Strafen im Wilden Westen-aus den Augen eines Kindes

Antworten
Nachricht
Autor
laowai
Beiträge: 11
Registriert: 6. Sep 2021, 12:22

Strafen im Wilden Westen-aus den Augen eines Kindes

#1 Beitrag von laowai »

Als Kind der 1980er bin ich vermutlich der letzte Jahrgang, der mit Karl May aufgewachsen ist. Damit meine ich die grünen Bücher aus Bamberg mit dem Golddruck. Ich weiss noch wie sie Mitte der 1980er alle im Drehregal meiner Liwblingsbuchhandlung standen und offenbar auch gekauft wurden. Die Buchhandlung gibt es noch, es ist auch immer noch keine Thalia Filiale, aber fragt mal nach Karl May heute...unbekannt.

Ich habe bis auf ganz wenige Ausnahmen alle gelesen und ich erinnere mich an viele Details. Eine Sache möchte ich gerne mal unter Kennern loswerden, das hat mich damals sehr beschäftigt.

Ich war also so um die 10 Jahre und natürlich ein Western Fan. Und ich spielte gern den Sherrif (Sherrifsterne gibt es auch nicht mehr viele an Kindern zu sehen), und der Tat was?...er sperrte die gefangenen Bankräuber oder Viehdiebe ins Gefängnis. Galgen gab es, fand ich aber zu brutal.

Und mit diesem kindlichen "Gerechtigkeitsempfinden" bin ich an die Wildwestbücher von May ran. Ich war der Meinung, er dürfe die Santers und Meltons doch nicht alle sterben lassen. Und May führte mich jedesmal geschickt in die Irre.

In "Der Derwisch" zeigte es sich wie kaum sonst, was ich erwartet hatte. Im letzten Fünftel das im Wilden Westen spielte. Das Kleeblatt votiert dafür, die Bande des "Blutigen Jack" zu töten. Aber der gerade aktuell auftretende Bruder der Adlerhorst Familie möchte die Bande "der Gerechtigkeit" übergeben, oder wie May immer schrieb "den Behörden". Es kommen Soldaten aus Van Buren, der Überfall wird vereitelt, die Bande lebendig gefangengenommen, das Kleeblatt schäumt, ich war begeistert. Enttäuschung im nächsten Band: sie sind alle wieder frei, nächster Durchgang, schließlich enden sie als Sklaven von Indianern. Verstanden hab ich das nicht wirklich.

Aber dann: ...Im Tal des Todes. Der Quecksilberteufel Roulin und seine Bande...Leflor, Walker, sie werden alle lebendig gefangen und von Old Firwhand nach San Francisco überstellt. Mochte der Derwisch Florin (hier nannte er sich Bill Newton) auch entkommen, man brauchte ihn ja für den dritten Band, die Hauptschurken des Bandes enden im Untersuchungsgefängnis in San Francisco. Mein kindliches Gemüt jubilierte. Zu früh gefreut...in Zobeljäger und Kosak kommt es zu einer Gefängnisrevolte, alle Protagonisten aus "Tal des Todes" kommen ums Leben (ausser Fräulein Miranda), ich konnte es kaum fassen...nur der Tante Droll Mörder Walker hatte es meinem Gefühl nach verdient.

Richtig versöhnt hat mich dann aber der Schatz im Silbersee. Da hat es tatsächlich mal geklappt. 300 Tramps werden im Mittelteil des Buches durch eine List Old Firehands lebendig in dem Tunnel gefangengenommen und von Soldaten ins Fort eskortiert...der rote Cornel (Colonel) fehlte zwar, aber den brauchte man ja noch. Hier war ich der festen und glücklichen Überzeugung, alle 300 Tramps klopfen die nächsten Jahre nur Steine (was wirklich mit ihnen passierte blieb tatsächlich offen).

Und selbst Old Shatterhand hatte mit seiner Nemesis ähnliches vor...am Ende von Winnetou 3 droht er dem kurzfristig gefangengenommenen Santer an, ihn im "nächsten Fort dem Richter zu übergeben"...natürlich klappte das nicht, aber immerhin, er hatte es vor.

