Rüdiger hat geschrieben:"kein Grund zum Kriesche" soll Adenauer gesagt haben, als sie alle entsprechend um ihn herumstanden, und so seh' ich das auch. Mays Leben war mit den letzten Werken und dem Vortrag in Wien vollendet. Wie sagt der eine in den 'Buddenbrooks', "ich dachte, es käme nichts mehr", und wenn es denn soweit ist, dann ist es ok. Am Anfang von "Antonias Welt", da wird auch gesagt daß die Antonia weiß daß es heute soweit ist, und wie ich meinen Karl kenne, könnte es auch bei ihm so gewesen sein. Entsprechend bewußt und sensibilisiert dürfte er zu der Zeit / in dem Alter gewesen sein.
Mit anderen Worten: Es hätte nach Mays Tod nichts mehr kommen brauchen, jedenfalls keine gesammelten Werke, Bühnen, Filme etc. (und vieleicht auch keine HKA, wie ich aus einigen aktuellen Beiträgen von dir im Stiftungsforum zwischen den Zeilen heraus lesen kann, oder ich irre mich und dir gehts nur um den Editorischen Bericht). Es genügt wenn es Reprints gibt (oder auch Weltbild- Stuttgarter Ausgabe), mehr braucht es nicht um May zu verstehen, wenn man denn das Talent dazu hat ihn zu verstehen.
Ich maße mich nicht an ihn in der kurzen Zeit schon voll verstanden zu haben. Aber es ist im Grunde leicht und es wird immer leichter, vor allem weil hier einige wenige Forumsteilnehmer Dinge erläutern, die bei mir "Klick" machen. Ich versteh nicht warum sich viele mit May so schwer tun, das war er nicht. Warum müssen sie auf Teufel komm raus eine Chronologie reinbringen, so mühseelig und am Ende scheitern sie doch. Oder historische Fakten, die sind bei May zwangsläufig zum scheitern verurteilt (zumal es bei May gar nicht darum geht, das ist etwas für die Geschichtsbücher, bei May geht es um Geschichten). Oder Asynchronitäten. Wenn der Held beschreibt in welcher Zeit er von A nach B gelangt ist, diese Strecke aber nie in der Zeit geschafft hätte bla bla... Dazu müßte ich mir jedesmal einen Atlas zur Hand nehmen und ausrechnen wie schnell er geritten ist oder gegangen. Wer macht denn sowas?
Ich hoffe die meisten verstehen was ich meine, weiß nicht wie ich es sonst ausdrücken soll, aber man muß bei May ganz einfach ran gehen, nicht kompliziert, die Erzählung die man lesen will ganz leicht auf sich wirken lassen und nicht zuviel nachdenken ob sie wahr gewesen sein könnte oder nicht. Es geht bei May nicht primär um die eigentliche Handlung, obwohl das Abenteuer in das alles gepackt ist schon dazu gehört, es trägt alles, es geht darum daß May mit uns reden will, oder sagen wir, er führt Selbstgespräche und wir lauschen unbewußt seiner Worte... Oje, jetzt wirds vieleicht doch kompliziert, denkt man sich, aber wenn mans weiß ists ganz leicht.
Oder, entweder hat mans oder man hats nicht. Entweder liebt man May oder nicht, dazwischen gibts (fast) nichts.
Howgh;-))