Nummer 112 - subjektiv gesehen

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Hermesmeier

Nummer 112 - subjektiv gesehen

#1 Beitrag von Hermesmeier » 31. Mai 2008, 23:06

Hallo zusammen,

wie angedroht eröffne ich zur Meidung des verdorbenen Threads einen neuen. Man mag mir das verzeihen. Vielen Dank jedenfalls für eine anregende Lektüre. Layout und Bildauswahl gefallen mir vielfach sehr gut. Es mag eine unsortierte, subjektiv gewichtete, Auflistung von Kommentaren zum neuen Heft folgen, die nicht den positiven Gesamteindruck widergibt, sondern lediglich meinen Drang reflektiert, zu ganz bestimmten ausgewählten Aspekten noch etwas los werden zu wollen:

(1) Das Cover:
Bei sechsen der letzten zehn Hefte war Winnetou auf dem Cover. Und weil das noch nicht genug war, wurde noch eine Sondernummer mit einem siebten Winnetou eingeschoben. Was mich angeht: Ich kann's nicht mehr sehen und bin extrem gelangweilt. Karl May war soviel mehr als nur Winnetou. Zu den noch weiteren Winnetous in den Heften mag ich gar nichts mehr sagen.

(2) Seiten 18-25:
Ich bejubele die Farbtreue. Das hat diesmal wirklich hingehauen. Insbesondere ist die erwartete "Rot-Katastrophe" ausgeblieben. Vielen Dank, Nicolas.

(3) Rolf ist omnipräsent.

(4) Wenn Hainer Plaul und Gerhard Klußmeier auf Seite 33 beteuern, es seien "kaum erkennbar Deckelbilder auf komplette Bücher reproduziert" worden, so mögen sie damit Recht haben, aber nicht deshalb, weil es wirklich "kaum erkennbar" wäre, sondern weil man mittlerweile einkalkulieren kann, dass niemand mehr richtig hinsieht. Nichts desto trotz ist mir nicht entgangen, dass "Am Rio de la Plata" den Rücken eines Bandes "Satan und Ischariot" hat. Und dass ich dort genau hinsah, hängt mit der alten Erfahrung bei der "Illustrierten Karl May Bibliographie" zusammen, wo "Durch Wüste und Harem" den Rücken von "Durch die Wüste" hat. Das ist ein roter Faden, der mich beunruhigt, und der ja auch in anderen Belangen zum Tragen kommt (etwa wenn quasi als running gag moniert wird, wenn Filmbilder seitenverkehrt reproduziert werden, Gewehrkolben verdreht sind und dergleichen).
Die an sich nicht unbedingt notwendig gewesenen Konzedierungen des ohnehin nicht zu Leugnenden in einem Leserbrief, die man als Flucht nach vorn missverstehen könnte, werfen hingegen die allgemeine Frage auf, wie weit Bildmanipulationen gehen dürfen. Wenn ich Klußmeier/Plaul richtig verstehe, ging es ihnen mit dem Anstückeln von beschnittenen Bildern bzw. Ausbessern schadhafter Originale um den optischen Eindruck. Läuft man damit aber nicht Gefahr, das _Dokument_ zu entwerten? Immerhin hat wie beschrieben ein Buch einen falschen Rücken (es gibt noch mehrere), wurde durch Anstückeln von Papier in falscher Farbe aus einer 'mittleren Ausgabe' des Reichsboten eine 'kleine'. Nun schließt das eine das andere nicht unbedingt aus, denn man hätte ja auch einen korrekten Buchrücken ansetzen bzw. Fehlstellen im Papier in korrekter Farbe hineinmanipulieren können. Aber das erfordert abgesehen von den notwendigen technischen Fähigkeiten extremes Verantwortungsbewusstsein, mindestens dann, wenn man eine an sich verdienstvolle Publikation mit wissenschaftlichem Anspruch herausgeben will und dieses im Untertitel ("Dokumente") hervorhebt, wenn auch in unterschiedlicher Gewichtung auf Einband und Titelblatt. Einen Postvertriebsstempel hinwegzuretouchieren, scheint in meinen Augen jedenfalls nicht mehr vertretbar. Bei Briefen und Ansichtskarten würde auch niemand die Poststempel entfernen. Und auch hier liegt gewissermaßen ein Trauma bei mir vor, denn ein anderer 'May-Bibliograph' hat in seiner Diplomarbeit die Ausfuhrzeichen auf Titelblattkopien hinwegretouchiert, als handele es sich um private Besitzereinträge.
Was nun das in dem Leserbrief zuvor genannte "1883"er-Problem angeht, so besteht es weiterhin. Zwar mag der Erstdruck von "Das schwarze Schloß" 1883 erschienen sein. Aber woher nehmen Klußmeier/Plaul die Sicherheit, dass die Werbeseite aus dem Erstdruck stammt? Es ist doch beim "Waldröschen" hinlänglich bekannt, dass bei ansonsten unverändertem Satz in Stereotypnachdrucken gelegentlich die Werbeseiten ausgetauscht wurden. Die Kernaussage der Bildunterschrift ist die, dass Münchmeyer Karl Mays Pseudonym gebrochen hat, noch während May am "Waldröschen" schrieb. Und dieser Beweis wird nicht erbracht.

