17.03.2010: WDR Radio: Hans Wollschläger

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Rüdiger

Re: 17.03.2010: WDR Radio: Hans Wollschläger

#46 Beitrag von Rüdiger » 21. Mär 2010, 18:17

IDDOC hat geschrieben:
Dahlke,Freud,Reich das passt schon.
Ja, das paßt.

(Erläuter': er meinte das ironisch-provokant, th'is clear, war sich aber offensichtlich nicht bewußt, daß er sich damit kräftig selber ins eigene Fleisch schneidet.)
IDDOC hat geschrieben:
Ich habe leider zu lange Wissenschaft getrieben um zu glauben statt zu verstehen.
Ich könnte jetzt ja sagen, ich habe zu lange intuitiv erkannt um an trockenem Faktenwissen zu kleben anstatt durchzublicken, aber das klänge etwas motzig und wäre auch übertrieben. Also lasse ich das.

:-)
IDDOC hat geschrieben:
Das[s] wird nichts.
Nee, eben. Die Ansätze sind zu unterschiedlich. Aber, apropos Ansätze, so ganz geb' ich die Hoffnung in dem Fall ja noch nicht auf ... (Was heißt Hoffnung, eigentlich ist es mir schnurz ...) Irgendwann macht's vielleicht auch mal bei Herrn Math 'Klick' ...

;-)
IDDOC hat geschrieben:
Trotzdem einen schoenen Beginn der Woche.
Danke gleichfalls.

;-)

Rüdiger

Re: 17.03.2010: WDR Radio: Hans Wollschläger

#47 Beitrag von Rüdiger » 21. Mär 2010, 18:46

Rüdiger hat geschrieben:
Irgendwann macht's vielleicht auch mal bei Herrn Math 'Klick' ...
Lassen wir unsere Phantasie spielen … (für Anregungen bedanke ich mich u.a. bei dem wunderbaren Film „When night is falling“; klingt blöd, was, bedanke ich mich bei dem Film … aber wenn ich jetzt Buchautor, Drehbuchautor, Produktion, Regie, Darsteller, Komponist und was weiß ich noch aufzähle wird’s zu lang … außerdem weiß ich weder wer das alles jeweils war noch wer nun im einzelnen für was „verantwortlich“ war, ich bedanke mich also der Einfachheit halber ganz unwissenschaftlich sozusagen beim Ergebnis)

Also, Herr Math wird scheinbar „unheilbar“ krank, kein Kollege kann ihm helfen; er lernt eine junge, hübsche Geistheilerin kennen, die ihn versteht und mag und ihn mit Hilfe von Homöopathie, Handauflegen, Astro-Analyse und sonstnochwas völlig heilt, das ganze Elend ist sozusagen wie weggeblasen. Er bricht aufgrund dieser fundamentalen Erfahrung mit allen früheren Kollegen, lässt sich scheiden und Frau Frau und Kinder Kinder sein, sogar die zahlreichen Autos läßt er stehen, und zieht mit der neuen Liebe von dannen, in eine materiell völlig ungesicherte Zukunft (eine Praxis wollen sie aufmachen, na wenn das mal gut geht …). Er erkennt, daß er jahrzehntelang auf dem völlig falschen Dampfer war. Halleluja. (Das war jetzt ein Zitat aus dem Film, das wird da gesungen am Schluss. Und ein Hund springt aus seinem Grab. Hab’ schon Leute gehört die fanden das kitschig. Kann man nichts machen.)

:-)

;-)

IDDOC
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Re: 17.03.2010: WDR Radio: Hans Wollschläger

#48 Beitrag von IDDOC » 21. Mär 2010, 20:22

Daran gefaellt mir die junge huebsche Geistheilerin,ich dachte das waeren immer alte haessliche Weiber.
Erinnert mich ansonsten irgendwie an Nandini , eine junge huebsche Postdoc in meinem Labor damals in Florida.

Rüdiger

Re: 17.03.2010: WDR Radio: Hans Wollschläger

#49 Beitrag von Rüdiger » 21. Mär 2010, 20:28

Ah ja. Also zumindest eine von den Sachen kennt er. Entweder Homöopathie oder Handauflegen oder Astroanalyse.

:-))

IDDOC
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Re: 17.03.2010: WDR Radio: Hans Wollschläger

#50 Beitrag von IDDOC » 22. Mär 2010, 03:57

Handauflegen

Rüdiger

Re: 17.03.2010: WDR Radio: Hans Wollschläger

#51 Beitrag von Rüdiger » 22. Mär 2010, 08:23

Dazu fällt mir ein Witz ein ... mit einer Masseuse in Schweden, die ihren Kunden in knapper Form fragt ob er auch Schwede sei, was der aufgrund Nichtbeherrschens der Landessprache mißversteht ... aber solch läppisch-verklemmten Altmänner-Verbalsexismus hat der Thread um Hans Wollschläger nun wirklich nicht verdient. Ich bin ja schon still.

