsse. Wie mein Lieblingslord zu sagen pflegt: "Nonsense!"
giesbert hat geschrieben:Und statt dessen ganz naiv seine Jetztzeit auf die Antike projiziert. Und prompt glaubt, Homer sei doch quasi selbstverständlich. (Was er natürlich nicht ist.)
Sicher gibt es jenseits dieses schlichten Verständnisses mehr bei Homer. Aber es ist m.M.n. dieses schlichte Verständnis, das grundlegend dazu beiträgt, Homers Werke am Leben zu erhalten. Alles andere ist Sekündär(literatur). Wenn, wie ich Sylvia verstehe, einzig das Sekundäre dazu beitragen soll, das Werk eines Autors zu erhalten, sind wir im Bereich des Spezialisten, der Klopstock, Fischart und Gellert liest. Der Spezialist hat ebenso wie die historisch-kritische Betrachtung und Ausgabe seine Berechtigung - kein Zweifel. Aber Spezialisten schreiben und arbeiten immer nur für andere, gleichgeartete Spezialisten. Massentauglich ist so was nicht.

$ 0.02
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

Was hattest Du für eine Schneewittchenbearbeitung gelesen?!
Nix Bearbeitung. Er hat es halt richtig verstanden.

;-)
Sylvia
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Beitrag von Sylvia »

Es schrieb also der Sandhofer:
"Wenn, wie ich Sylvia verstehe, einzig das Sekundäre dazu beitragen soll, das Werk eines Autors zu erhalten, sind wir im Bereich des Spezialisten, der Klopstock, Fischart und Gellert liest. Der Spezialist hat ebenso wie die historisch-kritische Betrachtung und Ausgabe seine Berechtigung - kein Zweifel. Aber Spezialisten schreiben und arbeiten immer nur für andere, gleichgeartete Spezialisten. Massentauglich ist so was nicht."

Ja gut.
Aber zu seiner Zeit war May in jeder damals verfügbaren Fassung massentauglich. Warum? Das kann man (sich) erklären, wenn man über die damalige Zeit Bescheid weiß.
Und heute ist May massentauglich in seinen .. ich sag' jetzt nicht Auswüchsen, was sag ich denn? , hm, wie wäre es mit: Fortführungen? als Festspiel-, Film- und Hörspielbearbeitungen.
Und das ist schon interessant. Kann man daraus nicht schließen, dass May etwas geschaffen hat, was nicht nur in seiner Zeit Gültigkeit hatte?
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

wie wäre es mit: Fortführungen
Ja, zum Teil ganz weit fort ...

;-)
giesbert
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Beitrag von giesbert »

sandhofer hat geschrieben:Sicher gibt es jenseits dieses schlichten Verständnisses mehr bei Homer. Aber es ist m.M.n. dieses schlichte Verständnis, das grundlegend dazu beiträgt, Homers Werke am Leben zu erhalten.
Je nun. Die Stoffe & Motive Homers, das ja - aber Homers Werke eher nicht. Auch hier ein Problem der Bearbeitung ;-)
giesbert
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Beitrag von giesbert »

Sylvia hat geschrieben:@Giesbert, Du meinst, wenn der Achilles müd' war, dann war er es, weil die Götter es so wollten?
Sowas in der Richtung.

Ein konkretes Beispiel: Unsere Vorstellung von der Antike als "edle Einfalt / stille Größe" und den schneeweißen Tempeln & Statuen ist (a) eine Konstruktion des 19. Jhrds. und (b) falsch. Letztes oder vorletztes Jahr war hier in München eine Ausstellung mit Rekonstruktionen: Die Statuen und Tempel waren KNALLBUNT. Dass sie farbig waren, wusste man aus zeitgenössischen Texten, durch Partikelanalyse konnte man auch die Farbtöne bestimmen. Das war eine völlig irre Erfahrung, der erste Anblick dieser bunten Statuen (ich war leiderleider nicht in der Ausstellung, aber es gab natürlich massig Fotos & Berichte), das sah aus, als hätten Kinder mit jeder Menge Buntstifte und Zeit sich daran zu schaffen gemacht.

Um den Bogen zu May zu schlagen: Wer die "Sklavenkaravane" liest, der liest erstmal eine spannende Jugendgeschichte. Noch spannender wird die Sache allerdings, wenn man erfährt, dass May sich das nicht aus Jux & Dollerei aus den Fingern gesogen und er genau so gut auch etwas völlig anderes hätte schreiben können, sondern dass er auf die tagesaktuelle Diskussion zu Deutschlands Haltung zur Sklavenfrage reagierte und wie er das tat. Zeilinger hat dazu einen interessanten Vortrag gehalten.
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

Sicher gibt es jenseits dieses schlichten Verständnisses mehr bei Homer.
Die Frage ist auch, was unter schlichtem Verständnis verstanden wird.