(5) So interessant der Beitrag von Peter Siegel über Karl May's Doktor-Titel auch begann. Er schließt mit Schwächen. Die Definition darüber, was ein Buch ist, und was nicht, erscheint doch sehr unsicher (Weber's Moderne Bibliothek). Ganz abgesehen davon gibt es ja deutlich mehr Karl-May-Bücher mit schmückendem akademischen Titel. Zunächst einmal wollen wir an "Von Bagdad nach Stambul" erinnern. In der Mitte des Artikels war Herrn Siegel der Band noch gegenwärtig, und am Schluss hat er ihn dann vergessen "und so ist Karls wohl bekanntestes Werk [Der Schatz im Silbersee], ... zugleich die einzige Ausgabe eines Dr.-Karl-May-Buchs."
Nee, isses nich. In den Niederlanden erschienen zu Mays Lebzeiten ganze Serien eines Dr. Karl May in mindestens drei Verlagen (van Goor / Maatschappij "Nederland" / H. J. W. Becht) als "Dr. Karl [bzw. Karel] May's Reisavonturen".
Auch aus Frankreich ist der Dr.-Titel nachweisbar, nämlich bei den autorisierten (!) Übersetzungen des Orientzyklus aus dem "Hausschatz", und zwar auf Titelblatt und Einband. Interessant ist allerdings, dass der Dr.-Titel hier nur bei den drei Titelvarianten "Giölgeda padishanün" auftaucht, die bisher ausschließlich aus dem Bamberger Archiv bekannt sind und möglicherweise Karl Mays Belegstücke waren, nicht jedoch bei der "normalen" Ausgabe des Verlags Mame et Fils in Tours.
Übrigens: Das Porträtfoto auf Seite 51 hätte ich gern. Nunwarzfotos sind schon selten und teuer, aber noch frühere tauchen ja überhaupt nicht mehr auf. Nur: Ob das Bild wirklich zwischen 1875 und 1877 entstand? Die May-Chronik erwähnt Hanfstaengl nur ein einziges Mal, und zwar 1886. Im alten Klußmeier-Plaul-Bildband wird ein Ausschnitt aus diesem Foto unsicher auf "vermutlich Anfang der neunziger Jahre" datiert. In der neuen Ausgabe ist es nicht mehr vorhanden, stattdessen aber eine zeitgenössische Reproduktion dieses Fotos (Bildnummer 551]. Und dort heißt es, dass die Fotovorlage "sehr wahrscheinlich von Anfang 1886" stamme. Wie also kommt Peter Siegel auf den Zeitraum 1875 bis 1877?