:-)

IDDOC
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Re: 17.03.2010: WDR Radio: Hans Wollschläger

#52 Beitrag von IDDOC » 22. Mär 2010, 14:45

Was gefaellt Dir eigentlich an Wollschlaeger ?Ich gebe zu nur die May-Biografie (und da gibt es mittlerweile bessere) und ein paar Texte in alten KMG Jb der 70er zu kennen.Die hielt ich fuer unsinnig soweit sie einen sog.psychoanalytischen Ansatz hatten (siehe oben).
Verstanden habe ich,das er ein grossartiger Rezitator war.Aber was ist mit dem Schriftsteller ?

Rüdiger

Re: 17.03.2010: WDR Radio: Hans Wollschläger

#53 Beitrag von Rüdiger » 22. Mär 2010, 15:01

Er liegt mir. Seine Texte gehen mir manchmal, oder sagen wir ruhig, oft, 'runter wie Öl. Seine Art zu formulieren, seine Gedanken, Anspielungen, seine Art zu schreiben, anzudeuten, dezent zu verpacken, oft mit gnadenlosem Sarkasmus und immer feinstgeschliffen auf den Punkt gebracht, für mich ein Hochgenuß. Da gehen die Ansichten und Geschmäcker freilich beträchtlich auseinander, ich weiß. Viele finden seine Sätze schon aufgrund ihrer manchmal beträchtlichen Länge und scheinbarer Kompliziertheit als, gelinde gesagt, anstrengend. Es ist wie im Leben, der eine liegt einem mehr, der andere weniger. Wollschläger liegt mir dermaßen, wie ich es gleich oder stärker nur bei einem erlebt habe: Karl May.

Es ist auch keineswegs so, daß mir intellektuelle Texte generell lägen. Bei Sloterdijk oder Foucault z.B. bin ich bislang nie wirklich weit gekommen ... (wie schrieb Karl May, die Werke der Philosophen glänzten in seiner Bibliothek, glänzten daher, weil er sie kaum in die Hand nehme ...)

Wir hatten es ja heute morgen im anderen Forum in Sachen Menschen ... dazu hat er auch einen sehr hübschen Satz geschrieben: " ... und habe mich wirklich nur zögernd und unter dem vollen Druck meiner Einsichten dazu entschlossen, die Menschheit nur noch in begründeten Einzelfällen zu lieben."

;-]

markus
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Re: 17.03.2010: WDR Radio: Hans Wollschläger

#54 Beitrag von markus » 22. Mär 2010, 15:17

Wollschlägers May-Biographie "Grundriß eines gebrochenen Lebens" glänzt auch in meinem Regal (obwohl ich grad erstaunlicherweise feststellen mußte, daß das Lesezeichen seit ich damals abbrach, doch schon auf Seite 50 klemmte, immerhin;-) ). "Äss iist uunlässbarr!";-)) - nein, aber ich bin noch nicht so weit für seine Sprache. Wenn man weiß daß man noch ein "Werdender" ist, gehts leichter;-).

Rüdiger

Re: 17.03.2010: WDR Radio: Hans Wollschläger

#55 Beitrag von Rüdiger » 22. Mär 2010, 15:47

Gegen ein Honorar von, sagen wir, 3000 € schreibe ich Dir eine bearbeitete Fassung für den geneigten Niederrheiner („ ... kann aber alles erklären“; Hanns Dieter Hüsch)

:-)

Aber im Ernst, ich bin einigermaßen überzeugt daß Du nur mit den Formulierungen Schwierigkeiten hast, nicht mit den Inhalten.

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Re: 17.03.2010: WDR Radio: Hans Wollschläger

#56 Beitrag von Helmut » 22. Mär 2010, 15:51

Ich habe in den 70'ern erstmals Wollschläger gelesen und zwar die "bewaffneten Wallfahrten".
Das war für mich einmalig, dass da jemand gegen die damals gängige Geschichtsschreibung (und dann auch noch gegen die Kirche) anging und auch noch faszinierend schreiben konnte.
Er hat mir dann später (zusammen mit Arno Schmidt) die Freude am Karl-May-Lesen wieder gebracht. Ich habe da nämlich gesehen und gelesen, dass es Leute gibt, die sich wahrhaftig und ernsthaft mit May beschäftigten, und nicht nur, wie damals viele andere, nur seichten Unsinn mit May trieben (wie z.B. (Pardon) die sog. May-Filme und May-Freilichtaufführungen).
Als Schriftsteller ist HW eigentlich auch nicht besonders hervorgetreten, er hat ja nur einen Roman ("Herzgewächse oder der Fall Adams") geschrieben.
An seiner "Schreibe" (wie auch an der von Arno Schmidt) finde ich besonders faszinierend, dass beide, die ja u.a. durch ihre vielfältigen Romanübersetzungen gezeigt haben, dass und wie perfekt sie die deutsche Sprache beherrschen, so weit gehen konnten, mit dieser Sprache auch "verändernd spielerisch" umzugehen. Das eine (dieses Umgehen) ohne das andere (das vollkommen Beherrschen der Sprache) geht einfach, meiner Meinung nach, nicht.

