Lesebericht Hohensteins Halef

kleinerhalef
Beiträge: 39
Registriert: 3. Dez 2011, 09:46

Lesebericht Hohensteins Halef

Beitrag von kleinerhalef »

Anscheinend hat vor mir noch keiner dieses Werk gelesen?
Hier hat unbedingt der Mayster selbst seinem Epigonen beigestanden! Es gibt alles, was wir bei May kennen und lieben, und noch mehr. Nicht nur die poetische Landschaftsbeschreibung, den bekehrten Gotteslästerer, die unvermeidlichen Konflikte unter Weißen oder zwischen roten Stämmen und sehr maygerechte Kämpfe - die Personen, der Stil und die Geschichte selbst erkennt man sofort als echten May! Die Frauen sind emanzipierter, Halef hat nicht nur zugenommen, sondern ist auch sehr gereift, und der Icherzähler beweist mitunter köstliche Selbstironie. Sogar manche "Unbegreiflichkeit" in der Handlung vermute ich jetzt als gewollt.
Und noch dazu geht es ohne Tote in den Kämpfen ab, ohne dass die Spannung darunter leidet, und die Grausamkeit der Bösen schreckt auch ohne detaillierte Schilderung. Gottes Gerechtigkeit und Allahs Hilfe oder umgekehrt sind immer dabei. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dem Mayfan etwas fehlen könnte.
Ich bin selbst nicht mit allzu hohen Erwartungen eingestiegen, doch ich wurde aufs Angenehmste überrascht.
Über einige Szenen wird bestimmt diskutiert werden, freu mich drauf.

Kandolf hat May imitiert, Hohenthal hat ihn gelebt!

Das Buch ist eine echte Bereicherung in meinem Mayschrank, und ich befürchte nur, daß die schmerzlich vermißte Fortsetzung lange oder gar ewig auf sich warten läßt...