(6) An Barbara Druckers Rezension eines überflüssigen Buches habe ich - im Gegensatz zu Rüdiger - nichts auszusetzen. Ungewöhnlich ist nur, dass man Büchern, die die Welt nicht braucht, soviel Platz einräumt, während durchaus interessantere, spannendere, empfehlenswertere Lektüren auf nur einer halben Seite besprochen werden oder noch weniger. Sind die Autoren in ihrem jeweiligen Fleiß einfach zu disparat oder ist das hier doch dem vermeintlich großen Namen Marie Versini geschuldet?

(7) Zum historischen Foto auf Seite 61 kann ich nichts aufklärendes beitragen, nur die Frage stellen, ob es sich gesichert um Filmvorführungen handelt. Denn auf dem Plakat im Bild ist doch von "3 Akten" die Rede. Könnte das nicht auch eine Theater- oder sonstige Bühnen-Aufführung beschreiben? Der Ort jedenfalls (Vergnügungsetablissemant "Deutsche Reichshalle") lässt doch offen, welcherlei Vergnügungen man dort nachging. Wenn die Nutzung der Räumlichkeit so vielfältig war, wie die allgemeine Titelbeschreibung es ermöglicht, dann wären hier Tanz-Vergnügungen, Varieté, Zirkus, Kleinkunst- und was weiß ich für Darbietungen denkbar (die erste Konnotation bei dem Begriff "Vergnügungsetablissement" erspare ich mir vorsichtshalber).

(8) Dem Interview mit Götz Alsmann verdanke ich den schönsten Satz des Tages. Ich krümme mich immer noch vor Lachen, während ich das hier zittrig niederschreibe: "Und genau davon sprach ich gerade." Herrlich. Meinen herzlichsten Dank an die Redaktion, dass das nicht herausgekürzt wurde.
Brunhilde Schniefenkötter kenne ich nicht, aber Everswinkel habe ich von Ortseingangs- zu -ausgangsschild schon durchrast. Vielen Dank für die Reminszenz an diesen Sekundenaugenblick.

(9) Rolf, bei der Kolumne hast Du Dir die Pointe eigentlich selbst kaputt gemacht. "Nein, ich rede nicht von Karl May. Es ist Pierre Brice ..." so hätte es besser geheißen. Und natürlich hat auch Brice schon sein "Ardistan & Dschinnistan" veröffentlicht. Nur nannte er es "Winnetous Rückkehr", vielleicht genauso ambitioniert wie Mays Werk (sollten da nicht Bäume gerettet werden?), aber eben genauso gescheitert.
Zuletzt geändert von Hermesmeier am 31. Mai 2008, 23:49, insgesamt 2-mal geändert.

n.f.
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Re: Nummer 112 - subjektiv gesehen

#2 Beitrag von n.f. » 31. Mai 2008, 23:33

Herzlichen Dank für dieses ausführliche Feedback zur neuen Ausgabe.
Das Porträtfoto auf Seite 51 hätte ich gern. [...] Nur: Ob das Bild wirklich zwischen 1875 und 1877 entstand? [...] Im alten Klußmeier-Plaul-Bildband wird ein Ausschnitt aus diesem Foto unsicher auf "vermutlich Anfang der neunziger Jahre" datiert. In der neuen Ausgabe ist es nicht mehr vorhanden, stattdessen aber eine zeitgenössische Reproduktion dieses Fotos (Bildnummer 551]. [...] Wie also kommt Peter Siegel auf den Zeitraum 1875 bis 1877?
Diesen Zeilen liegt ein Irrtum zugrunde. Das Bild ist durchaus in "Karl May und seine Zeit" enthalten, mit entsprechender Angabe zur Datierung. Siehe Seite 137 (Bildnummer 297). Und dort heißt es:
Karl May als Redakteur. Das höchstwahrscheinlich früheste von ihm erhalten gebliebene Foto, aufgenommen im Atelier von Carl August Teich [...], und zwar entweder im März 1875 oder in der Zeit zwischen August 1875 und dem laufenden Jahr 1877.