Und noch ein Wort zur Freud'schen Psychoanalyse. Ich persönlich halte auch nicht besonders viel von ihr. Allerdings, so denke ich, ist der beschreibende Teil von Freud durchaus richtig und ernst zu nehmen; nur bei den von ihm (Freud) behaupteten Ursachen dafür, habe ich so meine berechtigten (wie ich finde) Zweifel.
So ähnlich beurteile ich auch die entspr. Teile in der May-Biografie von HW.
Das soll heißen, dass ich seine "Interpretationen des May'schen Verhaltens" i.w. teile, aber an solchen Dingen wie die von ihm postulierten Urszene, doch so meine berechtigten Zeifel anmelden würde.

Helmut

Rüdiger

Re: 17.03.2010: WDR Radio: Hans Wollschläger

#57 Beitrag von Rüdiger » 22. Mär 2010, 16:33

"Warum? Weil es so in mir liegt, also weil es meiner seelischen Natur, meinem Charakter, meinem Naturell, meinem Temperament entspricht."

wäre auch eine hübsche Antwort auf die Frage von 'IDDOC' gewesen. Habe ich heute in "Ardistan und Dschinnistan" gelesen.

;-)

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Re: 17.03.2010: WDR Radio: Hans Wollschläger

#58 Beitrag von giesbert » 22. Mär 2010, 18:24

markus hat geschrieben:Wollschlägers May-Biographie "Grundriß eines gebrochenen Lebens" glänzt auch in meinem Regal (obwohl ich grad erstaunlicherweise feststellen mußte, daß das Lesezeichen seit ich damals abbrach, doch schon auf Seite 50 klemmte, immerhin;-) ). "Äss iist uunlässbarr!";-)).
Witzig. Ich bin über Arno Schmidt zu Hans Wollschläger gekommen und habe seine May-Biografie mit großer Begeisterung gelesen - und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem ich sie überhaupt nicht hätte verstehen können: kaum etwas lag mir seinerzeit ferner als Karl May.

markus
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Re: 17.03.2010: WDR Radio: Hans Wollschläger

#59 Beitrag von markus » 22. Mär 2010, 20:20

Rüdiger hat geschrieben:Gegen ein Honorar von, sagen wir, 3000 € schreibe ich Dir eine bearbeitete Fassung für den geneigten Niederrheiner („ ... kann aber alles erklären“; Hanns Dieter Hüsch)

:-)
;-))
...ich bin einigermaßen überzeugt daß Du nur mit den Formulierungen Schwierigkeiten hast, nicht mit den Inhalten.
Si. Wobei, mit ein bischen Mühe, Intuition, Google, Brockhaus und dergleichen könnte das schon klappen, wo ich aber bei letzten beiden so meine Zweifel habe;-).

IDDOC
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Re: 17.03.2010: WDR Radio: Hans Wollschläger

#60 Beitrag von IDDOC » 22. Mär 2010, 22:41

Ich dachte immer eine klare Sprache oder die Gabe einen komplizierten Sachverhalt einfach auszudruecken waere erstrebenswert.Da hat Wollschlaeger grosse Probleme (wie gesagt nur auf der Lektuere seiner Biografie und mancher Jb Artikel beruhend)insofer kann ich Markus verstehen.

Ich verstehe auch helmuts Argument,dass er die Beschreibung bestimmter psychiatrischer Krankheitszustaende durch Freund akzeptieren kann.

Das Problem mit Freud und seinen Anhaengern ist jedoch,dass solche Beschreibungen manchmal auch selbst problematisch sind und zu abstrusen Theorien ueber Ursache und vor allem Therapie fuehrten.

Oder sagen wir mal ich sehe Schwindsucht (TB)bei juengeren Besitzbuerger Frauen in Wien des 18.Jh (bevor den Erkenntnissen der Mikrobiologie) und beschreibe ein Bild der TB, die nur auf diese Patientengruppe zutrifft nicht auf den alten Mann aus dem Obdachlosenasyl.Ich aber gebe das nicht zu sondern verallgemeinere.
Dann entwickle ich die Theorie das man TB mit kalten Wasserguessen behandelt und nicht nur das sondern das man auch in Briefen erkennen koennte ,wer TB gehabt haebe unabhaengig davon ob alt/jung maennlich/weiblich.
Das faellt mir zu HW psychoanalytischen Texten ein.Wobei ich hoffe,dass er im Alter weiser und kritischer wurde. Die Texte auf die ich Bezug nehme erschienen ja schon in den 70er Jahren.

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