Im Ölprinz suchte dann das Kleeblatt wieder die Hilfe der "Behörden", auch hier wieder des Militärs, um der Bande von Butler zu begegnen. Ich erinnere mich dunkel, das Militär wollte nicht wirklich, Butler entleibte sich am Ende ja dann auch selbst. Besser als am Marterpfahl zu enden.

Das alles steht übrigens im krassen Gegensatz zu der May Phantasie eines "Savannengerichts"...da vertrat er nur radikale Ansichten.

Ein "Sherriff" wie ich ihn gerne spielte und aus unzähligen Westfilmen kannte gab es meiner Erinnerung nach nur zweimal bei May...In Winnetou 2 und in Weihnacht.

Ich freue mich auf den Austausch.

laowai
Beiträge: 11
Registriert: 6. Sep 2021, 12:22

Re: Strafen im Wilden Westen-aus den Augen eines Kindes

#2 Beitrag von laowai »

Möchte mir denn keiner antworten?
Ist karl may wirklich so tot?

Nat Bumppo
Beiträge: 16
Registriert: 27. Jan 2011, 10:05

Re: Strafen im Wilden Westen-aus den Augen eines Kindes

#3 Beitrag von Nat Bumppo »

Nun, Karl May lässt seine Helden oft von „höherer” Gerechtigkeit reden, das heißt das letzte Urteil über die Straftaten überlässt er Gott. Bei den Schurken, die den Behörden übergeben werden (und von diesen auch verurteilt werden) handelt es sich überwiegend um unbedeutende Bandenmitglieder, wie etwa die Finders im „Ölprinz” oder die vielen namenlosen Anhänger des Schuts im „Orient-Zyklus”.
Nur ganz selten sterben die Hauptschurken tatsächlich durch die Hand Kara Ben Nemsis, Old Shatterhands oder Winnetous. Zumeist fallen sie einer höheren Gewalt zum Opfer, geradezu archetypisch für die Romane Karl Mays wurde der Sturz vom Felsen.
Im „Orient-Zyklus” sind es mit Abrahim Mamur, Manach el Barscha, Barud el Amasat und dem Schut selbst gleich vier Hauptverbrecher, die auf diese Weise ihr Ende finden. In anderen Romanen sind es etwa Hassan el Kebir in „Sand des Verderbens”, der Kiang-Lu in „Am Stillen Ozean”, der Sendador in „In den Kordilleren”, der ‚Schwere Mokassin‘ in „Der Sohn des Bärenjägers” und Tokvi Kava in „Der Schwarze Mustang” (zumindest in der bearbeiteten Fassung). Und dies sind nur die Beispiele aus den Reiseerzählungen und den Erzählungen für die Jugend. Weitere Beispiele finden sich in den Erzgebirgischen Dorfgeschichten und in den Kolportage-Romanen.
Auch Variationen zum klassischen Sturz vom Felsen ließ sich Karl May einfallen: Etwa bei Santer und bei Dan Etters/General Douglas. Ebenfalls mehrfach als strafende Gewalt gab es das gebrochene Genick nach einem Sturz vom Pferd.
Leibhaftig auftretende staatliche Gewalt ist in seinen Romanen dagegen recht selten. Im Wilden Westen sind die klassischen Vertreter wie Sheriffs, Marshals oder die Armee tatsächlich eine rare Ausnahme und im Orient werden diese zumeist als korrupt, faul oder einfach als unfähig geschildert. Aufgrund von Mays eigener Biographie ist sein Ruf nach der Obrigkeit, den „Behörden”, wohl auch eher visionär zu sehen.

laowai
Beiträge: 11
Registriert: 6. Sep 2021, 12:22

Re: Strafen im Wilden Westen-aus den Augen eines Kindes

#4 Beitrag von laowai »

Ich habe leider immer einen Bogen um die Heimatgeschichten gemacht...aber fragmentarisch ist mir in Erinnerung geblieben, dass in dem mehrbändigen Werk um "Der Fremde aus Indien" herum die Pascher, und vor allem ihr Anführer "Hauptmann/Waldkönig" doch alle vor Gericht gestellt wurden?

Antworten