Hermesmeier

Re: Nummer 112 - subjektiv gesehen

#3 Beitrag von Hermesmeier » 31. Mai 2008, 23:44

Vielen Dank für den Hinweis. Dann habe ich das trotz Lupe (ähem) wohl übersehen. Damit hätten wir dann aber doch einen ziemlichen Widerspruch innerhalb des Klussmeier-Plaul-Bandes ent- und aufgedeckt. Das Original-Foto ist auf Seite 137 auf die Siebzigerjahre datiert, ja als das früheste May-Foto wird das angepriesen, und bei der Reproduktion des Fotos auf Seite 225 wird behauptet, die fotographische Vorlage stamme "sehr wahrscheinlich" aus dem Jahr 1886. Das kriege ich so nicht zusammen. Ganz abgesehen davon sieht der May auf Seite 137 genauso alt aus wie der May auf Seite 165, und das Bild soll von Anfang der Neunzigerjahre sein.

Grundfrage also: Wie haben Klussmeier/Plaul Fotografien datiert?

Rolf Dernen
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Re: Nummer 112 - subjektiv gesehen

#4 Beitrag von Rolf Dernen » 1. Jun 2008, 00:22

Hermesmeier hat geschrieben:
(3) Rolf ist omnipräsent.
Ist das nun gut oder schlecht? ;-))))

Es grüßt

Derselbe

Hermesmeier

Re: Nummer 112 - subjektiv gesehen

#5 Beitrag von Hermesmeier » 1. Jun 2008, 00:29

- Du bist fleißig. Das ist gut.
- Wenn das allerdings bedeutet, dass Autoren fehlen, dann wäre das schlecht.

Und zum Hofberichterstatter solltest Du nicht werden.

n.f.
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Re: Nummer 112 - subjektiv gesehen

#6 Beitrag von n.f. » 1. Jun 2008, 00:42

Jetzt beginnt hier aber eine m.E. überflüssige Diskussion. Wolfgang, am besten zählst du gleich noch die Zeichen, für die Rolf im aktuellen Heft verantwortlich ist. Bitte mit Leerzeichen.

Noch was anderes:
Bei sechsen der letzten zehn Hefte war Winnetou auf dem Cover.
Hast du die vorhergehenden Hefte nicht in deine kleine Statistik eingeschlossen, weil es da zu wenig Winnetous auf den Titelseiten gab und dir das nicht ins Bild passte? Nimm doch also bitte noch die sieben vorangegangenen Ausgaben hinzu, dann sind es sieben Winnetous und 17 Hefte (wobei Winnetou nicht bei allen dieser sieben Titel im Mittelpunkt stand), und schon sieht die Statistik etwas anders aus.

Hermesmeier

Re: Nummer 112 - subjektiv gesehen

#7 Beitrag von Hermesmeier » 1. Jun 2008, 00:55

Warum ich nicht noch 50 Hefte früher in die Statistik aufgenommen habe? Weil es mir um die aktuelle Entwicklung geht. Außerdem ist 10 eine runde Zahl. Weitere Anmerkungen privat. Offenbar wird's Dir hier zu heiß. Da will ich nicht noch Öl ins Feuer gießen.

Gerhard Klußmeier
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Re: Nummer 112 - subjektiv gesehen