Wenn ich z.B. der Meinung bin, Homers Polyphem ist nicht wirklich einäugig bzw. darum geht es eigentlich nicht, sondern die Einäugigkeit steht symbolisch oder gleichnishaft auch für Kälte, Egoismus, fehlendes soziales Empfinden & Verhalten, Reduzieren der Dinge um eine Dimension auf simple „Verwertbarkeit“ (was will er, außer Fressen, anfangen mit den Leuten …) usw., dann brauche ich dazu nichts von griechischer Mythologie, Geschichte usw. usf. zu verstehen, sondern kann das ganz „naiv“ und sozusagen aus dem Bauch heraus so sehen.

Und von wegen „darum geht es eigentlich nicht“ (s.o.), da sind wir wieder bei der frühkindlichen Blindheit. Muß nicht, aber kann. Es geht um anderes (die Abwesenheit von "Licht", im weitesten Sinne).

;-)
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

Wer die "Sklavenkaravane" liest, der liest erstmal eine spannende Jugendgeschichte. Noch spannender wird die Sache allerdings, wenn man erfährt, dass May sich das nicht aus Jux & Dollerei aus den Fingern gesogen und er genau so gut auch etwas völlig anderes hätte schreiben können, sondern dass er auf die tagesaktuelle Diskussion zu Deutschlands Haltung zur Sklavenfrage reagierte
Wenn man dann noch darauf hingewiesen hätte dass es bei Karl May am Schluß über den Sklavenhändler heißt

„Nur Hasab Murat dachte im stillen anders. Er hatte in Abu el Mot einen ihm gefährlichen Konkurrenten vernichten helfen und nahm sich vor, zwar bei dem einträglichen Geschäft zu bleiben, es aber schlauer zu betreiben als bisher und dabei mehr Menschlichkeit walten zu lassen. Die erlebten Scenen waren nicht ohne Eindruck selbst auf ihn geblieben.“

dann wäre es noch spannender oder interessanter gewesen …

(das gab’s damals schon, das schlaue Weiterbetreiben einträglicher Geschäfte mit „mehr Menschlichkeit“).

(Andererseits … hätte sich jemand anschließend im Museumsshop das Buch gekauft um die Stelle nachzuschlagen, hätte er sie auch vergeblich gesucht … Er hätte nur

"Auch Hasab Murat war vom Sklavenhandel bekehrt; die erlebten Szenen waren nicht ohne Eindruck auf ihn geblieben.-"

gefunden.)

;-)
Sylvia
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Beitrag von Sylvia »

Ist ein spannendes Werk "Die Sklavenkarawane"! Zuhause habe ich dazu noch einen hübschen alten Wälzer ohne Datierung, Fraktur, farbige Illustrationen: Emin Pascha, Sein Leben und seine Reisen, Der reiferen Jugend dargestellt von Conr. Fischer-Halllstein. Berlin. Globus Verlag.
Ich dächte, May hat die Skavenkarawane auf Anregung seines Verlegers geschrieben?
Sylvia
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Beitrag von Sylvia »

Ist ein spannendes Werk "Die Sklavenkarawane"! Zuhause habe ich dazu noch einen hübschen alten Wälzer ohne Datierung, Fraktur, farbige Illustrationen: Emin Pascha, Sein Leben und seine Reisen, Der reiferen Jugend dargestellt von Conr. Fischer-Halllstein. Berlin. Globus Verlag.
Ich dächte, May hat die Skavenkarawane auf Anregung seines Verlegers geschrieben?

Die Elefantenjagd allerdings kann ich heute noch nicht genau lesen.
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

Ich dächte, May hat die Skavenkarawane auf Anregung seines Verlegers geschrieben?

Die Elefantenjagd allerdings kann ich heute noch nicht genau lesen.
Ad 1: Das widerspricht ja nicht dem was Giesbert gesagt hat. Da werden sich die beiden einig gewesen sein daß sie da ein heißes Thema hatten.

Ad 2: Üben, üben ...

;-)
Rüdiger

Beitrag von Rüdiger »

noch was von wegen Elefantenjagd:

ich trag auch, je nach Tagesform, Spinnen mit der Glas-Methode nach draußen …

… und gucke mir andererseits, neulich in der Fußgängerzone, ganz genau an was Sache ist; da war ein Plakat, bei den Tierschützern, Hund am Haken, mein lieber Schwan … ich will schon wissen was abgeht, schonungslos. Hingucken. Auch wenn es einem nicht gut dabei geht. Pasta. Warum sich was vormachen ?
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