#8 Beitrag von Gerhard Klußmeier » 1. Jun 2008, 18:28

Zu (4) Jetzt wird es langsam persönlich und unappetitlich, man sollte mit dem erwähnten „Trauma“ nicht alles pauschal als sträflich manipuliert bezeichnen und unter Generalverdacht stellen. So haben – ganz nebenbei – weder Hainer Plaul noch ich irgendetwas mit der „Fälschung“(Wüste) in Plauls Bibliographie zu tun (was aber unterstellt wird), sondern der Verlag (Edition Leipzig) allein. Um mit der gleichen Wortwahl zu reagieren: „Woher nimmt der Leserbriefautor die Gewissheit,“ dass Postvertriebs-Stempel in allen Drucken vorhanden waren, somit also daraus zu folgern ist, dass die gesamte Auflage nur mit Stempel per Post-Zustellung verkauft wurde? Als ehemaliger Vertriebsfachmann in einem großen Presseunternehmen, kenne ich die Gegebenheiten, weiß was dort geschieht und somit auch wovon ich rede. Als Büchersammler, der die Variantenmanie schon lange aufgegeben hat, ist mir ebenso bekannt, dass Papier-Farbabweichungen bei uralten Drucken nur selten Bedeutung haben. Zum einen fordert die Zeit ihren Tribut, und Werbezettel sowie Umschläge von Kolportage-Heften und Kalendern wurden vielfach aus Kostengründen auf völlig unterschiedlichem Abfall- und Restpapier gedruckt, was sich an den Vorlagen für die abgebildete untere Werbeseite (Seite 200 der Biografie) belegen lässt, die demnach von uns auch gewaltig „gefälscht“ und „manipuliert" wurde – nicht nur an der unteren rechten Ecke: Wir hatten die Auswahl von Drucken auf tiefdunkelrotem, blass-blauem, hellgrünem und braunem Papier – alles aus einem einzigen zeitgenössischem Buch mit eingebundenen Lieferungsheften – die braune Vorlage war letztlich am besten geeignet, musste aber soweit aufgehellt werden, dass die Schrift einigermaßen lesbar wurde – was bei den anderen Originalen absolut unmöglich war – manipuliert und gefälscht also auch das… Es klingt dann immer großartig und bedeutsam, wenn tiefschürfende „Erkenntnisse“und Abhandlungen über vorgebliche Auflagenvarianten aus im Grunde Nichts, wie z. B. aus verblichener Farbe oder wie bei den genannten Vorlagen, von völlig voneinander abweichenden Papierfarben oder auch -sorten entstehen. Und dazu sei die Gegenfrage erlaubt: Woher kommt die Sicherheit, anzuzweifeln, die Abbildung der Werbeanzeige stamme nicht aus der Erstausgabe (wo steht dieses Wort überhaupt?), um somit schlicht und einfach zu suggerieren, von dem „Schwarzen Schloß“ gäbe es mehrere Auflagen? Zu dem: Wie hätten wir einen korrekten Buchrücken ansetzen können, wenn uns kein korrektes Buch zur Verfügung stand, das wir dann ja wohl auch komplett und somit korrekt hätten abbilden können? – man kann Unterstellungen und „Schlechtmachen“ auch so weit übertreiben, dass sich sogar logisch erscheinende Sätze ad absurdum führen. Klar: "Flucht nach vorn" – das wiederum stimmt: Vorausgegangene E-Mail-Attacken ließen auch externe Kritiken erwarten – das ist ja jetzt auch passiert. Nun ja, wenn’s Spaß macht, nur weiter so…

Hermesmeier

Re: Nummer 112 - subjektiv gesehen

#9 Beitrag von Hermesmeier » 1. Jun 2008, 19:45

Lieber Herr Klußmeier,

was die "E-Mail-Attacken" angeht: Von mir gab es keine. Und den Schritt in die Öffentlichkeit machten Sie mit Ihrem Leserbrief. Darauf wird man ja noch reagieren dürfen. Also bitte nicht Ursache und Wirkung verwechseln.

Was das "schwarze Schloß" angeht, empfehle ich einfach Ihre sehr richtigen Ausführungen im Nachwort zum "Waldröschen"-Reprint der Edition Leipzig nachzulesen. Hier führen Sie selbst aus, dass und warum Datierungen von Kolportageheften nahezu aussichtslos sind. Nicht nur, dass die Überschrift des entsprechenden Kapitels "I. Keine Erstausgabe vom 'Waldröschen'" Ihre diesbezügliche Ansicht überdeutlich macht, Sie führen das dann auch noch überzeugend aus. Die von Ihnen selbst ausgeführten Grundsätze gelten natürlich nicht nur für das "Waldröschen", sondern für jeden anderen Roman gleichermaßen, der unter denselben Produktionsbedingungen entstand.
Ihren Wunsch nach einer Beweis-Umkehr kann ich nicht nachvollziehen. Im Grunde genommen ist es mir herzlich egal, ob Ihnen vom "schwarzen Schloß" ein Erstdruck vorlag oder nicht. Sie beide haben die These aufgestellt, dass Münchmeyer Karl Mays Pseudonym brach, noch während er am "Waldröschen" schrieb. Und Sie nennen hierfür einen Beleg, der keiner ist. Das wissen Sie selbst. Ich kann Ihre These nicht widerlegen, und Sie können Sie sie nicht beweisen. Wir sind uns einig: Nichts ist bewiesen, und dennoch erweckt die Unterschrift im Bildband einen anderen Eindruck.

Noch etwas hierzu:
„Woher nimmt der Leserbriefautor die Gewissheit,“ dass Postvertriebs-Stempel in allen Drucken vorhanden waren, somit also daraus zu folgern ist, dass die gesamte Auflage nur mit Stempel per Post-Zustellung verkauft wurde?
Unterstellen Sie mir nicht eine unsinnige Aussage, die ich nicht gemacht habe. Auch Briefe und Postkarten haben nicht alle dieselben Briefmarken und Poststempel oder überhaupt irgendwelche Versandvermerke. Die sind natürlich und gottseidank alle individuell. Dennoch würde sie niemand hinwegretouchieren. Wir haben offenbar ein gänzlich unterschiedliches Verständnis von dem Begriff "Dokument".

Das muss nichts Schlimmes sein. Warum Sie sich durch eine rein sachliche Diskussion "persönlich" angegriffen fühlen, verstehe ich nicht. Als Autor - und das sagen ich Ihnen aus eigener Erfahrung - setzt man sich öffentlicher Beurteilung aus. Damit muss man leben können, soweit es sachlich ist. Andere Ansichten sollten Sie nicht als Beleidigung missverstehen.

Wozu Sie jetzt nichts schrieben: Wie lassen sich die Bildunterschriften zu den Bildern [297] und [551] miteinander in Einklang bringen, die sich mir als Widersprüch darstellen. Oder noch exakter: Worauf basiert die Datierung von Bild [297] in die Siebzigerjahre? Die Adresse des Fotoateliers kann es nicht sein, denn die war laut Chronik ja noch 1886 gültig. Ist das Bild auf der Rückseite beschriftet oder gibt es andere Anhaltspunkte?

Nichts für ungut
Wolfgang Hermesmeier

Gerhard Klußmeier
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Re: Nummer 112 - subjektiv gesehen

#10 Beitrag von Gerhard Klußmeier » 1. Jun 2008, 20:28

Internet-Diskussionen, ob in Foren oder per E-Mail, arten immer aus, weshalb ich auch möglichst davon Abstand nehme, doch bei Angriff wird man Stellung nehmen müssen. Wir haben absichtlich keine Namen bzgl. der "E-Mail-Attacken" (die, Sie wissen es, nicht von Ihnen!, unter die Gürtellinie gingen) genannt, nun ist es aber öffentlich. Nun denn, müssen wir uns auch öffentlich gegenseitig die Blößen geben – was für ein Quatsch, anstatt gemeinsam echte Fehler zu korrigierren, beharkt man sich mit Vorwürfen ("Fälschungen, Manipulationen"), doch das ist wohl ein unausrottbares Phänomen bei Karl May, dem anderen eins "überzubraten". Zu "Nachauflagen der Kolportage-Romane":Das WR hat nachweislich Nachauflagen erlebt – bei anderen ist es komplett reine Spekulation und zu behaupten, es könnte eine gegeben haben beim "Schloss", ist absolut kein Gegenbeweis – was soll so etwas denn überhaupt? Das ist pure Haarspalterei und führt rein zu gar nichts.
Nun steht da allerdings: "Wozu Sie jetzt nichts schrieben: Wie lassen sich die Bildunterschriften zu den Bildern [297] und [551] miteinander in Einklang bringen, die sich mir als Widersprüch darstellen. Oder noch exakter: Worauf basiert die Datierung von Bild [297] in die Siebzigerjahre?" Erste Antwort (es wird noch geklärt): Wieso hätte ich dazu "jetzt" etwas schreiben sollen? Das ist ein bis jetzt mir unbekannter Fehler, ganz klar, danke für den Hinweis darauf, doch kein Dank für den unterschwelligen und absolut überflüssigen Vorwurf. Was soll so etwas eigentlich? Für mich: absolut Ende dieser Diskussion hier, Ihnen Herr Hermesmeier sende ich noch den ersten Satz, den ich bei der Abfassung meiner Entgegnung für dieses Forum fortgelassen habe.

ReinhardB
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Re: Nummer 112 - subjektiv gesehen

#11 Beitrag von ReinhardB » 1. Jun 2008, 22:08

Hermesmeier hat geschrieben: (1) Das Cover: Bei sechsen der letzten zehn Hefte war Winnetou auf dem Cover. Und weil das noch nicht genug war, wurde noch eine Sondernummer mit einem siebten Winnetou eingeschoben. Was mich angeht: Ich kann's nicht mehr sehen und bin extrem gelangweilt. Karl May war soviel mehr als nur Winnetou. Zu den noch weiteren Winnetous in den Heften mag ich gar nichts mehr sagen.
Es sind übrigens 79 Winnetou´s in der Ausgabe 112 "versteckt". Ein Ergebnis, das man noch als vertretbar ansehen kann und doch gleichermassen erstaunt. Oder habe ich mich etwa verzählt? ;-)

Hermesmeier

Re: Nummer 112 - subjektiv gesehen

#12 Beitrag von Hermesmeier » 4. Jun 2008, 01:27

LIeber Herr Klußmeier,

Sie schrieben:
Zu "Nachauflagen der Kolportage-Romane":Das WR hat nachweislich Nachauflagen erlebt – bei anderen ist es komplett reine Spekulation und zu behaupten, es könnte eine gegeben haben beim "Schloss", ist absolut kein Gegenbeweis – was soll so etwas denn überhaupt?
Sine ira et studio:
- Kosch/Nagl verzeichnen zwei im Umfang unterschiedliche Ausgaben. Ein Neusatz mit anderem Umfang ist nicht gerade ein Indiz für derartige Erfolglosigkeit, dass man nach dem Erstdruck einstellte.
- Walter Ilmer beschreibt im Sonderheft 31 der KMG eine dreibändige Ausgabe mit auffallend unterschiedlichen Titelseiten: (a+b) "Das schwarze Schloß. Die Giftmischerin. Roman aus dem Russischen von C. Reimann. Erster [und] Zweiter Band." (c) "Das schwarze Schloß. Erzählung aus Polnisch-Rußland . E. Reimann", was nach meiner bescheidenen Ansicht zumindest als Indiz für eine Mischauflage angesehen werden kann.
- Die Stefan Schmatz und mir vorliegende amerikanische Ausgabe des "Waldröschen" mit dem Titel "Mariano" (1886), die mehr Hefte umfasste als die deutsche und daher eigentlich auch mehr Bilder brauchte, enthält als Auffüllbild eine Tafel aus "Das schwarze Schloß".

Wir dürfen also davon ausgehen, dass der Roman über 1883 hinaus weitergedruckt wurde.

Mit den besten Empfehlungen
Wolfgang Hermesmeier

gilbert5
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Re: Nummer 112 - subjektiv gesehen

#13 Beitrag von gilbert5 » 4. Jun 2008, 13:45

Gerhard Klußmeier schrieb:
Zu "Nachauflagen der Kolportage-Romane":Das WR hat nachweislich Nachauflagen erlebt – bei anderen ist es komplett reine Spekulation
Ein weiteres Beispiel dafür, dass nicht nur Karl-May-Werke bei Münchmeyer mehr als eine Auflage erlebten, ist z. B. der Roman "Die Waldmühle an der Tschernaja" von Gustav Berthold, der nach der Kolportageroman-Bibliografie von Kosch/Nagl in einer Ausgabe mit 80 Lieferungen (ca. 1881/1882) sowie einer erweiterten Neuausgabe mit 102 Lieferungen (ca. 1885) erschien. (Beide Ausgaben sind lt. Angaben in der Bibliografie durch Belegstücke in der Sammlung Kosch nachgewiesen.)

Ich selbst konnte von dem Werk 2 verschiedene Exemplare einsehen. Beispielsweise findet sich auf S. 1104 einmal eine Anzeige für Bilder und Bilderrahmen von Münchmeyer, bei der anderen Ausgabe ist auf der gleichen Seite eine Werbung für das Werk "Familien-Tempel" abgedruckt (dies ist vielleicht auch daher interessant, da laut Russels Gesamt-Verlags-Katalog der "Familien-Tempel" erst 1893 erschienen war, also deutlich nach den bei Kosch/Nagel angegebenen Erscheinungsdaten der Erstausgaben).

Interessant wäre m. E. mal ein systematischer Vergleich von noch vorhandenen Münchmeyer-Ausgaben gleicher Titel. Es würde mich gar nicht wundern, wenn zahlreiche weitere Werke in mehreren Auflagen belegt werden könnten.
Zuletzt geändert von gilbert5 am 18. Dez 2008, 19:01, insgesamt 1-mal geändert.

Gerhard Klußmeier
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Re: Nummer 112 - subjektiv gesehen

#14 Beitrag von Gerhard Klußmeier » 4. Jun 2008, 19:19

Um die Diskussion um das geheimnisvolle Schloss zu beenden: Die in „Karl May und seine Zeit“ auf Seite 200 abgebildete Anzeige stammt nachweislich – obwohl wir es nicht explizit als „Erstausgabe“ bezeichnet haben – aus der 61. Lieferung des Kolportageromans „Das schwarze Schloß oder die Giftmischerin. Roman aus dem Russischen von C. Reimann.“, der Vertrieb dieses Romans wurde behördlicherseits zuletzt im November 1884 festgestellt. Erstmals ab Juli 1885 wird behördlicherseits der Vertrieb des Romans „Um Geld und Ehre oder das schwarze Schloß. Roman aus dem Russischen von C. Reimann“ – offensichtlich eine Titelauflage – notiert. Somit erübrigen sich sämtliche in dem Zusammenhang erhobenen Anzweiflungen. Um die Frage nach der falschen Angabe zum Bild Nr. 551, Seite 225, zu beantworten: Die Angabe zum Bild 297, Seite 137 ist korrekt – und durch eine Primärquelle belegt, die Bildunterschrift Nr. 551 wird bei einer eventuellen Neuauflage berichtigt. Bei Gelegenheit werden die Autoren über notwendige Anmerkungen und Korrekturen berichten – doch nicht im Internet.

GP
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Re: Nummer 112 - subjektiv gesehen

#15 Beitrag von GP » 7. Jun 2008, 11:56

Hermesmeier hat geschrieben:
(8) Dem Interview mit Götz Alsmann verdanke ich den schönsten Satz des Tages. Meinen herzlichsten Dank an die Redaktion, dass das nicht herausgekürzt wurde.
Im Gegenteil der Satz wurde nach Rücksprache mit Herrn Alsmann noch nachträglich eingefügt. Gern geschehen. ;-)

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